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95.

Dienstag, den 28. April

Jfulbarr Hi Jritung.

1885.

Die .FuldaerZZ-itung- erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnem^tspreis ohne Bnn^ - 1 Mk. 50 Pfg-, - mit der

sollte auch die preußische^Regierung bei ihrer Be­handlung der polnischen Frage nimmerZvergessen. Wie haltlos und unbegründet die Polonophobie des Reichskanzlers und der preußischen Regierung ist, haben die Redner des Centrums und der Polen wieder genügend dargelhan.

Ein lichter Punkt in den Verhandlungen über die Windthorstffchen Anträge war das schneidige, kraftvolle Auftreten des Freiherrn v. Schorlemer- Alst, der dem Kulturkämpfe und seinen offenen und stillen Beschützern in einer Weise zu Leibe ging, daß es den konservativen und national- liberalen Blättern, welche vor wenigen Tagen seine ehrliche, offene, ritterliche Gesinnung, seine Ueberzeugungstreue, seine Mäßigung und Ver­ständigkeit und seine konservative, staatserhaltende Gesinnung priesen, gewiß nicht leicht werden wird, ihr Urtheil über die Schorlemer'schen Reden mit den Lobsprüchen auf den vermeintlich dem par­lamentarischen Leben Entsagungen in Einklang zu bringen. Die Einigkeit und der feste Zusammen­hang der Centrumspartei hat am Mittwoch gerade durch das schneidige Auftreten Schorlemer's gegen die konservative Schwächlichkeit und Erbärmlichkeit einen neuen schönen Triumph gefeiert. Mögen die Herren sich damit zurechtftnden!

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werde

vor

anzuqehören? _ ,

Ich bin am Ende meiner Geduld und meines Muthes. Habe Mitleid mit mir. Willige darein, mit mir zu entstiehen. Der Zustand, in den Du mich seit mehreren Monaten versetzt hast, ist uner-

O»Z«r kirchenpolitischen Lage in Preußen.

(Schluß.)

Der Standpunkt der Regierung gegenüber den lauten Beschwerden der 9 Millionen preußischer Katholiken und ihren gesetzlichen Vertretern war auch gleichzeitig der Standpunkt der konservativen Partei und ihrer Sprecher, der Abgg. von Rauch­haupt und von Hammerstein. „Wir wollen nicht, weil und so lange die Regierung nicht will", so lautete, der verbrämenden Phrasen entkleidet, zu beiden Anträgen die konservative Erklärung. Die Mehrzahl der Konservativen hat nicht mehr den Muth einer eigenen Meinung, und ihre Stellung zu den Kulturkampfsgesetzen scheint sich auch in neuester Zeit verschlimmert zu haben. Vor 2 Jahren, am 25. April 1883, glaubten die Kon- servativen zwar auch den Antrag betr. die Straf­freiheit des Meffelesens und Sakramentespendens nicht ohne Weiteres annehmen zu können, jedoch brachten sie einen eigenen Antrag ein, den Antrag Althaus und Genoffen, welcher die Erwartung aussprach, die Regierung wolle, „sobald es die Verhandlungen mit der Kurie angezeigt erscheinen laffen, dem Landtage einen Gesetzentwurf vorlegen, welcher eine organische Revision der bestehenden kirchenpolitischen Gesetzgebung enthält", und ferner auch in Erwägung ziehen, ob nicht in Ueberein- stimmung mit dem Grundgedanken dieser orga­nischen Revision vorweg Vorsorge zu treffen sei, daß diejenigen Bestimmungen beseitigt werden, in Folge deren Geistliche wegen Spendens der Sakra­mente und Meffelesens zur Strafe gezogen werden." Dieser konservative Antrag ist vor zwei Jahren mit 209 gegen 154 Stimmen angenommen worden. Die Regierung ist weder der ersten noch der zweiten „Erwartung" nachgekommen, und den­noch findet sich kein Konservativer, der sie an jenen von seiner Partei angeregten Beschluß des Hauses erinnert, im Gegentheil erklärt der Abg. v Hammerstein namens der konservativen Partei, sie könne zu einer „Untergrabung der Maigesetze" nicht die Hand bieten, die Revision derselben könne nicht eintreten, so lange das Centrum aus seinem Standpunkt beharre, und endlich müßten auch bei einer Revision der Maigesetze die Grund- lagen derselben erhalten bleiben.

Von solchen Klauseln war in dem citirten An-

Q) Maske gegen Maske

Roman von A. Werner.

trag Althaus keine Rede; das Centrum hat seit 1883 seinen kirchenpolitischen Standpunkt nicht geändert, man muß vielmehr annehmen, daß die Konservativen eine Schwenkung nach der kultur­kämpferischen Seite hin vollzogen haben oder voll­ziehen wollen, soweit die Regierung dies wünscht. Unter solchen Umständen ist es mit Freuden zu begrüßen, daß der Abg. Windthorst bereits mit Unterstützung des Centrums den Antrag einge­bracht hat, die Erwartung auszusprechen, daß die Regierung in Ausführung der vom Abgeordneten­hause am 25. April 1883 gefaßten Resolution dem Landtage nunmehr baldigst eine organische Revision der kirchenpolitischen Gesetze vorlege.

Bei der Verhandlung dieses Antrages wird sich voraussichtlich die Situation noch mehr klären; wenn die Konservativen nicht allen politischen Kredit verlieren wollen, dann werden sie Farbe bekennen und entweder ihren eigenen Antrag vom 25. April 1883 unter Angabe der Gründe offen verleugnen, oder aber erklären müssen, ob und inwieweit sie auch heute noch der versöhnlichen Tendenz des Antrags Althaus huldigen.

Das Volk will und soll vor den Wahlen volle Klarheit über die kirchenpolitische Lage haben, und dies umsomehr, weil man sich in gewissen Kreisen alle erdenkliche Mühe gibt, die Lage unklar und verschwommen zu erhalten. Windthorst sagte nicht mit Unrecht: „Meine Hoffnungen sind nicht groß: ich signalisire es Jedermann, der ein Interesse daran hat, daß man nichts Ernstliches thun will und wird." Wollte die Regierung im Ernste eine organische Revision der Maigesetze, so hätte sie dafür längst die Majorität haben können; daß sie dieselbe zur Zeit nicht will, hat der Kultus­minister deutlich genug gesagt mit den Worten: „Der Reichskanzler hat gegenwärtig nicht die Hoff­nung, mit diesem oder einem anderen Landtage eine gesetzgeberische Reform durchzuführen." In den Verhandlungen mit Rom soll jetzt die pol­nische Frage die Hauptschwierigkeit sein, die Re- gierung will in Posen-Gnesen keinen Bischof pol­nischer Nationalität, sie fürchtet sich vor dem Titel „Primas von Polen", sie wittert bei den Polen in den unschuldigsten Dingen Verrath und bedenkt nicht, daß sie durch ihre fast lächerliche Polen­angst eine Gefahr herauf beschwören könnte, die vorhin gar nicht vorhanden war. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, diesen Spruch

Und der Präsident begann zu lesen: „Meine theure Mary!

Ich liebe Dich von ganzer Seele. Ich es Dir beweisen, und ich schwöre Dir, daß ich Dich ewig lieben werde. Weßhalb folterst Du mein Herz täglich, ja stündlich? Weßhalb weigerst Du Dich, mit mir zu entfliehen? Wozu die ewigen monotonen Wiederholungen, daß Du nicht frei seiest, daß Du Pflichten zu erfüllen hättest. Was sind Pflichten, wenn man liebt? Auch ich habe Pflichten, und ich vergesse sie um Deinet­willen Glaubst Du, daß mein Vater es billigen würde, wenn er wüßte, daß ich entschlossen bin, Dir mein Leben zu weihen?

Ist denn dieser Mann, welcher Dein Leben freudlos gestaltet, dieser Mann, den Du sülchtest und den ich hasse, es werth, das Du zögerst, mir

widern?" , „

„Dieser Brief ist allerdings von mir," ant­wortete Ferrand Lebrun, „aber ich habe ihn vor mehreren Jahren geschrieben."

„An wen?" fragte der Präsident. „

„An eine Dame, welche ich einst liebte.

„Nennen Sie sie."

„Das kann ich nicht."

„Aus welcher Ursache nicht?" „

„Weil ich sie dadurch kompromittiren wurde.

Auf diese Antwort vernahm man aus dem Zuschauerraume Ausrufe des Erstaunens, das auf den meisten Gesichtern durch ein ungläubiges

träglich. Setze meinen Leiden ein Ziel: ich flehe i Dich im Namen unserer Liebe darum an.

Wenn Du meine Bitten nicht erhörst, Mary, wenn Du Dich ferner weigern solltest, Dich der Tyrannei dieses Elenden zu entziehen, dann treibst Du mich dazu, ein Verbrechen zu begeben. Deine Antwort, auf die ich mit ängstlicher Spannung harre, wird mein Schicksal entscheiden.

„Eher hundertmal sterben, als Dir entsagen." „Dieser Bries ist unterzeichnet: Ferrand," er­läuterte der Präsident, nachdem er ihn langsam und mit besonderer Betonung verlesen hatte. „Angeklagter, was haben Sie hierauf zu er»

Deutsches Reich.

Berlin, 27. April.

* Wie man der ,®erm.' aus Rom mittheilt, haben im Vatikan die Erklärungen des Kultus­ministers bei der kirchenpolitischen Debatte im preußischen Abgeordnetenhause einen schlechten Ein­druck gemacht. Weiter erfäyrt das genannte Blatt, daß Erzbischof Melchers auf Wunsch des h. Va­ters nach Rom kommen wird, wo er von Sr. Heiligkeit auf einen hohen Posten berufen werden und im kommenden Konsistorium den Purpur er­halten wird. Als Kandidat des hl. Stuhles für Posen-Gnesen gilt Graf Poninsky; die preußische Regierung weigerte sich bisher, den Wunsch des Papstes zu erfüllen, und ziehen sich deshalb die Verhandlungen in die Länge.

* Bekanntlich hat Fürst Bismarck an seinem Ehrentage selbst erklärt, bezüglich der Verwendung des Ueberschusses der Bismarckspende habe er den allerdings noch nicht definitiven Plan, die 1,200,000 M. als Stiflungsfonds für Universitäts-

Lächeln verstärkt wurde. Der Gerichtsdiener er­hielt den Auftrag, dem Publikum Schweigen zu gebieten, und als die nöthige Stille wieder einge­treten mar, begann der Piäsident den Angeklagten mit erregter, scharfer Stimme anzureden:

„Sie wiegen sich, scheint mir, in der Hoffnung, die Jury werde Ihre Erklärung über den Bries, welchen ich so eben verlesen habe, für genügend ansehen. Dieser Bries bezieht sich buchstäblich auf den Doppelmord in der Straße l'Alouette; er kündigt ihn an, ja, ich möchte fagen, er beschreibt ihn. Mary ist die Unglückselige, die Sie er­mordet haben. Der Mann ist Collin, den Sie ebenfalls getödtet haben, weil Sie in ihm einen Nebenbuhler haßten und weil Sie ihn bei Ihrer Geliebten überraschten. Mary war im Begriff, ihre Flucht in's Werk zu setzen. Ihre Koffer waren gepackt, ihre Kammerzofe war bereits ab- gereist. Aber sie hatte sich entschlossen, nach Eng­land zurückzukehren, um sich Ihrer Zudringlichkeit zu entziehen. Sie hatte ihre Befürchtungen ihrem Beschützer anvertraut, ihm ihre bevorstehende Reise mitgetheilt, und er war erschienen, um den letzten Abend in Mary's Gesellschaft zu verleben. Man hat in seiner Tasche ein Billet gefunden, worin sie ihm schreibt, daß sie ihn um zehn Uhr er»