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Dienstag, den 21. April 1885.

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Die Katholiken in England.

In einem Artikel „Die Religionen in Groß­britannien", welchen M. Reville in der „Revue de l’histoire des religions“ veröffentlicht, finden wir interesiante Einzelheiten über den Katholizis­mus in England. Fragliche Revue, welche in rationalistischem Sinne redigirt und folglich einer Parteinahme für die Kirche nicht verdächtig ist, gesteht, „daß die katholische Minderheit in Groß­britannien von Tag zu Tag wächst und sich in den letzten vierzig Jahren beinahe verdoppelt hat. Das beruht, sagt sie, auf zwei Gründen: einmal läßt sich eine immer bedeutendere Zahl von Ir­ländern in England nieder, und dann treibt die Bewegung, welche die Hochkirche im Innern er­schüttert, jene Geister auf den Weg nach Rom, welche sich nach einer konkreteren und konsequen­teren Religion sehnen.

Es gibt heute mehr als eine Million Katholiken in Großbritannien. Man zählt dort 2198 Priester und 1295 Kirchen und Kapellen. Die Männer­orden stellen beiläufig den vierten Theil des Klerus. Die meisten Niederlassungen besitzen die Jesuiten und Benediktiner. Ihre Zahl ist noch vermehrt worden durch die Ausführung der Dekrete vom 29. März in Frankreich. „Die bei uns aufge­lösten Kongregationen," sagt die Revue, „beson­ders die Jesuiten, haben drüben ihre Klöster und Kollegien wieder errichtet, und das Band, welches ehedem für das No-Popery-Geschrei so empfindlich war, zeigt sich duldsamer als das Vaterland Ra­belais und Voltaire's."

Die Revue schließt ihren Artikel also:

„Der Katholizismus hat bedeutsame Eroberun­gen in den höheren Klaffen gemacht. Man schätzt, daß in den letzten dreißig Jahren mehr als 600 englische „noblemen“ (Edelleute) sich zu ihm be­kehrt haben. Vom Ritualismus der Hochkirche zum Romanismus — wie man in England sagt — ist der Pfad leicht gefunden. Unter den be­kanntesten Konversionen mögen jene des Marquis de Bute, eines der größten Grundbesitzer der ver- einigten Königreiche, des Lord Ripon und der Miß Helene Gladstone, der Schwester des Mi­nisters, erwähnt sein. Aber die katholische Pro­paganda vernachlässigt keine Gesellschaftsklasse. Die katholischen Schulen werden von Tag zu Tag zahlreicher in England.

Q) Maske gegen Maske. 127

Roman von A. Werner.

„Das Mädchen ist nur durch ein Wunder der Gefahr entgangen, von einem ankommenden Schnell­zuge ergriffen und zermalmt zu werden, weil sie unbesonnener Weise die Goldstücke auf den Schie­nen auflas, die er, — w.e mir scheint, mit Vor­bedacht, — auf ihren Weg gestreut halte. Er hat sich aus dem Staube gemacht, ohne fein Geld zu beanspruchen."

„Das ist eine seltsame Geschichte," rief Pergon, welcher seinen Worten aufmerksam gelauscht hatte, aus. „An Ihrer Statt würde ich ihm darüber nicht zürnen. Er könnte Ihnen schaden, denn, unter uns gesagt, fein Arm reicht weit. Doch ich darf hier nicht länger verweilen. Leben Sie wohl."

„Adieu, und wenn Sie Ihr Weg nach dem Orleans-Bahnhof führt, dann vergeffen Sie nicht, den Weichensteller Cambrenner aufzusuchen, den Jeder kennt."

„Höre, Kamerad," sagte Pergon, als er an der Straßenecke sich mit seinem Gefährten ver­einigte, „dieser Tollart hat, dünkt mich, zu viel versprochen, als er dem Direktor gegenüber be-

Die soziale Kraft des Katholizismus in Eng­land wird genährt durch das Kontingent, welches Irland und Schottland im Parlament stellt, den Adel, die höhere Gesellschaft und die Verwaltung. Die katholische Kirche zählt in den vereinigten Königreichen 40 Pairs, davon 30 im Hause der Lords, 44 Baronets, 5 Mitglieder des geheimen Raths der Königin, 260 Mitglieder des Hauses der Gemeinen, diese von England entsendet. Der Katholizismus wird eine soziale Macht in England und in Würdigung dieser Macht hat Gladstone, ohne offizielle Unterhandlungen mit dem römischen Stuhle zu eröffnen, mit demselben offiziöse durch seinen Abgesandten M. Erringt on unterhalten. Es ist richtig, daß in diesen Unterhandlungen mehr von Irland als von England die Rede war, und daß Gladstone vor Allem den Beistand der geistlichen Autorität zur moralischen Pacifikation Irlands suchte, aber diese Annäherung zwischen Rom und England ist nichtsdestoweniger eine wich­tige Thatsache und ein epochebildendes Ereigniß in der Kirchengeschichte."

Deutsches Reich.

Berlin, 20. April.

* Im Reichstage kam es heute bei der Fort­setzung der zweiten Berathung der Zolltarif-Novelle anläßlich einer Debatte über die geschäftliche Be­handlung der Zölle auf Thonwaaren zu einer von dem sozialdemokratischen Abgeordneten Grillenber­ger beantragten ÄMzäykung MS Hauses, welche die Anwesenheit von 200 Mitgliedern konstatirte. Es war also nur ein Mitglied über die zur Be­schlußfähigkeit erforderliche Anzahl anwesend. Nach­dem die Zollpositionen „Thonwaaren" mit Rück­sicht auf nie neuerdings eingegangenen Petitionen der Zollkommission zur Vorberathung überwiesen worden waren, trat das Haus in die Berathung der von Der „freien wirthschaftlichen Vereinigung" beantragten Erhöhungen der Viehzölle ein. Eine längere Debatte knüpfte sich zunächst an den Pferde­zoll, der von 10 auf 20 Mark erhöht werden soll. Die Erhöhung wurde von den Abgeordneten v. Schalscha, Staudy und Graf Udo Stolberg befür­wortet und von den Abgeordneten Wilbrandt, Rich­ter und Dirichlet bekämpft. Im Wege des „Ham­melsprungs" wird die Zollerhöhung mit 126 gegen 94 Stimmen beschlossen. Alsdann wurde über

hauptete, den Mörder der Pique-Dame in einem Monate ausfindig machen zu wollen. Was hat er bis jetzt in dieser Angelegenheit für Erfolge aufzuweifen? Er vertreibt seine Zeit mit Erb­schaftsangelegenheiten, worin er vermuthlich im Trüben fischen zu können hofft, wovon mir jener ehrliche Weichensteller so eben eine Probe mitge- theilt hat."

„Mir gefiel die Methode des alten Herrn Lebrun auch weit beffer," sagte, zustimmend nickend, Ber- nard; „solchen Poffen wie Konfrontationen in Pri­vatgemächern, auf Wagen zu achten und Stumme zu verfolgen, entstandem nicht in feinem Gehern."

In diesem Augenblick schlug die Uhr dreiviertel auf acht, und beide Polizeiagenten näherten sich jetzt verabredetermaßen auf zehn Schritte der Pforte des GefängniffeS. Der Schatten, den die hohen Mauern auf das Pflaster warfen, ließ höch­stens ihre Umriffe erkennen und mit schweigender Aufmerksamkeit harrten sie der Dinge, die da kom­men sollten.

Es herrschte eine eisige Kälte und der Wind trieb den Polizisten einen feinen Schneestaub in's Gesicht. Die Posten hatten sich in ihr Schilder­haus zurückgezogen und man konnte sicher darauf zählen, daß sich Niemand in diesem Wetter auf

den Vorschlag der „Freien wirthichastlichen Ver­einigung" bebattirt, den Zoll für Stiere und Kühe von 6 auf 9, den für Ochsen von 20 auf 30, den für Zugvieh von 4 auf 6 und den für Kälber von 2 auf 3 M. zu erhöhen. Die Abgg. v. Schalscha, Graf v. HoenSbroich und Graf Stolberg befürworteten diese Zollerhöhungen im Interesse der einheimischen Viehzucht, aus welche unsere Landwirthschaft immer mehr angewiesen sei, und von der man daher eine ausländische Konkurrenz, besonders die überseeische, thunlichft fernhalten müffe. Von den Abgg. Rickert, o. Voll- mar und Dr. Dienhofer (Passau) wurden die Zollerhöhungen bekämpft, von dem letzteren Redner besonders mit dem Hinweis auf die bayerischen Waldbezirke, deren Bewohner auf den Bezug robusten Viehs aus den österreichischen Alpen an­gewiesen sei. Eine Bemerkung dieses Redners, daß schon die Nichteinbringung erhöhter Viehzölle seitens der verbündeten Regierungen schließen lasse, daß denselben an der Zollerhöhung nichts gelegen sei, veranlaßte den Staatssekretär von Burchard zu der Erklärung, daß die Zollnovelle schon im Interesse einer raschen Erledigung derselben aufs Nothweudigste beschränkt worden sei, daß aber aus dem Fehlen der erhöhten Viehzölle in der RegierungS - Vorlage nicht geschloffen werden dürfe, daß die verbündeten Regierungen prinzipiell gegen eine Erhöhung der Zölle fei. lieber den Schluß der Debatte wurde laut der,Germ) auf Richter's Antrag namentlich abgestimmt, und niif 164 gegen 86 Stimmen der Schluß herbeigeführt. In einer persönlichen Be­merkung wies Abg. Frhr. v. Huene einige ver­dächtigende Bemerkungen des Abg. Rickert über die Tendenz des bekannten Verwendungsantrages des Abg. v. Huene entschieden zurück. Sämmtliche Zollerhöhungen wurden angenommen — die für Ochsen durch namentliche Abstimmung mit 122 gegen 110 Stimmen — und hieraus die Weiter« berathung bis morgen 1 Uhr vertagt.

* Das Abgeordnetenhaus trat heute in die zweite Lesung der Kreis- und Provinzial- Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau, mußte jedoch seine Verhandlungen abbrechen, da sich im Verlaus derselben die Beschlußunfähigkeit des Hauses herausstellte. Die neue Kreis-Emtheilung wurde nach den Beschlüssen der Kommission angenommen; nur in Bezug auf die Umgrenzung des Kreises

die Straße begeben würde, der daselbst nichts zu thun hatte. Nichtsdestoweniger bot die Straße ein Bild des lebhaftesten Verkehrs, weil um acht Uhr der Haupteisenbahnzug von Lyon ankam und die Zahl der hin- und herfahrenden Wagen, Omni­bus und Karren war eine sehr große.

„Parbleu!“ wetterte Pergon, der sich durch das unaufhörliche Hin- und Herfahren in seinen Beobachtungen gestört sah. „Hätte dieser Tollart nicht füglich eine andere Zeit wählen können?"

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als ein Wagen rasch um die Ecke der Lyoner Straße bog und dicht an die Mauer des Gefängnisses hinanfuhr.

„Er ist es," murmelte Pergon, „ich kann zwar nicht unterscheiden, ob der Wagen eine dunkelblaue Farbe hat, wohl aber erkenne ich das Pferd; indeß scheint mir der Kutscher keinen Pelzmantel zu tragen."

„Wer sollte es wohl anders fein als Tollart?" entgegnete Bernard mit leiser Stimme. „Wen würde es intereffiren, frage ich, vor einem Ge- fängniß zu halten."

Pergon pflichtete zweifelsohne der Ansicht seines Kameraden bei, denn er schwieg.

Dröhnend schlug die Glocke des Gefängnisses