JV 86.
Freitag, den 17. April
1885.
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□ Seminar und Universität bezüglich der Vorbildung des Klerus.
Das Konzil hat mit seinem Dekret über die Wiedereinführung der Seminaranstalt die Universitäten nicht unterdrücken wollen. Bei einer Reihe von Gelegenheiten gaben vielmehr die Väter des Konzils zu erkennen, daß sie auch die Studien, welche an den bestehenden Universitäten gepflegt werden, vollauf würdigten. Kein Zeitgenoffe hat in dem tridentinischen Dekret eine Beeinträchtigung der Hochschulen gefunden. Die Universitäten verblieben auch nach dem Tridentinum ebenso wie die bischöflichen Seminare Schulen kanonischer Ein- setzung. Sie sind eine ureigene kirchliche Pflanze, die aus dem Wesen des Christenlhums hervorgewachsen, wie die Geschichte des Mittelalters zeigt. Die bischöflichen Seminarien und die Universitäten sind keineswegs rein zusällig als neben einander bestehende Anstalten von der Kirche anerkannt worden, sondern die Vorschriften des Konzils über die Seminarien zum Zwecke der Heranbildung guter Seelsorger charakterisiren sich durch besondere Hervorhebung der Wisienschaftlichkeit. In der Absicht, in welcher die Kirche auf dem Konzil von Trient geleitet war, laufen die Jntereffen und Ziele der Universitäten und Seminare nicht gegen, sondern neben einander. Universität und Seminar sollen keine Konkurrenzanstalten sein, sondern be- züglich der Ausbildung des Klerus sich ergänzen und vollenden. „Die Seminare sollen," so führt Themistor aus, „die einzelnen Diözesen mit einer ausreichenden Anzahl von Seelsorgern versehen,- welche, sowohl was wissenschaftliche Höhe als sittliche Bildung betrifft, den Bedürfniffen und Ansprüchen der Diözesen zum Zwecke der Ausübung des erhabenen Amtes der Seelsorge vollständig gewachsen sind. Die Universitäten sollen einer weitergehenden theologischen Bildung dienen, sie sollen die Kennlniffe vertiefen und namentlich auch einen Einblick in den innern Zusammenhang der einzelnen Wiffenschaften verschaffen. Die reichere Auswahl anziehender Vorlesungen über einzelne sehr eingehend behandelte Materien der Theologie, die großartigen Sammlungen und Bibliotheken, die günstigeren Gelegenheiten zu eigenen Arbeiten, dre Benutzung vielseitiger Bildungsmittel, der Verkehr mit gelehrten Männern, die von ihnen ausgehende Anregung und Anleitung zu eigener lite-
S Maske gegen Maske.
Roman von A. Werner.
Wäre ein Blitzschlag zu den Füßen des Herrn Lebrun niedergcfahren, er hätte nicht betäubter dagcstanden als in diesem Moment, wo er diese Antwort erhielt, die er selbst hei ausgefordert hatte. Sein Sohn hatte so eben eingeräumt, daß er im Besitz einer Ausweiskarte der Polizeibehörde gewesen und dieses Geständniß hatte der Polizeidirector, welcher an der Wand des Nebenzimmers horchte, vernommen. Der unglückliche Gefangene hatte dadurch die ganze Wirkung vernichtet, die seine offenherzigen Antworten und die Beharrlichkeit seiner Verneinungen auf einen Mann bewirken mußten, deffen Zeugniß so sehr ins Gewicht fiel. Konnte, mußte man nicht annehmen, daß diese Karte mit derjenigen identisch sei, die der Mörder dem Polizisten Pergon vor der Gartenthür des Pavillons der Straße l'Alouette vorgezeigt hatte? Jndeß hoffte der trostlose Vater noch, durch eine Zusatzerklärung das Uebel abschwächen zu können, weßhalb er ängstlich sagte:
„Du hast mir doch noch nie etwas darüber gesagt."
rarischer Thätigkeit, dies alles soll mit« und zusammenwirken, um bei Solchen, welche die Bedingungen für eine gedeihliche Weiterbildung mitbringen, größtmögliche wissenschaftliche Erfolge zu erzielen. Eine Bestätigung für die Auffassung des Verhältniffes der Universitäten zu den bischöflichen Seminarien finden wir in dem Breve des Papstes Gregors XVI. an die Bischöfe Belgiens d. d. 13. Dez. 1833, worin der Papst den Bischöfen gestattete, eine Universität zu errichten, je- doch unbeschadet und vorbehaltlich der bischöflichen Seminare, welche das zu leisten haben, was der Kirche nächstes Bedürfniß ist, nämlich die wiffen- schaftliche und sittliche Vorbilvung des Seelsorge- Klerus. Noch klarer tritt das Verhältniß zwischen den bischöflichen Seminarien und den Universitäten, so wie die Kirche es ve steht, aus der apostolischen Konstitution Gregors XVI. vom 8. April 1834 in Betreff der Verleihung der Grade in der Theologie für das belgische Provinzial - Seminar zu Mecheln hervor. In dieser Konstitution wird ausdrücklich gesagt, daß die bischöflichen Seminare den Hauptstock der Seelsorge - Geistlichkeit und zwar bis zu der Priesterweihe zu bilden haben." Diejenigen, welche höhere und umfangreichere theologische Studien betreiben, können dies dann an der theologischen Fakultät, welche bei dem Metropolitanseminar errichtet ist, thun und dort ihre Kennt- nisse über die Seminarstudien hinaus erweitern. Je mehr es nun heutzutage fast ausschließlich um Ausbildung des Seelftrge • Klerus sich handelt, desto mehr muß die Bedeutung des Seminars nach den Anschauungen des Tridentinum hervortreten; und je mehr die Universitäten (ober theologischen Fakultäten) im Laufe der Zeit ihren vom Tridentinum vorausgesetzten katholischen Charakter verlieren, desto weniger wird man sich auf dies Konzil für die Forderung all gemeinen Universitätsbesuches der künftigen Geistlichen berufen können.
Interessante Details in letzterer Beziehung theilt Themistor mit, indem er auf die Geschichte der theologischen Fakultät in Bonn näher eingeht. Heben wir nur das Folgende hervor. Nach langen, langen Kämpfen der Erzbischöfe von Köln wurden endlich denselben einige Zusagen in Betreff der ihnen von Gott und Rechtswegen zirstehenden lieber« wachung der Orthodoxie in der Fakultät gemacht, u. A. die, daß er dar Recht haben sollte, seine
„Nein; ich befürchtete, Dich dadurch zu kränken," antwortete Ferrand mit gesenktem Haupte. „Bedarf es übrigens der Erwähnung, daß ich Dich deßwegen eben so innig liebe, wie früher?"
„Ist es lange her, seitdem Du um dies Ge- heimniß weißt?" forschte Herr Lebrun.
„Nein, nur einige Tage; aber ich muß Dir ein Geständniß ablegen. Es mißfiel mir, daß Dein Name auf der Karte stand: ich habe ste verbrannt."
„Auf der Stelle?"
„Ja, das Feuer brannte gerade in dem Kamin und ich warf sie hinein. Habe ich darin gefehlt?"
„Nein, o nein," rief der bedauernswerthe Greis aus, welcher sein Herz durch diese Erklärung etwas erleichtert fühlte. „Ich habe bereits seit mehreren Jahren dem Beruf entsagt, den ich aus Neigung erwählt und stets ehrenvoll fortgesührt habe. Nichtsdestoweniger bitte ich Dich, die Erinnerung daran aus Deinem Gedächtniß verbannen zu wollen, nicht nur um Deinetwillen, sondern auch der Familie halber, mit welcher Du Dich verbinden willst. Doch gedenke ich mit warmer Anhänglichkeit der Beziehungen, in welchen ich zu dem gütigen, ausgezeichneten Polizeidirektor gestanden habe. Glaube
Zustimmung zur Anstellung eines Professors in dem Falle zu versagen, daß erhebliche Zweifel an der Rechtgläubigkeit oder sittlichen Befähigung des Kandidaten vorlä,en; durch diese Hinterthür behielt man einem protestantischen Minister die Entscheidung über die Orthodoxie katholischer Dozenten vor. Aber selbst von der zugestandenen Anfrage an den Erzbischof hat man sich dispensirt, und wurde im Jahre 1874 sogar ein wegen Häresie excommuni« zirter altkatholischer Priester aus dem fernen Osten in die Fakultät hineingeworfen. Bis zur Stunde hält die Regierung das unerhörte Schauspiel aufrecht, daß eine katholisch-theologische Fakultät zur Hälfte aus exkommunrzirten Pcofefforen besteht, und hat sie in den letzten Monaten so weit sich erbarmt, daß sie dem Skandal der beständigen rücksichtslosen Majorisirung der katholischen Mitglieder durch die altkatholischen ein Ende machte. Lange Zeit gab es in der Fakultät nur einen einzigen ordentlichen Professor, der katholisch war, und das gerade seit dem Jahre, in welchem die Regierung die Seminar-Anstalten geschloffen und alle Theologen zum Besuche der Universität verpflichtet hatte. Und noch gegenwärtig ist die väterliche Fürsorge für die höhere Ausbildung, welche die Theologen an den Universitäten finden sollen, so groß, daß nur drei katholische Pcofefforen in der Fakultät fungiren, während ebenso gut der vierte und fünfte wie der dritte hätte angestellt werden können. Zur Beruhigung derjenigen, welche gegen die Berufung des altkatholischen Dr. Menzel Bedenken erheben könnten, hat der Kultusminister es für zulässig gehalten, an allerhöchster Stelle Dispens von den Statuten der Universität zu erwirken. Vielleicht ist eine ähnliche Dispens von Universitäts-Statuten auch für Münster eingeholt und der Akavemie auferlegt worden. Denn bekanntlich soll diese Anstalt laut der Stiftungsurkunde und der Kabinetsordre von 1818 ausschließlich katholisch sein. Nun hat man aber seit 1875 11 protestantische Pcofefforen an dieselbe berufen. Diese Thatsachen beweisen mehr als lange Erörterungen. Welch' väterliche Fürsorge des Staates für die Erziehung des katholischen Klerus und für Wahrung der Gewiffenssreiheit liegt darin, daß jetzt katholische Theologen ihren Unterricht von protestantischen Dozenten empfangen. Wer die Akten des Kölner Generalvikariats eingesehen und sich die bei der Berufung von Profefforen der Theologie
nicht, daß er Dir feindselig gesinnt ist. Er bedauert Dich vielmehr und wünscht von ganzem Herzen, das Deine Unschuld bewiesen werden möge, — denn Jeder liebt mich hier. Der Polizei- beamte, welcher Dich gestern verhaftete, war seit Jahren meine beste Stütze und es traten ihm vorhin Thcänen in den Augen, als er mit mir über Deine Angelegenheit sprach. Ich sage Dir das Alles, damit Du nicht verzagen möchtest, mein theurer Sohn, und ich hege Die feste Zuversicht, daß ich das Dunkel, welches in dieser Sache herrscht, werde aufklären können. Habe ich doch weit schwierigere Fälle unter Händen gehabt, als Deine Angelegenheit. Du hast in den Zeitungen die Geschichte von der in einem Koffer entdeckten Leiche gelesen, — Du weißt, daß dieser Koffer von einem Stummen getragen wurde, welcher weder Aufklärung hat geben können noch wollen. Dieser Stumme kennt zweifelsohne den Mörder, welcher in der Straße, wo man ihn verhaftet hat, einige Schritte vor chm hergegangen ist —"
„Nun gut", unterbrach ihn Ferrand, „dann stelle man mich ihm gegenüber."
„Du wünschest also", fragte, von Freude bewegt, der Vater, „daß eine Konfrontation statt- finde?"