1885
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□ Bischöfliche Autorität im Triden- tinischen Seminar.
(Rach Irenäus Themistor.)
Das Seminar-Dekret verlangt ausdrücklich, daß die äußere und innere Leitung der Anstalt vom Diözesan-Bischof ausgehen sollen. Die tridentini- schen Seminare sollen bischöfliche Anstalten in des Wortes vollem Sinne sein. Diese Qualität der Seminaranstalten hatte im Verlaufe der Zeit den ärgsten Kampf zu bestehen. „Bald waren es", so schreibt Irenäus Themistor, „Fürsten, die im Interesse einer mißverstandenen Macht, bald Freigeister, die im Dienste des Umsturzes das ganze Er- ziehu:>gswesen, vor Allem aber die Bildungsanstalten der Geistlichen unter ihre Leitung zu bringen suchten. Die Träger der Gewalt wechselten, die Tendenz und das Verfahren derselben gegen die Seminaranstalt blieb stets dasselbe. Bald suchte man die Aufstellung der Seminarvorstände und der Professoren direkt oder indirekt den Händen der Bischöfe zu entwinden, bald die Statuten und die innere Leitung zu „revidiren", bald wurden über die Zahl der Aufzunehmenden, bald über die Qualität der Aspiranten Bestimmungen erlassen, bald suchte man die Zeit des Aufenth^ lts im Seminar zu „fixiren", bald die Gegenstände, auf welche der Unterricht sich zu beziehen habe, zu „vereinbaren", und den Lektionsplan zu „genehmigen", bald wurden sogar über die Prüfungen der Seminaristen Verfügungen zu treffen versucht, bald Prüfungs-Kommissionen „zusammengesetzt^ und die Materien „festgestellt", auf welche das Examen sich zu erstrecken habe. Mitunter wurden auch angebliche staatliche Vergünstigungen, wie z. B. Befreiung vom Militärdienste rc. benutzt zum Zwecke einer vermehrten und verstärkten Beeinflussung dieser Anstalten." Die Thatsache dieser beständigen Bestrebungen der Kirche nicht wohlwollender Regierungen, ihre Anstrengungen, um die Seminarien von ihrer natürlichen und kirchlichen Organisation und Grundlage wegzudrängen und die Bischöfe bei einer Angelegenheit, welche ihre heiligsten Pflichten betraf, zur Rolle müßiger Zuschauer herabzuwür- digen, denen es höchstens noch zukomme, „die Hände aufzulegen," die Thatsache beweist, wie Themistor betont, allein schon, wie wichtig die tridentinischen Seminarien unter der vollen unv freien Lei ung der Bischöfe für die vitalsten Interessen der Kirche
2) Maske gegen Maske.
Roman von A. Werner.
„Gabriele," seufzte er, „hast Du sie gesehen?"
„Allerdings habe ich sie gesehen; sie kam diesen Morgen mit ihrer Mutter in aller Frühe zu mir. Die unglücklichen Damen haben eine entsetzliche Nacht verlebt. Aber cs gelang mir, sie zu beruhigen, was mir um so leichter ward, als sie fest an Deine U schuld glaubten. Ich habe versprochen, Dich heute Abend zu ihnen zu führen, sie erwarten Dich!"
Ferrand senkte sein Haupt auf die Brust herab.
„Mein Sohn," ergriff der Greis, welcher fühlte, daß er das Rechte getroffen, wieder das Wort, „Gabriele zählt so sicher auf Deine Befreiung, daß sie mir beim Abschiede in's Ohr geflüstert hat: „Ich werde, wenn ich ihn wiedersehe, so glücklich sein, daß ich nicht den Muth habe, ihn zu schelten; nur niuß er mir erklären, weßhalb er an seinem Herzen das Bild einer fremden Dame getragen hat."
„Hat sie Dir das gesagt? Hat sie von dem Portrait gesprochen, Vater?"
„Ja, und ich bin überzeugt, daß es Dir leicht werden wird, ihre Eifersucht zu beschwichtigen, da
sind. Leider muß man sagen, daß die Gegner manchmal einen schärferen Blick für die Bedeutung dieses Punktes hatten, als die Vertreter der Kirche. Indessen ist auch hinzazusetzen. daß die Geschichte dieser Kämpfe uns auch große Beispiele der Entschiedenheit der Bischöfe zeigt und daß die Versuche, welche die Regierungen mit den Seminarien bis zu dieser Stunde gemacht haben, den gehegten Erwartungen doch niemals entsprochen haben. Der erste auf diesem Wege groß angelegte Versuch ist der von Joseph II. Ein Komplott religiöser Auf- klärlinge hatte nichts Geringeres im Auge, als den Kaiser zur Vernichtung der katholischen Kirche in Oesterreich zu mißbrauchen. Die Leitung der Seminare entrückte man vollständig der Leitung der Bischöfe. Alle bischöflichen Seminarien wurden ge- schlossen und der Einfluß der Bischöfe auf die Aspiranten des geistlichen Standes darauf befchränkt, daß sie die Kandidaten zu weihen hätten. Von Staatswegen wurden Seminarien errichtet. Die Geschichte hat über diese gerichtet. Die Erfahrung aller Zeiten lehrt eben, daß Konstitutionen nur durch den Geist erhalten werden und gedeihen, welcher sie gegründet hat. „Kein Gärtner kann", sagt Themistor, „pflanzen ohne Sonne, kern Baumeister bauen ohne festen Grund. Das ist für das Seminar, welches Geistliche erziehen soll, die Kirche und ihr Repräsentant der Bischof." Anstalten, welche ihren Geist und ihre Bestimmung aus den Augen verlieren, müssen nothwendig der Auflösung entgegengehen und so geschah es auch in rapiver Schnelligkeit mit diesen Josephinifchen Staatstemi- narien. In Baiern wurde vorn Jlluininatismus ein ähnlicher Versuch unternommen, Erziehungshäuser für den Klerus ohne bischöflichen Einfluß in Erziehungshäusern zu lähmen, da itellte sich, wie Themistor als Thatsache der Geschichte konsta- tirt, jedesmal dieselbe Erscheinung, die man in Oesterreich beobachtet hatte, ein. Die Integrität der katholischen Doktrin wurde geschädigt, die sittliche Erziehung, welch nicht mehr einheitlich und im Geiste der Kirche war, ging zurück und zugleich mit dem wachsenden Mißtrauen der katholischen Bevölkerung nahm auch die Zahl der Aspiranten ab.
Den Bischöfen wurde also durch das Konzil von Trient die äußere wie innere Leitung der Anstalten üvertragen. Ihrem freien Ermessen war es anheimgegeben, die Klasseneintheilung vorzunehmen. Sie trennten nun aus Gründen, die von der Erfahrung
Du die Engländerin, welche ein Elender erdolcht hat, nicht kennst, so wenig wie den Mann, der in der Straße l'Alouette erschlagen worden ist."
„Gabriele wird mir niemals verzeihen," murmelte Ferrand, anstatt auf diese lebhafte Aufforderung zu antworten.
„Du schweigst!" rief verzweifelnd sein Vater, Du hast also kein Mitleid mit mir, — mit Deiner Braut!"
„Gott allein sieht in's Herz. — Gott wird mich richten. Ich habe nichts weiter zu meiner Entschuldigung vorzubringen, als das, was ich schon gesagt habe."
„Du bestehst also darauf, daß das Portrait Dir nicht gehört, daß es vielmehr ohne Dein Wissen in Deine Brieftasche gesteckt worden ist?"
„Ja."
,',Was aber trieb Dich nach der Morgue, — in Verkleidung?"
„Thörichte Neugierde, und da ich nicht wünschte, unter der Menge aufzufallen, bediente ich mich eines einfachen, schlichten Anzugs."
„Das läßt sich vertheidigen," versetzte Herr Le- brun, ersichtlich durch die Fassung, die sein Sohn seit einigen Minuten bezeigte, erfreut. „Was bedeuten aber die auf einem Spieltisch ausgebreiteten
überall empfohlen und vom Beginn der Einführung auch immer beachtet worden sind, diejenigen Zöglinge, welche bereits die eigentlichen Fachstudien, d. h. die Theologie, betrieben, auch räumlich von den andern ab, welche noch in den vorbereitenden Studien sich befanden. Letztere Abtheilung des Seminars nannte man das „kleinere", erstere das „größere" Seminar. In den seltensten Fällen befanden sich beide Abtheilungen in einem und demselben Gebäude. In Holland liegen die Gebäude, in welchem diese Abtheilungen untergebracht sind, sogar räumlich ziemlich weit auseinander. Die Bischöfe nennen dort, und auch der Staat erkennt dies an, das kleinere Seminar die erste Section, und das größere Seminar die zweite Section. Irenäus Themistor legt auf diese Bemerkungen Gewicht, weil der „zweite Bericht der 14. Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses über den Gesetzentwurf betreffend die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen" diese Verhältnisse offenbar gar nicht kannte. Sogar der Kommissar der königlichen Staatsregierunq sprach seine Ansicht dahin aus, daß in der Bulle De salute animarum vom 16. Juli 1821, welche durch Kabinetsordre vom 18. August 1823 in der Gesetzessammlung veröffentlicht worden ist, von Klerikal-Seminarien die Rede sei, also, wie er meinte, „nur von solchen Anstalten, welche Leuten, die bereits im theologischen Studium begriffen seien , dienen sollten." Dem Kommissar war eS demnach völlig unbekannt, daß die Bulle de salute nur Seminarien nach tridentinischer Form kennt. Nach konstantem kirchlichen Gebrauche sind Knaben- Seminare eben Klerikalseminare. Den Motive n*)
*) Es fehlte in den Motiven auch nicht, was wir hier gelegentlich bemerken wollen, an humoristischen Stellen in jener sogenannten Uebersicht, obwohl es nicht in der Absicht des Concipienten gelegen haben mag, die Heiterkeit der Leser zu erregen. So hieß es bei der Beschreibung des Seminars zu Hildesheim, es seien in demselben „zwei alumni presbyteri, welche Priester sind, und ein alumnus subdiaconus, von welchem nicht angegeben, ob er ordinirt ist". Das ist denn doch eine ebenso klassische Tautologie, als wenn man sagen wollte: „Ein Minister- Präsident, welcher Präsident des Ministeriums ist, und ein Kultusminister, von welchem nicht angegeben, ob er Minister ist". Es mag dem „Motiven"-Schreiber verziehen werden, wenn er nicht gewußt hat, daß das deutsche Wort „Priester" aus dem griechischen „Presbyter" entstanden ist; aber der „Subdiaconus ohne Ordination" kann ihm nicht vergeben werden, denn ein kirchlicher Gesetzfabrikant müßte doch wissen, daß dem Subdiaconate bereits Karten, die man in Deiner Privatwohnung ent« dcckl hat?"
„eine Erinnerung," antwortete der junge Mann zögernd.
„Eine Erinnerung, — an was? Du hast darüber seither nie ein Wort gegen mich fallen lassen."
„Wie gesagt, eine Erinnerung — an Deutschland. In Heidelberg, woselbst ich studirte, ver- liebte ich mich in die Tochter eines protestantischen Pfarrers. Wir waren häufig Stunden lang allein, — sie liebte es, eine Partie Patience zu machen, um zu erfahren, wann wir uns heirathen würden. An dem Tage, an welchem ich ihr ankündigen mußte, daß ich nach Frankreich zurückkehren würve, überraschte ich sie bei diesem Spiel, dessen Karten ihr prophezeit hatten, daß sie bald meine Gattin werden würde. Sie bestand darauf, daß ich dieses eigenthümliche Unterpfand des Glücks mit mir nach Frankreich nehmen und das Spiel in meiner Wohnung in derselben Ordnung auf einem Tische ausbreiten und dort heimlich so lange aufbewahren sollte, bis mein Vater zu diesem Bündniß seine Einwilligung ertheilt hätte. Ich war noch verliebt, als Du mich zurückriefst, und ich interessirte mich, wider meinen Willen, für dieses Kartenspiel. Es sind jetzt sechs bis sieben Jahre verflossen, seitdem