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Röckner, wegen Majestätsbeleidigung zu 2 Monaten Festung verurtheilt worden ist.

• München, 13. April, lieber den neuer­nannten Kriegsminister v. Heinleth er­fährt die ,Allg. Ztg.' das Nachfolgende: Adolf v. Heinleth, Sohn eines Oberappellationsgerichts- sekretärs, zu München im Jahre 1823 geboren, katholisch, begann seine militärische Laufbahn nach Absolvirung des Kadetten-Korps im August 1842 als Junker im kgl. Jnfanterie-Leibregiment. Von 1850 bis 1858 war derselbe Adjutant bei der 2. Infanterie-Brigade. Im Mai 1859 trat er als Hauptmann I. Klaffe in den Generalstab und avancirte in diesem, nachdem er inzwischen als Generalstabsoffizier in Augsburg und Nürnberg thätig gewesen war, im März 1866 zum Major. Bei der im Mai vor fich gegangenen Mobilmachung wurde Major Heinleth Generalstabsoffizier beim Kommando der 4. Infanterie - Division und nach Beendigung des Feldzuges im September Ches des Generalstabs bei dem Generalkommando Augsburg. Im Mai 1868 zum Oberstlieutenant befördert, wurde er Anfangs 1869 zum Chef des General­stabs der 2. Armee-Dimsion und im Februar 1870 zum Chef des Generalstabs beim Generalkommando München ernannt. Bei der Mobilmachung Mitte Juli 1870 ward von Heinleth Chef des General­stabs des 1. Armeekorps. Im deutsch-franzöfischen Kriege, in deffen Verlauf er Oberst wurde, nahm v. Heinleth an den Schlachten bei Wörth und Beaumont, an dem Gefecht bei dem Brücken von Bazeilles, an der Schlacht von Sedan, dann kurze . Zeil uu der Einschließung und Belagerung von Paris, hierauf an dem Gefechte von Atteney, an den Treffen bei Orleans (1l. Okt.) und bei Coul- miers (II.Noo.), an den Gefechten bei La Fourche und Thirsa Gardeis, sowie bei Varize und Villepion, an den Dezemberschlachten bei Loigny-Pouprp und Orleans, dem Gefecht bei Meung und der Schlacht bei Beaugency-Cravant, dann wieder an der Be- lagerung von Paris theil. Von den vielen Aus- zeichnungen, welche seine Brust schmücken, sind aus dieser Zeit der Militär - Max-Joseph - Orden und das Eiserne Kreuz erster Klaffe hervorzuheben. Von 1871 bis Ende 1874 war v. Heinleth Chef des Generalstabs beim früheren Generalkommando München, dann beim ersten Armeekorps; noch in demselben Jahre übernahm er als Generalmajor das Kommando der 8. Infanterie-Brigade, im

Hätte Jemand seine Gedanken errathen können, als er, in eine Ecke des Wagens geschmiegt, nach- stnnend dasaß, derselbe wäre mit Recht überrascht gewesen. Denn der Geheimpolizist, welcher sich dem Polizeidirektor gegenüber gerühmt hatte, den Urheber beider Verbrechen im Verlauf eines Monats zu entdecken, schien sich mit ganz anderen Dingen, als mit dieser Sache, zu beschäftigen. Allmählich gewann fein Antlrtz indeß seinen frü­heren Ausdruck wieder und als der Wagen vor dem Bahnhof hielt, schien seine Aufregung gänzlich beseitigt zu sein. Beim Ausstergen fiel fein Blick auf einen höheren Beamten, den er in einem Kaffeehause hatte kennen gelernt und er versäumte es nicht, sich von ihm die näheren Details über den erwähnten Cambrenner berichten zu lassen. Er erfuhr nun, daß derselbe das gering besoldete Amt eines Weichenstellers an der Eisenbahn bekleidete, daß er jetzt Wittwer sei, daß seine Frau sich stets einer hohen Abkunst gerühmt habe und daß er eine sechsjährige Tochter besitze.

„Doch, da kommt sie ja gerade," schloß der

2) Maske gegen Maske

Roman von A. Werner.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. April.

* Der Handelsminister hat auf Grund der Ge­werbeordnung, sowie des Gesetzes vom 30. Juli 1883 über die allgemeine Landesverwaltung für den Geltungsbereich der letzteren Bestimmungen über den Geschäftsbetrieb der Trödler, Kleinhändler mit Garnabfällen ober Träumen von Seide, Wolle, Baumwolle oder Seinen, Ge- sinde-Vermiether, Stellenvermittler, Besorger fremder Rechtsangelegenhei­ten und bei Behörden wahrzunehmender Geschäfte erlaffen. Die Verordnung tritt mit dem 1. Juni in Kraft. Zuwiderhandlungen gegen dieselbe wer­den, wenn nicht nach den Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. geahndet.

* Zur Besetzung des Posener Erzbischofs­stuhles schreibt die CN: Der Staat will zum Posener Erzbischof einen Germanisator, der den kirchlichen Einfluß zur Verfügung der Politik stellt. Diese Tendenz des Staates zeigte sich s. Zt. recht deutlich in der schroffen Ablehnung der Kan­didatur des Prinzen Radziwill. Gerade Prinz Edmund hatte die doppelte Eigenschaft, welche ein Posenscher Erzbischof haben muß: er war, wie seine Gläubigen, polnisch und deutsch. Polnisch durch seine Abstammung, deutsch durch seine Bil­dung und durch die Stellung seiner Familie zum Kaiserhause. Man wies den Gedanken an seine Ernennung schroff zurück, weil Fürst Bismarck ihn, den Verwandten des Hohenzollern-Hanses, für zu polnisch hielt. Mau will einen Erzbischof, der nicht polnisch ist, und ein solcher ist einfach unmöglich. Der Kulturkampf ist durch Unkenntniß, Vorurtheile und falsche Nebenzwecke erst recht schlimm gewor­den. Leider spielen diese Dinge bei den polnischen Angelegenheiten besonders arg mit. Die künstliche Germanisirung der Polen ist ein Plan voll über­flüssiger Härte, will man nun sogar die Kirche, die Prophetin des Friedens, in diesen Vernichtungs­kampf gegen eine unglückliche, niedergeworfene Na­tion yineinziehen, dann sündigt man gegen das Wesen der Kirche, gegen die Grundlagen der reli­giösen Einwirkung, gegen den Frieden und die wahre Staatsklugheit. Die deutschen Katholiken aber werden wissen, wo die Schuld an dem Un­frieden steckt!

„Ja mein Herr," erwiderte zögernd der Weichen­steller, „was verschafft mir die Ehre Ihres Besuchs, wenn ich bitten darf?"

„Die Kleine ist das leibhafte Conterfei ihrer armen Mutter!"

Das Antlitz des Weichenstellers verfinsterte fich bei dieser Andeutung und er erwiderte mit dumpser Stimme:

„Sie haben also meine Frau gekannt? Das setzt mich in Erstaunen; ich erinnere mich wahrlich nicht, Sie gemals gesehen zu haben."

„Nein, ich habe Ihre Frau nicht gekannt, aber ich habe früher häufig Gelegenheit gehabt, deren Mutter zu sehen. Sie hieß Madame Vernier, nicht wahr?"

„Freilich; sind Sie nur gekommen, um mir dies zu sagen?"

„O nein, es ist eine sehr wichtige Sache, die ich mit Ihnen besprechen möchte."

„Pauline," sagte Cambrenner zu seiner Tochter, „spiel ein wenig im Freien, aber nimm Dich in Acht, daß Du nicht unter die Eisenbahnzuge ge- räthst."

Das Mädchen sprang lächelnd fort.

„Ich stehe zu Ihrer Verfügung, mein Herr," nahm Cambrenner das Wart, „sagen Sie mir

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♦ In einer römischen Nachricht der ,®erm.‘ über die Neubesetzung der Erzstuhle van Köln und Posen war bekanntlich gesagt, die Ernen­nung des Bischofs Krementz zum Erzbischof von Köln sei zwar erfolgt, würde aber erst Ende dieses Monats publicirt werden, da man bis zu dieser Zeit eine Verständigung betreffs Gnesen-Posen herbeizuführen hoffe. Eine heute aus Rom zu- gehende Nachricht bestätigt genanntem Blatte diese Meldung. Die Unterhandlungen zwischen dem h. Stuhl und der preußischen Negierung dauern fort. Der h. Vater macht die Effectuirung der bezüglich Köln getroffenen Vereinbarung abhängig van der gleichzeitigen Lösung der Personalfrage für Gnesen-Posen. In Bezug auf diesen Posten ist die Candidatur Wanjura endgültig beseitigt und soll nur noch auf die Antwort der Berliner Regierung gewartet werden, ob diese die neuer- dings vom h. Stuhl vorgeschlagene Persönlichkeit — ein Prälat vom Posener Domstift — als persona grata annehme. Daß der Herr Erz­bischof Melchers schon vor acht Jahren und seit- her zu wiederholten Malen ausdrücklich seine Bereitwilligkeit kundgegeben hat, auf den Kölner Erzstuhl zu verzichten, wofern sein Rücktritt für die Wiederherstellung des kirchlichen Friedens er- sprießlich fein könnte, ist längst bekannt.

* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' macht sich über den Abg. Sabor lustig, der in einer Rede in Frank- furt mitgetheilt hat, daß ihm ein höherer Beam­ter Geld zur Gründung eines Arbeiterblattes an- geboten habe, und verlangt, daß er weitere Auf­klärung gebe. '

* Die kürzlich aufgetauchte Nachricht, daß „Preußen thatsächlich schon Offerten zur Ec- Werbung der Pfälzerbahnen" gemacht habe, wird in der Münchener ,Allg. Ztg.' von unter­richteter Seite als ganz unbegründet erklärt.

* General Vogel v. Falkenstein ist im Frieden mit der katholischen Kirche gestorben. Der katholische Pfarrer Jende aus Neuzelle war sein Beichtvater, derselbe hat auch die Beerdigung vor- genommen.

♦ Tarnowitz, 10. April. Der ,Voss. Ztg. schreibt man: „Der Unterrichtsminister hat das Gesuch der Stadt um Uebernahme des Real­gymnasiums auf den Staat abgelehnt.

* Aus Danzig wird gemeldet, daß der poli­tische Redakteur der ,Danziger Zeitung,' Herr Beamte seine Mittheilungen, indem er auf ein kleines Mädchen zeigte, das einen Korb mit Lebens- Mitteln, die wahrscheinlich für ihren Vater bestimmt waren, unter dem Arme trug.

„Ah," dachte Tollart, „wer würde wohl auf den Gedanken kommen, daß jenes kleine Mädchen die Erbin von mehr als zehn Millionen ist, das heißt," und fein Gesicht verzerrte sich dabei zu einem höhnischen Lächeln, „wenn Fräulein Gabriele Romont sterben wird. Nun, ich werde meine Karten schon so mischen, daß ich den letzten Stich in der Hand behalte!"

Er versuchte scherzhaft, die Kleine zu erhaschen, allein sie eilte wie ein Reh längs den Bahngestisen dahin und erreichte lange vor ihm das Wacht- Häuschen, wo ihr Vater beschäftigt war. Der Weichensteller trat heraus, schloß das Kind in seine Arme und hob es liebkosend empor, als er plötzlich einen Herrn sah, der die Schritte gegen seine bescheidene Wohnung richtete. Erstaunt setzte er fein Töchterlein auf die Schwelle derselben nieder und trat dem Fremden mit fragender Miene entgegen.

„Ich grüße Sie, Herr Cambrenner," redete ihn Tollart mit einschmeichelnder Stimme an. „Ist das hübsche Kind ihre Tochter?"

Dienstag, den 14. April