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Sonnabend, den 11. April

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ok belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Sßfg', auswärts 1 Mk. 75 Pfq.' Snferate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

1885.

;., — mit der

Zweites Blatt.

3V Bestellungen auf das begonnene II. Quartal 1885 der .Fuldaer Zeitung' werden von den Post-Anstalten, Boten und in der Expedition noch fortwährend entgegengenommen. Die Nach­lieferung der bereits erschienenen Exemplare erfolgt auf Verlangen.

Franz Abt f.

Einer der populärsten deutschen Lieder-Kompo- nisten ist nicht mehr. Am Spätnachmittage des 31. März ist Franz Abt seinen Leiden erlegen und am Charfreitag beerdigt worden. Der Ver­storbene, der als Schöpfer einer Reihe unserer volksthümlichsten und gemüthvollsten Gesänge über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus gefeiert worden ist, hat seit seinem im Jahre 1882 statt­gehabten Rücktritte von dem Amte eines Hofkapell­meisters zu Braunschweig in Wiesbaden gelebt. Franz Abt ist am 22. Dezember 1819 zu Eilen­burg in der preußischen Provinz Sachsen als Sohn eines Predigers geboren. Vom Vater empfing er den Zug, der ihn der Kunst in die Arme treiben sollte, von ihm, dem selbst musikalisch hoch gebil­deten Manne, erbte er Talent und Neigung, welche den zum Studium der Theologie bestimmten Jüng­ling anderen Entwicklungspfaden zuführteii und ihn in der berufsmäßigen Ausübung der musika­lischen Kunst Lebensbefriedigung und Lebensfreude finden ließen. Auf der Thomasschule in Leipzig, später auf der Leipziger Universität gab der junge Student der Theologie neben seinen wissenschaft­lichen Vorbereitungsstudien sich eifrig musikalischen Nebenstudien hin, so daß er sich bald an der Spitze eines studentischen Gesangvereins sah und nach dem Tode des Vaters in der Lage war, das, was er ehedem nur in seinen Mußestunden betrieben, als Erwerbsquelle auszunutzen. Das zu jener Zeit besonders lebendige Leipziger Musiktreiben übte befruchtende Anregung auf den jungen Musiker aus. Abt trat zu Felix Mendelssohn-Bartholdi in Beziehung und was bisher nur in der Tiefe des Herzens geschlummert hatte oder nur einem kleinen Freundeskreise bekannt geworden war, das schritt frohgemuth in's Leben hinaus, begleitet von dem aufmunternden Beifalle der Kenner und Kunst­freunde. Kleinere Klavier- und Gesangskomposi­tionen leichten Styles bezeichneten den Anfang der schöpferischen Thätigkeit des zum Musiker verwan­delten Theologen.

Ihnen verdankte er zu Anfang des Jahres 1841 seine Anstellung als Musikdirektor, in welcher Eigen- schaft er kurze Zeit am Hoftheater zu Bernburg wirkte, um dann im Herbste desselben Jahres nach Zürich überzusiedeln und dauernd in ein Schaffensgebiet einzutreten, auf dem sein reiches Talent zu ungeahnter Entfaltung gelangen sollte. Abt war zuerst in Zürich an dem von Charlotte- Birch-Pfeiffer geleiteten Aktientheater thätig; das damals in hoher Blüthe stehende Schweizer Män­nergesangswesen verlockte jedoch den Musiker nach anderen Gefilden der Kunst und ließ nach wenigen Jahren (1846) den sich um die Entwicklung und Weiterbildung des Männergesanges eifrig Bemühen­den dem Theater untreu werden. Schon im Jahre 1844 hatte der Sängerbund „Harmonie" in Zü­rich Franz Abt zum Dirigenten gewählt; zu der Leitung dieses Männergesangvereins trat 1846 die Direktion eines gemischten Chores, des „Cäci­lienvereins", sowie der Winterkoncerte in Zürich, um die Thätigkeit des Künstlers zu einer unge­mein vielseitigen und das eigene kompositorische

Schaffen lebhaft anregenden zu gestalten. Bald darauf übernahm er die Oberleitung des aus den 24 Gesangvereinen der Ortschaften am Züricher See bestehenden „Zürich-Seevereins" und des „Limmatthal-Gesangvereins". Von diesen Tagen des Schweizer Aufenthaltes an datirt der Ruhm Abt's, einer der verdienstvollsten und erfolgreichsten Förderer des deutschen Männergesanges gewesen zu sein, entstammen viele jener lieblichen Kompo­sitionen, einstimmige Lieder und Männerchöre, die bald ihren Weg durch ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinaus nahmen und den Namen ihres Schöpfers mit dem Ruhme schöner Volks- thümlichkeit umkleideten.

Keiner unserer modernen Komponisten hat es verstanden, in so einfachen und doch so wahren Tönen dem Gefühlsleben unseres Volkes Ausdruck zu verleihen, wie der Liedermund Franz Abts; weil die Lieder gewissermaßen aus dem Herzen des Volkes heraus­gesungen, sind sie in das Herz des Volkes zurück­gekehrt und werden darin gehegt und gepflegt, als ob sie allezeit sein Eigenthum gewesen wären. „Wenn die Schwalben heimwärts ziehen" und eine Reihe anderer Kompositionen Abt's sind vollständig in den Volksliederschatz der Nation übergegangen, nicht zu gedenken des vielgesungenen, mehr der Form des Kunstgesanges anc,epaßte „Gute Nacht, du mein herziges Kind", das sich in allen Zonen des Erdballes dauerndes Heimathrecht erworben. Dazu Treten die stimmungsvolle Quartette, wie „Venetia" und andere in der „Sängerhalle" oder einzeln veröffentlichten Kompositionen, welche dem Namen Abt's auf dem Repertoire aller deutschen Gesangsvereinigungen eine bleibende Stätte sicherten. Das musikalische Talent des Verstorbenen war vorzugsweise den heitern Seiten der Kunst zuge­wandt, für das Gefällige und Anmuthige fand er die schönsten Ausdrucksformen, denen er durch den tief gemüthvollen Zug seiner Kunst inneren Adel verlieh.

Die Komposition des Liedes „Wenn die Schwalben heimwärts ziehen", warMitveranlaffungseiner 1882 erfolgenden Berufung nach Braunschweig. Der Herzog fand solches Gefallen an der gemüthvollen Weise, daß er den Künstler an sich zu feffeln suchte. Von Braunschweig aus unternahm auch Abt jene ausgedehnten Kunstreisen nach Rußland, Holland, Nordamerika n. s. w., welche ihm die überschwänglichsten Ehrenbezeugungen in Hülle und Fülle eintrugen. Eine seiner letzten Reisen war die Fahrt durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche sich zu einem waren Triumph­zuge des deutschen Liedes gestaltete. Bei dieser Gelegenheit dirigirte Abt in Chicago einen Chor von 20 000 Sängern, der sein berühmtes „Wenn die Schwalben heimwärts ziehen" zum Vortrag brachte.

Seine angegriffene Gesundheit nöthigte ihn end­lich 1882 den Kapellmeisterstab in Braunschweig niederzulegen; Abt siedelte nach Wiesbaden über, woselbst er bis zu seinem erfolgten Tode sich aus­schließlich der musikalischen Komposition widmete. Ec arbeitete namentlich für England; den von dort einlaufenden zahlreichen Bestellungen vermochte er kaum gerecht zu werden. Die Zahl der von ihm veröffentlichten Kompositionen beläuft sich auf über 600. Bis zum letzten Augenblicke hat sich der nimmer rastende Geist des Künstlers sich mit neuen Schaffensplänen getragen; nun ist der Liedermund verstummt, ein Mächtigerer hat die Leyer der müden Hand entwunden. Deutschlands Sänger aber werden den Namen Franz Abt in Ehren halten, er wird fortleben im deutschen Liede.

* Die dankbaren Gemüse ihrem Retter

(zum 17. März 1885).

Das erfolgreiche Eintreten des Abgeordneten Alexander Meyer für die Zollfreiheit der Gemüse hat einen seiner Fractionsgenoffen zu folgender zollpolitischen Frühlingspoesie veranlaßt:

Run töne laut, nun klinge voll zu dieses Tages Feier Das Loblied deß, der uns vom Zoll gerettet, Doktor Meyer! Die bösen Zölle mannigfalt, auf Spargel, Kräuter, Wurzeln, Vor seiner Rede Allgewalt sie mußten Alle purzeln.

Run kündet wieder froh und frei Frau Nachtigall die süße Das Lenzgefühl des holden Mai mit lieblichem Gemüse.

Das arme Herz, in Wintersqual und altem Obst befangen. Greift neu belebt zum leckern Mahl, das grünend aufge­gangen.

Nun sei gegrüßt, vieledle Frucht, die unterirdisch sprießet, Heil dem, der stets sie frisch versucht und unverzollt genießet, Der Spargel und das junge Huhn, wie sind sie hold ver­einigt.

Pfui, wer durch zöllnerisches Thun die fromm Verbundnen peinigt!

Was dräust Du, böser Lucius, und Du, viel schlimmer Günther?

Habt Ihr nach frischen Kohls Genuß geschmachtet nie im Winter?

Den Kohl, der nur gesprochen wird, mögt ihr getrost ver- . steuern.

Doch ihn, der frisch gestochen wird, soll Niemand uns ver- theuern.

Nun blüh' und wachse unentwegt, Kartoffel, Zwiebel, Gurke, Wer euch Finanzzoll's Schlingen legt, der frevelt als ein

Schurke.

Laßt grünen, was da grünen mag, für Reich' und Proletarier, Frei schmaus' ein Jeder Tag für Tag als flotter Vegetarier. Doch Du, der einst des Bier's Beruf mit Dichterwort ge- .... priesen,

Und der jetzt freies Wachsthum schuf den grünenden Ge- . müsen, —

Hoil Dir, Du selbst ein edles Reis, obschon nicht leicht verdaulich,

Es blühe Deines Namens Preis für immer auferbaulich.

Und wo die junge Saat ergrünt, Kartoffeln oder Bollen, Da wehre dem, der sich erkühnt^ verzollen sie zu wollen. Dir aber blühe ganz und voll zum Lohn für mannhaft ~ Streiten:

Salmrter Pflanzen Dankeszoll jetzt und zu allen Zeiten!

Dem Abg. Meyer ist für feine Anti-Gemüsezoll- Rede von der Kochschule des Berliner Frauenvereins ein schön eingebundenes Kochbuch mit einem Körb- chen voll frischen Gemüses dedicirt worden. Herr Meyer hat mit seinen Reden überhaupt Glück. Als er s. Z. im preußischen Abgeordnetenhause bei der Schankstälten-Debatte seine bekannte Bier­rede hielt, ist ihm von verschiedenen Brauereien manches Fäßchen Bier zugeschickt worden, so daß Herr Meyer eine Zeit lang aus dem Bierproben nicht herausgekommen sein soll.

Vermischtes.

S I» Soest wurde unlängst ein Bürger begraben der eine stattliche Wittwe und ein noch stattlicheres Anwesen hinterließ. Als der theuere Todte zur letzten Ruhestätte gebracht, begann nach alter Sitte der Leichenschmaus, was man pietätvoll „Hauversupen" nennt. Als sich die Gäste verzogen hatten, tritt der letzte Leidtragende an die Wittwe heran mit den Worten: „Ick sin so lang hier blieben, ich woll die seggen, ick woll die hiroten!" „O bat bet mi leid, äwwer ick hewwe all min Nower Peter tausaqt He srogte mi fortens, als hei int Hus kam." Ländlich, sittlich!

§ (München eine typhusfreie Stadt.) Wer sich erinnert, wie noch vor einem Jahrzehnt München als Typhusherd verschrieen war, dem ängstliche Seelen gerne fern blieben, wird sich mit Dank bewußt werden, daß das Verdienst, Münchens Gesundheitsverhältniffe so wesentlich gebessert zu haben, in erster Linie dem kräftigen Eingreifen der Stadtverwaltung gebührt; die Affanirung hat durch Kanalisation, Schlachthof und Wasserleitung so erfreuliche Fortschritte gemacht, daß, abgesehen von der hohen Kinder­sterblichkeit, München jetzt zu den gesündesten Städten Deutschlands zählt. Der beregte traurige Mißstand aber hat nicht seinen Grund in Orts- und Klimaverhältnissen, sondern in der oft besprochenen, aber, wie es scheint, un­ausrottbaren Gewohnheit der fehlerhaften und unnatür-