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1885.

Donnerstag, den 9. April

Fuldaer

Ob die Errichtung einer großen central-ameri­kanischen Republik im Interesse der Regierung in Washington liegt — das ist eine Frage, die man sowohl bejahen als verneinen kann. Stellt sich eine solche Republik unter den Schutz der Ver­einigten Staaten und wird ein Zollbündniß abge­schlossen, welches den letzteren große Vortheile ge­währt, so wird man die Frage bejahen müssen. Sollte sich aber eine solche Republik als selbst­ständige Macht konstituiren, so ist es schwer einzu- sehen, welchen Vortheil die Vereinigten Staaten davon haben könnten. Denn die Macht einer solchen Republik könnte nicht nur gegen europäische Mächte, sondern auch gegen die Vereinigten Staaten in Anregung gebracht werden.

Eine große central-amerikanische Republik ist nur denkbar, wenn Mexiko, hinzutrilt und die Führung Übernimmt. Dieser Fall ist aber auf lange Zeit hinaus nicht anzunehmen, denn

1. sind die inneren Verhältnisse Mexikos so ge­artet, daß sie ihm eine auswärtige Aktion verbieten, und 2. würde die Regierung in Washington der Errichtung einer großen selbstständigen Republik unter Führung Mexikos, aus leicht ersichtlichen Gründen, ihren Widerstand entgegensetzen.

Welche Pläne der Präsident von Guatemala auch verfolgey mag — auf die Unterstützung durch Mexiko wird er nicht rechnen können. Auch die Vereinigten Staaten sind dagegen. Wir halten bis auf Weiteres an der Meinung fest, daß die Angelegenheit im Sande verlaufen wird, obgleich man sich auf manche sensationelle Depesche gefaßt machen muß. Im schlimmsten Falle wird es sich um einen kleinen Krieg zwischen Guatemala und Salvador handeln.

* Der Kampf um Centralamerika.

Unlängst kam aus Central-Amerika die Nach­richt, der Präsident von Guatemala, Barrios wolle die Einheit der centralamerikanischen Republiken nöthigenfalls mit Waffengewalt Herstellen. Dieser Gedanke ist alt und ist namentlich in den letzten drei Jahren oft ausgesprochen worden. Lediglich das ist überraschend, daß Barrios den gegenwär­tigen Zeitpunkt für geeignet halten soll, den Ge­danken, nöthigenfalls mit Waffengewalt auszuführen. Simon Bolivar, der hervorragendste unter allen spanisch-amerikanischen Politikern dieses Jahrhun­derts, hat den Gedanken einer c entral-amer i- kanischen Republik zuerst gefaßt und hat der Ausführung des Gedankens einen großen Theil feiner Thätigkeit — vergeblich gewidmet. Er ist gestorben in der Erkenntniß, daß die Eifersucht der einzelnen Republiken der Ausführung des Planes unübersteigliche Schranken in den Weg legt. Was Bolivar nicht gelungen ist, das wird Bar­rios sicherlich nicht erreichen. Bolivar genoß in dem ganzen spanischen Amerika ein großes An­sehen. Barrios besitzt nichts davon. Bolivar ver­fügte zu seiner Zeit über verhältnißmäßig bedeutende Hilfsmittel. Diejenigen Barrios sind unbedeutend. Zu Bolivars Zeit war der Gedanke populär; heute ist er es nicht. Der frühere nordamerrkanische Staatssekretär Blaine brachte einst einen Kongreß der amerikanischen Republiken in Vorschlag. Er hatte den ganzen Einfluß der Diplomatie der Ver­einigten Staaten in den Dienst dieser Idee gestellt, die gesummten Kosten des Kongresses, der in Rew- Dork stattfinden sollte, wollten die Vereinigten Staaten tragen. Blaines Absicht war allerdings nicht die Schaffung einer großen, politisch selbst­ständigen central-amerikanischen Republik, sondern er verfolgte den Plan, die central-amerikanischen Republiken vereinigt unter den Schutz und die Vor­mundschaft der Regierung in Washington zu stellen. Zudem sollte ein Zollbündniß hergestellt werden. Einige Republiken hatten zwar den Vorschlag Blaines mit Bereitwilligkeit aufgenommen; na­mentlich Guatemala, welches damals mit Mexiko im Grenzstreit lag und sich dabei die guten Dienste der Vereinigten Staaten sichern wollte. Die Mehr­zahl der Republiken aber, vor allem Mexiko ging nicht mit und wandte sich von den Absichten Blaines ab, und jene so geräuschvoll angekündigte Absicht geriet h in Vergeffenheit.

macht sich immer erst bemerkbar, wenn Alles dem Ende zudrängt, wenn man im Abgeordnetenhaufe schon fertig zu fein glaubt. Dann wird man daran erinnert, daß ohne sein Votum kein Gesetz zu Stande kommt und man wird diesmal ganz beson­ders daran erinnert werden. Wenn der Huene'sche Antrag, wie es scheint, im Abgeordnetenhause ohne besondere Schwierigkeiten zur Annahme gelangen sollte, so wird der Kampf im Herreuhaufe erst los­gehen. Dort sitzen noch einige „Herren", die mit besonderer Zähigkeit an den alten preußischen Finanz­traditionen festhalten. Wenn sich die Regierung für den Huene'schen Antrag im Herrenhause nicht ganz energisch in's Zeug legt, dürfte er dort zu Falle kommen.

* Das fünfzigjährige Jubiläum des B. stehens der Eisenbahnen in Deutschland soll angemessen gefeiert werden. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten soll, wie es heißt, die Anregung zu einer großen nationalen Feier geben.

• Wie man der,Frkf. Ztg.' meldet, ist Aussicht vorhanden, daß im Jahre 1888 in Berlin eine große deutsche nationale Gewerbe- und In­dustrie-Ausstellung ftattfinbet. Die leitenden Persönlichkeiten der Ausstellung von 1879 faßten gestern einen entsprechenden Beschluß und scheinen der Zustimmung der maßgebenden Kreise sicher zu fein.

* Der am Ostermontag verstorbene General Eduard Vogel v. Falckenstein war geboren am 5. Januar 1797 zu Breslau als Reffe des damaligen Fürstbischofs von Breslau, trat 1813 in ein westpreußisches Grenadierbataillon ein, machte den großen Krieg mit und zeigte in dem Gefechte von Montmirail eine Kühnheit und einen Helden- muth, daß er mit bem eisernen Kreuze ausgezeich­net und Premierlieutenant wurde. 1866 erhielt er die Führung der 60,000 Mann starken Mam- armee, mit welcher er Hannover nahm und sich dann gegen die süddeutschen Truppen wandte; für die ihm gewordene Dotation kaufte er vom Herzog von Augustenburg das Gut Dölzig. Im Sommer 1870 trat der 73jährige General nochmals in den aktiven Dienst, um zum General-Gouverneur der deutschen Küstenlande ernannt zu werden. Seiner politischen Gesinnung nach war Bogel v. Falcken­stein im Gegensatz zum preußischen starrkonservativen Armeegeiste mehr freisinnig angelegt, was ihm viele Feindschaft zuzog.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. April.

* Der Stoff, welcher dem Abgeordnetenhause nach Ostern noch vorliegt, ist ein so geringer — er besteht in der Hauptsache aus der hessen- nassauischen Kreis- und Provinzialord­nung und dem Huene'schen Verwendungsan­trag — daß der Schluß der Sffsion sehr bald, womöglich vor dem 1. Mai zu erwarten wäre, wenn nicht ein Faktor, den man bei derartigen Berechnungen schon vergeffen hat, da wäre — das Herrenhaus. Das Herrenhaus, welches für ge­wöhnlich eine fo bescheidene und stille Existenz führt,

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Q) Maske gegen Maske.

Roman von A. Werner.

Er riß feinen unscheinbaren Rock auf und zeigte das Abzeichen des Polizeibeamten.

Es war Pergon, der den jungen Mann ver­haftete.

Frau Romont und Gabriele stießen gleichzeitig einen gellenden Schrei aus, während Ferrand Lebrun todtenbleich wurde.

„Weßhalb verhaften Sie mich?" stieß er dumpf hervor.

Pergon warf einen mitleidigen Blick auf Ga­briele rind ihre Mutter. Dann sagte er:

„Sie werden es auf der Präfektur erfahren. Folgen Sie mir!"

Eine erschütternde Scene folgte. Gabriele warf sich an die Brust des jungen Mannes, während ihre Mutter sie zu beruhigen suchte. Ferrand sprach fein Wort, aber in den Augen standen ihm Thränen.

„Weffen beschuldigt man meinen Bräutigam?" fragte das in ihrem Schmerz fast vergehende junge Mädchen.

Pergon hatte ein weiches Herz. Er entgegnete:

„Herr Lebrun wird es auf der Präfectur erfahren. Ich hatte nur den Auftrag, ihn zu verhaften. Aber ich habe keine Zeit zu verlieren!"

Fast mit Gewalt mußte Frau Romont Ga­briele von dem Hals des jungen Mannes ent­fernen, den sie krampfhaft umklammert hielt und als es endlich gelungen war, brach sie mit dem Ausruf: „O mein Gott, ich sterbe!" ohnmächtig zusammen.

„Ich bin mir keiner Schuld bewußt," sagte Ferrand düster. „Alles wird sich aufklären. Trö- sten, beruhigen Sie Gabriele, ich werde bald zurück­kehren."

Er warf noch einen letzten, verzweiflungsvollen Blick auf Gabriele, bann folgte er Pergon, wel- cher ihn zu einem Wagen geleitete, ber vor ber HauSthür hielt. Reben dem Wagen standen noch zwei Polizisten, und ein dritter saß im Wagen. Mit gesenktem Haupt stieg Ferrand ein, und der Wagen rollte davon nach ber Präfectur.

„Zeigen Sie mir ben Weg," sagte ber junge Mann, als der Wagen vor der Präfectur hielt.

„Gerade aus, das Zimmer zur rechten Hand.

Das angewiesene Zimmer war mit Polizei­beamten und Gensd'armen angefüllt, so daß der Verhaftete kaum einen Stuhl zum Sitzen fand.

Pergon entfernte sich jetzt, um dem Polizei- birector Bericht zu erstatten.

„Das hast Du brav gemacht," sagte der Directvr, nachdem er Pergon angehürt hatte.

Während ber kurzen Pause, bie zwischen dem Verschwinden Pergon's und dem Eintritt des Ver- brechers, — denn in den Augen der Polizei war er bereits ein solcher, — verging, bereitete der Director sich auf das bevorstehende Duell vor. Das erste peinliche Verhör ist in ber That ein Duell, ein Duell, in welchem jeglicher Vortheil auf Seiten bes Inquirenten ist. Ihm steht unter ben Mitteln bes Angriffs bte Wahl frei, während ber Angeklagte nicht weiß, von welcher Seite ber Schlag geführt werben wird. Der Eine ist kalt­blütig, der Andere aufs Höchste aufgeregt. Der Kampf ist ein völlig ungleicher.

Die Thür öffnete sich und der junge Lebrun trat ein.

„Setzen Sie sich, mein Herr!" redete ihn der Polizeibirector höflich an.

Ferranb nahm Platz und erwartete schweigend, welche Frage man an ihn richten würde.

Der Beamte maß ihn mit durchdringenden Blicken; er fühlte sich in eigenartiger Stimmung. Die Gestalt des jungen Manne» schien ihm nicht