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Fuldm

1885.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Wegen des hl. CharsrcitagS wird die nächste Nummer dieses Blattes erst am Sonnabend ausgegcben.

aW Bestellungen auf das begonnene II. Quartal 1885 der .Fuldaer Zeitung' werden von den Post-Anstalten, Boten und in der Expedition noch fortwährend entgegengenommen. Die Nach­lieferung der bereits erschienenen Exemplare erfolgt auf Verlangen.

Selbstsucht und Mammonsdienft.

Eine Charfreitags-Betrachtung.

** Wir haben es oft erwähnt, aber es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß man in unserer Zeit systematisch daran arbeitet, den so­genannten „Kirchenglauben'' an Gott und die Un- sterblichkeit der Seele aus der menschlichen Gesell­schaft zu verdrängen. Zwar sieht man ein, daß man dadurch ein vorzügliches Mittel, die „Menge" in sittlicher Ordnung zu erhalten, aus der Hand gibt, und sucht deshalb den Ausfall der Gottes­lehre durch allerlei „Vernunftgründe", durch „Verstandesbildung" u. dgl. unschädlich zu machen, die thatsächlichen Folgen jedoch liefern den augen­scheinlichen Beweis, daß dieses wahnwitzige Unter­fangen schließlich nur zu heuchlerischem Egoismus, zu Unzufriedenheit und sozialem Elend führt. Und wenn die Verkündiger dieser unheilbringenden Lehre von „unduldsamen" Anhängern der Kirche reden, so darf man ihnen kühn entgegen halten, daß sie selbst in ihren Ansichten noch weit „unduldsamer" sind und daß gerade sie am allerwenigsten die Ueberzeugung Anderer respektiren. In Folge der traurigen Verirrungen, die sie mit ihren verführe­rischen Mitteln hervorgerufen, geht ein ungestümes Verlangen nach Glück und Seelenfrieden, ja eine wahre Gottessehnsucht durch unsere Zeit. Unter solchen Umständen kann es ja gar nicht ausbleiben, daß man die öde Leere ier neuen Weisheit sehr bald und sehr peinlich empfindet. Wo die wahre Gottesfreude fehlt, muß das Herz darben, und könne» alle glänzenden Erfolge des Jahrhunderts die Lücke nicht ausfüllen. Unsere Zeit ist zerrisien, weil sie das einigende Band des Ewigen verloren hat, und arm ist die Menschheit geworden, weil sie, wie ein zeitgenössischer Schriftsteller sich ausdrückt, das Erstgeburtsrecht der Gotteskindschaft hingab

für das Linsengericht sinnlicher Genüsse. Diese aber erfordern Geld, und so verfällt man dem Mammonsdienste, der sich mit den Geboten Gottes nicht verträgt. Jeder reißt in hab- und genuß­süchtigem Egoismus an sich, was ihm irgendwie erreichbar ist, und hat für den Mitmenschen zu seiner eigenen Bemäntelung nur leere, phrasenhafte Schönthuerei. Diese Selbstsucht macht aber den Menschen nicht glücklich, sondern tödtet die besseren Regungen seiner Seele. Der Egoismus erzeugt Ausbeutung, Knechtschaft und nie zu stillende Un­ruhe. Nirgends in aller Welt findet er einen grelleren Gegensatz als auf Golgatha — am Kreuze des sterbenden Welterlösers, der sich als Gott hin geopfert hat zum Heile der Menschheit, hingeopfert aus selbstloser Liebe. Liebe und Opfer bilden die Mittel der Erlösung. Nur diese Mittel führen die menschliche Gesellschaft zur wahren Freiheit und Kultur, zu Frieden und Glück. Aber nur in der Liebe zu Gott wurzelt die Kraft des Opfers, welche das Schicksal der Menschen besänf­tigen soll, damit wir von seiner rauhen Hand nicht unerbittlich zermalmt werden. Der Mensch muß sich selbst zum Opfer bringen, wenn er zu Gott gelangen will, er iMß verzichten auf Egois­mus, Eitelkeit und Genußsucht. In dieser Absicht fällt der gläubige Christ nieder am Fuße des hl. Kreuzes und küßt im Staube knieend das Sinnbild der Welterlösung. Das Kreuz lehrt die Noth wendigkeit der Buße und Sühne, und diese Lehre gilt dem Einzelnen wie den Nationen. Wenn Wucher und Egoismus die Menschen in Herrschende und Sclaven die Unbemittel­

ten das Objekt der Ausbeutung und der Sinnen­lust der Mächtigen und Reichen geworden sind, so kann nur die Rückkehr zu der Opferlehre des Kreuzes den durch Ausbeutung und Sinnlichkeit heraufbeschworenen Ruin eines Volkes ferne halten. Folgen die Nationen den Lehren des Kreuzes, so sehen wir das entgegengesetzte Schauspiel. Die Liebe zu Gott, welche die Seelen reinigt, erhebt und beseligt, breitet sich über alle Menschen aus und umschlingt sie mit den Banden gegenseitiger Liebe. Die wahre Nächstenliebe ist die gegenseitige Liebe in Gott. Sie ist Opfer und Bürde; sie sucht nicht bas eigene Selbst, sondern was den Anderen erfreut. Sie beutet nicht aus, sondern gibt. Sie mißbraucht den Nächsten nicht zu eigener Genußsucht, sondern opfert für ihn; sie kennt keine

Eitelkeit, sondern ist demüthig. Sie will nicht Streit und Ruhmredigkeit, sondern Frieden und stille Genügsamkeit in Gott. Der Gottessohn de- müthigle sich bis zum Tode am Kreuze. Die Lehre des Kreuzes in drei Worte zusammenfassend, dürfen wir sagen: Demnth, Opfer und Liebe bilden die Welterlösung. Es kommt nun darauf an, daß die Menschen sie guten Willens in sich aufnehmen und sich dadurch ihres Segens theilhaftig machen. Das erfordert allerdings Kampf gegen starke und zähe Gewalten — man nennt sie Leidenschaften. Der tägliche Anblick des Kreuzes verleiht dem Gläubigen die zu diesem Kampfe nöthige Kraft und Ausdauer. Darum zurück — zur Demnth, Liebe und Opferwilligkeit des Kreuzes! —

Deutsches Reich.

Berlin, 1. April.

* lieber die Verwendung der Bismarck­spende melden verschiedene Blätter:

Gestern Abend hatte der Reichskanzler Fürst v. Bismarck eine dreiviertelstündige geheime Unterredung mit dem Her­zog v. Ratibor, als dem Vorsitzenden des Central-Komitö's, welches jüngst den Ankauf des Schönhausen'schen Stamm gutes beschlossen hat. Fürst Bismarck sprach den Mitgliedern desKomitö's seinen herzlichsten Dank aus für die Sympathie, welche sie seiner Person, seiner Fami­lie und deren Interessen so reichlich erwiesen, aber er knüpfte daran die bestimmte Erklärung, daß er zu seinem Bedauern nicht in der Lage sei, das Geschenk des Komitö's anzunehmen. Abgesehen von den son­stigen Bedenken, welche gegen eine persönliche Beschenkung mittels einer nationalen Kollekte sprächen, falle hier be­sonders in's Gewicht, daß einerseits die Sammlung viel­fach, ja mit Ausnahme der Eingeweihten von Allen, als einer Stiftung dienend betrachtet worden und daß an­dererseits er (der Reichskanzler) durch die Freigebigkeit des Monarchen und der Gesetzgebung bereits hinlänglich über die Sorge für sein Familien-Vermögen hinausgehoben worden sei, da er noch 1866 die Dotation von 400,000 Thalern und nach 1870 die lauenburgischen Domänen, die wohl dreimal so viel werth, erhalten habe.

Der Herzog v. Ratibor, welcher von dem ablehnen­den Bescheid des Reichskanzlers sich sehr überrascht fühlte, gestattete sich, zu erwidern, daß er an der Stelle des Reichskanzlers als Familienvater sich nicht bloß berechtigt, sondern auch verpflichtet fühlen würde, ein so schönes Ge­schenk von li 2 Millionen Mark anzunehmen zum Wohl der Kinder, deren Zukunft man nicht sicher genug stellen könne. Ferner gab der Vorsitzende des Komitö's zu be­denken, was denn nun mit dem einmal gekauften Gute werden solle. Fürst Bismarck erwiderte mit feinem Lächeln, daß er sich ja sehr freuen würde, wenn er die Herren vom Konnte zu Gutsnachbarn erhielte, daß er aber, um ihnen alle Umstände zu ersparen, den Vorschlag mache.

Q) Maske gegen Maske. (11 Roman von A. Werner.

8. Kapitel.

Erkannt.

„Was höre ich. Sie kennen den Tobten?" rief der Direktor aus.

„Sogar sehr genau; er ist ein reicher Kaufmann, welcher feit vorgestern Abend spurlos verschwun­den ist."

„Und ich fange nachgerade an zu bezweifeln, daß wir mit unfern Nachforschungen vom Glück begünstigt werden. Die Angelegenheit wird immer verwickelter und geheimnißvoller. Sind Sie auch davon überzeugt, daß der Leichnam dieses Unglück­lichen mit dem des gesuchten Kaufmannes identisch ist."

„Allerdings. Ich bin diesem Manne wohl hun­dertmal auf Spaziergängen begegnet. Er genoß als Kaufmann ein hohes Ansehen, wie auch sein Vater, der das große Geschäft als junger Mann begründet hat. Es ift ein großes Lemengeschäft."

„Sein Name?“

„Martin Collin Bajard u. Co, wie die Firma in's Handelsregister eingetragen ist."

„Er hatte also einen Kompagnon?"

„Freilich, aber dieser hat sich nie um das Ge­schäft gekümmert — ich glaube sogar, er wohnt nicht in Paris."

„So," sprach der Direktor nach einer Pause, „haben wir wenigstens einen Faden, nachdem wir uns richten können und welcher Tolbiac, dem ich die Leitung dieser Untersuchung zu übertragen be­absichtige, vielleicht auf die richtige Spur führen kann."

„Tolbiac," versetzte der Äommiffair, indem er eine bezeichnende Geberde machte, ich traue diesem Mann nicht, mag er immerhin pfiffig und schlau sein."

„Er hat zwar seine Praxis in einer anderen Schule, als der unfrigen erlernt, aber er versteht doch unleugbar fein Fach. Allerdings würde ich den alten Herrn Lebrun ihm vorgezogen haben, aber leider will derselbe sich nicht mehr in Polizei- fachen mischen, da er reich ist und sein Sohn eine sehr vortheilhafte Ehe zu schließen im Begriffe steht. Hoffen wir, daß Tolbiac feinen Platz aus« füllen wird."

„Kennen Sie übrigens das Innere dieses Pavil­lons, Herr Kommiffair?" j |

„Nein ich habe nur zufällig erfahren, daß hier feit vorigen Sommer eine vornehme Engländerin gemo .nt hak."

„Eine Engländerin? Das stimmt. Mit einer Gesellschafterin, nicht wahr?"

„So ist es. Wissen Sie, auf welche Weise ich das erfahren habe? Es ist seltsam, hören Sie. Ein Bewohner, welcher sein Geschäft neben diesem Hause betreibt, kam eines Tages zu mir, um mir mitzutheilen, daß die erwähnten beiden Damen vor einigen Tagen dieses Haus, welches seit drei Jahren verschloffen gewesen, tn Besitz genommen hätten, ohne den Eigenthümer um-Erlaubniß zu fragen. Es war dies allerdings keine besonders graoirenbe Anklage, allein ich nahm doch Anlaß, darüber eine Untersuchung anzustellen, d e zu dem überraschen­den Resultat führte, daß der betreffende Ankläger, ein Kohlenhändler, sich heimlich des Hofes bediente, um darauf Kohlen und Holz zu lagern. Die Damen waren ihm also in geschäftlicher Beziehung sehr im Wege, daher auch die Anklage. Ich er­innere mich, daß die Dame, eine schöne, stolze Frau, mich persönlich aus meinem Bureau besuchte."

„Würden Sie sie iviedererkennen?"

„Gewiß, so auffallend schöne Züge verlieren sich nicht aus dem Äedächtmß."

„Nun, dann begeben Sie sich nach dem Leichen­hause. Es ist die unglückliche Frau, welche in einem Koffer gefunden word.n ist. Ihre Erzählung