Einzelbild herunterladen
 

JW 70

Freitag, den 27. März

1885

Fuldm

ltttNg

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Ueber die Aussichten des Eisenacher Oberlandes auf Eiseubahuen

haben die jüngsten Verhandlungen de» Preußischen Abgeordnetenhauses ausreichende Aufklärung ver­schafft. Der Reichstagsabgeordnete Herr Ludolf Parisius schreibt darüber der ,Eis. Tgspst.' da» Folgende:

Im Kommissionsberichte über die Verhandlungen betreffend Fulda-Ger«feld war mitgetheilt, daß der Regierungskommissar

„auf eine an ihn gerichtete Anfrage, wie die Regierung zu der Erbauung einer weiteren Rhönbahn von Hünfeld durch da« Ulsterthal nach Hilders, welche für weite von der Bahn Fulda-Gersfeld nicht berührte Gebiete der Rhön von der größten Bedeutung fei, stünde", nur geantwortet habe,

„daß die Bahn Fulda-Gersfeld einer anderen Bahn nicht präjudizire."

In der Plenarsitzung vom 20. März, hielt der deutschfdeisinnige Abgeordnete Eisenbahndirektor a. D. Büchtemann laut dem stenographischen Bericht folgende Rede:

„Meine Herren, ich möchte Ihre Aufmerksam­keit darauf lenken, daß da« Gebiet der Rhön in sehr ungünstigen Verhältnissen sich befindet, und daß es sehr wünschenswerth ist, zu erfahren, wie die Regierung, die nun einmal die Erweiterung de« Bahnnetzes fast allein in der Hand hat, eS sich denkt, wie das Gebiet der Rhön aufgeschloffen werden soll. Es liegt die Schwierigkeit vor, daß nur ein Theil dieses Gebiets Preußen gehört,"ein anderer Theil aber Sachsen-Weimar, Meiningen und Bayern. Es ist ja wünschenswerth, daß die Bahn von Fulda nach Gersfeld eine Fortsetzung im Osten nach Bayern, etwa nach Neustadt er­hält. Soviel ich weiß, sind auch die Bayern nicht abgeneigt, eine solche Fortsetzung in Aussicht zu nehmen. Es bleibt aber da« ganze Gebiet nördlich der Rhön bi« hin zur thüringischen Bahn unaufgeschloffen. Es sind eine Menge von Projekten in früheren Jahren schon ausgenommen, jedoch bisher ohne Erfolg. Es kann sich einer­seits darum handeln, von der Werrabahn aus eine Verbindung nördlich oder südlich zu erreichen, nördlich etwa nach Hersfeld oder Hünfeld oder südlich von Meiningen nach Fulda hin. Es wäre jedenfalls gut, wenn die Verfolgung dieser Pro-

0) Maske gegen Maske.

Roman von A. Werner.

Was gibt e« Neues?" fragte er den Gerichts - direktor, nachdem sie sich herzlich die Hände ge­schüttelt hatten.

„Etwas Neues und Außergewöhnliches; seit 15 Jahren habe ich Aehnliches nicht erlebt."

„Und Sie kommen wahrscheinlich in der Absicht, mich auf's Neue für Ihre Dienste anzuwerben, oder wenigsten», mich um Rath zu fragen?"

„Ich glaube, daß e« Ihnen allein gelingen wird, dieses dunkle Geheimniß zu erhellen."

„Halten Sie mich für einen Hellseher?" warf Lebrun spöttisch hin „Setzen Sie sich, mein theurer Freund, und laffen Sie mich Ihre Ge­schichte hören."

Der geschickte Beamte ging nun ohne Umschweife zu dem uns bekannten Kriminalfalle über, den er sehr klar beschrieb. Er verschwieg nicht den klein­sten Punkt und wußte dabei da« Hauptsächlichste von dem Nebensächlichen so zu trennen, daß man sofort erkannte, man habe e« mit einem Fachmann zu thun.

Herr Lebrun hörte ihm mit gespannter Aufmerk-

jekte von einem Prinzip ausginge, und wenn cs vermieden würde, daß die Projekte einzeln zur Ausführung kämen, wobei der Zusammenhang verloren gehen könnte. In jedem Falle müßten, wenn dies geschehen sollte, Verhandlungen mit der großherzogl. sächsischen Regierung gepflogen werden. Ich möchte mir die Anfrage an die Negierung erlauben, ob solche Verhandlungen überhaupt ge­schwebt haben, ob sie eingeleitet sind, oder ob bis­her der Aufschluß dieses Landestheils von der Eisenbahnverwaltung noch nicht in Angriff ge­nommen ist."

Ihm antwortete der Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach wie folgt: Die Nothwen- digkeit, die Rhön weiter aufzuschließen, erkennt die Regierung an, sie ist mit dem Projekt von Fulda nach Gersfeld zuerst hervorgetreten, weil dieses un« als da« dringendste bezeichnet wurde, sie hat aber auch Vorarbeiten machen laffen für eine andere Linie im Rhöngebirge, von Hünfeld nach Hilders, eine Linie, die sich auch landschaftlich auszeichnet und, wie ich glaube, einen guten Verkehr haben wird. Die Fortsetzung nach Bayern die wir unsererseits wünschten, ist nicht durchzu­führen gewesen, weil die königlich bayerische Re­gierung Anstand genommen hat, die Linie von Bischofsheim aus ihrerseits bis zur Grenze fort­zusetzen mit Rücksicht auf die technischen Schwie­rigkeiten. Ein Projekt, von dem ich in den Zei­tungen sehr viel gelesen habe, und welches, wie ich glaube, auch der Herr Vorredner im Auge hat,"von Meiningen nach Fulda, ist unserer­seits nicht verfolgt. Ich glaube auch, soweit ich über die Sache orientirt bin, daß dieses Pro­jekt auf sehr große Schwierigkeiten stoßen und sehr viel Geld kosten würd e."

Hiernach dürfte zu konstatiren sein:

1) daß über den Bau der Linie Hünfeld- Hilders, für welche die Vorarbeiten gemacht sind und die vom Herrn Minister Maybach sogar als mit „voraussichtlich gutem Verkehr" bezeichnet wird, wohl im nächsten Jahre eine Vorlage an den preußischen Landtag zu erwarten ist;

2) daß Verbindungslinien zwischen der Werra­bahn und der Bahn Herrfeld-Hünfeld-Fulda, ins­besondere Eisenbahnen von Meiningen oder Rit­schenhausen aus durch die Rhön vorläufig von der preußischen Regierung noch nicht ins Auge

samkeit zu und schloß die Augen, um desto auf­merksamer die Worte in sich aufnehmen zu können.

„Ist das Alles?" fragte er, als der Beamte schwieg.

„Durchaus Alles. Der Taubstumme sitzt im Gefängniß, die Frau befindet sich im Leichenhause und die Leichenschau hat nur ergeben, daß das bedauernswerthe Opfer am gestrigen Abend ge- tödtet worden ist."

„Der Fall ist allerdings sehr seltsam", ant­wortete Herr Lebrun; „wenn Sie meinem Rathe folgen wollen, so stellen Sie den Leichnam noch nicht öffentlich zur Schau, sondern balsamiren Sie denselben ein. Der Kofferträger ist jeden­falls taubstumm sein und dürfte in diese blutige Affaire sehr wenig oder vielleicht gar nicht ver­wickelt sein. Ec wird vor seiner Verhaftung irgendwo gewohnt haben, entweder bei dem Mörder oder einem Andern, gleichviel. Wenn Sie nur den früheren Aufenthalt des Verhafteten kennen, werden Sie auch die Identität deffelben feststellen können. Was hat man bei ihm gefunden?

„Sieben Sous, ein kleines wohlfeiles Taschen­messer und ein Stück Koble —"

„Ein Stück Kohle?" wiederholte Herr Lebrun, „hm; der Bursche ist sogleich frei zu laffen."

gefaßt sind. In Betreff solcher Bahnlinien würde den Interessenten in Sachsen-Weimar und in Sachsen-Meiningen zu empfehlen sein, ihre An­strengungen zunächst darauf zu richten, daß die beteiligten thüringischen Regierungen die Sache betreiben; die Initiative der preußischen Regie­rung steht für lange Zeit dabei nicht in Aussicht.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. März.

* Beide Häuser des Landtages sind in Ferien gegangen. Da« Gerücht, daß die Session schon geschloffen werden solle, hat sich also nicht bestätigt, sie kann aber, wenn nicht ganz unerwartet noch neue Vorlage kommen, nach Ostern nur noch sehr kurze Zeit dauern. Die Kreis- und Provinzial« ordnung für Hessen-Na ff an wird nach Ostern sehr bald beraten werden und wohl in der ihr von der Kommission des Abgeordnetenhauses ge­gebenen Faffung zu Stande kommen.

** Ueber die kirchenpolitische Lage kommen so mannigfaltige und widersprechende Gerüchte, daß man am besten sich gegen die meisten dersel­ben abweisend verhält. Während die katholischen Blätter meist schweigen, weil sich nichts Positives melden läßt, bringen die haldofsiziösen und liberalen Blätter Deutschland» jeden Tag Nachrichten und einander widersprechende Artikel über die Be­ziehungen Preußens zu dem hl. Stuhle. Diese mehr- oder weniger phantastischen Nachrichten sind sämmtlich, zumal in solchen Zeitungen, mit großer Vorsicht auszunehmen, denn sie haben meist bloß den Zweck, Verwirrung zu stiften. Sicher ist nur, daß die Verhandlungen de« Hrn. v. Schlözer mit dem Kardinal-Staatssekretär Jacobini fortdauern. Bisher bildete, wie gut unterrichtete Blätter wissen wollen, die Seminarfrage allein den Gegenstand der Beratungen; Personenfragen seien noch nicht berührt worden.

* Das Herrenhaus beauftragte in seiner heutigen Sitzung zunächst das Präsidium, dem Reichskanzler zu seinem 70. Geburtstage die Glück­wünsche des Hauses zu übermitteln, und nahm sodann in einmaliger Schlußberalhung eine Reihe von kleineren Vorlagen debattelos an, nämlich den Entwurf betreffend die Schadloshaltung des schles- roig - holsteinschen Hauses, die Abäneerung der evangelischen Kirchenverfaffung Hannover«, die

„Ihn frei laffen?" fragte der Chef erstaunt. „Nun freilich, dabei folgen Sie ihm aber ver- kleidet von ferne; ich h«be mich früher so un­kenntlich zu machen verstanden, daß ich den Schurken einen guten Tag geboten habe, ohne von ihnen erkannt worden zu sein. Wenn Sie sich indeß dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlen, so wählen Sie zwei geschickte Unterbeamte, die seine wirkliche Flucht zu verhindern suchen müssen. Wie ein Blinder seine Wohnung findet, so wird der Taubstumme auch dahin zu gelangen suchen, sobald er sich frei weiß. — Jetzt werden Sie mir hoffentlich gestatten, mich zurückziehen zu dürfen. Mein Sohn, der mich nut alle Sonntage besuchen kann, ist bei mir und ich gehöre ihm für diesen Tag an."

„Ich habe vergessen, Ihnen die Spielkarte, die Pique-Dame, zu zeigen", sagte der Beamte, indem er die Karte hervorzog.

Herr Lebrun besah die Karie von allen Seiten. Plötzlich legte er einen Finger auf die Öffnung, welche der Dolchstoß verursacht hatte.

„Ein geschickter Stoß", murmelte Herr Lebrun. Er war sicherlich im Begriff gewesen, mehr zu sagen, aber er schwieg.

„Mein lieber Lebrun," äuß.rte der Gerichts-