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Montag, dLN 23. März
1885.
Fuldaer
eilung
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Deutsches Reich.
Berlin, 22. März.
* Der Kaiser empfing heute wegen einer leichten Erkältung nur die Gratulationen der königlichen Familie und der fremden Fürstlichkeiten.
* Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Kreis- und Provinzial-Ordnung von Hessen-Nassau hält täglich mehrstündige Sitzungen ab und wird die zweite Lesung in den ersten Tagen der nächsten Woche erledigen, so daß gleich nach Ostern die zweite Berathung im Plenum stattfinden kann.
* Wie man der ,Pol. Corr." unten« 19. d. aus Rom meldet, ist Feldmarschall Graf M oltke in strengem Jncognito in San Remo eingetroffen.
* Dem Staatssekretär Stephan ist vom Kaiser der AdelStitel verliehen morden.
• Der Reichstag erledigte gestern verschiedene Rechnungsvorlagen, genehmigte in zweiter Lesung die Novelle zum Reichsbeamtengesetz und nahm ohne Debatte in erster und zweiter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Befugniß von See- fahrzeugtN zur Führung der R»ichtflagge an. Am Montag beginnt die dritte Berathung der Dampfervorlage.
• Da» Abgeordnetenhaus genehmigte heute in dritter Lesung das rheinische und das hohen- zolleische Konsolidationsgesetz nach den Beschlüffen der zweiten Berathung. Die Abgg. Dr, Reichen«- pergcr (Olpe), Pleß, Limbourg und Graf (Hohen- zollern) wiederholten den Protest gegen die Vorlage, indem sie die Verantwortlichkeit für die Folgen desselben ablehnten. Demgegenüber hielt der Minister Dr. Lucius daran fest, daß da« Gesetz nothwendig sei und sich auch als ein wohlthätige» erweisen werde. Die Novelle zum rheinischen Hypolheken- Gesetze gelangte ohne Diskussion sammt einer von der Kommission vorgeschlagenen Resolution auf Reform de» rheinischen Ordre-Verfahren« definitiv zur Annahme. Die hierauf folgende Berathung des Gesetzentwurfs betreffend die Versorgung der Hinterbliebenen des Polizeirath« Rumpfs führt zu einer längeren Diskussion. Abgeordneter Dirichlet stellte zunächst den Antrag, die Vorlage wegen ihrer prinzipiellen Bedeutung an die Budgetkoinmission zu »erweisen, zog denselben aber wieder zurück, nachdem der Minister v. Puttkamer sich gegen eine kommissarische Vorberathung ausgesprochen und die
Abgeordneten Graf zu Limburg-Stirum und Dr. Windthorst ihre Zustimmung zu dem Gesetze erklärt hatten. Da« Hau« trat demnach gleich in die zweite Lesung der Vorlage ein, welche einstimmig angenommen wurde. Das Dotationsgesetz für die hohenzollernschen Amt«verbände und die Novelle zum Gesetze über die allgemeine Landesverwaltung fanden ohne Debatte Annahme. Bei der hierauf folgenden ersten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Sonderungen der Kirchenverfaflung der evangelisch.lutherischen Kirche der Provinz Hannover erklärte Abg. Dr. Windhorst, daß das Centrum, früherenVorgängen entsprechend, an denErörterungen, welche die Verfassung und die inneren Beziehungen der evangelischen Kirche betreffen, sich nicht betheiligen werde. Nach kurzer Debatte, an welcher sich die Ageordneten Ludowieg, Frhr. v. Grote und Hahn beteiligten, wurde die Vorlage in erster und zweiter Lesung angenommen. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete der Gesetzentwurf über die Abstellung von Berechtigungen zum Hauen oder Stechen von Plaggen, Haide u. s. w. für die Provinz Hannover. Auch dieses Gesetz gelangte nach den Anträgen der Kommission zur Annahme.
• Im Abgcordnetenhause ist eine Novelle zur Grundbuchordnung für den Regierungsbezirk Kassel eingegangen.
• Neuerding« hat da« Prooinzial-Schulkollegium in Berlin angeordnet, daß die öffentlichen Prüfungen bei den Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen künftig in Wegfall kommen sollen.
* Posen, 22. März. Der Kulturkampf ist trotz der Versicherungen nationalliberaler Blätter noch nicht erloschen. Pfarrer Zmura in Gogotewo bei Lions ist wegen der höchst staatsgefährlichen Spendung der Sterbesakramente gerichtlich verur- heilt worden.
'Stendal, 19. März. Wie dem ,Altm. Jnt.-Bl." aus Schönhausen berichtet wird, ist das Gärtner'sche Rittergut, das ehemalige große Bismarck'sche Gut, daselbst vorgestern verkauft worden, jedoch unter dem Vorbehalt, daß der Käufer bis zum 26. April zurücktreten darf. Da« genannte Blatt meint: „Es scheint, daß also doch jener Gut die Ehrengabe ist, welche dem Fürsten Bismarck an seinem 70. Geburtstage überreicht werden soll."
Ausland.
* Wien, 20. März. Kardinal Schwarzenberg überreichte gestern dem Kaiser ein Memorandum der Bischöfe.
— Die .Salzburger Chronik' bringt folgende Mittheilung: „Mit Freude bringen wir unseren Lesern die Nachricht, daß Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. in einem an den hochwürdigsten Fürst- Erzbischof Franz Albert gerichteten Breve, gegeben zu Nom am 4. März 1885, den Beschluß des Salzburger Landtage«, betreffend die Errichtung einer frei en katholischen Hochschule, sowie die Gründung des katholische« Universitäts-Vereins gutgeheißen, und dem hochwürdigsten Protektor, dem Präsidenten Georg Lienbacher und dem ganzen Verein den apostolischen Segen verliehen hat."
— Wie da« .Linzer Volksblatt' meldet, ist der durch seinen Streit mit dem verstorbenen Bischof Radizier bekannte Lehrer Rohr weck aus „Dien- steirücksichten" verfitzt worden.
* Haag, 22. März In der Vorlage betreffend die Revision der Verfassung wird beantragt, daß bei dem Fehlen männlicher oder weiblicher DeScendenten die T h r o n f o l g e an diejenige Prinzessin vom Hause Oranien übergehen soll, welche in der Linie der DeScendenz von dem Könige Wilhelm I. durch die Primogenitur dem letzten Könige am nächsten steht.
* Die augenblickliche Stellung Deutschlands zu Frankreich zeigt sich deutlich aus der Thatsache, daß die .Nordd. Mg. Ag.' die französische Behandlung de« Reifes als Kriegscontrebande, obwohl sie deutsche Rheder stark schädigt, enschuldigt und als völkerrechtlich statthaft erklärt.
* Was es mit dem Siege der Franzosen bei Kelong auf sich hat, ist noch nicht ganz klar. Die Stadt selbst scheint in ihrem Besttz zu fein; von den viel wichtigeren Kohlenminen dagegen erfahren wir nicht«. Allerdings sind diese Minen für de« Augenblick werthlos, da die Chinesen sie kurz vor der Landung der Franzosen gesprengt und somit unbrauchbar gemacht haben. Die Erfolge der französischen Flotte, die jetzt Jagd auf Kriegskontrebande macht, sind nach wie vor von sehr zweifelhaftem Werth.
* Rom, 22. März. Die Italiener in Massauha begannen in’« Innere vorzurücken und besetzten laut der ,F. Z.' aus den nach Keren und längs
Q) Maske gegen Maske. 12
Roman von A. Werner.
„ES gefällt Dir, Dich zu verstellen," begann der jüngere Offiziant, „nun, Du wirst Dich schon auf dem Wachtposten ausweisen. Der Polizei Inspektor versteht es, Dich zum R. den zu bewegen."
Der Angeredete blieb unbeweglich; man hätte darauf schwören mögen, daß er kein Wort verstanden halte. Er folgte inzwischen, ohne den geringsten Widerstand zu versuche«, den beiden Polizisten, die ihn in ihre Mitte nahmen und mit sich fortzogen. Während sie ihn abführten, bog um die Straßenecke ein Fuhrwerk, welches dieselbe Richtung verfolgte, die der Flüchtling einge- schlagen hatte.
„Was bringt ihr mir da?" fragte der Polizei- Inspektor, welcher an einem Schreibtische beschäftigt war, als der Gefangene vorgesührt wurde.
„Einen Schelm, Herr Inspektor, den wir abfaßt haben, als er mit diesem Koffer in die Straße l'Alouette einbiegen wollte. Wahrscheinlich hat er denselben auf einem BabnHofe oder ander«wo gestohlen", antwortete der frühere Zouave. „Wir haben ihn inquirirt, allein es beliebt ihm, sich zu
verstellen, als verstehe er kein Wort und er hat uns keine einzige Frage beantwortet."
„Dann muß man ihm die Zunge lösen", meinte der Polizei-Inspektor, indem er sich erhob. Er war eine hohe stattliche Persönlichkeit von etwa dreißig Jahren, die aber dem Dialekte nach der Provinz angehörte.
„Hollah, Burschet" fuhr der Inspektor den Äoffe:träger barsch an, „es ist hier nicht angebracht, Komödie zu spielen. Erkläre Dich ohne Umschweife oder ich lasse dich einsperren."
Der also Angeredete, neigte statt giner Antwort fein Haupt und hielt die Hände an "die Ohren.
„Du willst mir, wie es scheint, den Glauben beibringen, daß Du taub seist? Nun, dann habe ich mit Dir für'» erste nichts weiter zu thun, als Dich dahin abführen zu lassen, wohin man Verbrecher schafft. Du wirst später redseliger werden!"
Der Kofferträger schenkte dieser Verurtheilung keine Aufmerksamkeit und ließ sich stillschweigend in ei e finstere und enge Zelle führen.
„Ihr Uebrigcn", wandte sich der Polizeiinspektor an die anwesenden Beamten de« Wachtpostens, „öffnet mir jetzt den Koffer, damit ich, ehe ich meinen Rapport erstatte, mich persönlich von dem Inhalte desselben überzeugen kann."
Der Koffer war verschlossen, aber mit Meißel und Hammer gelang es sehr bald, das Schloß des Deckels zu sprengen.
Als der alte Zouave den Deckel in die Höhe hob, stieß er vor Entsetzen einen lauten Schrei aus, denn auf dem Bode« des Koffers erblickte er den Leichnam einer Frau.
2. Kapitel.
Eine Spielkarte.
Der Polizei-Inspektor selbst war bleich, obgleich er an aufregende ©eenen gewöhnt war und mehr al« einmal den traurigsten Entdeckungen beigewohnt hatte. Die Polizisten de« Wachtposten« drängten sich tiefbewegt an den Koffer heran, während der alte Zouave sich seinen mächtigen Schnurrbart strercheno, ingrimmig ausrief:
„Hah, der S ende! Ich hielt ihn für einen Dieb und siehe da, er ist ein Mörder!"
Keiner getraute sich, den Leichnam zu berühren.
Es war derjenige einer aristokratisch schönen Frau, gehüllt in einen Morgenrock von weißer Seioe, der reich mit brüsseler Spitzen besetzt war. Die Blässe des Todes hatte ihre Züge nicht verändert. Ihre über die Brust gekreuzten Hände umschlossen noch eine rothe Camelie und man