Fuldser S|l Jätung.
Donnerstag, den 19. März 1885.
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* Aus den Reichstags-Debatten über die Dampfersubventions-Borlage
vom 13., 14. und 16. d. M.
(Schluß.)
Fürst Bismarck knüpft an eine frühere Aeußerung Richter's über die dynastische Verwandtschaft Deutschlands und Englands an, und hebt hervor, daß die Verhandlungen mit England damals noch nicht abgeschlossen waren, bedauert, daß Richter durch die damaligen Ausführungen dem diplomatischen Verkehr vorgegriffen habe. Richter habe in England ein größeres Schwergewicht als in Deutschland. Er müsse sich überhaupt gegen die Ver- werthung dynastischer Verwandtschaften und Hineinziehen derselben in die Debatte verwahren. Solches gehe gewöhnlich von den Gegnern der Dynastien aus und sei niemals nützlich. Es sei dieselbe Tonart, die in den vierziger Jahren Herwegh bezüglich der verwandtschaftlichen Beziehungen Deutschlands und Frankreichs angeschlagen. Bei unserem Kaiserhause kommen zuerst die nationalen Interessen und keineswegs eine fürstliche Verwandtschaft in Frage.
Jazdzewski führt aus, die Polen würden gegen die Vorlage stimmen, zumal nach der Behandlung die sie vorgestern vom Reichskanzler erfahren hätten. Er pro- teftire gegen die Behauptung, daß die Polen auf Krieg rechnen, um ihr Vaterland wieder herzustellen, sie streben die Erfüllung ihrer nationalen Wünsche auf legalem Wege an und vertrauen auf die Hilfe Gottes.
Fürst Bismarck bestreitet, daß er behauptet habe, die Polen beabsichtigen Krieg; er habe nur gesagt, das Ideal gewisser Parteien sei nur im Falle eines unglücklichen Krieges erreichbar. Das halte er aufrecht. Die Losreißung Hannovers und Elsaß-Lothringens und die Wiederherstellung Polens seien nur durch einen unglücklichen Krieg oder eine Revolution möglich. Ob der Sieger im Kriege dann ein Interesse an der Wiederherstellung Polens haben werde, sei fraglich. Die Behauptung, solche Parteien glaubten an Erreichung ihres Zieles auf legalem Wege, sei eine vorsichtige Ausflucht.
Virchow führt aus,'wenn'man unter Colonien ackerbaufähiges Land verstehe, könne weder Neuguinea noch Kamerun in Frage kommen. Die Hauptsache bei den Colonien fei doch: In welchen Strichen kann der weiße Mann leben und wo nicht. Diese anthropologische Vorfrage werde heute viel zu wenig gewürdigt. Neben einer zu heißen Durchschnittstemperatur komme die Malaria in Betracht. England und Frankreich hätten diese Plätze stets vermieden. Es sei dem Reichskanzler vorbehalten geblieben, diese Striche für Deutschland auszusuchen. Wir dürfen dem Gedeihen der Colonialgesellschaften nicht das Leben und die Gesundheit unserer Landsleute opfern. Samoa erscheine ausgeschlossen, ebenso Afrika. Virchow tritt schließlich den Ausführungen des Reichskanzlers bezüglich der Politik der Deutsch-Freisinnigen entgegen und bestreitet, daß deren Haltung die Position Deutschlands zu andern Mächten erschwere.
Fürst BiSmarck: Die erwähnte Aeußerung Richters sei durchaus nicht so gewöhnlich und nebensächlich wie Virchow darstellen wolle. Im Interesse der Dynastie wir e eine solche Aeußerung nicht, namentlich aus bi in
ä Tagebrrchblätter.
(Fortsetzung.)
Und wenn wir Beide uns auch manchnial neckten und in kleinen Dingen Jeder seine eigene Meinung verfocht, in allen großen Angelegenheiten, in den Hauptsachen des Lebens waren wir stets einer Meinung. Besonders glücklich machte tS mich, zu bemerken, welch' guter, eifriger Katholik er war, mit welcher Liebe und Verehrung er an unserer hl. Religion hing. Mir war es gar eigen um's Herz, ein neues Leben war in mir erwacht, ein neues, süß.S, nie gekanntes Gefühl begann in mir zu keimen. Wenn feine Schritte nahten, pochte mein Herz zum Zerspringen, ich hätte entfliehen mögen und war doch festgebannt auf meinem Stuhl. Unv er? Ich sah, wie seine Augen leuchteten bei meinem Anblick; hörte, wie seine Stimme weicher k ang, wenn ec mit mir sprach; sah, wie er öfter und öfter in unser Haus kam, auch wenn er wußte, daß er Alfred nicht treffen würde; ich sah, daß ich lhm lieb und werth sei, wie wohl Keine auf Erden, und die Liebe in meinem Herzen, die nur gekeimt, sie sproßte empor, fie wurde groß und größer, sie umrankte mein Herz und umrankte mein ganzes Sein!
Munde Richters, der für die Interessen der Dynastie nicht die Feinfühligkeit des guten Royalisten besitze. (Murren links.) Richter habe jedenfalls nicht die Liebe und Anhänglichkeit an die Dynastie wie ein Royalist. (Murren links.) Es komme dazu, daß Richters Ansehen im Auslande bedeutend sei, habe doch ihn selbst zur Zeit der Berathung der Samoavorlage ein westeuropäischer Botschafter gefragt, wie es komme, daß Richter noch niemals Minister gewesen sei. (Heiterkeit.) Seitdem sei Richters Herrschaft in der Partei so gewachsen. Oho links.) Ja, reicht einer von denen die jetzt oho rufen, ihm auch nur das Wasser? (Stürmische Heiterkeit.) Ob post oder propter hoc, nach Richters Aeußerungen war England weniger nachgiebig. Es ist eben nothwendig, daß bei einer solchen Politik der ganze Reichstag entschieden hinter uns steht. Weiter bekämpft der Reichskanzler die Ausführungen Virchow's über die Möglichkeit der Colonien.
Abg. Racke vertheidigt zunächst die Berechtigung der Opposition gegenüber der Empfindlichkeit des Reichskanzlers und fährt dann fort: Der Herr Dr. Windthorst steht thurmhoch über die Angriffe des Reichskanzlers und der Rechten. Wir nennen Herrn Windthorst mit Stolz den Führer der Centrumspartei, und Sie werden doch nicht annehmen, daß sich das Centrum der Führung des Mannes anvertraut, der seine Interessen auf dem Wege eines Krieges oder auf sonstigen unlauteren Wegen zu erstreben sucht. Das Centrum wird mit aller Zähigkeit und mit Energie an der Erreichung seines Zieles fortarbeiten, aber wir werden bei diesem Kampfe keine unlauteren Waffen gebrauchen. Wenn sich der Reichskanzler darüber beschwert, daß die Reden der Opposition das Ausland ermuthigen, so möchte ich im Gegentheil behaupten, daß gerade die Aeußerungen des Reichskanzlers über die Opposition im Auslande Mißverständnih Hervorrufen können. Wenn der Reichskanzler Zweifel an der nationalen Gesinnung des Reichstages ausspricht, so muß das im Ausland mehr befremden, als jede Rede eines Oppositionsmannes. Zur Sache selbst habe ich zu bemerken, daß wir gern zur Bewilligung weiterer Dampfersubventionen bereit sind, wenn sich die erste Probe bewährt hat. Der Reichskanzler hat a selbst gesagt, daß in "Reser Richtung noch manche Er- ahrungen gesammelt werden müßten. Und wenn wir vvr- lchtig und langsam vorgehen, so ist das kein Mangel an nationaler Gesinnung, sondern wir sorgen bann nur für die Interessen des Volkes. Wir können nicht mit beiden Füßen sofort in diese neue Politik springen, sondern müssen abwägen. Ich würde außer der ostasiatischen auch die australische Festlandslinie bewilligen, wenn man auf unsere Vorbedingungen eingehen würde. Aber das ist leider Gottes nicht der Fall. Und wenn in der Kommission gar nichts zu Stande gekommen, so sind daran lediglich die Konservativen schuld, die offenbar nicht die richtigen Instruktionen von Seiten des Herrn Reichskanzler hatten. (Oho! rechts. Heiterkeit.) Der Herr Reichskanzler hat sich durchaus nicht auf den Standpunkt gestellt: entweder Alles oder gar nichts, sondern er acceptirt Theilzahlungen und hat damit die Haltung der Konservativen in der Kommission bementirt. Redner verbreitet sich sodann über unsere Kolonialpolitik und wird dabei durch wiederholte Schlußruse der Rechten unterbrochen. Durch die Art und Weise Ihres Gebahrens — fährt Redner zur Rechten ge-
Der Winter war vergangen, so glücklich, wie ich nie einen erlebt! Da brachte mein Oskar eines Tages die ersten Maiblümchen und
„Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen. Da hat er mir gestanden Sein Sehnen und Verlangen!" „Magdalena ich liebe dich mit meiner ganzen Seele! Willst du mein sein? Mein holdes Weib werden? Ich will dir eineHnmath schaffen, wie Du sie nie gekannt. Ich will dir Gatte, Vater, Mutter, Bruder, Schwester sein, ich will Dich lieben mit einer Liebe, wie Dich niemand liebt!" Wie Musik klang es an mein Ohr, einen Augenblick gab ich mich dem süßen Zauber hin, unv ich hatte ein Gefühl, als könnte ich nun ausruhen, so selig wie ein Kind am Mutterherzen — va fuhr ich empor mit dem Gedanken: „Ec, ein Baron, ich das einfache bürge: l che Mävchen, die Tochter eines Subaltern Beamten!" — „Nein, nein!" rief ich aus, „unmöglich! was würde Ihre Mutter, die Baronin zu einer solchen H.ürath sagen?" Ein leichter Schatten zog über Oskars schönes Antlitz, dann aber sagte er: „Meine Mutter wird sich gewiß meinem Glück nicht widersetzen. denn sie liebt mich über alles. Es ist wahr, sie ist eine stolze Aristokratin; aber was
wendet fort — könnten Sie mich schließlich dahin treiben, nicht nur heute die ostasiatische Linie abzulehnen, sondern auch in dritter Lesung. (Große Unruhe rechts.) Wenn der Reichskanzler feine Hoffnung auf die Heranwachsende Jugend stützt, so haben wir dieser gegenüber Befürchtungen, so lange man die sittliche und religiöse Erziehung der Jugend vernachlässigt. Frieden im Lande ist die Voraussetzung einer gesunden Kolonialpolitik. So lange der Kulturkampf dauert, kann man von uns Katholiken nicht erwarten, daß wir mit Freude und Begeisterung die Regierung unterstützen. Möchten doch die Worte des Königs Max von Bayern: Ich will Frieden haben mit meinem Volke, bald zur Wahrheit werden, damit wir einig arbeiten können en den großen Aufgaben, die uns gestellt find. (Bravo im Centrum.) — Das Resultat der Abstimmung, welche nunmehr folgte ist bekannt.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. März.
** Im Reichstage wurde heute die zweite Berathung der Zolltarif-Novelle bei den Holzzöllen fortgesetzt. Dieselbe scheint sich sehr in die Länge zu ziehen und wird noch zwei Sitzungen in Anspruch nehmen, dann soll unmittelbar darauf die dritte Lesung der Dampfervorlage folgen. Länger wie bis Mittwoch nächster Woche wird sich der Reichstag wohl nicht beschlußfähig zusammenhalten lassen. Das Abgeordnetenhaus will sich am 24. d. M. vertagen.
* Das Abgeordnetenhaus hielt heute eine Schwerinstagssitzung. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete der Antrag des Abg. Letocha auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs betreffs Schiffbarmachung des oberen Theils der Oder und die Herstellung einer Wasserstraße von der Over bei Fürftrnberg nach der Oberspree bei Berlin. Der Antrag, welcher von dem Abg. Letocha in ein- gehenver Werse motivirt wurde, begegnete auf allen Seiten des Hauses einer wohlwollenden Aufnahme. Auch die Erklärungen des Ministers Maybach, denen in dieser Frage das Hauptgewicht beizumessen ist, bekundeten die Sympathie der Regierung für eine bessere Wafferverbindung zwischen Oberschlesien und Berlin, wenn auch der Minister gleichzeitig die Nothmendigkcit der Erweiterung des Kanalnetzes im Westen der Monarchie hervorhob. Unter allseitigem Beifall erklärte der Minister schließlich, daß er dem Hause eine umfassende Kanalvorlage unterbreiten werde. Wenn auch die Finanzlage eine weniger günstige sei, so dürfe doch deshalb von einer produktiven Anlage nicht Abstand genommen werden. In gleichem Sinne
kann sie an einem Mädchen, wie Du bist, aus- setzen, eine herzgewinnende Erscheinung, gebildet, geschmückt mit schönen Talenten, ein edles frommes Gemüth, gute Katholikin — sie soll mir eine Dame von altem Avel zeigen, der Du nicht ebenbürtig wärest! Sage mir nur das Eine, liebst Du mich lief und wahr, könntest Du Dich mir anvertrauen für's Leben?' — „Oskar!" Mehr vermochte ich nicht zu reden, doch aus meinen Augen mochte er wohl mehr gelesen haben, denn er zog mich an sich und nannte mich seine süße kleine Braut. Wer kann da« Glück zweier Menschenherzen beschreiben, die zum ersten Male lieben und es sich zum ersten Male sagen?!
WaS nun folgt, davon möchte ich lieber schweigen. Erst hellster Sonnenschein, dann tiefste, dunkle Nacht! Es kam nicht so, wie Oskar gedacht, seine Mutter gab ihre Einwilligung nicht zur Verbindung mit mir. Er sei zwar mündig, fügte sie am Schluß ihres Briefes hinzu, brauche sich um die Ansichten einer alten Frau nicht zu kümmern, sie könne ihn nicht hindern, zu heirathen, wen er will-; aber über ihre Schwelle brauche er mit dem Bürgermävch.n nicht zu kommen. „Ja, sie hat Recht," sagte Oskar, „ich bin mündig und bin mein eigner Herr. Will die Mutter ihren