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Dienstag, den 17. März

Fuldaer

1885.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage /Sterne und Blumen^ in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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* Die Reichstags-Debatten über die Dampfersubventions-Borlage

vom 13. und 14. b. M. haben einige hochbedeut- same Reden ju Tage gefordert, und müssen mir unr bei dem knappen Raum unseres Blattes darauf beschränken, nur das Wichtigste aus denselben hier folgen zu lassen:

Abg. Rintelen (Centrum): Die ursprünglich mangel­hafte Motivirung der Vorlage hätte die Abweisung a limine gerechtfertigt, indessen haben wir werthvolle Mittheilungen in der Kommission erhalten, die uns bestimmen, zwar nicht im vollen Umfange für die Vorlage einzutretcn, aber wohl im Rahmen unseres Antrages, d. h. die ostasiatische Linie, zu bewilligen, weil allerdings der Handelsverkehr mit Ost- asien ein lebhaft entwickelter ist und einer regelmäßigen Verbindung mit Deutschland bedarf. (Fürst Bismarck tritt ein.) Die australische und afrikanische Linie stehe einfach im Dienste der Kolonialpolitik; wenn das Centrum auch der Kolonialpolitik nicht direkt entgegentrete, so behalte es sich doch die Prüfung von Fall zu Fall vor und theile nicht ungeprüft den künstlich wachgerufenen Enthusiasmus für alle Kolonieen. Die Kolonialpolitik werde durch eine chauvinistische Presse in falschem Lichle dargestellt. Ueber- seeische Besitzungen bieten Angriffspunkte und es werde die Zeit kommen, wo unsere Söhne dafür bluten müßten. Es sei ein leeres Schlagwort, wenn man die Kolonialpolitik „national" nenne; zur Ehre des deutschen Namens sei für Kolonialpolitik genug Geld bewilligt worden. Man werde die Kolonisation schon von dem Gesichtspunkte aus prüfen müssen, daß die germanische Rasse in gewissen Klimaten überhaupt nicht existiren kann; außerdem sei in den mei­sten Kolonialgebieten die Konsumtionsfähigkeit für euro­päische Provenienzen gering, also eine wesentliche Steige­rung der Exportindustrie nicht zu erhoffen. Die englische und französische Kolonialpolitik könne für uns nicht ohne Weiteres maßgebend sein. Deutschland im Bunde mit Oester­reich könne eine nationale Politik mit Gewicht im Rathe der Völker treiben auch ohne Kolonien.

Reichskanzler Fürst Bismarck: Der Vorredner hat weniger von der Dampfersubvention als von der Kolonial­politik gesprochen. Unzweifelhaft ist zwischen beiden inso­fern ein Zusammenhang, als die Ablehnung der Vorlage eine Entmuthigung der Regierung in der Kolonialpolitik sein müßte. Ich bitte aber unter der Abneigung gegen die Kolonialpolitik nicht die Vorlage leiden zu lassen, denn wenn man auch vielleicht sagen kann, ohne Subvention keine Kolonialpolitik, kann man doch den Satz nicht ohne Weiteres umkehren: Ohne Kolonialpolitik keine Subven­tion. Ohne Kolonien würde die Subvention von Post­dampfern nach den östlichen Meeren noch lange nicht über­flüssig sein. Wenn Sie eine oder die andere Linie i: reichen, werden wir eine Linie oder zwei dankbar als Abschlags­zahlung annchmen, denn über die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit der einzelnen Linien wird sich ja reden lassen. Wenn nicht heute, vielleicht gehen sie über's Jahr weiter. Die Bedenken des Vorredners gegen unsere jetzige Kolonialpolitik treffe übrigens nicht zu. Alles, was der Vorredner gegen Kolonien gesagt habe, treffe auf unsere nicht zu, die ihrer Lage nach in der Nähe des Aequators

ä Tagebuchblätter.

(Fortsetzung.)

Unter den verschiedenen herrlichen Schöpfungen, die Kaffel Friedrich zu danken hat, gebührt vor allen der Vorrang der katholischen Kirche. Sobald Friedrich als Regent in seine Vaterstadt einge­zogen war, sorgte er dafür, eine Stätte zur Ab­haltung des katholischen Gottesdienstes herzurichten, und erwählte er dazu einen Saal des Schlosses, wo nun zum ersten Mal wieder seit beinahe 200 Jahren das hl. Rießopfer in Kaffel gefeiert wurde. Doch nach einigen Jahren entschloß sich Friedrich, eine katholische Kirche zu bauen und wurde dieselbe dann nach dem Plan des fürstlichen Oberbaudirektors Simon Ludwig du Ry ausgeführt. In vier Jahren, von 1770 — 74, war der Bau vollendet, wonach noch zwei Jahre auf die würdige Aus- fchmückung diS Innern verwendet wurden. Die Kirche hat von außen das Ansehen eines Privat­gebäudes und zeichnet sich fitzt blos durch einen kleinen Thurm aus, welcher ein Geläute enthält. Diesen Schmuck erhielt sie in der Zeit d.r Fremd­herrschaft. Innerhalb aber findet man eine, wenn auch nickt der giößlen, doch der schönsten und geschmackvollsten Kapcllen, die man sehen kann.

keine Auswanderungskolonien sein können. Es handle sich darum, dort tropische Produkte, Baumwolle und Kaffee zu ziehen und dadurch den Nationalwohlstand zu vermehren. Er halte daran fest, daß nur kaufmännischen Privatunter- nehvlungen Schutz zu gewähren sei, darum sei die Unter­stützung des Reichstages nothwendig. Er werde die Frage so stellen, daß man eine deutliche Antwort geben müsse oder nicht. England habe bezüglich Kameruns wichtige Zugeständnisse gemacht, ähnliches sei für die Südsee zu hoffen. Er habe neulich vom Völkerfrühling gesprochen, «ber darunter nicht nur die Kolonialpolitik verstanden, son­dern die herrlichen Errungenschaften seit 1866, den deut­schen Kaiser und das deutsche Reich; der Loki, der den Völkerfrühling erschlage, das sei der Partikularismus, der Parteigeist, der den Urwähler verblende und durch die Fehler verderbe, was das Schwert errungen habe. (Stür­mischer Beifall rechts, Zischen links, Applaus auf der Tri­büne. Der Präsident droht, dieselbe räumen zu lassen.) Der Reichskanzler verläßt nach dieser Rede den Reichstag.

Dr. Windthorst: Was die Parteien betrifft, über die der Reichskanzler geklagt hat, so ist er selbst der Schöpfer dieser Parteien. Er hat große Parteien um sich versammelt gehabt, sie sind durch ihn verbraucht worden und fallen nun in Trümmer. (Sehr wahr! im Centrum.) Er bat die eine gegen die andere ausgcspielt. (Sehr wahr!) In Folge dessen stehen sie jetzt erbittert gegeneinander. Wir finden überhaupt keine feste Leitung der Dinge durch die Regierung mehr, sondern die Regierung wartet stets, was wir aus unserer Initiative ihr bringen. So ist es in der Zollfrage, so in den sozialpolitischen Angelegenheiten ge­schehen. Der Reichskanzler will in allem zu schnell vor­wärts gehen. So rasch arbeitet eine große Nation nicht. Sie kann nur langsam und allmälig arbeiten. Ich erinnere den Reichskanzler an sein eigenes Wort, daß es nützlich sei, auch für kommende Geschlechter noch Arbeit übrig zu lassen. Wir haben jetzt keine stetige und gleichmäßige Politik mehr; wi-- sch-^ink-n »ein Ireihc>»k»l rum Schutz-, zoll und umgekehrt. Der Hauptgrund aller Ve'rwifflüngen, weswegen keine Wärme mehr bei uns, daß es in Deutsch­land eiskalt wie Schnee auf den Gemüthern ruht, das ist Ihr sogenannter Kulturkampf. (Lebhafter Beifall im Cen­trum ; Heiterkeit rechts und links.) Der Vater des Kultur­kampfes ist Fürst Bismarck und er allein. (Zustimmung im Centrum.) So lange der Kanzler nicht entschlossen ist, mit fester Hand den Kulturkampf zu beendigen, so lange werden die Uebel, worüber er heute klagt, stets nur größer werden. Wir werden ihn dann noch lauter als heute hören, wie einst den Propheten Jeremias. (Große Heiterkeit.) Das einzige, was der Reichskanzler bei seinen heutigen Klagen vergessen hat, war zu erwähnen, daß er selbst die Schuld an allem trägt. (Beifall im Centrum und links, lebhafter Widerspruch rechts.) Noch nie in der Geschichte hat es eine Episode gegeben, wo der Kampf gegen die Kirche so kräftig und nachhaltig gewüthet hat, als cs jetzt der Fall ist. (Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Sie (zu den Nationalliberalen) werden später vor der Geschichte angeklagt werden, daß Sie es wesentlich waren, die die Kohlen zu diesem Feuer geschürt haben. (Beifall im Cen­trum, große Unruhe links.) Wenn ein Theil des deutschen Volkes so tief verwundet und verletzt worden ist, wie es durch den Kulturkampf mit den Katholiken geschieht, wie

Die Hälfte der Kirche bildet ein längliches Viereck. An dessen drei geschloffenen Seiten stehen jonische Säulen, welche eine Emporbühne tragen, in deren Mitte der fürstliche Stuhl sich auszeichnet. Die vierte Seite hat eine hohe und weite Bogenöffnung, welche nach dem Innern oder dem Chor der Kapelle führt. An jeder Seite dieses Bogens steht ein Altar (Marien- und Josephsaltar) und über demselben je ein Gemälde von Tischbein; das eine stellt Jesus am Oelberge, das andere seine Auferstehung dar. Durch die Bogenöffnung führen einige Stufen herauf in das Innere, welches mit einer Ballustrade umgeben ist. Dieser Theil ist rund und hat eine reich verzierte Kuppel. Unten stehen, wie in dem anderen Theile, jonische Säulen, welche dieEmporbühne unterstützen und auf Ziefer ist eine korinthische Ordnung, welche die Kuppel trägt. Am Hinteren Theile nach der Sakristei zu, in welcher sich noch mehrere sehenswertbe alt­deutsche Gemälde von hohem Alterthume befinden, schließt sich die Kapelle durch eine Riickenwand von geschliffenem GypSmarmor, die statt der frei­stehenden Säulen jonische Pilaster hat. Zwischen dies-n sieht man die sieben Sakramentein vortrefflichen weißen Basreliefs von (Serin, und in vier Nischen stehen die Statuen der allerseligsten Jungfrau

kann man dann hoffen, daß überhaupt noch einmal ein Elan aus dem Volke heraus sich geltend mache? Ich habe es für meine Pflicht gehalten, gerade in dem jetzigen Augenblick offen und frei den Kulturkampf als den Kern der Schwierigkeiten unserer Lage zu bezeichnen. Wenn Friede in Deutschland sein soll, so muffen Sie den Kultur­kampf beendigen ä tont prix; ich bin überzeugt, daß man das nicht thun wird, daß man den Kulturkampf, als sonst zur Politik passend, behalten wird. Aber es könnten doch Augenblicke kommen, die ernst genug sind, allen die Augen über diese Dinge zu öffnen. Es steht vieles auf dem Spiele, nicht nur in den unteren Schichten des Volkes, sondern gerade auch in den höchsten Regionen. Kaum jemals war ein Moment ernster in dieser Beziehung gegen­über den »on allen Seiten entfesselten Elementen, als gerade der jetzige, und wenn da nicht Friede zwischen Kirche und Staat ist, so muß das Ende ein schlechtes sein. Für heute schließe ich mit dem Wunsch, daß diese Dis­kussion, die wie ein Gewitter über uns hinweggegangen ist, eine Klärung dahin herbeiführen möge, daß wir endlich, all’ dieses Haders quitt, uns herzlich und brüderlich die Hand reichen, uns überzeugen, daß das Vaterland groß genug ist, um alle unsere Verschiedenheiten in Politik und Konfession zu ertragen, und daß wir keinen anderen Ehr­geiz haben, als den, uns wechselseitig zu Übertreffen in Nächstenliebe und Gottvertrauen. (Anhaltender wieder­holter Beifall im Centrum, Unruhe rechts.) (Forts, folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 16. März.

* Die heffen-nassauische Kreisordnungs- KomMission setzte die in der vorigen Sitzung begonnene Generaldebatte über die Frage, ob Hessen- Nassau eine Provinz werden solle, fort, und lehnte schließlich mit allen.Stimmen gegen die fünf hes­sischen Abgeordneten die Anträge ab, welche in her vorigen Sitzung gestellt worden waren und auf die Theilung des bestehenden Oberpräsidial - Ver­bandes in 2 Provinzen oder das Bestehenbleiben des Oberpräsidial-Verbandes gerichtet waren. Dabei kam wiederum die Abtrennung des Kreises Wetz­lar von der Rheinprovinz und Vereinigung mit dem Kommunalverbande Wiesbaden zur Sprache; von Seiten der Naffauer wurde bedauert, daß die zur Zeit obwaltenden Schwierigkeiten geringer seien, als die bei einer späteren Vereinigung Wetzlars mit Heffen-Naffau zu überwindenden.

* Das Reichs.isenbahnamt hat den Antrag, den diesjährigen Sommerfahrplan wegen des Pfingstverkehrs im Mai in Kraft treten zu lassen, abgelehnt.

* Wie man der ,(Serm.' aus Rom mittheilt, hätten in letzter Zeit bedeutsame Annäherungen zwischen dem heil. Stuhle und der preußischen

Maria, der hl. Elisabeth, des hl. Petrus und hl. Paulus von Nahl ausgeführt. Der Hochaltar steht mitten in der Rotunde ganz frei auf drei zir.'elförmigen Stufen Er ist von rothem ägyp­tischem, die Stufen und das ganze Parket sind von schwarzem italienischem Marmor. Hinter dem Hoch­altar stehen zwei Sarkophage, worin Reliquien heiliger Leichname verwahrt sind, welche Landgraf Friedrich II. bei seinem letzten Aufenthalt in Rom vom heiligen Vater zum Geschenk erhalten hatte, lieber der inneren Seite der mehrfach erwähnten Bogenöffnung ist eine schöne Glorie in Stuck mit reicher Vergoldung und neben dieser Oeffnung steht die geschmackvoll und reich verzierte Kanzel. Die Orgel macht den Hintergrund der Rotunde aus und ist nach Verhältniß ihrer Größe sehr gut und vollständig. Von den Gemälden, womit die Kirche geschmückt ist, verdienen außer den oben genannten beiden Altarstücken auch die übrigen acht großen von demselben Künstler bemerkt zu werden, welche die Leidensgeschichte Christi vorstellen. — Der erste Gotleshienst in der so herrlich vollendeten Kapelle (in welcher auch die Geistlichen Wohnung haben) wurve am 10. November 1776 gehalten. Der Hosvredlger Boediger wählte zum Text'feiner Predigt die