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Montag, den 16. März

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1885.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

* Ueber die Lage der Hilfsseelsorger erhielt die ,©ernt' von einem Geistlichen, der wäh­rend mehrerer Kulturkampfsjahre im Auslande wei­len mußte und jetzt als Hilfsseelsorger in Preußen thätig ist, eine Zuschrift, der wir Folgendes entnehmen:

„Die jetzt in der Hilfsseelsorge thätigen Priester zerfallen in drei Klaffen: 1) solche, die schon vor den Maigesetzen angestellt waren und ihre gesicherte Stellung als Pfarrer, Kapläne u. s. w. aufgaben, um anderswo Hilfspriester zu werden; 2) solche, die den Maigesetzen zuwider angestellt und gesperrt waren und jetzt wieder ass Hilsspriester zugelaffen werden; und 3) solche, die erst nach 1873 geweiht und nicht mehr in der Heimath angestellt, aber jetzt aus dem Auslande zurückberufen und in der Nothseclsorge verwendet wurden.

Die zur ersten Klaffe gezählten Priester mag ihr Gesundheitszustand, der Wunsch ihrer Vorgesetzten oder andere persönliche Gründe bewogen haben, eine unsichere Zukunft dem gesicherten Besitzstand ihrer bisherigen Stellung vorzuziehen. Sie werden wohl hier weniger in Betracht kommen, da ihr Loos doch im.; erhin ein mehr oder weniger selbst­gewähltes ist.

Die zweite und dritte Klaffe, die bei weitem größere Anzahl, schulden ihre gegenwärtige Lage wohl ausschließlich dem Datum ihrer Geburt. Die dereinst „Gesperrten" haben durch die jetzt allge­mein verurtheilten Maigesetze zur Zeit ihre Stellung verloren, sind in Gefängniß und Verbannung ge­wandert und mußten sich im Auslande oft uni er unsäglichen Schwierigkeiten eine Existenz zu grün­den suchen. Der letzteren Nothwendigkeit mußten sich auch diejenigen unterwerfen, die ich oben zur dritten Klaffe gezählt. An diese trat auf einmal wieder der Ruf der Pflicht heran, diese Ansprüche zu opfern und in der Heimath der Roth in der Seelsorge abzuhelfen. Die Uebersiedelung verheischt wiederum materielle Opfer: Auflösung des Haus­standes, Reise, Neubegründung des Hausstandes rc. Wie steht es aber mit dem Einkommen in der neuen Stellung? Der Staat zahlt nicht«. Der Geistliche hängt also von dem guten Willen seiner Gemeinde oder der Leistungsfähigkeit der Kirchen­kaffe ab. Wie unerquicklich ein solches Verhältniß ist, haben sehr viele Konfratres während der Dauer der allgemeinen Gehaltssperre erfahren; und doch bestanden damals Priester-Unterstützungsvereine, die vielfach diesen Uebelständen abhalfen, deren Thä- tigkeit aber jetzt eingestellt ist. Manchmal kommt es auch vor, daß Gemeinden durch kirchliche Um­lagen ihrem Seelsorger die fehlende Staatszulage ersetzen wollen, aber die weltliche Behörde versagt die Genehmigung oder verschleppt den Gang der Verhandlungen so, daß der betreffende Geistliche längst verhungert sein könnte, ehe die Sache ent­schieden ist. Andere, die auswärt« selbstständig waren, muffen als Kapläne wieder bei freier Sta­tion beim Pfarrer und 75 Mark jährlichen Ge­haltes eine untergeordnete Stellung einnehmen. Andere haben in der englischen Mission Jahre lang die angestrengteste Arbeit gethan, ohne eine aus­reichende Remuneration zu erhalten, und sind jetzt wiederum auf die milden Gaben der ihnen über­wiesenen Gemeinden angewiesen.

Und welche sind die Aussichten für die Zukunft? Alle Stellen, bei deren Besetzung der Staat als Patron oder sonst irgendwie mitzusprechen hat, sind denen, die mit den Maigesetzen auch ohne ihr Verschulden in Konflikt gerathen waren, erfah­rungsgemäß absolut ausgeschloffen. Bleiben also noch solche, die der Bischof selbstständig besetzen kann. Da von einer festen Anstellung aber keine

Rede sein kann, so lange die Maigesetze bestehen, kommt also hier nur die Rothseelsorge in Betracht. Aber auch da müffen manche Verhältniffe erwogen werden, die es dem Bischof nicht erlauben, einen auch sonst in jeder Beziehung für die Stelle geeig­neten Priester dort anzustellen, wenn er früher maigesetzlich bestraft gewesen. Es kann z. B. mit der Seelsorge eine Schulinspektion oder der Unter­richt an einer höheren Lehranstalt verbunden sein.

Das Bewußtsein, zu dieser Zahl zu gehören, kann aber keinesfalls erhebend auf die Betreffenden wirken. Denn wenn der Geistliche auch nicht des irdischen Lohnes wegen seines h. Amtes waltet oder um Karriere zu machen, so muß er doch, um mit Eifer und Erfolg wirken zu können, von Nahrungssorgen frei und in Bezug auf seine Zukunft vergewissert sein. Auch das kleinliche Festhalten der Regie­rungsbehörden an Vorurtheilen, die den Priester auch sonst noch immer die Folgen des früheren Konfliktes mit den Maigesetzen fühlen lasten, trägt dazu bei, daß alte Wunden, die längst vernarbt sein könnten, noch immer offen bleiben.

So wird der Hilfspriester auf vielfache Art, durch seine materielle Lage, die Unsicherheit seiner Zukunft, sowie seiner gegenwärtigen Stellung, das Verhalten der weltlichen Behörden ihm gegenüber, die Ausnahmestellung unter seinen Amtsbrüdern und dergleichen fortwährend an das Peinliche feiner Lage erinnert, gehemmt auf jedem Schritte feiner Wirksamkeit und ihm die Schaffensfreudigkeit ge­raubt, deren er absolut bedarf besonders in solchen Gemeinden, die lange verwaist waren.

Pflanzt Obstbäume!

Von Wanderlehrer C. Fuchs in Neustadt.

Der Obstbau zählt erfahrungsgemäß zu jenen Zweigen der Landwirthschaft, die einen verhältniß« mäßig hohen Reinertrag abzuwerfen vermögen; darum soll man ihm auch jene Aufmerksamkeit schenken, die er nach seiner Bedeutung verdient.

In Folge der zunehmenden Bevölkerung und deren besserer Lebensweise wird in unserer Zeit mehr Obst verbraucht, als es früher der Fall war; auch ist die Versendung mittelst Eisenbahn in die weitesten Kreise ermöglicht worden, was zur wei­teren Folge hat, daß das Obst, weil es von fremden Händlern angekauft wird, im Preise sehr gestiegen ist.

Die Naturwiffenschaften haben in neuerer Zeit über den Obstbau größeres Licht verbreitet, dem­zufolge der Obstbau mit befferem Erfolge betrieben werden kann. Diesen Vortheil, das richtige Ver« ständniß der Obstbaumzucht, muß man sich eben zu Nutzen machen. Nichts ist so bildend für Alt und Jung, nichts erfüllt mit mehr Freude, als wenn man selbst die Kunst versteht, Obstbäume zu ziehen, und diese Kunst auch übt.

Wir wollen, bevor wir alles das angeben, was zum Pflanzen der Obstbäume zu wissen nöthig ist, damit unsere Obstanlagen einen möglichst hohen Ertrag bringen, zunächst das Schöne und Nützliche des Obstbaues kurz darzulegen suchen.

Nichts kann unser Besitzthum mehr schmücken, als regelrecht angepflanzte Obstbäume in ihrer Blüthenpracht oder im Schmuck prangender Früchte. Selbst im Winter noch zieren die Obstbäume un­sere Gegend, indem dieselben durch die verschiedenen Formen und Stellungen in die Einförmigkeit un­serer mit Schnee und Eis bedeckten Fluren Ab­wechselung bringen. Obstbäume verbessern das Klima. Sie brechen die Gewalt der Stürme und helfen im Verein mit den Wäldern zur gleich­mäßigen Vertheilung der atmosphärischen Feuchtig­keit über unsere Erdfläche beitragen. Obstbaum­pflanzungen befördern unsere Gesundheit, indem

sie die Kohlensäure in sich aufnehmen, aus der, selben den Kohlenstoff zu ihrem Wachsthum ver wenden und den Sauerstoff, die Lebenslust der Menschen, zur Erhaltung unserer Gesundheit aus­scheiden. Selbst auf unser Herz übt der Obstbau einen höchst wohlthätigen Einfluß aus. Richtig angelegte und gut gepflegte Obstbaumgärten und Obstbaumalleen wirken auf dasselbe veredelnd und verbessernd ein. Einen besonderen Vortheil gewährt uns aber der Obstbau vor allen anderen Zweigen der Landwirthschaft dadurch, daß uns gerade die Stellen unseres Bodens, die für andere Kulturen als nicht geeignet ganz unbenutzt bleiben, oder auf denen der Obstbau unseren Getreide-, Futter- ober Gemüsebau gar nicht oder doch nur gering beein­trächtigt, durch Bepflanzung mit Obstbäumen höchst rentabel werden können.

Den größten Nutzen giebt uns aber der Obst­bau in seinen Früchten; wer vermag zu zählen die vielen Hunderten von Abarten jeder Obstart von denen jede eine andere Beschaffenheit besitzt um in verschwenderischer Mannigfaltigkeit eines jeden Einzelnen besonderem Geschmack Genüge zu leisten. Es giebt feine Jahreszeit, die nicht ihre bestimmten Früchte in größter Auswahl aufzuweisen hätte. Sehr viele Obstsorten reifen vom frühen Sommer an bis in den späten Herbst hinein am Baum selbst und können von ihm herab den kür­zesten Weg zum Munde nehmen. Eine andere große Anzahl von Obstsorten muß lange vor ihrer Reife vom Baume in unsere schützenden Wohnungen flüchten, weil der harte Winter mit seinem zer­störenden Froste vor der Thür steht. Und gerade diese Obstsorten sind die beliebtesten, weil sie die am längsten dauernden sind und nur nach und nach unter dem Schutze unserer Gemächer zur Reife ge­langen ; sie sind der Reichthum und die Freude der langen Winterabende, welche sie angenehm verkürzen helfen. Auf sie blickt der Kranke mit freudigem Auge als eine Erquickung für seine trockene Zunge, und sind ihm ein Labsal in seiner Fiebergluth, mit ihnen spielt das muntere Kind seine schönsten Spiele, denen nur der lüsterne Magen ein Ende macht; ein Apfel trocknet feine Thränen, beendet fein Weinen und zaubert auf fein Angesicht ein heiteres Lächeln. Die Früchte des Obstbaumes sind auch der Stolz und die Zierde der Tafel, der Schmuck der Zimmer. Das Kmdlein auf dem Arme der Mutter erblickt dort im Glasschrank den malerischen Apfel und streckt seine Händchen verlangend nach demselben ans. Besonders ist es eine festliche Zeit, welche mitten in den Winter fällt, und ohne Obst nicht leicht gefeiert werden kann und durch Obst namentlich für Kinder einen erhöhten Reiz erhält, es ist dieses das heilige Weihnachtsfest. Wenn der Obstbaum in dieser Jahreszeit zu dem Christbaum keine grünen Zweige liefert, so liefert er doch die schönen Früchte dazu.

Gutes Obst ist uns sowohl in frischem Zustande, wie auch in den verschiedensten Zubereitungen als Nahrungsmittel eine angenehme, gesunde und bil­lige Speise und ein nicht unbedeutender Ersatz für andere Nahrungsmittel, besonders in Theuerungs- jahren. Die Kunst des Menschen weiß auch die Gaben des Obstbaumes theils zu sofortigen, theils zu jahrelang dauernden Leckerbiffen auf das vor- theilhafteste umzuwandeln, so daß die edle Frucht noch eine höhere Veredlung erlangt und als Würze und Zierde dient. Und damit es nie an Obst, so­wie aus demselben zubereiteten Nahrungsmitteln und Leckerbiffen fehle, dafür weiß die kluge Haus­frau zu sorgen, indem sie mit haushälterischer Sparsamkeit der Familie von dem gesammelten Vorrathe zvtheilt, Damit sie ausreiche bis zu jener ersehnten Zeit, wo der Obstbaum wieder von Neuem seinen Segen spendete So bietet denn der Obst-