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onnabend, den 14. März

Fuldser

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1885.

— mit der

± Zur Lage des Papstes.

Für unsere, an revolutionären Zuckungen und anarchistischen Verbrechen so überreiche Zeit sind die entthronten Fürsten und die niedergerissenen Throne überaus charakteristisch, und nicht mit Unrecht hat man die — theils durch Kriege, theils durch die Revolution oder durch die „Staatsraison" — gestürzten Throne die Vorläufer jener großen socialen Revolution genannt, von welcher allem Anscheine nach der Ausgang des 19. Jahrhunderts geschändet werden wird. Bekanntlich ist der'Sturm, der schon so manchen Fürsten in's Exil trieb und den Revolutionären und Anarchisten den Weg ebnete, auch an dem uralten Patrimonium Petri, an der tausendjährigen Herrschaft des Papstes nicht vorübergegangen, und seit 15 Jahren hat die katholische Christenheit das empörende Schau- spiel vor Augen, welches die räuberische Politik der Piemontesen dem Papste bereitete: der heilige Vater ist Gefangener im Vatikan und in der freien Ausübung seines hohen kirchlichen Amtes behindert. Diejenigen, welche etwa an dem Worte „Gefangener" Anstoß nehmen sollten, erinnern wir daran, daß die sog. Garantiegesetze nichts als leicht zerreißbares Papier sind, wie dies die Er­fahrung wiederholt bestätigt hat; wir fragen sie ferner: darf ker Papst es wagen, den Vatikan zu verlassen, ohne sich persönlich den schmachvollsten Insulten auszusetzen? Würde der von der libe- ralen Presse verhetzte und fanatisirte Pöbel ihn nicht verhöhnen oder gar thätlrch angreifen? Ist dieser Mob in Blousen und Glacehandschuhen doch sogar soweit gegangen, die Leiche des hoch­seligen Pius, des Vaters der Armen in Rom, zu beschimpfen und mit Steinen und Keth zu bewerfen! Der Janhagel, der die Majestät des Todes nicht respektirt, würde noch weniger davor zurückschrecken, den lebenden Papst zu beleidigen.

Zu allen Zeiten, von den römischen Cäsaren an bis zu den Rapoleoniden, haben Eigennutz, Trotz und Rohheit ihre Hand nach dem Papst- thum ausgestreckt; dasselbe hat die Brutalität der Neronen, der Hunnen, Vandalen und Gothen, der Hohenstaufen und anderer kennen gelernt, — aber nie ist wohl die Bosheit, die gegen die Kirche und ihr Haupt ankämpfte, so groß gewesen, wie gegenwärtig. Die rohe Gewalt eines ersten Na­poleon, die Heimtücke und Perfidie eines zweiten Friedrich (f 1250), was sind sie gegen die Nieder­tracht, mit welcher heutzutage der Papst von einer zeldhungerigen Regierung, von der Haßgetränkten Freimaurerei und einem wulhschnaubenden Atheis­mus verfolgt wird? Die einen gelüstet es, nach­dem sie das weltliche Besitzthum des Papstes, die Kloster- und Kirchengüter rc., an sich gerissen, nach dem letzten Reste des kirchlichen Eigenthums; selbst vor dem Diebstahl der Propaganda-Güter schreckten sie nicht zurück; die anderen wollen das Papstthum als solches vernichten, und deshalb setzen sie die liberale Presse, die Politik, die Diplomatie und die sog. Wissenschaft in Bewe­gung, um der heiligsten und ehrwürdigsten In­stitution auf Erden, dem einzigen Damme gegen die Wogen der Revolution, das Fundament zu .entziehen.

Der hl. Vater, Papst Leo XIII., welcher am 2. b. M. sein 76. Lebensjahr antrat, feierte am folgenden Tage die Wiederkehr seines Krönungs­tages. Auf die ihm bei dieser Gelegenheit vom Kardinals-Kollegium dargebrachten Glückwünsche 1 antwortete er mit einer Ansprache, in welcher er i abermals die Trostlosigkeit seiner Lage in mar­kigen Worten schilderte. Es ift etwas Gewaltiges 1

und Ergreifendes, das Haupt der Christenheit 1

also klagen zu hören! Wir haben Mitleid mit i

einem Volke, da«, wie jüngst das spanische, von schweren Unglücksfällen betroffen wird; wir be- > dauern die Nation, die von einer anderen mit i Krieg überzogen und geknechtet wird, aber nie i verblaßt dieses materielle Elend gegenüber dem t bittern Wehruf, den der Stellvertreter Christi auf i Erden auszustoßen gezwungen ist! Und dieser

Weh« und Klageruf hat Wiederhall gefunden in l 200 Millionen Katholikenherzen, die sich, gleich den Kindern um ihren Vater, um den Papst schaaren, und die ihren Vater um so heißer lieben und verehren, je mehr die Bosheit seinem Herzen Schmerz bereitet. Aber keine Macht der Erde rührt einen Finger, um den Papst aus seiner unwürdigen Lage zu befreien und ihm seine Rechte zurückzugeben. Glauben die Berliner tzBörsen- fürsten ihre ägyptischen Papiere gefährdet, dann legen die allmächtigen Minister der Großmächte sich in'S Mittel; die Kolonien Afrikas erfreuen sich der liebevollsten Fürsorge aller Staaten Europas, — aber den Papst überläßt man seinem Schicksal! Könnte die Kirche Christi zu Grunde gehen, dann müßte ihr heute, wo Raubgier, Haß, Unverstand, Bosheit und Jndifferentismus gegen sie anstürmen, das letzte Stündchen schlagen. Denn in der That, Alles hat sich vereinigt, die Lage des Statthalter Christi unerträglich zu machen und seine „Betrübniß aufs Höchste zu steigern." Nicht sowohl die Wuthausbrüche einer fanatischen, zügellosen Presse sind es, die den hl. Vater niederdrücken, sondern das Bewußtsein, „daß die Kirche in vielen Ländern verkannt, ibre hei­ligsten " Institutionen gelästert, ihre friedliche Mission bekämpft, ihre Macht geschmälert und ihre Wohlthaten zurückgewiesen werden." Auf der einen Seite ist die Kirche dem nackten Raube ausgesetzt; auf anderen Seiten wird ihr mit Miß­trauen, Vorurtheilen, Haß und Willkür begegnet; es handelt sich um das, was das Leben und die Kraft der Kirche ausmacht, um die Unabhängig­keit und Freiheit ihrer höchsten Gewalt." In Rußland ist das unter der Afche glimmende Feuer des kulturkämpferischen StaatSabsolutismus und der rohesten Brutalität wieder in Hellen Flammen aufgelodert: katholische Bischöfe werden in die Verbannung geschickt und der Abbruch der diplo­matischen Beziehungen zwischen Petersburg und dem Vatikan steht vor der Thür.

Die französische Republik trägt zwar Bedenken, offen mit Rom zu brechen, aber sie fährt fort, das Volk zu entchriftlichen und die Geistlichen auf alle denkbare Art zu chikaniren; in Deutschland ist trotz der wiederholt bekundeten, eminenten Friedensliebe des hl. Vaters an die Beilegung des kirchenpoli­tischen Streites nicht zu denken; überall aber sind tausend Federn und Zeugen thätig, den Papst und die Kirche zu verlästern und zu verhöhnen, und das nennt man die „Kultur und Bildung" des 19. Jahrhunderts. Der Eine wickelt sein Brech­eisen in das Gewand einer falschen Wissenschaft; der andere reicht sein Gift in der Schale des Witzes und Spottes; der Dritte schleudert die Bomben der Lügen und Verleumdung gegen den Fels Petri, und die Uebrigen schlagen mit Knüppeln niedriger Frechheit und brutaler Gewalt drein. । Gottlose Zeitschriften, atheistische Werke, Reden in Parlamenten und Vereinen, eine ungläubige Tages- I presse, boshafte Witzblätter, scharfe Gesetze, Ver« ! bannung und Kerker, der Brodkorb und die russische z Knute, Aufhebung der Klöster, Entchristlichung der z Schulen und des Eides, — Alles wirkt zusammen, $ um das Papstthum und die Kirche zu vernichten, r Und woher dieser Haß gegen den obersten Hirten t

der Christenheit? Erstens, weil er die Rechte und c

die Freiheit der Kirche nicht zum Fußschemel der 6 weltlichen Macht erniedrigen will, und zweitens r

weil er jene Lehren verkündet, welche die Zügelung der menschlichen Leidenschaften fordern. Diese Lehren predigen Sittenreinheit, Demuth, Gehor­sam, Fleiß und christlichen Wandel, und dies Alles widerstrebt dem Weltgeiste, der „freie Liebe", Sinn­lichkeit und Genußsucht predigt. Aber wie alle Stürme in den zwei Jahrtausenden das Papstthum nicht zu beugen und zu brechen vermochten, so wird auch der gegenwärtige Ansturm, mag er noch so groß und allgemein sein, den Felsen, auf dem die Kirche erbaut ist, nicht zu erschüttern vermögen.

Der Protestantismus, der Unglaube, der Judais­mus, die allmächtig sich dünkenbe Staatsraison — sie Alle mögen geringschätzig auf „den schwachen, hinfälligen Priestergreis im Vatikan" Hinblicken, der „an mittelalterlichen Ideen und Wahnbegriffen festhält" und der weder über Bajonnette noch über Kanonen und Panzerschiffe verfügt, — dieser schwache Greis ist eine Macht, an der alle widerstrebenden Mächte zersplittern werden. Seine Ideen und Lehren sind göttlich und unvergänglich, und hinter ihm steht eine Armee von 200 Millionen christlicher Streiter, deren Waffen das Gebet, die Liebe, Treue und Opferwilligkeit sind. Zwar tröstet uns das Bewußtsein, das menschlicher Witz und menschliche Kraft nicht hinreichen, das Papstthum und die Kirche zu zerstören; aber die überaus ernste und traurige Lage des hl. Vaters legt uns die doppelte Pflicht auf, uns mit um so mehr Liebe und An­hänglichkeit um unseren gemeinschaftlichen Vater zu schaaren. Möge unsere Treue ihm Ersatz geben für all' die Unbill und Leiden, die er zu tragen hat, möge der Peterspfennig ersetzen, was die Pie­montesen ihm geraubt haben! Unsere Opferwillig­keit ermögliche es dem hl. Vater, die Interessen des Glaubens ungemindert zu verfolgen.

Mag Alles sich gegen den hl. Vater verschwören, die Politik und die Loge, die schlechte Presse und der Weltgeist, — wir stehen fest und unentwegt zu seiner Fahne, denn diese Fahne allein kämpft für Wahrheit, Freiheit und Recht!

Deutsches Reich.

Berlin, 13. März.

* Die Kommission zur Vorberathung der Kreis- und Provinzial-Ordnung für Hessen- Nassau hielt am Mittwoch Abend ihre erste Sitzung, und trat zunächst in die Berathung der Prooinzial-Ordnung ein. An den ersten Artikel derselben, in dem von der Provinz Hessen-Nassau die Rede ist, knüpfte sich eine lange GeneraldiS- kussion über die von der Vorlage beabsichtigte Bildung einer Provinz und die Vereinigung der beiden Regierungsbezirke zu einer Provinz. Von Seiten mehrerer nassauischen Mitglieder der Kom­mission sprach man sich in der entschiedensten Weise gegen eine Provinzialbildung aus, indem man die Verschiedenheit der Bevölkerung in den ehemals hessischen und nassauischen Landen als unübersteiglichcs Hinderniß für die Vereinigung der Länder zu einer gedeihlich wirkenden Provinz dar- stellte. Es wurde der Antrag, aus jedem Regie- rungsbezirke eine besondere Provinz zu bilden, ein- gebracht und eifrigst vertheidigt. Im Laufe der Debatte wurde Dann der weitere Antrag gestellt, den seitherigen Zustand — zwei kommunalstänvische Verbände Kassel und Wiesbaden-Frankfurt vereint zu einem OberPräsidialbezirk — im Wesentlichen M belassen. Den Ausführungen der nassauischen Vertreter traten andere Mitglieder der Kommission, namentlich aus Hessen, ganz entschieden entgegen, betonten die Nothwendigkeit der Bildung einer großen starken Provinz, stellten die behaupteten Stammesverschiedenheiten der Bevölkerung in Ab­rede und glaubten, daß kaum in einer Provinz