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herr-

dann

Indem ich des gewordenen Auftrages mich entledige, erlaube ich mir Folgendes gehorsamst auszusührcn:

Zu denjenigen Umständen, welche die heutige bedrängte Lage der Landwirthschaft noch erschweren, gehört auch, und nicht in letzter Reihe, der zu lange Schulbesuch der Kinder der ländlichen Bevölkerung. Es sind nicht bloß die Ein­nahmen der Landwirthschaft in Folge der geringen Preise gesunken, es sind auch die Ausgaben erheblich gestiegen und dazu trägt die jetzige Höhe der Löhn- für Gesinde und Taglöhner wesentlich bei. Nur derjenige Landwirth kann sich den nachtheiligen Folgen der gestiegenen Löhne ganz oder zum Theil entziehen, welcher in der Lage ist, eigene Arbeitskräfte, d. h. die Arbeitskräfte seiner Söhne und Töchter, in der Wirthschaft zu verwerthen. Für di- leich­teren Arbeiten lassen sich aber auch bereits die Kinder mit großem Nutzen verwenden; ihre Verwendung ist eine große Ersparniß, für den kleinern Mann geradezu unentbehrlich. Die Ausdehnung der Schulpflicht bis zum vollendeten 14 Jahre schädigt die ländliche Bevölkerung daher sehr und eine baldige Beseit gung dieses Uebelstandes ist dringend zu wünschen.

Der lange Schulbesuch hat jedoch in materieller Bezie­hung auch noch einen andern wesentlichen Nachtheil zur Folge. Die Kommunal-Budgets und die Kommunalsteuern haben eine erschreckende Höhe erreicht; daran tragen ganz besonders die bedeutenden Schulkosten die Schuld. Würde der achtjährige Schulbesuch abgekürzt, so würden die Aus­gaben der Gemeinden für Lehrkräfte, Schullokale u. s. w. wesentlich verringert und die Steuerzahler fühlbar erleich­tert. Für die Rheinprovinz würde die Ersparniß nach Mil­lionen zu berechnen sein (das gilt ebenso für die anderen Provinzen).

Daß aber eine Abkürzung der Schulzeit ohne Nachthell für die standesgemäße Ausbildung der Kinder zulässig sei, darüber besteht heute bei den Kennern der Schulverhältnisse wohl kein Zweifel mehr. Ist cs doch anerkannt, daß das zu lange Sitzen auf den Schulbänken und das Vollpfropfen der Kinder mit ungeeigneten Lehrgegenständen mancherlei Nachtheile in körperlicher, g-iftiger und nicht zum wenig­sten auch in sittlicher Beziehung im Gefolge haben. In Betreff der sittlichen Nachth-ile bedarf es hier weiterer Ausführungen nicht. Die Akten der Schul- und Verwal­tungsbehörden, wie auch nicht minder der Gerichte, bieten leider zu viel Material.

Wenn daher das Verlangen des Rhein-Bauern Vereins mit seinen mehr als 18,000 Mitgliedern auf Abkürzung des Schulbesuchs aus materiellen und sittlichen Gründen ein durchaus berechtigtes ist, so befindet sich derselbe auch im vollen Einklänge mit der Gesetzgebung. (Wir übergehen diesen Passus, der sich auf die Kabinetsordre vom 44. Mai 1825 für das Rheinland bezieht.)

Mit Rücksicht auf diese materiellen, sittlichen und gesetz­lichen Gründe, welche eine wesentliche Abkürzung des Schul­besuchs bedingen, erlaube ich mir daher, Euer Excellenz ebenso dringend als gehorsamst zu ersuchen:

baldigst Anordnung zu treffen, daß für die Kinder der Landbevölkerung der Rheinprovinz die Ausdehn­ung der Schulpflicht auf das vollendet- vierzehnte Leben-jahr beseitigt werden möge.

Der Vorsitzende des Rhein-Bauern-Vereins. Wenn alle Bauern in Preußen sich einen in

bemächtigt. Wollte er vielleicht nicht schreiben, weil er fürchtete, sie würde nur mit Bedauern erfahren, daß er noch am Leben sei?

Sie konnte diesen Gedanken nicht los werden. Die Musik stimmte sie noch trauriger, die glück- lichen lachenden Gesichter waren ihr zuwider. Wo war er, der hier Herr hätte sein sollen? Sie ging hinaus, hinweg von der Musik und dem Gesang und einen dicken Shawl um ihre Schultern werfend, trat sie in das Gewächshaus neben dem Morgenzimmer -- den Ort, wo sie das letzte Lebewohl ihres Gatten empfangen hatte.

Sie blickte hinaus auf den Schnee, sie be­trachtete die funkelnden Sterne und dachte mit unbeschreiblicher Sehnsucht, mit unaussprechlicher Liebe an den fernen Gatten. Plötzlich trat Lord Carre ein; er schien verwirrt und sprach in eigen-

dem Streben, ihre Lasten, also auch die Schullast durch Petitionen an den Fürsten Bismarck und den Reichstag zu mindern, dann müssen sie Be­rücksichtigung sinden. Eine Stimme kann man überhören, allein das Rufen von Millionen gibt doch einen Lärm, gegen den man nicht taub fein kann. Leider gibt es noch so viele Schlafmützen unter den Bauern, die da meinen: was nützt das Petitioniren, man kennt ja unsere schlimme Lage in Berlin. Gott im Himmel weiß auch, daß ihr Brod nöthig habt und doch will er, daß ihr täg- lich eine Petition an ihn sendet und um das tägliche Brod bittet. Primum est vivere. Der . Bauernstand ist der Rährstand; ist dieser ruinirt, so daß er selbst nicht mehr leben und für sich und Andere nicht mehr produciren kann, dann hats mit dem Ernähren ein Ende. Daher videant consules! ehe es zu spät ist und auch der Bauer „Sozialdemokrat" wird.

„Ich weiß es, Ihr seid ängstlich, weil die Nachrichten aus Amerika ausbleiben," sagte er seinen Verwandten, „aber es ist schon sehr lange, daß ich keine englischen Weihnachten mitgefeiert habe, macht mir hier in Croombe das Vergnügen, ehe ich gehe."

Und obschon der Earl sich unglücklich fühlte und Janthe's Herz fast zu brechen drohte, gaben sie seinem Wunsche nach.

♦ * *

Der Weihnachtsabend kam heran. Der Schnee siel so dicht, daß die Erde halb darunter begraben schien. In der Abtei Croombe herrschte Jubel und Freude; man hatte einen Glanz und eine Pracht entfaltet, wie seit Jahren nicht mehr. Lord Carre hatte Alles gethan. um den Wunsch seines Verwandten nach einem fröhlichen Weihnachtsfest, zu befriedigen. Er hatte zahlreiche Gäste einge- laden und man begegnete überall glücklichen Gesichtern.

Lady Janthe allein bewegte sich traurig unter der heitern Menge. Sie konnte die grausame Ungewißheit kaum mehr ertragen. Hermann war nicht tobt — dessen war sie sicher; aber warum schrieb er nicht? Eine ents.tzliche Idee hatte sich heute an diesem schneeigen Weihnachlsabend ihrer

thümlicher Hast.

„Janthe," sagte er — allein an diesem

X Die Tochter des Aristokraten

(26. Fortsetzung. Schluß.)

Deutsches Reich.

Berlin, 12. März.

♦ Es darf jetzt als feststehend angenommen werden, daß dem Reichstage noch einige Vorlagen, darunter eine solche über dieZusammensetzun g der Schwurgerichte, zugehen werden. Die Erledigung seiner Aufgaben wird damit in's Unab­sehbare hinausgeschoben, jedenfalls wird es ihm an Bcrathungsstoff bis Pfingsten nicht fehlen. So- mit ist mindestens dem Reichstage durch eine früh- zeitige Zusamm-m beruf img nicht ged'ent • nh »r seine Arbeiten im November oder im Februar be­ginnt, es bleibt doch sein trauriges Schicksal, bis gegen den Hochsommer aurzuharren; je länger er sitzt, um so mehr Zeit hat der Herr Reichskanzler, seines Erachtens reformbedürftige Materien in An­griff nehmen zu [affen, und für da» lange Sitzen ist gesorgt, wenn wegen der Konkurrenz des Land­tages die Plenarsitzungen fast nie vor 1 Uhr be­ginnen können, und somit, da auch der Reichs­bote das Bedürfniß eines täglichen Mittagsmahls hat, nach stark vierstündiger Dauer schon wieder geschlossen werden müssen. Daß es dem Hause selbst, das Werktag für Werktag Plenarsitzung hält, allmälig sehr um Beschleunigung seiner Arbeiten zu thun ist, hat sich gestern gezeigt. In einer so wichtigen Angelegenheit, wie sie der Ent­wurf der sozialdemokratischen Partei über den Arbeiterschutz bietet, die Redner aller Parteien

Hier brach der Brief kurz ab, als ob den Schreibenden plötzlich die Kräfte verlassen hätten. Janthe's Thränen sielen reichlich, sie erkannte jetzt ihren Verlust. O, wenn sie ihn nur noch einmal hätte sehen und ihm ihre endlich erwachte Liebe gestehen können! Aber der Gatte war ihr für immer verloren und Lady Janthe fühlte klar, mit einem stechenden Schmerz, daß sie ohne ihn niemals mehr glücklich sein könne.

Aber kein Brief kam, der die Trauernachricht brachte. Janthe wußte nicht, ob er noch krank ober auf der Besserung sei. Die Ungewißheit war ihr unerträglich; sie wurde schmal un? bleich, sie dachte unaufhörlich an ihn.

So verging der Sommer; der Herbst — immer noch keine Nachricht von ihm. Die Vögel suchten ein wärmeres Klima auf, die Blumen welkten, die Blätter fielen von den Bäumen, die ganze Natur veränderte ihr Aussehen — der Winter kam, aber immer noch kein Bries van ihm.

Wyndham Carre wollte im Februar nach Indien zurückkehren.

A Die Dauer der Schulpflicht und der Bauernstand.

Unter den schweren Lasten, welche den Bauern­stand in unseren Tagen fast erdrücken, nimmt nicht die letzte Stelle ein die „Schullast", und besonders das achte Schuljahr. Es besuchen in Preußen über 4^ Millionen Kinder die Schule. Die Kosten be­laufen sich auf rund 120 Millionen Mark. Eine Abkürzung der Schulpflicht von 8 auf 7 Jahre würde eine erhebliche Erleichterung der Bevölkerung herbeiführen; eine solche Erleichterung würde an­nähernd 500,000 Kinder dem Land bau und der Werkstätte zuführen, die jetzt das 8. Jahr mit Widerwillen auf den Schulbänken sitzen und wenig ober gar nichts mehr lernen; beim zu Hause müssen sie ben armen Eltern arbeiten helfen unb bekommen keine Zeit zum Lernen und in der Schule sitzen sie ermüdet und abgespannt und häufig mit hungrigem Magen ohne Theilnahme und Aufmerk- samkeit, die selbst der „Schulstock" nicht herbeifüh- ren kann. Es sollten deshalb alle Bauern in Preu­ßen mit Massenpetitionen sich an den Fürsten Bis­marck und den Reichstag wenden, um den Wegfall des 8. Schuljahres zu erlangen, wie dies bereits von dem Rheinischen Bauernverein am 14. Januar d. I. in einer Petition an den Herrn Kultusmini­ster geschehen ist. Auch der Bauern-Verein " für Hesfen-Rafsau sollte recht bald sich dem Rheinischen anschließen und ist die Anregung dazu gemacht in der letzten Vorstandrfitzung am 5. Fe- bruar zu Bedra. Die Gründe, welche jener in feiner Petition angeführt, gelten auch für unsere Provinz, selbst „Wüstensachsen" nicht ausgenommen. Wir wollen den Wortlaut jener Petition des Rheinischen Bauernvereins mittheilen, weil dieselbe sehr instruktiv ist für Jene, welche für das 8. Schuljahr ungemein begeistert sind und meinen, davon hänge ab das zeitliche und ewige Wohl der Kinder.

T-rpot-n, 14. Januar 1885.

Sr. Excellenz, dem Königl. Kultus- und Unterrichts- minister von Goßler Berlin.

In seiner Sitzung vom 13. Oktober v. I. faßte der Vorstand des Rheinischen Bauernvereins folgenden Beschluß: „Dem durch sittliche, materielle und gesetzliche Gründe un­terstützten Anträge der Kommission entsprechend, beauftragt der Vorstand den Vorsitzenden, an den Herrn Kultusmini­ster eine Eingabe zu richten, dahin gehend, daß für die Kinder der ländlichen Bevölkerung behufs Abkürzung des Schulbesuchs derselben die Ausdehnung der Schulpflicht auf das vollendete 14. Lebensjahr beseitigt werde."

lichen Weihnachtsabend!"

„Ja, Vater; ich kann ohne Hermann keine Freude daran finden," bekannte |te.

„Ah, mir vermissen Hermann;" und -------

lachte er wie verlegen, um plötzlich beizufügen —

„Janthe, ich wollte wissen, ob Du Dich stark genug fühlst, eine große Ueberraschunz zu ertragen.

1885.

Freitag, den 13. März

JM 59.

Fuldaer

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