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Donnerstag, den 12. März 1885.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreisßohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 11. März.

** Im Reichstag begründete Abg. Grillen­berger (Soz.) den Antrag der Sozialdemokraten auf Arbeiterschutz. Der Antrag sei eine Etappe auf dem von seiner Partei eingeschlagenen Wege. Die soziale Lösung der Arbeiterfrage erfolge damit nicht, werde jedoch angebahnt. Hauptforderung sei der Normal-Arbeitstag, der zugleich Maximaltag sein müsse. Zugleich fordere inan Bestimmung eines Minimal-Lohnes, um der Willkür der Arbeit­geber Schranken zu setzen. Redner begründet dann weiter die einzelnen Forderungen, als Kinderarbeit, Nachtarbeit der Frauen rc. Abg. Hartmann erklärt die Geneigtheit der Konservativen, den Antrag wohlwollend zu prüfen. Derselbe enthalte Forde­rungen, welche ein Zusammengehen ausschließen, da sie undurchführbar sind. Die vorgeschlagene Organisation der Schiedsgerichte habe schwere Be­denken gegen sich. Die Feststellung eines Minimal- Lohnes sei schwierig, ohne den erhofften Nutzen zu bieten. Er beantrage Ueberweisung an die Arbei­terkommission. Nachdem Abg. Bebel als Mitan­tragsteller nochmals eingehend für den Antrag ein­getreten und erklärt, seine Partei nehme Hülfe, woher sie dieselbe bekomme, aber ohne Konzessionen zu machen, wird der Antrag der Arbeitecschutz- Kommission überwiesen, ebenso eine Petition auf Organisation des Arbeitsnachweises. — Morgen wird in die zweite Berathung der Dampfersubven- tionsvorlage eingetretin.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die dritte Berathung des Staatshaushalts-Etats fort. An den Etat der Eisenbahn-Verwaltung knüpften sich längere Erörterungen über Tariffragen und über die Remunerationen der Beamten. Vom Ab­geordneten Bachem wurde Beschwerde darüber erhoben, daß die Regierung ihre Bekanntmachungen der Centrumspresse vorenthalte und nur in der weniger verbreiteten liberalen Presse publizire. Die Abgg. Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst und Bachem verlangten Aufhebung des Slaatsministerial- beschlusses vom Jahre 1874, auf welchem der Aus­schluß beruht. Die Erklärung des Ministers May­bach läßt jedoch kaum hoffen, daß die Regierung sich entschließen wird, in diesem Punkte den katho­lischen Blättern wie den Interessen des Publikums Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das

X Die Tochter des Aristokraten.

(25. Fortsetzung.)

Und wieder fragte sie sich, wer durch einen Vergleich gewinne — der Plebejer oder ihr Ver­wandter? Sie konnte sich auch der Bemerkung nicht enthalten, daß die Armen und Abhängigen, die mit so großer Liebe und Verehrung von ihrem Gatten sprachen, den jungen Carre nicht leiden mochten. Er behandelte seine Untergebenen mit großer Ge­ringschätzung; mit der Miene eines Tyrannen theilte er seine Befehle aus und machte die hef­tigsten Austritte, wenn ihm etwas nicht gefiel. Er war nur wenig beliebt im Haushalt, aber er stammte aus edlem Geschlecht.

„Wann wird der Squire zurückkommen?" be­gannen die Leute zu fragen. Er war nun drei Jahre weg, und in seinen Briefen ermähnte er nichts von seiner Rückkehr. Lady Janthe wußte, warum er sich selbst verbannt — wessen Stolz ihn in die Fremde getrieben hatte — sie wußte auch, daß er nie zurückkehren würde. Doch es verging geraume Zeit, bis sie sich selbst zugestand, daß sie ihre Ansichten über ihn geändert habe. Wa» seine beständige Gegenwart, seine innige Liebe, seine nie

würde, meinte Abg. Dr. Hänel, der Natur des jetzigen Regierungssystems zuwiderlaufen, welches Darauf ausgehe, mit allen Mitteln die entschieden liberale Richtung zu unterdrücken, worauf der Mi­nister Maybach unter überaus großer Heiterkeit des Hauses zur Charakterisirung des Regierungssystems, unter welchem der Staatsministerialbeschluß von 1874 zu Stande kam, die Namen der damaligen Minister aufzählte. Im Uebrigen knüpfte sich an den Etat der Eisenbahnverwaltung keine bemerkens- werthe Debatte. Morgen soll die dritte Lesung des Etats fortgesetzt werden.

* Bei der ersten Lesung der Provinzial- und Kreisordnung für Hessen-Nassau fehlte leider, wie der ,Nass. Bote' meldet, von den Nassauischen Abgeordneten Herr Dr. Lieber, der im Falle seiner Anwesenheit sicherlich das Wort ergriffen hätte. Der Tod eines seiner Kinder hatte ihn ver­anlaßt zu dem Begräbniß desselben nach Hause zu reisen. Um so mehr steht zu ho ff en, daß er in denKommissionsberathungen erfolgreich wirken wird.

* Was die Session des Abgeordnetenhauses betrifft, so gewinnt neuerdings wieder die Annahme Boden, daß dieselbe vor Ostern geschlossen werden kann. Voraussetzung dabei ist, daß auf die Ein­bringung der Steuervorlagen verzichtet würde und auch die Kreisordnung für Hessen-Nassau unerledigt bliebe.

* Durch eine dem Bundesrathe zugegangene Vorlage wird die Geltungsdauer des Gesetzes betr. die Steuervergütung für Zucker bis rum 1. August 1886 verlängert.

* Rheinbrohl, 10. März. In dem bekannt­lich schon so oft verschobenen Prozeß wegen der hiesigen Glocken-Affaire ist wieder ein Mal ein Termin zur Vernehmung der Zeugen auf den 16. d. anberaumt.

* Kruft, 10. März. Am 1. Mai 1883 starb Hierselbst eine protestantische Frau, und einige Be­kannten wurden gebeten, deshalb, wie das bei Sterbefällen von Katholiken Gebrauch ist, zu läuten. Von dem Kirchenvorstand wurde den Männern sofort angesagt, daß das Läuten mit den Kircheu- glocken in diesem Falle nicht erlaubt und dasselbe einzustellen sei. Trotzdem ließen sich die Betreffen­den nicht stören. Der Kirchenoorstand machte nun, angesichts des Rheinbrohler Glockenpro­zesses die Sache am Landgericht zu Koblenzan­hängig und dieser Tage wurde den Beklagten das

1 ermüdende Aufmerksamkeit nicht zu Stande gebracht, das gelang seiner Abwesenheit, die Janthe erst zum Nachdenken über ihn aufforderte.

Dann kam die Zeit, in welcher sie das allmälige Erwachen der Liebe in ihrem Herzen erfahren mußte.

Wunderbare Nachrichten gelangten nach Croombe — so wunderbar, daß man kaum daran glauben konnte. Die Silbermine sollte schließlich noch ein Eldorado werden. Ein gescheidter und unterneh­mender Englänber hatte sie examinirt und glaubte, daß es sich lohnen würde, sie auszubeuten. Seine Prophezeihung hatte sich erfüllt; die Aktien stiegen rasch, und die unglücklichen Aktionäre begannen von Neuem einer goldenen Zukunft entgegenzusehen — und dieses Mal sollten sich ihre Träume ver­wirklichen.

„Es klingt wie ein Roman," sagte Wyndham Carre zu seiner Cousine, „erst ein Vermögen zu verlieren, und es dann wieder zu gewinnen. Du, Janthe, wirst nun eine der reichsten Frauen Eng­lands lein. Wie schade, daß Du Dich an diesen guten Krämer weggeworfen! Du hättest eine Her­zogin werden können."

„Vielleicht ziehe ich Hermann einem Herzog vor," versetzte sie erzürnt.

„Unsinn! Natürlich, das Geschehene ist nicht

Urtheil mit Kostenrechnung von 88 Mark zuge­stellt, wozu noch der Betrag für die Vertretung kommt.

* München, 11. März. Seit einigen Wochen weilt König Ludwig in unfern Mauern. Bei dem Cercle, den er bei der letzten Hoftafel hielt, be­sprach er sich längere Zeit mit dem Minister v. Lutz, sowie mit dem Kriegsminister v. Maillinger und dem Minister des Innern v. Feilitzsch. Die anderen drei Minister sollen nicht besonders in Gnade stehen, was bezüglich des Finanzministers durch seine Stellung zu den Verhältnissen der Civilliste nicht überraschend ist. Man erzählt sich, daß für die Ordnung dieser Verhältnisse der Landtag in Anspruch genommen werden muß. Für das neue Schloß in Chiemsee wurden für 225,000 Mk. Kunstgegenslände bei der sächsisch-n Porzellan­manufaktur in Meißen bestellt; der Kronleuchter allein kostet 20,000 Mk.

* Aus München wird der .Franks. Ztg.' geschrieben: Die Behandlung, die dem „Vaterlands"- Redacteur Dr. Sigl im Zellengesängniß in Nürn­berg zu Theil wird, ist, wie man mehrfach berichtet, eine so rigorose, daß Sigl ein unheilbares Magen­leiden als Folge derselben davontragen dürfte.

* Mannheim, 10. März. Die Handelswelt beschwert sich auch hier in einer Eingabe an den Bundes-ath über die Härte des Sperrgesetzes. Die Verträge der hiesigen Handelswelt werden fast ausnahmslos frei Rotterdam abgeschlossen, bis zu dem Rhein-Seehafen, in welchem die Maaren dann in Flußschiffe übergeladen werden. Der Wortfaffung nach bedingen die Verträge also nicht die unmittel­bare Lieferung der Maaren nach dem Zollinlande; es kann jedoch der Gesetzgeber wohl nicht die Ungleichheit gewollt haben, daß das frei Danzig, Stettin, Königsberg vor dem 15. Januar gekaufte Getreide den geringeren, das frei Hamburg, Bre­men, Rotterdam, Antwerpen für süddeutsche Rech­nung gekaufte den höheren Zoll zu tragen habe.

Ausland.

* Der Bundesrathsschluß vom 26. Februar betr. die Anarchisten in der Schweiz lautet wie folgt:

„Der Bundesrath in Betracht: daß die von den Polizei­behörden mehrerer Kantone angestellten Untersuchungen ergeben haben, daß in einigen Orten der Schweiz Indi­viduen unter dem Namen „Anarchisten" Associationen

mehr zu ändern, und Au bist klug genug, es von der leichten Seite zu nehmen; aber es ist wirklich jammerschade, daß Du ihm geopfert wurdest."

Lady Janthe wandte sich ab von Wyndham Carre, zu entrüstet für Worte. Wie oft hatte sie eben so gedacht! Aber es nun ausgesprochen zu hören, war eine Marter für sie. Sie verließ das Gemach und begab sich in den Garten, um an Hermann zu denken. Der Arme! all' seine Opfer waren umsonst gewesen. Ec würde nun erfahren, daß sogar die Reichthümer, die er ihnen zu Füßen gelegt, für nichts gegeben waren — daß man ihrer nicht mehr bedurfte.

Lange gab sich Lady Janthe diesen traurigen Gedanken hin und erschrack fast, als sie ihr Antlitz mit Thränen benetzt fand. Sie, eine der stolzesten Frauen Englands, konnte meinen um den plebe- gischen Gatten, dessen Liebe sie voll Verachtung von sich gestoßen hatte! Konnte es möglich sein? Sie barg ihr Gesicht in beiden Händen.

Wenn sie ihn nur noch einmal sehen, nur noch einmal seine Stimme hören könnt.! Wenn sie ihm nur sagen könnte, daß sein Traum Wahrheit ge­worden — daß sie bereit war, ihre Arme um seinen Hals zu schlingen und ihm zu gestehen, daß sie ihn endlich liebte! daß sie ihn liebte von