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1885
Mittwoch, den 11. März
Fuldaer
* Die erste Berathung der Kreis- und Provinzialordnnng für Hessen-Nassau im preußischen Abgeordnetenhause.
(35. Sitzung vom 7. März 1885.) (Schluß.)
Abg. Dr. Gneist betont, daß man nicht immer die Wünsche der Provinzen voranstellen, sondern das noth- wendige Einheitliche auch berücksichtigen müsse. Mit der ausschließlichen Geltendmachung der besonderen Wunsche würden wir zu der Verfassung des achtzehnten Jahrhunderts zurückkommen. Allerdings müßten wohlbe- rechtiate Eigenthümlichkeiten geschont werden, und das sei hier die dualistische Entwickelung der beiden Bezirke; über diese Verhältnisse könne man nicht ohne Vergewaltigung hinweggehen. Er wünsche aber, daß in der Kommission von 21 Mitgliedern, der di- Vorberathung zu überweisen sei nicht nur Herren aus Hessen-Nassau gewählt würden, sondern auch solche aus den alten Provinzen, die neben den besonderen Wünschen das nothwendige Gemeinsame
Deutsches Reich.
Berlin, 10. März.
• Der Correspondent der ,Polst. Corresp.' schreibt über die preußisch-vatikanischen Verhanb- lunqen aus Nom unterm 5. März:
Man darf somit eine günstige Entwickelung und einen glücklichen Ausgang der zwischen Berlin und dem Vatikan schwebenden Unterhandlungen erwarten. Die Negocrationen bereit gewesen, seine schwachen Schritte zu unter« stützen - er war ihm wie ein Sohn ergeben gewesen und Alles, weil er Lady Janthe liebte.
Langsam aber sicher drängten sich ihr all diese Erinnerungen auf, aber nun war es zu spät.
In der langen Gallerie hing ein Pvrtrait von Hermann. Der Earl halte daraus bestanden, daß es dort seinen Platz finde, und mehr als eimnal des Tages begab sich Lady Janthe dahin und betrachtete schweigend das Bild des Mannes, den ihr Zorn und ihre Verachtung in das Exil getrieben hatte, aus dem er nur durch den Tod Erlösung hoffte.
Es war ein edles Antlitz, und Lady ^anthe wunderte sich, daß sie er früher unterschätzt, es für plebejisch gehalten hatte. Kein Peer des Königreichs konnte edlere Züge haben. D, welcher L>chmerz und Kummer hatte sich in dem Antlitz ausgeprägt, als sie es zum letzten Mal gesehen! Wie traurig hatten die dunklen Augen geblickt! Wie grausam war sie gegen ihn gewesen.
So verging die Zeit, und endlich stattete Wyndham Carre seinen lange verzögerten Besuch in der Abtei Croombe ab. Janthe hatte ihren Gatten verachtet, weil er von geringer Herkunft war sie hatte ihn mit Kälte und Geringschätzung behan-
solchen Vorlagen in einer Viertelstunde machen könne. (Heiterkeit.) Wir sind allerdings nicht so virtuos. Der eigentliche Punkt ist doch die Frage, ob die Vorlage einer- eits den Bedürfnissen der Staatseinheit nnd andererseits denen jener Landestheile entspricht. Da nun die einstimmige Meinung der ganzen Bevölkerung dem Institut der Amtsvorsteher entgegensteht, so lag nichts naher, als daß wir an das Bestehende anknüpfen. Dre H-Mgen Ausdrücke des Herrn Hänel erwecken eigentlich den Gedanken, daß er selbst nur das B-dürsmß gefühlt hat, seine nicht stichhaltigen Argumente durch hastige Ausdrücke zu verstärken. (Heiterkeit.) Ein nicht so ganz oberflächlicher Beobachter wie Herr Hänel, wurde doch sehen, daß es an einen Substrat für die Bildung der Kreistage, an einer Art von größerem Grundbesitz, der von den Landgemeinden verschieden ist, nicht fehlt. Ich hoffe, daß die Stimmung, welche Herr Hänel zu erzeugen versucht hat, nicht zum Durchbruch kommt, sonst mutzte ich die Hoffnung auf das Zustandekommen des Gesetzes aufgeben. Ich wundere mich, daß ein Mann von solcher Bedeutung wie Herr Hänel das Jntereffe des preußischen Staates an der Beseitigung der Zwiespältigkeit m der Verwaltung so federleicht erachtet. (Bravo! rechts^
Abg. Barth begrüßt di- Kreisordnung für Nassau, erstens weil die schädliche Duplizität der Aemter und Landrathsämter dadurch beseitigt werde und zweitens weil nirgendwo der Boden für ein- Selbstverwaltung so vorbereitet sei, als im Regierungsbezirk Wiesbaden. Die Einführung der Kreisordnung werde auch in Nassau von der Bevölkeruna gewünscht, und er könne deshalb nicht begreifen, wie der Abg. Wirth heute der Regierung einen Borwurf daraus machen könne, daß sie jetzt schon eine Krcisordnung für Nassau vorgelegt und nicht erst eine Klärung der Verhältnisse in der Rheinprovinz und die Ausdehnung der Ver- waltungsresorm auf diese Provinz abgewartet habe. Redner geht dann auf Einzelheiten der Vorlage ein. die er zu rechtfertigen sucht. .. „
Abg. Dr. Enneccerus wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Dr. Hänel, dem er jede Kenntmß der näheren Verhältnisse in Hessen-Nassau abspricht
Abg. Alt haus weist aus die bisherige eifrige Theil- nahme der Ritterschaft an der kommunalen Verwaltung der Provinz Hessen-Nassau hin und möchte die Virllstnnmen derselben in den Kommunallandtagen beibehalten. Er wurde es sehr bedauern, wenn höhere Rücksichten den Staat nöthiqen sollten, ein Glied aus der Verwaltung zu entfernen, dessen Thätigkeit sich bis jetzt als segensreich erwiesen habe. Nach einer Replik des Abg. Dr. Hänel gegen den Abg. Enneccerus wird die Debatte geschlossen und die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.
x Die Tochter des Aristokraten.
(24. Fortsetzung.)
Langsam aber fidier fing sie an, ihn zu vermißen — sich nach seiner Ergebenheit, seinen zarten Aufmerksamkeiten zu sehnen. Wenn sie jetzt ausging hatte sie keine liebende Escorte; Niemand war'da, der all' ihre Wünsche und Capricen erfüllte. Wenn sie ermüdet war, so hatte sie Niemand der sie überredete, zu ruhen, der darauf bestand, daß st- für sich sorgte, der ihr jede, auch die kleinste Unannehmlichkeit aus dem Wege zu räumen suchte. Sie vermißte die starke, zärtliche, nie ermüdende Liebe, obschon sie es nicht zugestehen wollie. Es rührte sie auch bis in's innerste Herz, zu sehen, wie der Earl ihren Gatten vermißte — er war so gewohnt an deffen zärtliche Aufmerksamkeit daß er dieselben nur schwer entbehren konnte. Hermann war so prompt im Beantworten seiner Briefe, so gewandt in der Leitung seiner geschäftlichen 'Angelegenheiten, so geschickt im Auswählen der Zeitungsartikel, die er von Jntereffe für ihn glaubte. Der Earl halte ihm oft lachend gesagt, er sei Auge und Ohr für ihn. Nun mußte er dies Mes vermissen. Wenn Lord Carre hatte spazieren gehen wollen, war Hermann's starker Arm stets
sind in vollem Zuge und werden von beiden Seiten mit Raschheit geführt, und wenn sie auch in Gehennniß gehüllt sind, läßt sich ein baldiger Abschluß derse ben rn nahe Aussicht stellen. Der Kardinal-Staatssekretär Msr. Jacobini gab vorgestern in seinen Räumlichkeiten im Vatikan ein Diner, an welchem das beim päpstlichen Stuhle accreditirte diplomatische Corps theilnahm. Unter den Gäst-n befand sich auch Herr v. Echlözer, der snh rn bester Stimmung befand, in welcher immerhin auch em Reflex des befriedigenden Fortganges der Unterhandlungen gefunden werden konnte. Es herrschte während des Diners allgemein die freundlichste Stimmung und volle Herzlichkeit.
Diese Austastung erscheint der ,@erm.‘ als eine viel zu optimistische.
* Wie der ,Kö'n. Vztg.' aus Rom gemeldet wird, ist Hr. v. Schlözer seit seiner Ankunft m Rom noch niemals so beschäftigt gewesen wie letzt. Seit einiger Zeit geht er fast täglich in den Vatikan. Heber den Verhandlungen schwebt aber noch das tiefste Geheimniß.
• * Im R eichstag erklärte heute Abg. Bebel vor Eintritt in die Tagesordnung, daß der beim Anschießen eines Soldaten auf der Treibjagd erwähnte Prinz Radziwill nicht Hauptmann, fonbern nur Lieutenant sei. Abg. Prinz Radziwill erklärt, daß gegen ein Mitglied feiner Familie keine Unter - suchung in solcher Angelegenheit schwebe. Dann begründet Abg. Ackermann seinen Antrag auf A b- änberung der Gewerbeordnung. In dmi Anträge wird vornehmlich der Bffähigungsnach- weisg eforöert. Der Antragsteller motioirte seinen Antrag, den Handwerkerstand gegen erdrückende Konkurrenz zu schützen und feine Thatkraft zu heben. Abg Baumbach erklärt, daß die Linke diesem Antrag, der thatsächlich auf Wiederherstellung der Zwaygsinnungen hinauSlaufe, nicht zustimmen werde, dem Handwerkerstande werde durch eine solche Gesetzesneugestaltung nicht geholfen. Abg. Biehl (Ctr.) verlangt die Einführung des Befähiaungsnachweises als Abschlags- . zahlung auf die zukünftige Zwangsinnung. Der schrankenlosen Gewerbefreiheit müße ein Ziel gesetzt werden. Abg. Or. Bötticher (n. I.) bekämpft ben Antrag, ber bie Tendenz habe, die Konkurrenz nach Möglichkeit zu unterdrücken. Dadurch werde das Handwerk nur gelähmt. Abg. v. Nheinbaben erklärt, daß die Reichspartei bereit fei dem Handwerkerstand auszuhelfen, ob der vorliegende Antrag hierzu biene, werde eine etwaige Kommifiions- berathung feststellen. Abg. Harm (S.-D.) erklärt sich Namens feiner Partei gegen den Antrag, beit. Jetzt sah sie einen Mann vor sich, besten Hauptverbienst in seiner noblen Abstammung lag. Er selbst war über alle Maßen stolz barauf; er betrachtete die niebern Klassen als Leute, bie einer andern Welt angehörten; er behandelte sie mit unverschämter Verachtung. Er sprach von den Vorrechten der hohen Aristokratie, bis Lady Janthe heiß erröthete; es war, als ob sie sich in einem Spiegel erblickte.
Wyndham Carre sprach nur lispelnd und vergaß nie seine eig’ne geliebte Persönlichkeit. Das Erste, was er in Croombe vollbrachte, war, bei einem tollen Galopp auf ber Lanbstraße ein Kinb ju überreiten. Es war ein Unfall, bas ist wahr, aber er hatte der Mutter Geld zu Füßen geworfen, als sie kam, um das Kleine auszuheben, und fein freundliches Wort zu ihr gesprochen. Als man ihm später darüber Vorwürfe machte, meinte er, Leute dieser Art hätten nur wenig Gefühl, und keine Wiinben, die so tief wären, daß man sie nicht mit Geld heilen könne.
Lady Janthe verglich dieses Betragen mit der • milden Barmherzigkeit, welche Hermann in seinem i Verkehr mit ben Armen charakterisirt hatte. Wer war mehr ber Bewunberung werth ber stolze . : Aristokrat ober der Mann des Volkes?
Die .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausg-nvmm-m V.ert^ auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
vertreten. . , .
Abg. Or.Hänel (dfr.) wünscht- rn der Kommission auch die Vertreter derjenigen Landestheile zu sehen, welche mit einer Kreisordnung erst zu bedenken sind, weil hier für diese Provinzen ein Präjudiz geschaffen würde. Was den Mittelpunkt der ganzen Vorlage, die Kreisordnung betrifft, so hat man ja so viel als möglich das altpreußische Schema übertragen. Nur wenn irgend -ine Bestimmung den Herren von der Regierung unangenehm ist wird sie weggelaffen, unter dem Vorgeben, es lägen besondere Eigenthümlichkeiten vor. Anstatt nach dem Muster der alten Provinzen das Einspruchsrecht des Landraths gegen die Gemeindeverwaltung zu beseitigen, hält man es aufrecht. Es wird immer lustig darauf los orqanisirt. Ueber der Form ist das eigentliche Wesen der Sache längst vergessen. Alles geht nach dem Schema ist es nicht Schema Nr. 1, dann ist es Nr, 2. So zeigt die Einrichtung der Kreistage die rein gedankenlose burcaukratische Schablone. (Oho! rechts.) Die>e bureau- kratische Schablone paßt wie die Faust auf's Auge und , berücksichtigt di- historisch geword-n-n Verhältnisse gar nicht. Wo sind denn die Elemente für einen Großgrundbesitz, welcher den Kreistagen zu. Grunde gelegt ist? Aber die östlichen Provinzen haben einen Großgrundbesitz, ergo Hessen-Nassau muß auch einen haben. Auch zwischen den Städten wird ein künstlicher Gegensatz geschaffen. Heißt das schöpferisch vorgehen und an das Bestehende an- knüpsen? Ein solches Schema mache ich in einer Viertelstunde. (Lachen rechts.) Solcher lassen sich Hunderte machen. Man sollte vielmehr den höheren Kommunal- Verband aus den natürlich gewachsenen unteren Kommunen hervorgehen lassen; und die Verhältnisse dazu lagen so einfach, daß man von Fanatismus besessen s-m muß, um derartige Dinge zu Übel sehen. Oho! rechts.) Hier ist an di- Stelle der organischen Entwickelung bureaukratischer Schematismus getreten. (Bravo! links.)
Minister v. Putt kam er. Herr Hänel hat mir den Eindruck gemacht, als ob es ihm an Selbstgefühl keineswegs fehle. (Heiterkeit.) Er hat sich al« d-nz-nigen hlnqestellt, der gegenüber den reiflichen Erwägungen der Regierung und der Kommunalbehörden Hunderte von