und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg.
Fuldaer
Verhandlungen des Reichstages thätigen Antheil zu nehmen. Möge der Urlaub rhm dre alte Gesundheit wiederbringen!
» Legationsrath Graf Berchem. Generalkonsul in Pest, wird, wie zuverlässig verlautet, dre Stelle als zweiter Direktor im auswärtigen Amte erhalten: an seiner Stelle wird der bisherige Generalkonsul in Konstantinopel von Treskow zum Generalkonsul von Pest ernannt. Der vor Kurzem zum Mitqliede des Reichsversicherungsamts ernannte Geh. Reg.-Rath Dr. Kayser wird als wirklicher Legationsrath in's auswärtige Amt
ihr die Augen und sie fing an, mehr von ihrem Gatten zu halten, als sie seither gethan.
Hermann tröstete den Earl, aber in seinem Innern dachte er, es sei mehr als wahrscheinlich, daß er nie wieder nach Croombe Abtei zuruckkehren wurde.
Der Morgen seiner Abreise kam heran; er stand vor seiner Gattin, um Abschied zu nehmen. *
„34 bin hier, um Lebewohl zu sagen, ^zanthe.
Üeberrascht blickte sie aus.
.Gehen Sie heute - jetzt? Ich wußte es nicht.
' cya ich gehe; aber mein Herz und meine Liede bleibt bei Ihnen zurück, Janthe. Ich bitte zu Gott, daß er über Sie wache."
Schweigend reichte sie ihm die Hand. e>ie war näher als je daran, ihn liebenSwerth zu finden.
janthe," fuhr er mit leiser Stimme fort, „zum letzten Male blicke ich in die Augen in denen ich mein Gluck zu finden hoffte. Ich vergesse den Stolz die Verachtung, die Qualen, und mein H^rz ruft Ihnen ein Lebewohl zu. Lebewohl, mein geliebtes, mein innig geliebtes Weib!" ....
Bleich wie der Tod, mit einem leidenschaftlichen Schrei, eilte er weg. Sie blieb allein zurück, em sonderbares Feuer brannte in ihren Adern, ein wilder Sturm tobte in ihrem Herzen - fie wußte sich keine Rechenschaft über ihre Gefühle zu geben.
übertreten. . „ L. ,r , .
* Etwas überraschend wirkt die Thatsache, daß die jüngsten Verhandlungen überden zweiten Direktor, während die vom 15. Dezember euren Höllenspektakel hervorriefen, in der gesammten großen Preffe die kaltblütigste Aufnahme gesunden haben. Eine kleine Genugthuung über den Ausgang, einigen Spott über die umgefallenen Deutschfreifinmgen und etliche Bissigkeiten über die fehlenden Centrumsmit- glieder, das ist just Alles, zu dem sich die Vertreter der nationalen Aufwallung diesmal aufschwingen.
* Der .Reichsanzeiger' publizirt das Gesetz über die Konvertirungder 4^2 proz. S taa t s a n lei he, sowie die Bekanntmachung des FmanzmiNisters, welche den Inhabern von Staatsschuldverschreibungen die Umwandlung anbietet, und die Präklusivfrist für die Forderung des Baarbetrages auf den 10. April festsetzt. ,
* Wie weit unsere Intimität nut Frankreich gediehen ist, sieht man aus der Zulassung der Re i s s p e r r e, welche Frankreich unter verblüffender Ausdehnung des Kriegscontrebanden-Begriffes verhängt hat. Die mündlich-amtliche Eröffnung Bismarcks an die Hamburger Kaufleute, daß das freundschaftliche Verhältniß zu Frankreich den Widerspruch gegen diese Maßregel ausschließe, spricht deutlich genug. Eme stattliche Anzahl deutscher, besonders holsteinischer Schiffe, ist nam- lich mit dem Reishandel an Chinas Küsten be-
Im Reichstage wurde die Debatte über die Anträge der Deutschfreisinnigen und National- liberalen zur Z o l l t a r i f n o v e ll e fortgesetzt. Finanzminister v. Scholz bekämpfte dieselben. Abg. Struckmann (nat.-tib.) empfahl Verweisung der Anträge an eine Kommission von vierzehn Mit- ! gliedern. Abg. Rheinbaben erklärte sich ebenso
Inserate: Die einspaltige Zelle oder deren -raum -pib-z i a r *-- «
Der alte Earl brach förmlich zusammen, Hermann ihm mittheilte, daß er eine Reise nach Ameiika beabsichtige, und bat ihn mit -lchranen in den Augen, doch diesen Plan aufzugeben. „
Sie sind mir wie mein eig'neS Kind," sagte er." „Wenn ich selbst einen Sohn hätte konnte ich ihn nicht inniger lieben. Warum wollen Sie so weit weg, Hermann?"
Tief gerührt durch solch' große Anhänglich eit, murmelte Hermann etwas von Geldgeschäften; aber Lord Carre wurde ungeduldig.
.Geldgeschäfte!" rief er. „Was kann Ihnen noch an Geld liegen, Hermann? Und wenn auch Alles verloren ginge, was Sie in Amerika besitzen, so läge nichts daran."
Doch Hermann sagte ihm mit tiefem Ernst, er müsse gehen. In seiner Betrübnrß sandte der Earl
„tannfi D» m«.
zum Bleiben bestimmen? Ich kann es nicht ertragen, ihn von mir zu lassen.'
Sie wußte, ein einziges Wort aus ^ein Munde würde jeden Gedanken an die Reise bei ihm ver dränaen - aber dieses eine Wort wollte ste nicht sprechen.' Doch der Schmerz ihres Vaters öffnete
* Die erste Berathung der Steid= und Vrovinzialordnung für Hessen-Nastau
im prenftischeu Abgeordnetenhanse.
(35. Sitzung vom /. Marz 1885.)
Erster Redner gegen den Entwurf ist ber beutfdjfrev finnige Abg. Wirth (Wiesbaden): Die Einführung ber Verwaltungsreform wirb voraussichtlich in ber Provinz Lessen-Nassau großen Schwierigkeiten begegnen, ba es sich in diesen Landestheilen um bie verschiedenartigsten ^nte- reffen Gewohnheiten, Uebertieferungen, Sitten u w. hanbelt. Deshalb hatten roir geglaubt, man wurde tu uttfprer Provinz dieses schwerste Stuck Reformarbeit sich für den Schluß aufsparen und zunächst mit der Einführung der Verwaltungsreform für die Rhemprovinz vorgehen. Viele waren auch der Meinung, man muffe die Verwaltungsreform für beide Provinzen gleichzeitig »"fuhren, weil zur Zeit die Abgrenzung zwischen den beiden Pro- vinzen keine genaue ist ES wird ja beispielsweise allgemen anerkannt, daß der jetzt zur Rheinprovmz gehörige Kreis Wetzlar eigentlich und naturgemäß zur Provinz Hessen- Nassau gehört, und zur Zelt sich nur 9"lW“ einer Zwangsehe mit ber Rheinprovlnz besinbet. Da also bieser Kreis Wetzlar boch präbestinirt ist, mit Hessen-Nassau vereinigt zu werben, so sollte man es lieber gleich thurn Im Uebrigen haben wir sowohl vom liberalen als auch vom nassauischen Stanbpunkt aus gegen bte Vorlage gestimmt Die neue Provinzialorbnung will eine straffere Zusammenfassung von Hessen-Nassau, obgleich es unzwelfel- hast nach ber Annektion von 1866 eine sehr weise Anorb- nung gewesen ist, von einer engeren Verbmbung der bei- ben ^früheren selbstänbigen Lanbestheile abzusehen. Es haben sich benn auch bie Provinzlallandtage für Berbchal- tung bes bisherigen losen Zusammenhangs ausgesprochen. Wr werben entschieben besser vorwärts kommen wenn wir zwar getrennt marschiren, aber vereint schlagen. Der geplante gemeinsame Provinziallanbtag wird nur eine De- koration, unb ein gemeinschaftliches Dmerwirb Alles sein, was bie Einheit ber Provinz versinnbi.bl.cht. (Heiterkeit ) Es liegt absolut kein Grunb für bte enge Verblnbung vor Wir Nassauer speziell sinb zwar etn lustiges, aber leicht ,u regierendes Völkchen, so lange man unsere Cigenthum- stchkeit respektirt. Wir sinb auch gute Preußen geworben, aber burch bie projektirte enge Verschmelzung ist nur eine Störung des bisherigen Verhältnisses zu erwarten. Zwei Enbpunkte finben wir sobann bebenklich, erstens, bte bevorzugte Stellung, welche bem Stabtkreise Franlfurt a. M. in bem kommunalständischen Verband des Kreises Wiesbaden eingeräumt ist, und zweitens, die Schwierigkeit der Auseinandersetzung zwischen dem bisherigen Verband vo Frankfurt a. M. und Wiesbaden. Was die Kreisordnung betrifft, so haben wir schwerwiegende Bedenken gegen den § 34, welcher die Bestätigung der Bürgermeister lediglich vom Landrath abhängig macht, ""^enb "ach di-r Kre's ordnun« für die östlichen Provinzen hierbei die Mitwirkung des Kreisausschusses vorgesehen ist. Diese Garantie sollte man uns nicht vorenthalten. Ich w^-rh°l-, °°n elner Einschnürung in die Zwangslacke und die spanischen Stiefeln befürchten wir nur eine Verkümmerung der in beiden Landestheilen bisher mit Recht geschonten Etgen- thümlichkeiten. (Beifall links.) __
Aba. Schreiber (Marburg): Die Bevölkerung von Hessen-Nassau steht der Angelegenheit der Verwaltungs- refornt kühl gegenüber. Sie sieht aber in ber K^tgen Sorm ber Vorlage eine Garantie dafür, daß ihre berech- ttaten Wünsche erfüllt werden; sie weiß, daß jebeS neue Kleid nicht bequem ist, daß man sich erst hinetngewohnen muß Zu den berechtigten Wünschen der Bevölkerung rechne ich allerdings das Verlangen nachelner Trennung der Provinzen nicht. Es besteht zwischen den beiden Landestheilen in gewisser Beziehung eine fo innige ®e- meinschaft, daß die beiden Bezirke wohl eine Einheit bilden können. Redner sucht sodann auszufuhren, daß die Vorlage den Bedürfniffen entspreche daß man mit Rückfickt auf Nassau bem Wunsche Hessens nach Beibehaltung ber Communalstänbe-Vertretung nicht «a4seben tonne, unb giebt »er Hoffnung Ausbruck, baß dieMtgen Punkte in ber Kommission geregelt werben können, welch auf erheblichen Wiberstanb gefloßen sind, wie bas be- bingte Veto bes Lanbraths gegen bie Wahl eines Burger- 111 abg8’Dr. Enneccerus (nationalliberal): Ich stehe im Großen unb Ganzen derAusbehnungderVerwal- tungsreform sympathisch gegenüber, bin auch damit einverstanden, daß für Hessen und Nassau gesonderte kommunale Verbände bestehen bleiben, und auch damit, baß über beibe ber Provinziallanbtag gesetzt wirb, weil.nur hier bie ganze Bevölkerung zu einem wirksamen Ausbruck ihrer Meinung gelangen kann. Ich billige es enblich auch, baß bas Prinzip ber ständischen Verfassung aufgegeben ist. Bedenklich finde ich es dagegen, daß, wahrend en Kreis von 20,000 Einwohnern einen Abgeordneten stellt, über die Zahl von 80,000 hinaus nur für l-des 50,000 der Bevölkerung ein Abgeordneter zu wählen sein soll. Bedenklich finde ich ferner, daß die Regierung das Recht ber Nichtbestätigung ber Gemeindevertretung dem Landrath allein giebt, ohne baß betreibe an bie Zustimmung des Kreisau-schusses gebunben ist. Endlich wurde es sich empfehlens die Wählbarkeit ber Lanbrathe zu ben Kommunallandtagen dahin einzuschränken, daß nur dieiemgen in dem eigenen Kreis- gewählt werden können welche daselbst Grundbesitz haben. Die anderen Puickte nnrd wohl in der Kommission Erledigung sinden. Jch mochte nur die Regierung bitten, den besonderen Wünschen der Bevölkerung mit Wohlwollen zu begegnen, damit bi Vorlage zur Kräftigung des preußischen Staates em Einheitsband wird, das auch diese Provinz umschließt.
(Schluß folgt.) __________
Deutsches Reich.
Berlin, 9. März.
* Fürst Bismarck leidet an leichten rheumatischen Schmerzen in der Schulter, die ihn an das Zimmer fesseln. — Fchr. o. ^^orlemer- 9i[ft war qenöt igt, einen dreiwöchentlichen Urlauo beim Reichstage zu nehmen. Der Gefundheits- zustand des Freiherrn macht es demselben bet dem gleichzeitigen Tagen de» Reichs- und Landtage.-, wie schon in dir letzten Zeit, unmöglich, an den
x Die Tochter des Aristokraten.
(23. Fortsetzung.)
„Ich weiß nicht, ob ich frei sein möchte, ^ßt®ann wollen Sie mich also lieben, Janthe?"
"Rein, nein! O Hermann, feien Sie vernünftig und laßen Sie Alles bleiben wie es ist
Rein ich will nicht länger em Sklave fein, Lady Janthe. Ein Wort von Ihnen und ich bleibe. Janthe, Sie sehen, wie wahnsinnig ich Sie liebe." .
„Aber warum gehen Sie denn i
Weil ich die Qual nicht langer ertragen kann. Wir muffen uns trennen, und um Ihretwillen, Janthe, flehe ich zum Himmel, daß wir einander nie wieder begegnen. Gott wird Erbarmen mit mir haben und mich bald von meinem entsetzlichen Dasein erlösen."
12. Kapitel.
Heimanns Abreise brachte einige Aufregung her- vor Die Preffe beklagte einstimmig den Verlust des vi- lveisprechenden jungen ^arlam^t6^ltÄ' gerade zu der Zeit, wo das Land seiner Dienste bedurfte.
JM 56.
Dienstag, den 10. März
1885.