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1885

Freitag, den 6. März

Fuldaer

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gerate:

? S, LanL sie der «nermüd- kam mit einem lieblichen Lächeln aus ihn zu.

sich in seinen edlen Zügen aus.

Aber jetzt leuchtete ein Hoffnungsstrahl in fernen Augen auf. Janthe hatte ibn sichtlich gesucht und

letzten Artikel der ,Nordd.' gehabt haben?USind es vielleicht, fragt die,Germ.', bloße Stilübungen eines angehenden Journalisten gewesen?

Deutsches Reich.

Berlin, 5. März.

• In der gestrigen Reichstagssitzung wurde die Wahl des Abgeordneten Dr. Detter (1. Hess. Wahlkreis Rinteln - Hofgeismar - Wolfhagen) für giltig erklärt, während bezüglich der Wahl des Abgeordneten Dr. Lotz (Kassel-Melsungen) auf Antrag der Kommission weitere Ermittelungen be- schloffen wurden.

• Die gestrige Debatte über den vielbesprochenen Direktor im Auswärtigen Amt hat alle Erwar- tungen enttäuscht, namentlich durch das wahrhaft klägliche Auftreten der Wortführer der Entrüsteten. Unter den 21 Freisinnigen, die durch ihr zustim­mendes Votum die Bewilligung der Forderung entschieden haben, befinden sich fünf, die bei der zweiten Lesung mit „Rein" gestimmt haben, nämlich Meyer (Halle), Hofmann, Lipke, Bein und Lorentzen. Die Uebrigen hatten an der Ab­stimmung in zweiter Lesung nicht theilgenommen oder find, wie Wilbrandt, Schrader, Forckenbeck, inzwischen neu ins Haus eingetreten.

• Rach dem Verlaufe der Kommisfiousberath- ungen darf man die Annahme des beantragten Gesetzentwurfs betr. die Pensionen der Volks- schul lehrer im Plenum des Abgeordnetenhauses als gesichert betrachten. ,

* * Im Reichstage wurde heute tue bntte Berathung des Reichbudgets beim Etat des Reichs- ames des'Innern fortgesetzt. Längere Auseinander­setzungen knüpften sich an das Institut der Fabrik- Inspektoren, an das Auswanderungswesen und das der Dberaufsicht des Reichsgesundheitsamtes unterliegende Nahrungsmittelgesetz. Die Reformbedürftigkeit des Letzteren wurde von allen Seiten anerkannt. Beim Auswanderungswesen verbreitete sich Abgeordneter Dr. Lingens, wie schon bei der zweiten Lesung über die Drangsalirungen, welchen der „St. Raphaelsverein zum Schutze katholischer Auswanderer" ausgesetzt ist. Das Jnsti- tut der Fabrikinspektoren anlangend, so wurde von verschiedenen Seiten eine Erweiterung der Be­richte derselben dahin angeregt, daß künftig auch über die Höhe der Löhne und über die Länge der lichen Liebe, der fürstlichen Großmuth des Gatten, dem sie verboten, auch nur ein zärtliches Wort an sie zu richten. Auch jetzt war er nicht an ihrer Seite; es widerstrebte seinem Gefühl, sie auf dieser Rundschau zu begleiten, als wolle er gleich ihren Dank in Empfang nehmen.

Janthe liebte ihren Gatten nicht; sie blickte von ihrer stolzen Höhe zu ihm herab, aber sie machte sich keines Undanks fchuldig.

Sie verließ den Earl, um ihren Gatten aufzu­suchen, und fand ihn allein in dem hübschen Morgenzimmer, in welchem sie damals ihre ver­ächtliche Zustimmung, seine Gattin zu werden, ge­geben hatte.

Dachte er jetzt daran — an ihre zorurgen brttern Worte — an ihre unaussprechliche Verachtung? Sie erröthete, als sie sich jener Scene erinnerte.

Als sie eintrat, stand er an die offene Glas- ttjüre angelehnt, und sie sagte sich mit plötzlichem Schmerz, daß er sich gar so ost einsam inmitten all dieser Pracht und" Herrlichkeit fühlen muffe; ein wehmüthiger, kummervoller Ausdruck prägte

X Die Tochter des Aristokraten.

(20. Fortsetzung.)

Lady Janthe's schönes Antlitz bedeckte eine warme Röthe; es war ihr sonderbar wohlthuend, dieses Willkommen von denen, unter denen sie ge­lebt, die sie geliebt hatte. Die Sonne neigte sich jetzt'dem Untergang zu. ein leichter Südwind be­wegte sanft das reiche Laubwerk, die Luft war er- füllt von dem balsamischen Wohlgernch der Herr- lichen Blumen. Es schien, als ob selbst die Na­tur ihr schönstes Kleid angelegt habe, um ihnen den Willkomm zu bieten.

Der alte Earl befand sich in der großen Ein­gangshalle und Lady Janthe erblickte ihn nut un­gläubigem Entzücken. Seine Augen strahlten, der müde abgehärmte Ausdruck war aus fernen Zugen verschwunden, feine Haltung war stramm, wie die eines Jünglings. Seit Jahren hatte sie ihn nicht so wohlaussehend gefunden. Mit einem Freuden- schrei schlang sie ihre Arme um seinen Hals.

„Vater," rief sie, „es thut meinem Herzen wohl, Dich wiederzusehen."

Der Earl blickte seine Tochter an und sand nut Entzücken, daß ihre Schönheit noch vollkommener

geworden sei; er konnte kaum die Augen abroen» ben von dem bezaubernden Antlitz. Plötzlich er­innerte er sich Hermann's, der auf sein Willkommen wartete. , ..

Meine Tochter," sagte er mit anmutiger Hof- lichtest, „mir dürfen den nicht vergeffen, welchem mir all unser Glück verdanken. Mein Sohn, seren Sie tausendmal willkommen."

Dann begleitete er Lady Janthe, welche das Haus in Augenschein zu nehmen wünschte. Die Verbefferungen, welche man während ihrer Ab­wesenheit an dem schönen Gebäude vorgenommen, waren sämmtlich von ihrem Gatten vorgefchlagen und unter Leitung des alten Earls ausgesührt

bis heute nicht bezahlt worden seien, und bemerkt, die begangenen Indiskretionen würden vertrauliche Auslassungen zwischen den Staatsmännern beider Regierungen für die Zukunft abschneiden.

Wohl die gefanunte deutsche Presse und dre öffentliche Meinung Deutschlands wird die Haltung des Kanzlers billigen. Englands Uebermuth verdient diese Zurechtweisung! Jndeß wenn ein Blatt an den Ausspruch des Kanzlers erinnert: „Sobald man Noten zu veröffentlichen anfängt, wird bie Sage ernst", so barf daraus nod) lange nicht die Möglichkeit eines Zusammen­stoßes zwischen Deutschland und England gefolgert werden. Unleugbar befand sich Fürst Bismarck im Stande der Nothwehr, und sprach aus ferner Rede auch eine große Entrüstung, so war dieselbe berechtigt. Die Behauptung Granville's, der Reichs­kanzler habe noch unter Disraeli zur Annexion Egyptens gerathen, war eben eine Unwahrheit. Trotz der scharfen Sprache der ,Nordd. Allgem. Ztg.' wird übrigens ein ernster Streit aus dem Vorfall nicht entstehen. Auch das englische Volk will Freundschaft mit Deutschland, wie umgekehrt wir mit England. Fürst Bismarck S Sohn, Graf Herbert ist wohl aus diesem Anlaß nach London gereift.

Während wir dieses schreiben, bringt das Wolff'sche Bureau folgende Depesche:

„London, 5. März. Graf Herbert Bismarck ist hier eingetroffen und hatte gestern Abend eine Unterredung mit Lord Granville. Die ,^imes knüpft an die Anwesenheit des Grafen Bismarck die Hoffnung, es würden Mittel für die Wieder- aufnahme freundlicher Beziehungen zwischen Deutsch- land' und' Enfflanb" gefunoen werbest.' Die" Miß­verständnisse hätten wahrscheinlich eine bedeutende Rolle gespielt in der Herbeiführung der gegen­wärtigen unglücklichen Verhältniffe. Unter dem Einstuß persönlicher Erklärungen und beiderseitiger versöhnlicher Neigung möchten sie verschwinden, Deutschland und England seien durch viele Bande verknüpft und hätten so vieles gemein, daß Eifer­sucht und Unfreundlichkeit, wofür keine wirklichen Gründe vorhanden seien, niemals entstehen sollten.'

Gleichzeitig nennt es die ,Nordd.' eine will- kürliche Entstellung der Wahrheit, daß Bismarck's letzte Rede die Tendenz gehabt habe, dem Ministerium Gladstone die Existenz zu er­schweren. Welchen Zweck mögen dann wohl dre

worden. . _ ,

Lord Carre halte nur wenig an Eroombe ver­wenden können; Hermann dagegen hatte neue Stal­lungen errichten und dieselben mit den prachtvollsten Pferden anfüllen lasten. Ein neuer Flügel war an die Abtei angebaut und auf das Modernste und Eleganteste auSgestattet worden.

In der Gemäldegalerie sah Lady ^anthe die Gemälde und Statuen, die sie in andern Ländern bewundert hatte. Wie durch Zauber war Alles, was ihr Entzücken erregt hatte, hierher gebracht roorben Qfff «.»rhnttFt* fit» her unciiniib*

*• Die Spannung zwischen Berlin nnd London,

die längst offenkundig war, ist auf einen hohen Grad gestiegen. Fürst Bismarck nahm in der Sitzung des Reichstages vom 2. März bei der Berathung über die Forderungen für die neuen überseeischen Schutzgebiete Veranlassung, sich in zwar diplomatischer, aber nichtsdestoweniger hin­reichend verständlicher Weise über die von England der unsrigen gegenüber befolgte Kolonialpolitik, namentlich aber über die von der englischen Regie- rung beliebte Behandlung dieser Angelegenheit aus­zusprechen, und die .Nordd. Allg. Ztg.' ergänzt die Bemerkungen des Reichskanzlers mit Worten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Fürst Bismarck wirft dem englischen Ministerium unerhörte Indiskretionen vor, Veröffentlichung von Aktenstücken und Besprechungen vertraulicher Natur im Blaubuche, sogar von dem Schreiben eines australischen Königs an den Kaiser, noch bevor das­selbe hier angelangt war. Er kntisirte die Thätig- keit des englischen Botschafters, der nur die Nolle eines Ueberbringers zahlreicher Noten spiele, die durch den Weltpostverein gerade so gut bestellt werden könnten, stellte die Behauptung als falsch hin, er habe der englischen Regierung den Rath zur Annexion Egyptens gegeben, ließ dabei durchblicken, daßEngland auf die Erregung von Mißtrauen Frankreichs gegen Deutschland spekulire, und schloß nut einem Bilde aus der germanischen Mythologie, nach welchem beim Erwachen des deutschen Völkerfrühlings sich stets der Loki (Vertreter des bösen Prinzips) ein­stellt, der auch einen blinden, dämlichen Menschen, einen Hödur findet, den er veranlaßt, den deutschen Völkerfrühling zu erschlagen. Die ,N o r d d. A11 g, Ztg.' nennt eine an den deutschen Botschafter tu London gerichtete Note geradezu eine grobe Ab­fertigung; die Tonart dieses Aktenstückes ser nicht die einer Staatsschrift, sondern einer polemischen Parlamentsrede, die verletzen, aber nicht überzeugen solle; verweist die englische Negierung gegenüber den bis jetzt unbewiesenen Forderungen britischer Untertanen auf Schadenersatz für bei der Aktion deutscher Streitkräfte in Kamerun angeblich er­littene Verluste darauf hin, daß die durch das uiigerechtfertigte Zusammenfchießen der Handelsstadt Alexandria durch die englische Flotte vor drei Jahren angerichteten und festgestellten Schäden noch