1885
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dazu bei. Niemand würde sie für eine Braut gehalten haben. Die Wenigen, denen sie durch ihre wunderbare Schönheit aussiel, glaubten, das schweigsame Pärchen sei Bruder und Schwester, die viel- leicht nicht in den besten Beziehungen zu einander standen.
Hermann war außerordentlich freundlich und aufmerksam. Ec hatte für unterhaltende Reiselektüre gesorgt und bemühte sich beständig um seine junge Gattin, ohne sich jedoch auszudrängen oder die Grenze zu überschreiten, die sie gesteckt hatte.
Es war Nacht, als sie Dover erreichten, und die Sterne funkelten am Himmel. Janthe ließ sich bered.», eine Stunde im Hotel zu ruhen unv dann noch das Souper einzunehmen, ehe sie weiter reisten. Hermann war liebevoll bewrgt um sie, er schien ihr jeden Wunsch an den Augen absehen zu wollen, und als die Zeit zur Abfahrt gekommen war, geleitete er sie an das Boot, aber ohne ihr den Arm zu bieten. Janthe bemerkte es und war ihm dankbar für die Zurückhaltung. ,
Die Nacht war herrlich, ein leichter Wmo find) über die ruhigen Wogen und die goldenen Sterne glitzerten in voller Pracht, während der Mond jetzt wie eine silberne Sichel am dunklen Nachthimmel aufging.
x Die Tochter des Aristokraten
(18. Fortsetzung.)
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vorgetragen. Dadurch also, daß man sie in Elberfeld nicht vorträgt, folgt noch lange nicht, daß sie nicht bestehen. Der Herr Minister hat sich ebenfalls in einer Beziehung wohlwollend geäußert. Er hat anerkannt, daß auf dem Gebiete der Charitas und auch der sozialen Verhältniffe die Thätigkeit dieser Orden sehr große Anerkennung verdien-, und daß er selbst ihnen diese Anerkennung gern gebe. Er hat ferner gesagt, in der Centralinstanz sei auch für sie Alles geschehen, was möglich sei. Ich glaube nun zwar, daß auch innerhalb der jetzt bestehenden engen Beschränkungen der Gesetze noch recht viel mehr geschehen könnte; namentlich in Beziehung aus die Ausnahme, auf die Festsetzung und Regulirung der Zahl, auf die Bedingung der Begründung neuer Niederlassungen. Aber ich muß den Herrn Minister ferner darauf aufmerksam machen, daß seine Anschauungen, die er heute hier dargelegt hat, in den unteren Instanzen jedenfalls nicht genügend bekannt sind, oder nicht genügend befolgt werden; denn in diesen wird die Sache immer noch mit den alten kulturkämpferischen Augen angesehen; und wenn er sich Vortrag darüber halten lassen wollte, wie in den verschiedenen Regierungsbezirken verschieden verfahren wird, so wird er sehr bald entdecken, wo die kulturkämpferischen und wo die billig denkenden Räthe sitzen. Soll Wandel geschaffen werden auf diesem Gebiete, dann ist es Zeit, eine Revision des Personals vorzunehmen, das diese Dinge behandelt, und außerdem feste und gründliche Instruktionen zu geben und auf deren Durchführung zu achten. Das Wesentliche aber ist und bleibt, daß der Herr Minister immer sagen muß — er kann ja nicht anders, so lange das Gesetz besteht —: „soweit es möglich ist". Und das führt mich auf den Kern der Sache. Es muß hier die Freiheit hergestcllt werden, es muß das Gesetz beseitigt werden (Sehr richtig! im Centrum) und nirgends weniger als hier ist ein Grund zu denken und anzuführen, weshalb den Orden, die hier in Frage sind, nicht die volle Freiheit gegeben werden kann, die sie vor diesem Gesetze hatten. (Sehr richtig! im Centrum.) Nirgends ist ein Mißbrauch entstanden, nirgends Haven Ile einen Borwurf aus sich geladen; sie haben in Süiitn u.iV spuiafl.r. O-—t* S'Tft«n« -*»• 9
noch da; sie haben auf den Schlachtfeldern die Wunden verbunden und haben überall heilend und.trostend gewirkt. Ja, es ist kein Geheimniß und es ist Zeit, daß man daran erinnert, daß, als in der Hochfluth des Kulturkampfes man auch diese Frauen angriff, unser Kaiser persönlich dafür eintrat, daß ihnen nichts zu Leioe geschehen solle. Er hat in Anerkennung deffen, was auf dem Schlachtfelde und sonst von ihnen geleistet wird, Halt geboten, und ich bin überzeugt, wenn es zu seinen Ohren kommt, daß noch letzt solche harten Beschränkungen für sie bestehen, daß man das Damoklesschwert der Existenz über diese Frauen hangen läßt, dann wird er sagen: das kann in meinem Lande länger nicht geduldet werden. (Bravo! 'm Centrum.) Wenn man in diesem Lande nach den Worten Friedrich des Großen nach seiner Fagon soll selig werden können, so soll man doch nach seiner Fa<zon wohlthun können, denn die Kranken pflegen, und Barmherzigkeit üben, das ist das erste und das höchste Gebot. Ich sage also das Gesetz muß fort, und ich kann dem Herrn Abg. Dr. Graf nicht zugeben, daß dieses Gesetz nur erst dann beseitigt werden kann, wenn überhaupt eine totale
* Dr. Windthorft über die krankenpflegenden Genossenschaften
in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 2. d. Mts.
„M. H.! Ich kann nicht umhin, zu erklären, daß die Art der Erörterung, die über die Frage der krankenpflegenden Genossenschaften stattgefunden hat, auf mich einen sehr wohlthuenden Eindruck gemacht hat Dieselbe sticht sehr vortheilhaft ab von früheren Erörterungen gleicher Art und erfüllt mich deshalb mit einiger Hoffnung. Zunächst bin ich dem Abgeordneten Dr. Graf meinen Dank schuldig für die rückhaltlose Anerkennung der Thätigkeit der barmherzigen Schwestern in Elberfeld. — Es wird hier an meiner Seite behauptet, die Anerkennung wäre immer gewährt worden; ich könnte dem verehrten Herrn aus den früheren Verhandlungen ganz andere Aeußerungen darlegen, wie wäre es sonst auch möglich gewesen, ein solches Gesetz zu machen! Ich bin ihm auch dafür sehr dankbar, daß er erklärt hat, einer organischen Revision der Maigesetze generell nicht zu widerstreben. Nun meint er zwar, daß eS nicht gut sei, einzelne Bestimmungen der Gesetze herauszugreifen und sie zu ändern, er empfiehlt vielmehr die organische Revision im Ganzen. Auch ich wünsche diese und haben meine Freunde und ich zu jeder Zeit darauf hingearbeitet. Es gab auch eine Zeit, wo die Majorität dieses Hauses dem beitrat, aber zur That ist bisher nichts geworden, und wir bleiben stehen, wo wir uns seit lange befunden haben. Es zeigt sich nirgend auch nur das geringste Zeichen daß man in dieser Richtung wieder vorzugehen Lust hätte. Ich will dem verehiten Herrn auch nicht verschweigen, daß ich diese seine Aeußerung etwas als eine Koulisse betrachte, hinter welcher man demnächst die kirchenpolitischen Anträge, welche meineFreunde undich bereits eingebracht haben, ablehnen zu können glaubt, und es würde mir angenehm sein, wenn ich mich darin irre. Im Großen und Ganzen aber, das wiederhole ich, war in dieser Erklärung des Herrn Dr. Graf eine wohlwollende Richtung, für die ich danke. Dann Hai der verehrte Heer gemeint, es wäre ihm niemals oder seit langer Zeit nicht eine Klage über Beschränkung der Schwestern in Elberfeld zu Ohren gekommen. Ich will gern glauben, daß die Schwestern dort keine Klage erhoben haben. Das thun sie überhaupt nicht und wir haben ja auch vor Jahren gehört, daß der Herr Minister erklärte, bei seinen Rundreisen und Visitationen seien die Ordensfrauen ihm gegenüber sehr freundlich gewesen, hätten ihm geban(iß.i.t) gar keine Beschwerden erhoben. Das ist nun schon > :: zweite Mal, daß wir in dieser Session der Auffassung begegnen, daß Alles gut sein müsse, wenn man keine Beschwerden erhebe; und daß man diese Auffassung hier findet, kann mich nur veranlassen, meine sämmtlichen Glaubensgenossen im Lande anzurufen, ja immer laute Beschwerde zu führen, wenn ihnen etwas wehe thut, weil es sonst den Anschein haben werde, es wären keine Beschwerden vorhanden. Die Schwestern wagen das natürlich nicht und haben auch nach ihrer ganzen Stellung das nicht zu thun. Das sollen ihre Oberen thun und die Oberen haben sich weiter an die Bischöfe zu wenden. Diese aber haben solche Beschwerden hier deutlich und klar genug
„Ich will mein Bestes thun, Vater. Dem Himmel sei "Dank, daß Du glücklich bist!"
9. Kapitel.
Das letzte Lebewohl war gesprochen, die letzten Grüße zugewinkt und Lady Janthe verließ ihres Vaters Heim an der Seite des Gatten, den sie so herzlich verachtete. An dem Morgen des Hochzeitstages hielt Hermann das Dokument in Händen, das ihn zuni Mr. Carre stempelte, und es kostete ihn einen heftigen Schmerz, sich von dem Namen zu trennen, an den sein Vater so viele Hoffnungen geknüpft hatte. Aber was hätte er nicht um ihretwillen ertragen?
Im letzten Augenblick hatte Janthe ihren Entschluß geändert. Sie wollte nicht nach Paris, sondern sogleich nach Ostende gehen, und sie gedachten das Nachtboot von Dover nach Oltende zu benutzen. .
Die Eiscnbahnsahrt nach Dover war eine sehr angenehme. Zu ihrer unaussprechlichen Erleichterung bemerkte Janthe, daß Niemand das junge Paar für Neuvermählte hielt, die ihre Hochzeitsreise antiaten. ..
Vielleicht trug das einfache dunkle Reisekostum, das Janthe nicht ohne Absicht gewählt, nicht wenig
Revision der Ma^gesetze stattfindet. Das Gesetz kann füglich, ganz abgetrennt von dem übrigen Apparat, beseitigt werden und der Apparat bleibt im Uebrigen doch bestehen. Wir wünschen das Fortbestehen des Uebrigen wahrlich nicht; ich sage nur, daß man dies sofort allein beseitigen kann, ohne damit das andere zu tangiren, und das sollte man thun, um dem menschlichen Gefühl endlich einmal gerecht zu werden. (Bravo im Centrum.) Ich denke, daß die heutige Diskussion und das allseitige Zustimmen im Kern der Sache dazu beitragen wird, diese Engel der wahren, echten Nächstenliebe endlich von dem Polizeidruck zu befreien, unter welchem sie stehen. Wenn der Herr Minister geglaubt hat, daß in dem Gesetze selbst kein Hinderniß für die Genossenschaften liege, so kann ich ihm aus meinen Erfahrungen sagen, daß eine ganze Reihe edler Jungfrauen deshalb entweder überhaupt nicht eintritt, oder in das Ausland geht, weil sie der Möglichkeit, einmal wieder vertrieben zu werden, sich nicht aussetzen können und wollen. Die Damen können ja, wenn etwa ein ihnen nicht wohlwollendes Regiment eintritt, mit einem Federstrich aus dem Lande gejagt werden, und ich frage Sie, ob Sie wohl als Eltern Ihre Kinder in eine Lage bringen wollten, wo ihnen dieses denkbarer Weise bevorsteht. Sie werden vielleicht sagen, es wird ja nicht eintreten. Warum hat man sich denn im Gesetze Vorbehalten, event. auch die Auflösung bestimmen zu lönnen? Haben wir es denn nicht schon gesehen, daß eine ganze Reihe von Ordensfrauen vertrieben sind und übers Meer haben ziehen müssen, die nichts anderes verbrochen haben, als ihren Nebenmenschen Gutes thun und Beten!" (Bravo! im Gentrum.)
Deutsches Reich.
Berlin, 3. März.
** Die neuerdings auftauchenden Mittheilungen über kirchenpolitische Verhandlungen zwischen Rom und Berlin sind, wie die .Köln. Vztg.' meint, recht
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kirchenpolitischem Gebiete zur Zeit nichts wahr- scheinlich, alle« möglich ist — weil eben Fürst Bismarck auch die Kirchenpolitik macht. Man muß nur wohl im Auge behalten, daß in der parlamentarischen Lage, besonders im Reichstage Momente genug vorhanden sind, welche es der Regierung angezeigt erscheinen lasten können, wenigstens so zu thun, al« wolle sie den Katholiken einiges Entgegenkommen zeigen; daß auch wirklich etwas geschehen werde, folgt daraus noch in keiner Weise.
• Der Reichstag genehmigte ohne erhebliche Debatte in dritter Lesung die Gesetzentwürfe, betr. den Zollanschluß Bremens und die Ergänzung des Tabaksteuergesetzes und befaßte sich sodann nut Wahlprüfungen. . ,
Das Abgeordnetenhaus genehmigte zu-
Sie fand keine Worte, um ihm hierauf zu antworten, aber sie drückte h.iße Küste auf seine zitternden Hände, aus das abgehärmte Antlitz.
Und jetzt ergriff der Earl ihre beiden Hände.
„Roch ein Wort, ehe Du gehst, Janthe," sagte er. „Du bist stolz — die Leute nennen Dich eines der stolzesten Mädchen in England. Sei nicht stolz gegen Deinen Gatten. Ec mag Dir nicht ebenbürtig sein, seiite soziale Stellung mag der Deinigen nicht gleich kommen; aber er hat das Herz eines Königs, die edelsten, nobelsten Gesinnungen. Liebe ihn, Janthe; er ist Deiner vollen Liebe würdig. Er'wäre ein paffender Lebensgefährte für die nobelste Frau auf Erden. Mache ihn glücklich, denn wir verdanken ihm all unser Glück. Du wirst dies nicht vergeffen?"
Was konnte sie erwidern — sie, die ihrem Gatten verboten, ein herzliches Wort an sie zu richten, ihn mit der hochmüthigsten Verachtung behandelt hatte? Sie schlang ihre Arme um den Hals des allen Mannes und sagte nur: