Fuldaer Jeilung.
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* lieber den Fall Schlveninger
schreibt man katholischen Blättern aus Berlin: Der ungenannte aber sehr wohlbekannte Doktor war äm 26. v. M. nochmals Gegenstand der Debatte im Abgeordnetenhause. Als Symptom unserer Zustände und als Probirstein für unsere Parteiver- hältniffe hat der Fall Schweninger in der That eine ungemein große Bedeutung. Schweninger hat Dank den drei gouoerneinentalen Korps mit 41 Stimmen gesiegt, aber dieses Votum dürfte den Konservativen, die so oft die christliche Moral betonen, und den Nationalliberalen, welche die nationale Ehre sonst in Erbpacht zu haben wähnen, mehr wie einmal vorgehalteu werden. Die Schweninger- Frage kam nochmals zur Verhandlung, weil der Abg. Dr. Stern den Antrag eingebracht hatte, die geforderte Position von 3900 Mark für den Lehrstuhl für Dermatologie zu streichen, während die Kommission sich bekanntlich mit 13 gegen 5 Stimmen für die Bewilligung ausgesprochen hatte. Die Debatte ging auf den Grund der Sache viel tiefer ein, als das bei der eisten Besprechung der Fall war und in der That enthält dieser Fall einen ganzen Rattenkönig von höchst wichtigen fragen. Es kam zunächst bei dem Ernannten die ethische und wissenschaftliche Frage in Betracht, bei der Ernennung die Frage nach der Gesetzlichkeit und sodann auch angesichts des Gebührens der Nationalliberalen auch das Budgetrecht des Abgeordnetenhauses selbst. Konstatirt zu werden verdient, daß die Bewilliger der Posilion die ethische Seite der Frage als gar nicht in Betracht kommend erklärten, während die Gegner der Forderung gerade darin das Hauptmotiv für ihr Votum erblickten. Mit Recht wurde von Letzteren geltend gemacht, daß laut der Verfassung Unterricht nur ertheilen dürfe, wer seine „wissenschaftliche und sittliche Befähigung" dargethan habe, und recht schlagend wies Dr. Stern darauf hin, daß man im Kulturkämpfe von dem Unterrichte in den Schulen eine Unmasse k a t h o l i s ch e r P r i e st e r ausgeschlossen habe, denen nicht der geringste sittliche Makel anhaftete. Mir selbst ist ein katholischer Priester bekannt, dem die Regierung zu Bromberg silbst die Genehmigung zur Erth.ilung von Privatstunden ohne Angabe von Gründen ausdrücklich verweigerte. Und was lag gegen diesen Priester vor? Nichts, als die Thatsache, daß er
X Die Tochter des Aristokraten.
(17. Fortsetzung.)
8. Kapitel.
Es war eine sonderbare Hochzeit, obschon alle äußern Formen und Ceremonien erfüllt wurden. Lord Gai re halte darauf bestanden, Alles en regle zu haben; und selten wurde eine Heirath mit größerem Pomp in Scene gesetzt. Nur eines fehlte — die Liebe. Lady Carre hatte die drei Monate vor der Hochzeit in vollkommener Gleichgültigkeit gegen alle Vorbereitungen für dieselbe zugebracht. Sie hatte sich schweigend in ihr Sch'ck- sal gefunden, ihre einzige Befriedigung in der Liebe ihres Vaters findend, dem sie dieses große Opfer gebracht.
Gegen Ende April wurde sie mit Mr. Culroß in der alten Kirche von Leahurst getraut. Die Sonne schien hell an diesem sonderbaren Hoch- zeilsmorgen. Alle Notabilitäten der Grafschaft waren eingeladen. Der Zug der Brautjungfern bestand aus den schönsten und vornehmsten Mädchen Englands. Ein fast fürstliches Hochzeitrfrüh- stück wartete der zahlreichen Gäste. Die Kinder aus den Lcahurft'schen Schulen waren alle an« .•
sich weigerte, unter dem Staatskommissar im Konsistorium zu ®nefen weiter zu arbeiten. Und nun vergleiche man diese rigoröse Behandlung eines makellosen katholischen Priesters, dem nach Verdrängung aus seinem Amte nichts anderes, als das UnterrichtSertheilen übrig blieb, mit der Ernennung eines Mannes zum Professor, der in allen Instanzen wegen eines sittlichen Vergehens ver- urtheilt war! Mit Recht konnte Dr. Stern diese Ernennung als im Widerspruch mit der ganzen preußischen Praxis stehend bezeichnen und seine an den Minister von Goßler gerichtete Apostrophe: „Wären Sie gegangen, so wäre das „a. D." das beste epitheton ornans gewesen," dürste für sehr viele Zuhörer einleuchtend gewesen fein. Neben der ethischen kam auch die Frage der wissenschaftlichen Befähigung des Ernannten zur Erörterung. Es fei in dieser Beziehung nur konstatirt, daß dem „ungenannten Doktor" der Mangel an fachwiffenschastlicher und klinischer Vorbildung gerade für das in Rede stehende Spezialfach zum Vorwurf gemacht wurde. Indem aber dem Ernannten die ethische und moralische Befähigung abgesprochen wurde, hielt man auch die gesetzlichen Vorbedingungen zu der Anstellung nicht für vor- Händen und man erachtete das Verhalten des ernennenden Ministers um so weniger gerechtfertigt, als sich der ungenannte Doktor nach der Goßler'- scheu Erklärung die Stelle geradezu „ertrotzt" habe. Daher erklärte Dr. Stern, der Landtag müsse cs ablehnen, auch durch's „Kaudiniscke Joch" zu kriechen, und der Abgeordnete Hänel schloß seine Rede:" „Wenn der Minister durch beit Ehrgeiz des Mannes zum Falle gekommen, so könne doch der Landtag diesen Fall nicht mitmachen." Bei der Stellung der Kons-rvativen zu der Frage brannte es diesen natürlich bei der Debatte auf den Nägeln. Wie gern hätten sie der Opposition den Mund geschlossen, doch zweimal wurde ihr Schlußantrag vom Hause verworfen. So konnten sich die Nationalliberalen durch die von dem Abg. Graf (Elberfeld) öorgetragene Theorie blamiren, daß das Haus seine Kompetenz überschreite und sich eines Uebergriffs in die Befugnisse der Exekutive schuldig mache, wenn es auch die Befähigung des Ernannten einer Prüfung unterziehe. Mit Recht betonte Dr. Hänel gegenüber diesem Gouverneure,l- talismus der nationalliberalen Jasager: Ihr stellt damit das ganze Budgetrecht des Landtags in Frage, I
wesend und streuten Blumen vor der Braut -- die Hochzeitsglocken erklangen in festlichem Geläute. Für die Pächter war ein großes Fest veranstaltet, desgleichen für die Kinder.
Die Leute waren entzückt von der Hochzeit. Die Braut war so königlich schön, ihre Toilette so prächtig — der Bräutigam so schön und so großmüthig — der alte Earl so glücklich — Jedermann so hoch erfreut — man war einig, daß feit langer Zeit fein so herrliches Fest war gc« feiert worden.
Freilich, Niemand bemerkte, daß dann und wann ein Ausdruck tiefen Kummers die Züge des stattlichen Bräutigams verdüsterte. — Niemand errieth, daß es eine Heirath ohne Liebe mar, „ein reines geschäftliches Arrangement" — Niemand wußte, daß der großmüthige Bräutigam sein Leben gegeben hätte, für ein einziges Lächeln von den stolzen kippen feiner Braut — Niemand errieth. daß die junge, schöne Braut nur zornige Verachtung empfand für den Mann an ihrer Seite.
So standen sie vor dein Altäre und wiederholten die feierlichen Worte, die sie für's Leben aneinander banden. Bei Hermann kamen sie aus der T.eze seines Herzens, Lady Janthe fuchse über deren Bedeutung nicht nachzuoenken. Das Einzige,
und er bezeichnete es nicht nur als Recht, sondern auch als heilige Pflicht der Volksvertretung, zu prüfen, ob die Exekutive die bewilligten Gelder gesetzlich und sachlich richtig verwende. „Bei dem Budget allein," führte der Redner aus, „sind wir eine Macht, hier allein können wir unserer Kritik Nachdruck geben, sonst imponiren wir nicht." Indessen die gouvernementalen Parteien der Konservativen und Nationalliberalen hatten gegen das Centrum, die Polen und Freisinnigen die Majorität und sie haben numerisch gesiegt, aber des moralischen Sieges dürften sie selbst sich kaum rühmen. Mehr als einmal wird man den Konservativen ihr heutiges Votum vorbalten, wenn sie die Nothwendigkcit betonen, die öffentliche Moral hoch zu halten. Den Nationalliberalen aber wird der Vorwurf nicht erspart bleiben, sie seien bereits so weit auf der abschüssigen Bahn, daß sie selbst das Budgetrecht des Hauses beschnitten. Herr Schweninger ist also jetzt anerkannt wohl bestallter Professor. Dr. Stern meinte, man hätte seine Verdienste mit dem Adel belohnen können, den dürfe er jedoch nicht „ertrotzen".
Auch in konservativen Kreisen ist man vielfach über die Schweningec-Geschichte nichts weniger als erbaut, und der ,Reichsbote' hat erfreulicher Weise den Muth, seinem Mißbehagen offen Ausdruck zu geben.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. März.
** Der Reichstag nahm heute seine Sitzungen wieder auf. Auf der Tagesordnung stand der Ergänzungs- und Vertragsetat für die Beamten» orgamfation in. den westafrikanischen Kolonien. Die Kommission beantragt Bewilligung einer Pauschalsumme von 248,000 M. und Annahme folgender Resolution: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, 1) dem Reichstage bei Vorlegung des nächsten Etats eine spezifiz-rte Mittheilung über die in den Schutzbezii ken mit den bewilligten Mitteln getroffenen Einrichtungen zu machen, 2) dem Reichstage vor Herbeiführung fester Organisation in den westafrikanischen Schutzbezirken eine Vorlage zu machen, behufs Heranziehung der Schutzbezirke zur Deckung der dem R iche aus denselben erwachenden Kosten. (Dee Regierungsvorlage verlangt 248,000 M. zur Errichtung von bestimmten
was sie aufrecht hielt und ihr Muth gab, war der glückliche Ausdruck in dem Antlitz des geliebten Vaters.
Zum ersten Mal hielt jetzt Hermann die kleine weiße, unbehandschuhte Hand in der seinigen. Lady Janthe hätte sie gerne zurückgezogen in stolzer Entrüstung, aber die Augen der Welt ruhten auf ihnen, sie mußte die Berührung dulden.
Sie waren Mann und Frau. Die Orgel ertönte — die Glocken läuteten — es kam Bewegung in die glänzende Versammlung. Hermanns Heiz pochte heftig, eine leichte Röthe hatte sich über sein Antlitz gebreitet, aber die Züge der schönen Braut waren kalt und unbewegt. Nur Wenige bemerkten, daß das neuverinählte Paar nicht Hand in Hand ober Arm in Arm durch die Kirche schritt. Hermann war seiner Gattin beim Einsteigen in die Equipage behülflich und nahm bann den Platz an ihrer Seite em. Beide verneigten sich dankend für das schallende Hoch der Leute, die sich um die Wagen drängten. Während der Fahrt wurden nur wenige Worte gewechselt. Hermann blickte seine junge Gattin an, sie schien ihm ungewöhnlich bleich.
„Sind Sie sehr ennüoet, Lady Janthe?" fragte er.
„Ja," war die kurze Antwort.