Einzelbild herunterladen
 

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis o, „ „

belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Pfg., — mit der

Aus der Rede des Abg. Dr. Windthorst, gehalten in der Sitzung des preuß. Abgeord­netenhauses am 20. vor. Mts. bei Berathung des Kultusetats.

Meine Herren! Was die Bemerkung betrifft, daß wir Wahlbündnisse gemacht hätten, daß wir Allianzen schlössen, die nicht konservativ seien, so muß ich dem ver­ehrten Herrn Vorredner sagen, daß wir gar nicht in dem Falle, Wahlbündnisse zu schließen, gewesen sind. (Lachen rechts.) Nun, bitte lachen Sie dann, wenn ich fertig bin. Ein Bündniß pflegt gegenseitig zu fein, und wir haben für uns keine Hilfe gefunden; wohl aber haben wir bei den Reichstags­wahlen energische Hilfe geleistet. Allerdings nicht für die „Ideen Rauchhaupt-Eynern", die sich heute so brüderlich die Hand zu reichen suchten. Es kam mir aber vor, als wenn Herr v. Eynern doch recht zögernd in die Hand ein­schlug. Wir haben keine Wahl gefördert, die das Zeichen der Mittelpartei tragen sollte. Diese Mittelpartei sollte gebildet werden unter den Auspi­zien der Regierung, damit sie eine unbedingte Regierungs­partei sans phrase sei, und sie war bestimmt, nach den Erklärungen offiziöser Organe, uns an die Wand zu drücken. Diese Partei zu unterstützen war unmöglich; denn es wäre doch geradezu widersinnig gewesen wenn wir eine Bildung fördern wollten, welche die Aufgabe hatte, uns tobt zu machen. (Sehr richtig! im Centrum.) Der Wurm krümmt sich, wenn man ihn tritt. (Große Heiter­keit); ich und meine Freunde sollten dem Kavallerietritt des Herrn v. Rauchhaupt und des Herrn v. Eynern ganz ohne Bedenken uns aussetzen! Das fällt uns denn doch gar im Traume nicht ein. Wir haben nun versucht, diese Bildung zu hindern. Uebe.allda, wo ein fester, selbst- bewußter Konservativer war, ist er von uns in erster Linie aus das Kräftigste gegen alle anderen Parteien unterstützt wo den. (Sehr richtig! im Centrum. Zurufe rechts.) Herr Stöcker hat sich als fester Konservativer nicht bewährt. (Große Heiterkeit rechts.) Er hat außerhalb die­ses Hauses den Kulturkampf gefördert, und den zu unter­stützen, r”'.r deshalb nicht möglich --- zu meinem Bedauern, bepn ich leugne nicht, daß es viele Seiten in den Hand­lungen und dem Charakter -es Mannes gibt, welche mir sympathisch sind. Aber dies ging nicht, denn er war ein Kulturkämpfer. Ebenso waren es noch viele Andere, die uns vielleicht namentlich noch vorgeführt werden; ich werde denn auch die Gründe ganz offen angeben, weshalb man die nicht unterstützen konnte. Wenn aber ein solcher echter Konservativer nicht da war, bann haben wir frank unb offen und klar uns für die Deutsch freisinni­gen entschieden und mit Ihrer Erlaubniß auch ohne Ihre Erlaubniß (nach rechts) werden wir das ferner thun. (Sehr gut! im Centrum.) Wir wer­den immer diejenigen unterstützen, die uns die meiste Ga­rantie und die meiste Wahrscheinlichkeit geben, uns in dem Kulturkampf zu Hilfe zu kommen. Das thun nicht alle Deutschfreisinnigen, und ebenso wie ich eine Reihe von den Herren Konservativen, die sich so nennen, nicht habe unter­stützen können, würden wir auch einige von den Deutsch­freisinnigen nicht unterstützen können; und das ist auch nicht geschehen, wir haben immer Unterstützung gewährt da, wo wir Garantien halten. (Zuruf: Löwe.) Gerade das

X Die Tochter des Aristokraten.

(16. Fortsetzung.)

7. Kapitel.

Nachdem Lady Janthe das Zunmer verlaffen, stand Hermann in tiefen Gedanken versunken. Für ihn, den Sohn, des Volkes, den tiefen Denker, den großhe zigen, hochsinnigen Philosophen, lag etwas Unnatürliches in Lady Carre's großem Fa­milienstolz. Ec konnte ihn nicht verstehen.

Anfänglich war er geneigt gewesen, ihre Be­dingungen, als seiner unwürdig, mit Verachtung zurückzuweisen. Aber dann kam ihm der Gedanke, er könne ihr eine Lektion geben, in was dec wahre Adel eigentlich bestehe. Ec wollte ihr sein ganzes Leben weihen; er wollte sie mit einer Ritterlich­keit, einer Zartheit behandeln, daß sie gezwungen wäre, ihn zu bewundern, gezwungen, zuzugestehen, daß auch ein Plebejer die Tugenden besitzen könne, die nach ihrer Meinung nur den Aristokraten zu gehören schienen. Wie stolz sie war, wie verächt­lich, aber auch wie schön, wie bezaubernd!

Er mußte sie gewinnen durch die Macht seiner gewaltigen Liebe. Der Tag mußte kommen, wo sie ihre Arme um seinen Hals schlingen, ihr

wollte ich hören! (Große Heiterkeit.) Der Herr Abg. Löwe hat während des ganzen Kulturkampfes in ber Minorität gegen feine Fraktion für uns gegen die Maigesetze gestimmt (Bravo im Centrum), bas Zeugniß gebe ich ihm hier, unb ich baute ihm. Weil er bas gethan hat, ist er hier mit Recht unterstützt, unb wir werben ihn immer unterstützen gegen Jeden, der gegen uns im Kulturkämpfe steht. (Bravo im Centrum.) Eine solche Taktik will man uns Übelneh­men in dem Lande, wo die Allianzen ohne Wahl geschlos­sen sind, wo der große Staatsmann zu allen Zeiten das Geld und die Hilfe genommen hat, wo er es fand! Man lernt doch allmählich, wenn man so lange dazwischen steht (Heiterkeit) und so haben wir es denn auch gethan. Uebri- gens bitte ich den Herrn Kollegen v. Rauchhaupt, mir nach­zuweifen, wo wir irgend einen konservativen Grundsatz verletzt haben. Aber ich mache bemerklich, daß für uns konservativ und gouvernemental nicht dasselbe ist. (Sehr gut! im Centrum.) Wenn er über den Unterschied sich ein klein wenig unterrich­ten will, so könnte ich ihm ja jetzt die Broschüre von Herrn v. Fechenbach überreichen zum Studium und zum Nachdenken; zur Nachfolge ihn aufzufordern, würde aller­dings vermessen sein. Ich meine, daß das wohl unter­schieden werden muß, und ich wiederhole, für einen ernst­haften konservativen Gedanken werden Sie uns immer und jeder Zeit bereit finden; aber für gouoernementate Dinge nicht ohne weiteres, da sehen wir ein wenig zu, und so lange das Gouvernement kein Bedenken hat, bei jeder Gelegenheit jeden Angriff gegen die Katholiken zu unterstützen oder das Beispiel des Angriffs und der Unter­drückung voranzutragen, so lange werden wir allerdings recht vorsichtig sein müssen. Daß wir aber dadurch uns nicht abhalten lassen, dasjenige zu thun, waS für Land und Regierung nothwendig ist, das haben wir in diesen Tagen im Reichstag sehr deutlich und klar gezeigt unter den Angriffen fämmtlicher liberaler Parteien. Und in dem Moment will uns Herr v Rauchhaupt sagen, wir wären nicht konservativ! (Hört, hört! im Centrum.) Sie wollen uns in Beziehung auf die Kirchenfrage helfen. Sie hatten mit uns unb das mar rin. Standpunkt, den ich. begrüßte- und von dem ich hoffte, daß der Friede mit den Herren zusammen hergestellt werden könnte — einen Antrag an­genommen auf Revision der Maigesetz?. Als ich den Antrag erneuerte, hatten Sie Bedenken, ihn zu wiederholen. Im Reichstage war das exorbitante Ausweisungsgesetz in vielfacher Beziehung angenommen auch mit den Konservativen, und als in diesem Jahre der Antrag wiederholt wurde, be­schlossen die Konservativen in der Fraktionssitzung, einstimmig dafür zu stimmen, und am andern Morgen ließ der Herr Reichskanzler sagen, das nehme er übel und Sie stimmten zu vier Fünftel dagegen. (Hört, hört! im Centrum.) Ist das konservativ? (Zuruf rechts.) — Im Reichstag; die Herren waren Fleisch von Ihrem Fleisch und Blut von Ihrem Blut. Also diese kleine Abschweifung und Abfertigung gegenüber dem Herrn Kollegen v. Rauchhaupt; ich würde aber, wenn es darauf antommt, einen ferneren Gang auf diesem Gebiet mit ihm zu gehen, zu jeder Stunde bereit sein, und ich bedauere, daß er das Signal gegeben. Ich konstatire und nagle es fest, daß Herr v. Rauchhaupt den Anfang zu dieser Diskussion gegeben, und wir von unserer

schönes Antlitz an seiner Brust bergen und ihm zuflüstern würde: „Mein Gatte, ich habe .Dich lieben gelernt."

Mit diesem Ziel vor Augen konnte Hermann allen Zorn, alle Verachtung, all das ermüdende Warten ertragen. Er war zufrieden, und mit der ganzen Stärke seines treuen Herzens beschloß ec, sein Bestes zu thun — sie glücklich zu machen.

Lady Janthe begab sich nach der wichtigen Un­terredung sogleich zu ihrem Vater.

Der alte Earl blickte sie erwartungsvoll an.

„Du hast keine guten Nachrichten für mich, Janthe," sagte er niedergeschlagen, „ich sehe es in Deinen Augen."

„Vielleicht wirst Du sie für gut halten, Vater. Ich bin gekommen um Dir zu sagen, daß ich Mr. Culroß acceptirt habe."

Ec konnte den Freudenschrei nicht unterdrücken, der sich auf seine Lippen drängte, sein ganzes Aussehen war plötzlich verändert. Seine Sorgen und Kümmernisse schienen von ihm zu fallen; er erhob sich von seinem Sitz, kräftiger und in strammerer Haltung, als seit vielen Tagen.

„Mein Liebling," sagte er, „meine geliebte Janthe, Du hast mein Leben gerettet!"

„Und das meinige zu Grunde gerichtet," dachte i

Seite nicht angeschlagen haben. Wir erwarten die Anträge des Herrn Stöcker. Ich ratfje ihm nochmals, bet der For- mulirung derselben so zu verfahren, wie ich in meiner ersten Rebe gesagt habe, unb er kann versichert sein — ob er bas hoch ober niedrig schätzt, ist seine Sache — daß er dann unsere Unterstützung finden wird. Denn ich habe die Meinung, daß wir hier in Preußen die Aufgabe haben, in gleicher Sorgfalt für alle Kirchengemeinschaften, die positiv das Gute unterstützen, zu sorgen. Denn nur dadurch, daß wir uns in dieser Weise einander tragen und ertragen, kann friedlich nebeneinander gewohnt werden, und ohne ein friedliches Zusammenwohnen aller Konfessionen ist der Bestand des preußischen Staates und Deutschlands unmöglich, und er wird, wenn der Kampf so fortgeht, sicher Schiffbruch leiden — darüber habe ich nicht den geringsten Zweifel — und das will doch in diesem Hause Niemand. Dann hat der verehrte Herr Stöcker geglaubt, noch etwas ganz Besonderes thun zu müssen, indem er aus einem Erlaß des hl. Vaters etwas vorgelesen hat. Ich bemerke ausdrücklich, daß dieser Erlaß sich bezog auf Solche, die in Rom mit ihrer Propaganda sich breit machen vornehmlich sind es die Waldenser und einige abgefallene Priester. In Beziehung auf andere steht in dem, was da verlesen worden ist, nichts. Daß aber das Oberhaupt der katholischen Kirche im Prinzip die evangelische Kirche nicht anerkennen kann, das liegt denn doch wohl auf der Hand, (aha! rechts) ebensowenig wie sie uns im Prinzip anerkennen. (Oho! rechts. Ganz sicher! im Centrum. Glocke des Präsidenten). Nun, da muß ich Ihnen doch — ich will es nächstens mitbringen — die Auslassungen namhafter Synodalmitglieder (Ruf links: grabeaue!) unb vor Allem der kampfgerüsteten Halle scheu Fakultät vorlesen. (Zuruf.) Im Prinzip werden Sie nie anerkennen, baß die katholische Kirche die richtige sei. (Sehr richtig! unb Heiterkeit rechts.) Erlauben Sie mal, bas ist es gerade, was ich behaupte; im Prinzip kann auch die katholische Kirche Sie nicht anerkennen, aber beide Konfessionen können in Frieden neben einander wohnen (Sehr richtig!) und staats- reÄtfich^find Sie der katholischen Kirche voll­kommen gleichgestellt und es wäre von den Katholiken im Ganzen und im Einzelnen ein schweres Vergehen, diese Gleichstellung nicht anzuerkennen! (Hört.) Und ich gehe weiter, ich er­kenne an, daß wir außerdem verpflichtet sind, (Ruf links; Graderaus!) nach Kräften die kirchlichen Verhältnisse zu stützen und zu schützen, damit sie nicht weggefluthet werden. Denn wenn ich persönlich zwar die evangelische Kirche nicht für die richtige halte, so bin ich doch der Meinung, daß auch sie sehr wesentlich beiträgt und zur Aufrecht­erhaltung der Majorität und zum sozialen Frieden, und die Gegner dieser Kirche sind durchweg auch die der ka­tholischen; denn wie die Dinge in Deutschland liegen, kann die eine oder die andere nicht angegriffen werden, ohne daß die beiden gelroffm werden. (Abg. v. Eynern: die allein seligmachende!) (Große Unruhe.) Heber dies Thema möchte ich Ihnen ein Privatissimum halten, aber ich möchte Sie zunächst darauf aufmerksam machen, daß ich vorhin ja gerade ausgesprochen habe, daß im Prinzip keine Kirche die andere anerkennt; und das schließt gerade der Satz in sich, den Sie angeführt haben, und ich kann

sie. Aber sanft und ruhig duldete sie die Lieb­kosungen und Dankesworte, womit er sie über­häufte. Als er etwas ruhiger geworden war, sagte sie:

„Ich habe ganz offen mit Mr. Culroß gesprochen, Vater. Ich habe ihm gesagt, daß ich ihn nicht liebe und auch niemals lieben werde."

„Niemals lieben werde?" wiederholte der Earl, ganz niedergeschmetterl.

„Nein, Vater — niemals! Ich habe ihm er­klärt, was ich von derartigen Heirathen denke — und er weiß, daß ich ihn niemals als meines­gleichen betrachten werde."

Voll Angst und Staunen blickte der Earl seine Tochter an.

„Allmächtiger Himmel! Uno was sprach er?" Sie zögerte einige Minuten, ehe sie erwiderte: „Alle« was er sprach, war in seiner Art ganz vernünftig; er schien durchaus nicht überrascht."

„Ich an seiner Stelle wäre sehr überrascht ge­wesen," sagte Lord Carre. „Von einer solchen Annahme eines Antrags habe ich nie gehört."

»Ich zeigte ihm die Sache in ihrem wahren Licht — daß es einfach ein geschäftlicher Vertrag — ein kaufmännisches Arrangement ist, das ganz in sein Fach schlägt. Du brauchst eine bestimmte