M 48.
Sonnabend, den 28. Februar
1885
Mit Wohlgefallen empfangen Wir auch in diesem Jahre die Pfarrer und Prediger Roms und freuen Uns, bei dieser Gelegenheit sowohl an diese als an jene einige Worte richten zu können.
Indem wir Euch, geliebte Söhne, um Uns ver- sammelt und von Eifer erfüllt sehen für das Heil der Seelen, gedenken Wir der gegenwärtigen sozialen Zustände, welche wegen der zunehmenden Ausbreitung gottloser und revolutionärer Grundsätze so traurig und beklagenswerth sind, daß sie nicht nur die Interessen Unserer heiligen Religion, sondern auch diejenigen der bürgerlichen Gesellschaft einer -harten Probe aussetzen. Umsonst bemüht sich die menschliche Weisheit, gegen diese schweren Uebel ein wirksames Heilmittel anzuwenden, da ein solches einzig und allein in der Rückkehr der Völker zur treuen Beobachtung der christlichen Gesetze und den Vorschriften der katholischen Kirche zu finden ist. Die Rückkehr der Völker aber zu dieser Beobachtung zu bewirken, das ist die Aufgabe, welche die Kirche besonders den Seelenhirten und den Verkündigern des göttlichen Wortes anvertraut hat.
Ihr, theuerste Söhne, seid berufen, diese hohe Mission in Rom zu erfüllen, sie zu erfüllen mit einem dem Bedürfnisse entsprechenden Eifer und zwar vorzüglich jetzt, wo die feindlichen Sekten gegen diese Stadt, das Centrum des katholischen Glaubens, ihre Anstrengungen gleichsam verbündet und mit Nachstellungen aller Art sich zum Schaden
alles Studium anwendet, um die Geister zu erleuchten und in den Herzen die Liebe zur Wahrheit und Tugend wieder zu entzünden, welche die Grundlagen alles sittlichen Wohlstandes sind und welche allein dem Menschen Rettung und zeitliches und ewiges Glück verschaffen können.
In der That, dieses Unternehmen ist schwierig tznd übersteigt die menschlichen Kräfte. Aber Ihr, meine Theuersten, werdet Euer Vertrauen in die Mission setzen, welche die Kirche Euch übertragen, und in die mächtige Hülfe der göttlichen Kraft. Diese Hülfe wird Euch unterstützen in Euren Mühen und wird Euer Predigen reich an kostbaren Früch. ten machen. Diese Hülfe flehen auch wir mit Inbrunst des Herzens vom Himmel über Euch herab und wünschen, daß Euch Unterpfand hierfür der apostolische Segen sein möge, den Wir Euch, geweihte Prediger und Pfarrer, mit väterlicher Liebe ertheilen!
Jahres-Bericht über die Wirksamkeit der Rettungs-Anstalt zu Sannerz für das
Jahr 1884.
Die Knaben-Rettungsanstalt zu Sannerz hat auch im verflossenen Jahre unter dem Beistände und Segen Gottes, rote bereits seit einer Reihe von 34 Jahren, ihre Thätigkeit fortgesetzt. Außer der Erziehung der ihr noch angehörigen Zöglinge hat sie nicht aufgehört, auch den bereits aus der Anstalt entlassenen ihre Sorge zuzuwenden, um sie in den grundgelegten guten Gesinnungen zu befestigen und ihnen einen bestimmten Lebensberuf zu sichern. Die Zahl der Lehrlinge, deren sich die Anstalt in der eben genannten Weise angenommen hat, betrug 16.
In der Anstalt selbst befanden sich im vergangenen Jahre 86 Zöglinge. Darunter waren 6, welche früher derselben angehört hatten, aber wieder ausgenommen werden mußten, um sie drohenden Gefahren zu entreißen.
Diese 86 Zöglinge vertheilen sich ihrer Heimath nach wie folgt:
a) dem Regierungsbezirk Kassel, und zwar: dem Kreis Kassel gehörten an 2, dem Kreis Rotenburg 1, dem Kreis Marburg 1, dem
„Ich habe deshalb nicht mehr Achtung für Sie," erwiderte sie kalt. „Ein Mann, der Ursache hätte, auf seinen Namen stolz zu sein, würde denselben nicht so leicht aufgeben."
„Es geschähe um Ihretwillen, Lady Janthe. O hören Sie mich an! Mit der Zeit müssen Sie meine große Liebe schätzen lernen — müssen sie verstehen — sie erwiedern. Ich will mich gerne gedulden."
„Und trotz Ihrer großen Liebe wollen Sie meinen Vater nicht retten, ohne mich zu opfern?"
„Nein, denn, wenn ich dies thäte, würde ich die einzige Aussicht, die ich habe, mir Ihre Liebe zu gewinnen, verlieren. Senden Sie mich nicht weg! Wenn Sie nicht um meinetwillen gütig gegen mich sein wollen, seien Sie es um Ihres Vaters willen. O wenn Sie gesehen hätten, wie sein Antlitz sich erhellte, als ich ihm meine Pläne darlegte! Lady Janthe, ich bitte nur um die Erlaubniß, meinen Reichthum in Ihrem Dienste verwenden zu dürfen. Ich will Ihres Vaters Herz erfreuen, indem ich alle seine Schulden tilge. Ich will diesem großen alten Besitzthum wieder zu seinem früheren Glanz verhelfen. Ich will Ihnen und Ihrem Vater mein ganzes Leben widmen. Ich will arbeiten und ringen stir den Ruhm der Carres von Croombe. Wollen
Möget Ihr daher, innigst geliebte Pfarrer, Angesichts dieser Uebel und Gefahren immer mehr durchdrungen werden von der wichtigen Bedeutung, welche Euer Amt heute mehr als je erlangt hat, und von den äußerst schwierigen Pflichten, die es Euch auferlegt. In diesen Zeiten müsset Ihr Eure Wachsamkeit und Werkthätigkeit verdoppeln; Ihr müsset gegenüber den Hindernissen und zahllosen Schwierigkeiten Euch wappnen mit Beharrlichkeit und Muth; Euch weihen und aufopfern für die die Rettung der Seelen; jeder Roth müsset Ihr beistehen, Allen müsset Ihr Alles werden und immer erfüllt sein von Sanftmuth, Geduld und christlicher Liebe. Auf diese Weise wird durch Euer Wirken das römische Volk, zum großen Theile wenigstens, gereitet und von den Nebeln, die es bedrohen, unberührt bleiben und wird den kostbaren Schatz des ererbten Glaubens unverletzt bewahren. Und zwar mit Recht; denn trotz der Gottlosigkeit unserer Zeit muß auch heute noch von Rom, gleichwie vom heiligen Berge aus, das Licht der wahren christlichen Civilisation in die ganze Welt hinausströmen und leuchten; und von Rom und seinem Volke müssen sich auch heute die schönen Worte des Apostels wiederholen lassen: „Fides vestra annunciatur in
»Es wird kommen," sagte er „Ich liebe Sie so innig, daß ich auf alle Bedingungen eingehen werde."
Eine heiße Röthe breitete sich über Lady Jan« the's schönes Antlitz.
„Wirklich?" entgegnete sie. „Nun, dann werde ich diese Bedingungen so schwer als möglich für Sie machen. Ich will ihre Gattin werden — d. h. Sie sollen meinen Namen tragen —, aber Sie hülfen niemals auch nur meine Hand berühren; Sie werden mich an sich gefesselt haben — dies scheint Ihr Wunsch zu sein —, aber kein Wort der Liebe soll jemals über meine Lippen kommen — wir werden zusammen, und einander doch ferner sein, als Fremde. Sie haben nun zu entscheiden, ob Sie diese Bedingungen annehmen wollen?"
Hermann blickte sie an; sie schien ihm so wunderbar schön in ihrem Zorn, ihrem Trotz, er hatte entschieden.
„Ich nehme sie an," sagte er. Ich werde mir Ihre Liebe erringen."
„Wenn Sie also unter diesen Bedingungen einwilligen, Ihre Identität zu verlieren und Ihr Leben den Carres von Croombe zu widmen." sagte sie mit königlicher Geberde, „so nehme ich Ihre Dienste an und unsere Untcrredung ist beendet."
Sie sprach mit schlecht verhehlter Verachtung; aber Hermann Culroß freute sich selbst seines kläglichen Sieges. (Forts, folgt.)
X Die Tochter des Aristokraten.
(15. Fortsetzung.)
2)16 ,$U[baet Se,tun0' et|cf,eint S°nn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld - 1 Mk 50 Ma - mit der
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Mit Abdruck des bereits angekündigten Romans aus der Pariser Gesellschaft werden wir im Laufe des nächsten Monats beginnen.
Ansprache Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII.
an die Pfarrer und Fastenprediger von Rom.
Sie mir ein Wort der Ermuthigung sagen, Lady , Janthe?"
Sie dachte über seine Worte nach, sie wußte, daß eine Heirath mit Mr. Culroß das einzige Mittel sei, das Leben ihres Vaters, die Ehre ihres alten Namens zu retten — und doch erfüllte sie diese Idee mit Abscheu. Sie heftete jetzt ihren Blick unverwandt auf Hermann und fragte in eisigem Tone:
»Fühlen Sie auch noch den Wunsch, mich zu heirathen, wenn Sie wissen, daß ich mit Verachtung auf Sie blicke — daß ich Sie nie als meinesgleichen betrachten, nie vergessen werde, daß Sie ein Plebejer sind?"
„Lady Janthe", erwiederte er, „ich werde mir Ihre Liebe zu erwerben wissen, nun ich weiß, daß dieselbe keinem Anderen gehört."
„Niemals", rief sie, „denken Sie niemals daran!" „Ich werde mich gedulden," ssagte er ruhig.
Sie schwieg einige Augenblicke, sichtlich ihren Aerger hinunterkämpfend, und dann sagte sie langsam:
„Ich wiederhole, daß es unmännlich von Ihnen ist, mir diesen Zwang aufzuerlegen. Sie zwingen mich Ihre Gattin zu werden, weil Sie mir keine Wahl lassen; ich muß meinen Vater vernichten, oder Sie heirathen. Ich liebe meinen Vater mehr als die ganze W lt, und um ihn zu retten, sehe ich mich dazu getrieben, einen Mann zu heirathen, den ich weder kenne, noch liebe, noch achte."
universo mundo.“ Jedoch um diesen Zweck zu erreichen, ist die einträchtige Mitwirkung oller evangelischen Arbeiter nicht nur zuträglich, sondern noth- wendig; Ihr, geweihte Redner, müsset Eurerseits besonders in dieser hierzu passenden Fastenzeit wirk- sam beitragen durch die Ausbreitung des göttlichen Wortes, um das Volk sittlich zu bilden, dessen geistliche Leitung in die Hände der Pfarrer gelegt ist. Auch Ihr kennt zur Genüge die unglücklichen Zeitverhältnisse und wie man mit mannigfachen Jrrthümern und in das Volk gestreuten verbreche- rischen Grundsätzen, mit Entfesselung aller Leidenschaften, mit Anlockung zur Sinnlichkeit und zum Laster heute die christliche Moral zu brechen und zu verderben und das menschliche Geschlecht unter dem Vorwande einer unwahren Bildung zu den verderbten Sitten des Heidenthums zurückzubringen strebt. Es ist daher nothwendig, daß Ihr für die c „ e. , (>;■ „ .v. „ ,/ ------ , Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums und
der Kirche ^esu Christi ungestraft verschworen haben. I für die Bekämpfung der Jrrthümer und des Lasters |