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48.

Sonnabend, den 28. Februar

1885.

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Erstes Blatt.

Die Priesterseminare im preußischen Abgeordnetenhaus.

Bei Berathung des Kultusetats nimmt zu Titel 7 (Bisthum Münster) 109, 071 M. das Wort:

Abg. Dr. Windthorst: „M. H.! In Folge der mai­gesetzlichen Bestimmungen sind die Seminare sämmtlich geschlossen, insbesondere auch die sogenannten praktischen Seminare, und daraus folgt die merkwürdige Thatsache, daß die Theologen, welche in Münster und in Ermland ihre theologischen Studien absolvirt haben, behufs des praktischen Dienstes oder der Erlernung desselben nach Bayern gehen müssen. In Breslau ist ganz dasselbe Ver- hällniß. Ich bin nun der Meinung, daß, wenn man eine generelle Revision der Maigesetze nicht will, wie ich sie für nothwendig erachte, doch sehr leicht dieses Verhältniß der Seminare geordnet werden könnte. Man sagt mir — ich bin ja von dem offiziellen Schritt nicht unterrichtet — daß von Seiten der Staatsregierung wohl der Wunsch geäußert ist, daß die Bischöfe diese Seminare wieder öffnen möchten. Die Bffchöfe können aber aus demselben Grunde, aus welchem der Schluß der Seminare herbeigeführt ist, dies nicht thun, und der Grund ist der, daß in den Mai­gesetzen staatlicherseits eine Revision der Seminare, eine Einsichtnahme in die Verhältnisse derselben gefordert wird, welche nicht zugegeben werden kann, wenn eben die Er­ziehung der Geistlichen in der Hand des Bischofs bleiben, und nicht vom Staate jede Disziplin auch in diesen Semi­naren okkupirt werden soll. Es würde also, wenn die Regierung wirklich ernsthaft das wünscht, nichts leichter sein, als die betreffenden Revisionsbestimmungen der Mai- gesetze zurückzurevidiren. Dann würde wenigstens dieser Punkt in Ordnung kommen können. Und wie wichtig es wäre, daß das in Ordnung kommt, mag daraus, sich er­klären, daß ein« derartig e Seminarvorbereitung,'' ehe 'man in den unmittelbar praktischen Dienst tritt, absolut nolh- wendig ist, wie jeder, der die Dinge in irgend welcher Weise kennt, zugeben muß, und wie die Regierung selbst es nicht leugnen wird, da sie bemüht war, die Bischöfe zu veranlassen, sich auf diesem Punkte den Maigesetzen zu unterwerfen und unter der maigcsetzlichen Aufsicht die Seminare zu leiten. Ich bitte also den Herrn Minister wenigstens diesen Punkt baldigst zu ordnen, weil er zu­sammenhängt mit der Erziehung der Geistlichkeit, die jetzt hier nicht vollkommen vorbereitet werden kann und des­halb zu diesem Ende sich in Nachbarstaaten und weit hinaus begeben muß. Mit ein paar Federstrichen wäre ja die ganze Sache in Ordnung gebracht." lPause.)

(Abg. Dr. Windthorst: Ich bitte um das Wort.)

Abg. Dr. Windthorst: „Ich habe nur zu konstatiren, daß der Herr Kultusminister auf diese rein sachlich motu Bitte Frage und Bitte nicht eine Antwort gehabt hat. Es könnten Dinge passiven, wo wir auch keine Antwort haben." (Sehr gut! im Centrum.)

Kultusminister Dr. v. G o ß ler. Es ist unendlich schwer, den Herrn Vorredner überhaupt noch zu verstehen. Soweit ich ihn verstanden habe, habe ich den Ausdruck eines Wunsches vernommen, habe aber nicht geglaubt, daß er

X Die Tochter des Aristokraten.

(14. Fortsetzung.)

„Das gleicht einem Handelsmann," rief sie stolz. „Er verlangt eine:. Preis für sein Wohlwollen, er wünscht eine Gattin zu kaufen, die ihm sonst unerreichbar wäre. Ein Mann von Adel wurde meinen Vater retten und es für seiner unwürdig halten, die Hand seiner Tochter als Preis zu ver­langen."

„Stiebt wenn er diese Tochter liebte," sagte Her­mann Culroß. „Verzeihen Sie, ein Mann wird Alles thun, um die Frau zu gewinnen, die er liebt."

„Tas ist plebejische Liebe, Mr. Culroß. Ein Edelmann liebt anders; et zieht das Glück der Frau, die er liebt, seinem eigenen vor."

„Verzeihen Sie, wenn ich zu sagen wage, Lady Janthe, daß Sie ganz im Jrrthum sind. Erlauben Sie, daß ich Ihnen über die Liebe spreche, die Sie eine plebejische nennen — die Sie an einem Edelmann als eine ritterliche bezeichnet haben würden."

„Ich kann Sie nicht abhalten zu sprechen, was Eie wünschen, Mr. Culroß," sagte sie mit Re- Ügnation. „Ich habe keine Wahl, als zu hören."

unmittelbar eine Erklärung von mir erwarte. Ich bin durchaus mit ihm einverstanden, daß die Eröffnung der praktischen sogenannten Priesterseminare durchaus erwünscht und nothwendig ist, und es ist ganz richtig, daß meine Bemühungen darauf gerichtet sind; sie sind aber durch dos Dazwischentreten eines anonymen Werkes gescheitert. Ich würde es sogar für meine Person für möglich haten, daß in Ansehung dieser Priesterseminare eine Aenderung un­serer Gesetzgebung Platz greifen könnte, namentlich wenn man andere Länder betrachtet. Ich halte aber an der Ueberzeugung fest, daß man gegenwärtig nicht mehr ver­suchen könnte, ob es unter der gegenwärtigen Gesetzgebung möglich sei, unbeschadet der kirchlichen Gesetzgebung, Semi­nare zu öffnen. Der Stein des Anstoßes, die Aufsicht des Staates, ist mit einer Zurückhaltung betrachtet worden, der es an einer ausreichenden Motivirung fehlt. Soweit wird doch auch der Herr Vorredner nicht gehen, daß er jede staatliche Aussicht ausschließen will, denn alles, waS sich in dem Rahmen eines Staates abspielt, muß irgend­wie seinem Jnspektionsrecht unterliegen. Dieses allgemeine Jnspektionsrecht ist dadurch getrübt, daß man hinter dem Wort „Staatsaufsicht" unendlich viel sucht. Ich kann in dieser Beziehung etwas Bedenkliches absolut nicht finden, und ich bin überzeugt, daß die Bischöfe diese Auffaffung theilen wie ich, und daß es dann keinen Menschen geben wird, der daran Anstoß nehmen würde, wenn die Bischöfe praktische Priesterseminare eröffnen. Wenn diese Erklärung Herrn Windthorst beruhigt, soll es mich freuen. Im Ueb- rigen hoffe ich, daß es möglich fein wird, eventuell auf dem Wege der Gesetzgebung an die Sache heranzukommen.

Abg. Dr. Windthorst: „M. H.l Zunächst konsta- tire ich mit Befriedigung, daß der Herr Minister, der mich nicht hat verstehen können, mich vollkommen verstanden hat. (Heiterkeit.) Ich bin aber der Meinung, daß, wenn der Herr Minister wirklich sich überzeugt hält, daß hier im Wege der Gesetzgebung etwas geschehen könnte, es doch recht rathsam wäre, das zu thun, und ich bitte ihn darum dringend, diese GrsetzgLbrntg möglichst rasch hrrkcizuführru Ich würde ja meinestheils auch kein Bedenken haben, selbst einen Gesetzentwurf vorzulegen. Der hat aber nicht die Autorität, die ein Gesetzentwurf nothwendig haben muß, wenn ein Minister oder die Staatsregierung ihn verlegt. Daß man den Ausdruck des Gesetzes „Aufsicht" weiter auslegt, als er nach der Ansicht des Herrn Ministers aus­gelegt werden muß, ist sehr begreiflich nach den Erfahr­ungen, die wir gemacht haben, und der Ausdruck ist so vage, daß allerdings alles hineingelegt werden kann, was man zur gegebenen Zeit zweckmäßig hineinzulegen für gut finden wird, Das ist alles, wie das Gesetz erörtert wurde, hier vorgetragen worden und war damals die Auslegung von der Rechten und Linken und von der Regierungsbank allerdings sehr bedenklich. Und wie man nachher hinemging in die Seminare und die Aufsicht ausüben wollten, da war die Praxis auch eine sehr viel andere, als der Herr Minister zu meiner Freude sie jetzt definirt. Sind wir also einverstanden, daß eine so weitgehende Aufsicht wie damals beabsichtigt, nicht möglich ist, so (affen wir doch ein Gesetz machen, welches die Sache richtig und klar hin­stellt. Ich wünsche, daß der Staat sich auf die Aussicht beschränkt, die er auch vor den maigesetzlichen Bestimmungen hatte: auf die Baupolizei, .Sanitätspolizei und Feuerpoli­

„Vor vielen Iahten," begann er, „als ich noch ein Knabe war, brachte ich einst meine Ferien bei dem Anwalt meines Vaters in London zu; zufällig führten ihn Geschäfte nach Croombe und ich kam mit ihm. Ich mar nur ein Knabe, Lady Janthe, ein unwissender, ungebildeter Knabe — ein Fabri- kantensohi', durchaus unwerth, daß Lady Carre Notiz von ihm nahm; aber der unwissende Knabe hatte, so vermuthe ich, das Auge eines Künstlers, die Seele eines Poeten. Ich war nur ein Knabe, und als ich in dem großen alten Park von Croombe umherwanderte, ging ein junges Mädchen an mir vorüber, das mir der Inbegriff aller Schönheit und Anmuth schien. Sie würdigte mich eines Blickes — eines kalten, stolzen, gleichgiltigen Blickes — und schritt weiter, sie hatte meiner vergessen; aber mein Herz ging mit ihr. Ich war von diesem Augenblick an kein Knabe mehr, ich fühlte die ganze leidenschaftliche Liebe eines Mannes für die herrliche Erscheinung. Wie mich dieses stolze, schöne Antlitz überall verfolgte I Ich erkundigte mich und erfuhr, daß die bezaubernde Vision keine Andere war, als Lady Carre. Nun nahm ich mir vor, hart zu studiren, zu arbeiten wie nie ein Mann gearbeitet hat, und meinen Namen berühmt zu machen im ganzen Land, um dann Lady Janthe !

zei; das ist in diesen Dingen das Regiment des Staates, weiter geht es nicht. Bei freundlichen Beziehungen wird man ja gewiß recht gern dem Staate mittheilen, wie die Einrichtungen sind, wie die Zöglinge Fortschritte machen, damit der Staat vielleicht auf anderen Gebieten in ähn­lich praktisch guter Weise die Erziehung einrichtet. (Heiter­keit.) Aber in weiteren Grenzen könnte die Aufsicht nicht gewährt werden, das würde sehr, sehr gefährlich sein. Würde etwa der Herr Minister glauben, daß se in Kollege, der Herr Kriegsminister Bereit wäre, den Bischöfen eine Einsicht in die Kadettenhäuser zu geben, um sich zu über­zeugen, daß die Eleven dort gehörig in der Religion 'un­terrichtet würden?" (Sehr gut! im Centrum.)

Abg. Dr. Frhr. v. S dorlemer-Alst: „M. 'H.! Der Herr Minister hat uns versichert, daß -hm die Eröffnung der praktischen Seminare erwünscht sei, er habe auch in der Richtung Bemühungen aufgewendet, es sei denen aber ein anonymes Werk entgegengetreten. Dieses anonyme Werk scheint bei dem Herrn Minister eine große Rolle zu spielen, denn das wird uns immer entgegengehalten. Ich möchte nur wünschen, daß der Minister selbst einmal diese anonyme Broschüre, nämlich „Themistor" gründlich durch- ftubirt und auch seine Herren Räthe, dann würden sie finden, daß darin sehr viel Richtiges steht; daß diese For­derungen, welche die Kirche an die Erziehung und Vorbil­dung der Geistlichen stellt, unabweisbar und nothwendig find, und daß wir nur auf diesem Wege zu solchen Geist­lichen und Priestern gelangen, wie das katholische Volk sie' haben will. (Sehr richtig! im Centrum.) Ich möchte den Herrn Minister nun aber fragen, was denn seinerseits zur Erleichterung wirklich angeboten worden ist? Darüber sind wir vollständig im Dunkeln, das erfahren wir gar nicht! Er meint, die Aufsicht des Staates sei zu bedenklich ge­nommen worden. Ich werde gleich auf die bezüglichen ge­setzlichen Bestimmungen zurückkommen. Wenn er aber hin­zufügt, eine allgemeine Aufsicht des Staates sei doch nöthig, so hat der Abg. Windthorst dies schon richtig auf das be­schränkt. was anerkannt werden kann; darüber hinaus ist sie aber nicht nöthig. Das Gesetz räumt dem Staat die Aufsicht auf einem Gebiete ein, welches ihn meines Erach­tens gor nichts angeht, sondern wo lediglich entscheidend ist: was verlangt die katholische Kirche von kathol. Prie­stern? Der Herr Minister sagt: ja, roenn die Bischöfe feine Ansicht checkten, bann würde es gehen. Einmal ken­nen wir diese seine Ansicht nicht; aber ich möchte auch fragen: Welche Garantie ist vorhanden, daß diese Ansicht, die vielleicht in milderer Weise der Herr Kultusminister hat, eine dauernde ist? (Sehr richtig! im Centrum.) Wür­den die Bischöfe darauf eingehen uno daraufhin ein prak­tisches Seminar wieder eröffnen, so würden sie das Prin­zip preisgeben und bann vielleicht nachher, in bet Praxis, Sie furchtbarsten Schläge bekommen. Es wäre boch sehr leicht möglich, es ist bas auch schon gesagt worben: „Falk kann roiebertommen", — wenn auch nicht derselbe Mann, so doch einer von seinem Geiste. Wir wissen ja auch nicht, ob z. B. die nationalliberale Partei mal an's Ruder kommt und diesen Posten besetzt; dann würden wir schone Ersah- rungen machen unter dem Fortbestand dieses Gesetzes. Nun, ich will doch daran erinnern, was im Gesetze steht, es wird da nach $ 9 verlangt:

„Alle kirchlichen Anstalten, welche der Vorbildung der

zu gewinnen. Ich war noch sehr, sehr jung, als ich diesen Entschluß faßte, aber meine Liebe wuchs mit den Jahren; sie schützte mich vor jeder Ver­suchung, sie half mir üt jeder Schwierigkeit, sie spornte meinen Ehrgeiz mächtig an; und jetzt — jetzt, Lady Janthe, lege ich Sie Ihnen zu Fußen, die Liebe des gereiften Mannes und flehe zu Ihnen, stoßen Sie dieselbe nicht zurück."

Die Leidenschaft seiner Worte rührte sie — das schöne, erregte Antlitz machte tiefen Einoruck auf sie — aber kalt trat sie zurück.

„Ich kann sie nicht annehmen," sagte sie, „denn ich erwidere sie nicht."

„Wenn ich aber ein Edelmann wäre, Lady Janthe, würden Sie dann durch eine solch' große, treue Liebe gerührt werden?"

„WennSie mir ebenbürtig wären," erwiderte sie, „wurde ich Sie mit der Zeit vielleicht lieben lernen."

Hermann Culroß stand einige Minuten in Nach­denken versunken, dann sagte ec: „Also Sie lieben keinen Anderen, Lady Janthe? Verzeihen Sie meine Frage."

Sie antwortete nicht sogleich — ein großer Kampf ging in ihrem Innern vor. Ader die Er­innerung an ihren Vater war entscheidend, der Stolz mußte zurücktreten.