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1885.

Donnerstag, den 26. Februar

Jfidbarr

Zeitung' bei allen Postanstalten und Briefboten, sowie bei der Expedition und den Zeitungsträgern zum Preise von 50 Pfg. (excl. Bestellgeld) an­genommen.

Mit Abdruck des bereits angekündigten NomanS aus der Pariser Gesellschaft werden wir im Lause des nächsten Monats beginnen.

X Die Tochter des Aristokraten

(12. Fortsetzung.)

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Februar.

*• Das Herrenhaus beschäftigte sich heute mit der Kreis- und Provinzialordnung für die Provinz Hessen-Nassau. Die Kommission (Res. Hr. Bredt) beantragt, beide Ent- würfe mit mehreren Abänderungen anzunehmen. Zunächst wird in die Spezialberathung der Provin- zialordnung eingetreten. Nach den Regierungsvor­lagen wird die Provinz Hesien-Nassau einen mit den Rechten einer Korporation ausgestatteten Kom­munalverband zur Selbstverwaltung seiner Ange­legenheiten bilden. Hr. Lotichius beantragt, diesen Satz zu streichen und damit auch die jetzt bestehen­den Zustände aufrecht zu erhalten. Graf Matuschka beantragt, aus der bisherigen Provinz Hesien-Naffau zwei Provinzen, Hessen und Nassau, zu bilden. Minister des Innern v. Puttkamer erklärt sich gegen diese Anträge und für eine harmonische Ber- einigung von Hessen-Nassau, wie sie die Vorlage beabsichtige. Das ganze partikularistische Bestreben basire auf der Befürchtung, daß bei der Vereinig- ung Nassau durch Hessen majorisirt werden würde. Diese Befürchtung sei aber unbegründet. Frhr. v. Manteufel kritisirt die ganze Verwaltungs- gesetzgebung und hält namentlich das Institut des Provinziallandtags für äußerst bedenklich. Der .Antrag Matuschka sei gar nicht annehmbar, da durch denselben sogar 2 Provinziallandtage, 2 Landesdirektoren rc. geschaffen werden sollen. Dr. Weigel befürwortet Namens der Minorität des hessischen Kommunallandtags die Annahme der Kom­missionsanträge. Fürst zu Wied meinte, daß eine Trennung der beiden Bundestheile, die bald nach 1866 sehr wohl hätte erfolgen können, heute nicht mehr wohl möglich sei. Schließlich wurden die An- träge Lotichius und Matuschka abgelehnt und die Anträge der Kommission genehmigt. Es folgt Be-

„Ich kann mich nicht verkaufen, Vater," entgeg« nete Janthe, „Wenn et so edel und großmüthig ist, so mag er uns helfen ohne Beziehung auf mich — dies wäre Großmuth."

„Aber Janthe, er liebt Dich," wat die eifrige Erwiderung. „Er sagte mir, daß er Dich schon feit vielen Jahren liebe. Ec war als Knabe ein­mal hier und sah Dich im Vorübergehen, und er sagte mir, daß er Dich von diesem Augenblicke an geliebt und niemals für eine andere Frau auch nur das leiseste Jntereffe gefühlt habe. O, Janthe, rührt dies nicht Dem Herz — diese Jahre lange treue, verschwiegene Siebe?"

„Wie konnte er mich lieben! Er war nur ein Knabe damals, und ein impertinenter Knabe," sagte sie voll Zorn, „sonst würde er an so etwas gar nicht zu denken gewagt haben!"

„Jetzt ist er kein Knabe mehr, Janthe," bemerkte der Earl traurig.

„Nein, aber er hat die Impertinenz eines sol­chen," entgegnete sie hastig. „Ich kann es nicht thun, Vater, lieber sterben!"

rathung der Kreisordnung für die Provinz Hessen- Nassau. Die Kreiseintheilung wird mit der Aende- rung genehmigt, daß die Ortschaften Seckbach, Ber­gen, Eckheim und Fechenheim, dem Landkreise Frankfurt a. M. angeschloffen werden. Die Vor­lage wurde bis zum § 121 zum Theil unter Wie­derherstellung der Regierungsvorlage erledigt. Die Berathung wird morgen fortgesetzt.

* Im Abgeordnetenhause brachte heute bei der Fortsetzung der Kultusdebatte der Abg. B ies en da ch die Nichtberufung des Erz bi schoss von Köln zur Sprache. Der Redner trat in warmen, bewegten Worten für das Recht der nie­derrheinischen Katholiken ein, ihren Erzbischof wie­der zu erhalten. Die Regierung hätte denselben sofort zurückrufen sollen, sobald sie eingesehen habe, daß sie überhaupt keinen Bischof absetzen könne und daß sie mit der Absetzung ein Unrecht be­gangen habe. Aber die Regierung drücke die vi­talsten Jntereffen der Katholiken zu einem Kompen­sationsobjekt für Zölle und Steuern herab. Der Abgeordnete erinnert schließlich an das Besitzer­greifungspatent der Rheinprovinz und forderte den Minister auf, den darin versprochenen Schutz der Religion der Rheinländer dadurch zu betätigen, daß er der Kölner Diözese ihren Erzbischof wie- dergebe. Der Minister schwieg. — Der Abg. Mosler gab eine Schilderung beS noch in der Trierer Diözese bestehenden Nothstandes und regte die Frage wegen Wiedereröffnung der P r i e st e r« feminare und Konvi kte an, ohne welche in 10 Jahren vielleicht noch ein schlimmerer Noth- stand herrschen werde, als der eben erst überstan­dene gewesen. Der Minister müßte sich dieser Frage um so mehr annehmen, als auch der Zu­stand der katholischen Fakultäten auf den Staats­universitäten den Wünschen der Katholiken nicht entspreche. Bezüglich der Nichtwiedereröffiiung der Priesterseminare schob der Minister wieder die Schuld auf die bekannte Broschüre und konstatirte, daß solche tridentinische Vorbildungsanstalten, wie sie in der Broschüre gefordert werden, überhaupt in Preußen nicht bestanden hätten. Mit Recht erwiderte der Abg. Mosler und v. Schorle- mer-Alst, der Minister möge nur unbesorgt den Katholiken jene kirchlichen Anstalten zurückgeben, auch wenn sie nicht ganz dem kirchlichen Ideale entsprechen, wie es in jener Broschüre niedergelegt ist und die den Minister bekanntlich wegen ihrer

Wie ein Schauder überlief ihre schlanke Gestalt, als ihr Vater jetzt zu ihren Füßen niederkniete, sein weißes Haupt tief auf die Brust herabgebeugt. Flehend erhob er die Hände.

„Sieh, Janthe, auf meinen Knieen bitte ich Dich darum; um meinetwillen, um des Himmels willen, hilf mir — laß mich nicht in der Verzweiflung umkommen!"

„Du marterst mich!" rief sie. „O Vater, stehe auf! Ich kann Dich nicht zu meinen Füßen sehen."

„Du wirst meine Bitte gewähren, Janthe — Du wirst mich retten!" stöhnte der Arme.

„Gib mir Zeit bis morgen," sagte sie. „Ich kann nicht auf der Stelle antworten."

Und sich hastig über ihn neigend berührte sie feine Stirne mit ihren bebenden Lippen und ver­ließ das Zimmer.

„Bis morgen!" Es war wenigstens ein Auf­schub von einigen Stunden, und sie würde Zeit zum Nachdenken haben.

5. Kapitel.

Es war gut für Hermann Culroff daß er Lady Janthe nicht in den Weg trat, als sie sich auf ihr Zimmer begab — cs wäre ihm schlimm ergangen. Ihre Empörung gegen ihn war grenzenlos. Er

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kirchlichen Korrektheit arg verschnupft hat. Die Forderungen für die katholischen Bisthümer wur­den genehmigt und auch gegen die Stimmen des Centrums das Gehalt für den „altkatholischen" „Bischof". Vorausgegangen war noch eine ge­harnischte Auseinandersetzung zwischen RIntel en, Stöcker und Wind thorst über Toleranz. Das Haus ging sodann zur Berathung des Theiles des Etats, der sich mit der Schule beschäftigt, über. Auf eine Anregung des Abg. Peters er­widerte der Minister, daß er auch an den Uni­versitäten Greifswald, Halle und Marburg den katholischen Studirenden den Nachweis einer allgemeinen Bildung — wozu auch eine Prüfung über Religion gehört — ermöglichen würde, wenn ein solches Bedürsniß vorhanden wäre. Der Abg. ReichenSperger bemühte sich leider vergeblich, die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Mißstände an den Universitäten zu lenken. Der Abgeordnete Janssen griff die VioisektionSfrage auf und ver- langte auch Hinzuziehung der Gegner der Vivisek­tion zu der bezüglichen ©nquete, auch die jüngste Verfügung des Kultusministers bezüglich dec Vivi­sektion lasse der Inhumanität die Hinterthür offen. Aehnliche Bedenken äußerte auch v. Minnige- rode, während V i r ch o w die Vivisektion für ebenso wenig bedenklich hält, als die künstliche Mästung des Federviehs durch die Landwirthe. Bezüg­lich der Duelle konstatirte der Minister eine Abnahme in den letzten Jahren, ging aber ebenso wie in den früheren Jahren sehr behutsam um diesen Gegenstand herum. Nachdem ein Vertagungs- antrag abgelehnt war, referirte der Abg. Dr. EnnecceruS Namens der Budgetkommission über die neue Professur Schwenninger und empfahl dem Hause die Bewilligung derselben. Ein von Neuem eingebrachter Vertagungsantrag wurde endlich gegen die Rechte angenommen.

• Der .Reichsfreund' erzählt: „Drei alte Schulkameraden zählen augenblicklich zu den Mitgliedern der Budget-Kommission des Reichstages. Es sind dies die Centrums-Abge- ordneten Rittergutsbesitzer Major a. D. Karl Frei­herr v. Huene-Hoiningen (geboren am 24. Ok­tober 1837) und Professor der Theologie Hermann Mosler (geboren 15. Dezember 1838), sowie Eugen Richter (geboren 30. Juli 1838). Die drei Genannten haben von 1849 bis 1856 sieben Jahre lang im Gymnasium zu Koblenz von Quinta halte es gewagt, zu ihr feine Blicke zu erheben I Er hatte sich eingebildet, fein Reichthum könne den StandeSunterschied vergessen machen!

„Seine knabenhafte Impertinenz Siebe zu nennen!" rief sie zornbebend aus. „Meinem Vater von seiner Treue gegen mich zu sprechen! Glaubt er, ich sei eine weiße Sklavin, die man mit Gold kaufen könne — laufen, weil mein Vater in Geld­verlegenheit ist?"

In höchster Erbitterung Durchschritt sie ihr Ge­mach.

„ES ist gerade, wie eine geschäftliche Ueberein« kunft," fagte sie zornig. „Er betrachtet es auch als eine solche. Mein Vater ist ruinirt — ist in dringender Geldnoth. Dieser Mann kommt und sagt, er solle die nöthige Summe haben, aber seine Tochter müsse der Preis fein. Ein Edel­mann würde das Geld geliehen haben, ohne diese Bedingung, oder es überhaupt nicht angeboten haben. Er macht seinen Preis. Konnte es etwas Plebcjischercs geben? Konnte etwas den Unter- schied zwischen den beiden Klaffen strenger hervor- treten lassen, als dies? Er erbietet sich thatsäch- lich mich zu kaufen — mich, Janthe Carre! Aber ich will ihn nicht heirathen, ihn den Niedrigge­borenen ! Lieber sterben!"