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1885.

Freitag, den 20. Februar

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zeigt, und erst vor wenigen Tagen errichtete er in Rom einen Lehrstuhl für Paläographie. Unsere Pflicht ist es, den hl. Vater in all' seinen Bestre­bungen turch Gebet und Opferwilligkeit zu unter­stützen. Dazu haben wir Katholiken Deutschlands, speziell in Preußen, noch die besondere Veranlas­sung, daß der Papst Leo XIII. mit seiner ganzen hohenpriesterlichen Liebe auf uns blickt und eine seiner größten Bemühungen die ist, die Freiheit der Kirche in unserem Vaterlande wieder herzustel­len. Geloben wir Alle am heutigen Tage auf s Neue, durch die strengste Erfüllung unserer katho­lischen Pflichten zu unserem geistigen Oberhaupte zu stehen, um ihm so sein schweres Amt in jeder Weise zu erleichtern. Gott der Allmächtige segne, stärke und schirme unsere hl. Kirche und unfern hl. Vater Leo XIII.

Dies war vor Jahren gewesen; aber Lady Janthe hatte niemals die Beleidigung vergeben, Hermann Culroß niemals seine Liebe vergessen. Als Knabe, als Jüngling schwebte ihm Janthe's Bild stets vor Augen; sie war sein Ideal vollkommener Lieblich­keit. Er hoffte sich einen ehrenvollen Namen ge­macht, irgend eine ritterliche Thal vollbracht zu haben, wenn er wieder einmal mit Lady Janthe zusammentreffe. Um diese Zeit war er noch viel zu jung, um etwas von Geschäften zu verstehen, und als er älter wurde, brachte er so viele Zeit auf Reisen zu, daß ihm seine« Vater» Angelegen- Heiken ganz fremd waren. Al« nun nach dem Tode seine« Vater« da« Testament verlesen wurde und er erfuhr, daß er Millionär sei, war feine lieber« raschung groß; sie wurde noch größer, als erfand, daß seine« Vater« Hauptschuldner Lord Carre sei. Sein eigener Wunsch wäre nun gewesen, die 10,000 Pfund ruhig stehen zu lassen; aber die« stand nicht in seiner Macht. Da« Testament bestimmte, daß da« Geschäft verkauft und die ausstehenden Gelder einkafsirt werden müßten; da« enorme Kapital sollte dann auf angegebene Weise sicher angelegt werden.

Der Testator John Culroß wünschte ferner, daß sein Sohn ein stattliches Landgut erwerbe unb eine Familie gründe. Die Kunde von Hermann'« Reich­

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Februar.

* Der Reichstag nahm heute die dritte Be« rathung de« Sperrgesetzes vor. Zu einer längeren Debatte führte nur der Antrag der Nationallibe­ralen, die Sperrfreiheit auch auf diejenigen Maaren auszudehnen, über welche die Lieferungsverträge erst vor dem l.Febr. abgeschlossen sind, während nach den Beschlüssen zweiter Lesung die betr. Ar­tikel nur dann von der Sperre befreit bleiben sollen, wenn die Verträge schon vor dem 15. Jav'.ar abgeschlossen sind. Der Antrag wurde von den Abgg. Hänel und Richter leugau utju^ wartet, auch Windthorst wünschte die möglichste Berücksichtigung der hierbei engagirten Handels­interessen, erklärte aber, daß er bei dem Beschlüsse zweiter Lesnng verharren wolle, da es seiner par­lamentarischen Gewohnheit nicht entspreche, seine früheren Beschlüsse in dritter Lesung umzustoßen. Der Abgeordnete Richter wandte sich in erregten Worten gegen die Rechte und warf den Grund­besitzern vor, daß gerade sie die größten Börsen­spekulationen in Bezug auf Getreide betrieben. Eine weitere Aeußerung de» Redner«, daß die Kolonialpolitik der Regierung Quark fei, wurde von dem Präsidenten als unparlamen­tarisch bezeichnet. Der Antrag der National- liberalen wurde abgelehnt, ebenso die Anträge Richter und Woermann, die Sperre für Rap«, Mohn und Mai« dann nicht eintreten zu lassen,

wenn die Lieferungs-Verträge bis zum 1. Febr. abgeschlossen morden sind. Nur ein redaktioneller Antrag der Rechten fand Annahme. In Folge dieser Aenderung sinket die Gesammtabstimmung über das Sperrgesetz erst später statt. Das Haus setzte sodann die zweite Berathung der Zollt arif- Novelle fort und wies nach kurzer Debatte die Position Rap«, Rübsaat und Mohn, wofür die Regierung eine Zollerhöhung auf 1 M. beantragt, während die freie wirthschaftliche Vereinigung einen Zoll von 3 M. beantragt, an die Kommission zur Vorberathung. Es folgt die Berathung de« Maiszolls, den die Regierung nur auf 50 Pf., während die freie wirthschaftliche Vereini­gung denselben auf 1 Mark erhöhen will. Die Positionen Raps, Rübsaat und Mohn, für welche die Regierungen einen Zollsatz von l M. die „Freie wirthschaftliche Vereinigung" dagegen einen solchen von 3 M. vorgeschlagen hatte, wurde mit 135 gegen 134 Stimmen an die Zollkommis­sion verwiesen. Den Maiszoll beantragte der Abg. Trimborn in der niedrigeren Höhe des Regierungs­vorschlags (50 Pf.) anzunehmen, wogegen die „Freie wirthschaftliche Vereinigung" den doppelten Zoll beantragt. Außerdem will der Abg. Trim­born den Zoll auf syrischen Dari dem Maiszoll gleichgestellt haben, während der erstere sonst 1 M. betragen würde. Diese Vorschläge wurden vom Hause mit 152 gegen 144 Stimmen genehmigt. Bei dem Malzzoll wurde die Debatte abgebrochen und auf morgen vertagt.

*♦ Dar Sv7-rg:s:tz ist vom Bundesrathe bereits in seiner heutigen Sitzung angenommen worden, obwohl es noch nicht auf der Tagesord­nung stand. Es wird also wohl morgen publizirt werden und wird dann wohl sofort die Sperre für die unter da« Sperrgesetz fallenden Artikel in Kraft treten, für welche der Reichstag die Zollein- führung in zweiter Lesung bereits beschlossen hat. Da Rap«, Rübsaat und Mohn heute an die Kom­mission verwiesen worden sind, so kann sich die Sperre auf diese zunächst noch nicht erstrecken. Im Uebrigen hat der Bundesrath heute die neu eingegangenen Vorlagen, wie die Zollbehandlung des aus Spanien und den anderen meistbegünstigten Staaten eingeführten Roggens den Ausschüssen überwiesen.

»• Wie mancher Abgeordnete ttn Reichstag arbeiten muß, während die Anderen spazieren

thum hatte sich übet ganz England verbreitet; da­gegen wußte dieser nichts von des alten Earl Miß­geschick und ahnte nicht, daß er Schwierigkeiten haben werde, sein Geld zu erhalten. Er war des­halb sehr überrascht, «ls er von Lord Sorte einen Brief erhielt, worin dieser anfragte, ob e« nicht möglich sei, andere Arrangements zu treffen, es falle ihm schwer, im Augenblick die große Summe abzutragen.

Hermann erbot sich nun, selbst nach Croombe zu kommen; aber nur da« sehnsüchtige Verlangen, Lady Janthe wiederzusehen, diktirte ihm dies An­erbieten; da« Geld war ihm Nebensache: er würbe es freudig dahingegeben haben für einen freund­lichen Blick aus den schönen, dunklen Augen, die ihn immer verfolgten. Während der letzten zwei Jahre hatte er viel von Lady Janthe gehört; et mußte, daß sie eine der gefeiertesten Schönheiten der Londoner Saison gewesen war. Er lächelte, al« man sagte, sie sei da« stolzeste Mädchen England«; er glaubte e« gerne, al« er sich be« Schicksal» "feiner ersten Liebes-Verse er­innerte. Er hörte, daß sie unnahbar sei, baß bie ebelsten Männer bes Landes vergeblich um ihre Liebe geworben hätten, daß sie aber ihrem alten Vater bie zärtlichste, aufmerksamste Tochter fei,

Znm 20. Februar.

Für bie 220 Millionen Katholiken bet Erde ist beute ein froher Gedenktag: Der Jahrestag der Wahl unseres hl. Vater« Leo XIII. Unser im 75. Lebensjahre stehender Papst ist am 20. Februar nach einem vorausgegangenen 36 stündigen Conclave in der sixlinischen Kapelle znm Oberhaupte der katholischen Kirche gewählt wor­ben. Heute sind es sieben Jahre, seit jener hoch­wichtige Akt vollzogen worden ist. Sieben Jahre Papst — ein Stück Geschichte der Mensch­heit liegt in diesen wenigen Worten! Die Ge­schichte der Kirche ist die Geschichte der Mensch­heit, der Kultur und Civilisation. Vom Statt­halter Christi auf Erden strömt der erwärmende Strahl au», welcher in alle Winkel der Erde bringt und den Völkern die Wege der Gnade und des Heiles weist. Und diese Gnade, welche durch die christkatholische Lehre der Menschheit vermittelt wird, schafft bann bie Unterlage, bie Fortschritte unb Segnungen bessen, wa« wir Kultur, Civili- fation unb socialen Frieden nennen. Denn diese Gnade bringt nicht nur in bie Herzen, sie erleuchtet auch ben Verstaub unb ist ber Urquell der Weis­heit. Das bewährt sich, wie die ,®ertn.‘ mit Recht hervorhebt, an unserem hl. Vater Leo XIII. wiederum in erstaunenSwerther Weise. Mit be­wunderungswürdiger Umsicht und Kraft leitet er da« Schifflein Petri durch die Wogen der Zeit, seine Weisheit hat es vermocht, daß immer unb immer neue Organisationen geschaffen werben zur Ausbreitung ber Heilslehre, daß fortwährend ■ die Hindernisse befestigt werden, welche der Aus- breitung jener Lehre entgegenstehen, welche der Heiland seinen Aposteln und deren Nachfol­gern anvertraut hat. Wa« der hl. Vater Leo XIII. in dieser Hinsicht schon zu Stande ge­brach, haben wir unseren Lesern stet« in kurzen Zügen mstgetheilt, und erst neuerdings wurde Kennt- niß gegeben von dem Plenar-Konzil in Balti­more, welche« auf Befehl de« Papstes eine neue kirchliche Verfassung geschaffen für Nordamerika, dieses wichtige Land für die katholische Mission. Wie der heil". Vater die Wissenschaft schützt und pflegt, hat er durch seine großartige Encyclica über bie Philosophie des hl. Thomas von Aquin, durch die vollständige Eröffnung der vatikanischen Archive, dieser Goldgrube für die Geschichtswissenschaft, ge»

x Die Tochter des Aristokraten.

(7. Fortsetzung.)

Die Sache war so gekommen. Als Knabe war Hermann einmal von dem Anwalt seine» Vater« mit nach Croombe Abtei genommen worden und hatte Lady Janthe mit ihrer Gouvernante im Park promeniren sehen. Sie hatte ihm nur einen Blick zugeworfen, einen Blick au» diesen ruhigen, dunklen Augen, wie als Frage, wer er sei, wa« er hrer tlpie, und war dann stolz an dem Plebejer vor- übergegangen. .

Er war nur ein Knabe, aber dieser eine Blick hatte fein Herz in Feuer gesetzt. Er konnte die liebliche Vision nicht mehr vergessen, er träumte von ihr bei Tag und bei Nacht und ergoß schließlich seine knabenhafte Leidenschaft in Verse — Verse, die ein weiche« Herz gerührt hätten, eine solche Liebe und Sehnsucht drückien sie aus.

Nach vielen Tagen sandte er sie, mit seinem vol­len Namen unterzeichnet, an Lady Janthe Carre. Sie war noch ein Kind; aber ihre Entrüstung war grenzenlos. Ein Fabrikantensohn, ein Plebejer ei zu wagen, ihr Liebesverse zu senden! Lady Janthe riß einfach bie eingeschriebenen Seiten in ber Mitte durch unb schickte sie zurück.