1885.
Dienstag, den 17. Februar
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Fuldaer
Kurzer Bericht über die Thätigkeit des Vineenzvereines u. Elisabethenvereines zu Fulda im Jahre 1884.
Der Vincenzverein glaubt denjenigen seiner Wohl- thäter, welche nicht in der Lage waren, bei den General-Versammlungen des Vereins sich des Näheren über seine Wirksamkeit zu orientiren, einen kurzen Jahresbericht schuldig zu sein, den er in folgenden Zeilen zu geben sich beehrt, indem er dabei den Dank für gewährte Unterstützungen aus- spricht und um ferneres Wohlwollen bittet.
Der Verein hat im Jahre 1884 an Almosen verabfolgen können: 1708 Pfunv Fleisch, 5302 Pfund Brod, 1162 Portionen Suppe, 135 Liter Milch, 41 Flaschen W-in, 180 Eier, 48 Centner Kohlen, 71 M. an baarem Gelds und verschiedene andere Dinge, wie sie den speziellen Bedürfnisien der Armen und Kranken entsprachen.
Auf Kosten des Vereins wurden mehrere Kinder in der Bewahranstalt untergebracht.
Entsprechend dem Wunsche des hl. Vaters Leo, der wiederholt die Patronage jugendlicher Ar- beiter empfohlen hat, und auf Anregung unseres Hochwürdigsten Herrn Bischofs, hat der Verein eine Patronage für jugenoliche Fabrikarbeiter unv Handwerkslehrlinge ins Leben gerufen und führt dieselbe fort. Die Kosten der Patronage wurden aus der Vereinskasse und aus Beiträgen, welche uns für diesen Zweck besonders zugingen, bestritten. Ueber 100 junge Arbeiter besuchen die Unterrichts-, Gesangs- und Erholungsstunden, die ihnen an allen Sonn- und Feiertagen geboten werden.
Die Suppenanstalt des Vineenzvereines hat im Jahre 1884 ca. 12,000 Portionen Suppe ausgegeben , wovon etwa 8000 Portionen mit je 1Ö Pf. bezahlt wurden, während ver Rest gegen Anweisungen (Suppenkarten) verabfolgt wurde.
Wenn hiermit der dahier bestehende Elisabe hen- verein, im Anschlüsse an den Bericht des St. Vin- cenzvereines, mit dem Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Kalenderjahr 1884 in die Oeffentlichkeit tritt, so geschieht dies in erster Linie, um der Dankbarkeit Ausdruck zu geben für die dem Verein reichlich zugew.mveten Gaben an Geld, Naturalien, Kleidungsstücken und dergl.
In zweiter Linie hat der Bericht den Zweck,
X Die Tochter des Aristokraten.
(4. Fortsetzung.)
Aber Lady Janthe hatte in ihrer Lebenssphäre nie Gelegenheit gehabt, zu erfahren, was das Wort „Spekulant" all' in sich schließe. Sie wiederhol!« es träumerisch, es batte keine Schrecken für sie.
„Ein Spekulant, Vater? Das ist nichts Schreckliches, nickt wahr?" fragte sie.
„Doch," erwiederte er, „wenn ein Mann nie zufrieden ist, nie genug bekommen kann."
„Aber bei Dir, Vater, konnte doch dies nicht der Fall sein!" fiagte sie verwundert.
„Ich erinnere mich kaum einer Zeit, wo es anders war, mein Kind. Tas Erste, was ich that, als ich in den Besitz meines Erbes kam, war, zu spekuliren. Manchmal gewann ich hohe Summen, manchmal verlor ich stark; meine Leidenschaft wurde aber immer heftiger. Weißt Du, welche Art von Spekulation ich meine, Janthe? Vielleicht sollte ich es spielen nennen, denn schließlich ist es nichts anders; und dasselbe Fieber tobt in den Adern des Spekulanten und Spielers. An einem Tage kaufte ich durch meinen Agenten, der sich aber später als ganz gewisienloser Schurke entpuppte, irgend
einerseits ein übersichtliches Bild der Vereinsthätig- (eit zu entrollen, hierdurch aber gleichzeitig andererseits ersichtlich zu machen, welch' große Ansprüche an die Vereinsthätigkeit herantreten, und diesen gegenüber, die für das laufende Jahr nicht minder groß sein werden, die Wohlthätigkeit neu anzuregen.
Der Elisabethenverein, geleitet von dem Bestreben, soweit es in seinen Kräften liegt, durch die Thätigkeit seiner Mitglieder und durch die Mithilfe wohlthätiger Zuwendungen den Bedürfnisien der Armuth und der Noch zu begegnen, in welcher Form diese auch zu Tage treten mag, hat, wie aus dem nachfolgenden Rechenschaftsberichte ersichtlich, im abgelaufeneu Jahre die Beschaffung des Bedarfes an Kleidungsstücken für die hiesigen armen Neukommunikanten in den Bereich seiner Vereinsthätigkeit gezogen, um das manchmal belästigende, für die Ansprechenden selbst vielfach drückende, theilweise mißbräuchliche und deshalb demoralisirende Heischen nach diesbezüglichen Gaben möglichst in Wegfall zu bringen.
Der sehr vetehtliche Stadtmagistrat Hierselbst, hat in wohlwollender Würdigung dieses doppelten Zweckes den Verein mit besonderem Vertrauen beehrt und durch Zuwendung eines dankenswerthen Beitrages aus der Generalarmenkasse bezw. der Liebedi'schen Stiftung die diesbezüglichen Bestrebungen gutgeheißen und fördern helfen.
Auch einzelne Private hiesiger Stadt haben es probat gefunden, durch direkte Zuwendung ihrer für diesen. Fall norgesehene». Beiträge an den Elisabethenverein sich die angenehme Gewißheit zu verschaffen, daß ihre Gaben in die rechten Hände koinmen, die verschämte Armuth nicht leer ausgeht und ihre Wohlthätigkeit nicht schließlich zu ganz anderen Zwecken in betrügerischer und frivoler Weise ausgebeutet ober mißbraucht wird.
Selbstverständlich kann und darf die Freiheit der Wvhlthäter in Zuwendung ihrer Gaben nicht im entferntesten beeinträchtigt werden; aber ein gewisses gemeinsames Vorgehen würbe die bezeichneten Zwecke nur fördern und ein wahrhaft gedeihliches Wirken ermöglichen! nur müßte man bann auch darum bitten, daß konsequent alle bedürftigen, um desfallsige Gaben ansprechenden Eltern und Kinder mit ihren Ansprüchen an den Elisabethenverein verwiesen würden, der es sich
welche Aktien, um sie nach wenigen Tagen wieder mit großem Gewinn zu verkaufen. So trieb ich es lange Zeit mit wechselndem Glück. Vor fünfzehn Jahren aber," fuhr der alte Earl mit einem tiefen Seufzer fort, „verlor ich eine für mich enorme Summe, und fortgesetztes Mißgeschick ließ mir schließlich feine andere Wahl, als eine Hypothek auf Croombe Abtei aufzunehmen. Höre mich au, Janthe. Diese 10,000 Pfund, für welche ich diesen herrlichen Besitz verpfändete, wurden mir von John Culroß, einem reichen Fabrikanten, geliehen. Du erinnerst Dich feines Sohnes Hermann Culroß."
Ein Lächeln unbeschreiblicher Verachtung kräuselte Lady Janthe's stolze Lippen; aber sie antwortete nicht.
„Dies machte mir weiter keine Sorgen," fuhr Lord Carre fort. „Ich dachte, durch eine glückliche Spekulation meine Schuld abtragen zu können. Da trat vor zwei Jahren eine schreckliche Versuckung an mich heran. Es bildete sich eine neue Gesellschaft, die große Hoffnungen auf die Ausbeutung einer Silbermine in Mexiko setzte. Mein Agent sprach mit mir darüber; er schilderte mir den enormen Profit, der da zu machen wäre; ich war habgierig — o Janthe, wie wurde meine Habgier bestraft! Man sagte mir, wenn ich »sich
zur angenehmen Pflicht machen wird, die.ihm anvertrauten Gaben nach bestem Wiffen und mit thunlichster Sichtung der wirklichen Bedürfnisse gewissenhaft zu vertheilen.
Dabei soll noch hervorgehoben werden, daß, wie dies im Vorjahre auch geschah, bei dem Ankauf der Stoffe und bei der Vergebung der Arbeit nur auf hiesige Geschäftsleute — ohne Unterschied — reflektirt wird und nur wirklich Solides und Dauerhaftes beschafft wird.
Alle Mitglieder des Vorstandes sind bereit, desfallsige Gaben in Empfang zu nehmen.
Mit der Bitte, vorstehend etwas länger gewordenes Expose zu entschuldigen, möge nachstehender Bericht in Übersichtlicher Kürze gütiger Beachtung gewürdigt werden:
Die Wochensammlyngen innerhalb der Vereins- konferenzen ergaben 1360 M. 32 Pf.
In die Schaffnereien wurden geschenkt 226 Pfd. Kaffee, Reis und Hülsenfrüchte; ferner 23 Ctr. Holz und eine nicht unbeträchtliche Anzahl älterer unb neuerer Wäschegegenstände und Bekleidungsstücke.
Der sehr verehrliche Turnverein erfreute den Elisabethenvereiri mit einem Geschenke von 20 M.
Des Weiteren wurden dem Verein an Legaten jugeroenbet:
300 M. Seitens ber Hierselbst verstorbenen Frl. Bernhardine Sippel, und 50 M. Seilens ber am 20. Oft. 1884 verstorbenen Wittwe des Lohn- bieners Heinrich Pieper, Barbara geb. Trabert.
Indern der Verein durch die Veröffentlichung einer Ehrenvflicht der Dankbarkeit nachkommen will, und auch für bas gegenwärtige Jahr auf den bewährten Wohlthätigkeitssinn der verehrlichen Einwohner hoffen zu dürfen wagt, werden nachfolgende Notizen über die Leistungen des Vereins gleichzeitig die Höhe der Ansprüche, welche an die Vereinsthätigkeit herantreten, bemesien lassen.
Es kamen an 79 Familien bezw. weitere 88 Armen zur Vertheilung:
9555 Pfund Brod für Rekonvaleszente
2086 Pfund Fleisch
895 Pfund Kaffee und Hülsenfrüchte, Reis rc.
132 Flaschen Wein
557 Liter Suppe aus der Suppenanstalt
126 Centner Kohlen
Eier und Milch im Werthe von 159 M. 95 Pf.
30 Säcke Kartoffel.
Für die Unterbringung von Kindern in der
entschließen könne, 200,000 Pfund in dieser Spekulation anzuleaen, würde ich es bald zum Millionär bringen. Ich las alle Papiere, ich studirte die Zahlen, ich »dachte lange und ängstlich darüber nach, »ber die Siebe zum Gewinn siegte. Ich begab mich nach London, und beriet!) mich mit sachverständigen Männern. Alle versprachen sich den besten Erfolg von dem Unternehmen. So suchte ich mir denn aus verschiedenen Quellen Geld zu verschaffen; ich verpfändete mein Einkommen für die nächsten drei Jahre und brachte die 200,000 Pfund wirklich zusammen. Nachdem ich ungeduldig und zuletzt auch unruhig auf gute Nachrichten gewartet hatte, fiel endlich am Weihnachtsabend — der Schlag. Meine schlimmsten Befürchtungen hatten sich verwirklicht. Die Spekulation war vollständig mißlungen, und ich bin ruinirt — gänzlich ruinirt;" wiederholte der alte Earl mit verzweifelter Geberde. „Maurice, Lord Carre, ist ein ruinir- ter Mann; et ist der erste Carre, der seinem Namen Unehre gemacht bat. O Janthe, hast Du ein wenig Mitleid mit mir? Kann ein anderes G-.fühl als das der Verachtung in Dir auffommen ?"
„Du lhatest es in guter Absicht," murmelte sie.
„Du hast noch nicht Alles gehört, Janthe. Vor 6 Monaten schrieben sie mir — diese Leute, die