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j\s 29, Freitag, den 6. Februar 1885.

Di- .Fulda-r Zeitung" erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteliahrlrcher Abonnementsprels ohne Brmgerlohn und Bestellgeld. 1 Lik. 50 Pfg., mrt der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg

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Deutsches Reich.

Berlin, 5. Februar.

* Das Centrum des Abgeordnetenhauses hat einen schmerzlichen Verlust zu beklagen. Der Abg. Eugen von Kesseler ist am 4. d. in Köln an einer doppelseitigen Lungenentzündung gestorben.

Herr von Keffeler wurde, wie das ,Schw. Bl.' mittheilt, am 4. April 1832 in Düsseldorf geboren, besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Köln und 1849—1852 die Universitäten zu Bonn und Berlin. Er war 1852 Ausculator in Koblenz, zugleich Einjährig-Freiwilliger, 1857 Landgerichtsasscssor in Köln, Landwehr-Lieutenant seit 1855, und nahm 1860—1861 ein Jahr Urlaub, um als Ober-Lieutenant in die päpstliche Armee zu treten. Als solcher diente er unter Lamoriciöre und er­warb sich durch seine Tapferkeit bei Castelfidardo den päpstlichen St. Gregorius-Orden. Er zog sich 1862 in's Privatleben zurück und trat erst 1870 wieder als Land­gerichts-Assessor in Dienst und fungirte seit 1872 als Landgerichts-Rath in Köln. Im Herbste des Jahres 1870 wurde er in's Abgeordnetenhaus gewählt und vertrat den Wahlkreis Bonn-Rheinbach bis 1875. Von 1871 bis 1881 war er Mitglied des Reichstags für denselben Wahlkreis; von 1882 ab Mitglied des Abgeordnetenhauses für den Wahlkreis Köln (Stadt). Von Anfang seiner parlamen» tarischen Thätigkeit gehörte er der Centrumsfraktion an.

• Der Schluß der afrikanischen Konferenz rückt immer weiter hinaus. Es steht jetzt schon fest, -aß u düse Woche nicht erfolgt.-

• Der Reichstag begann heute die zweite Berathung des Gesetzes betreffend die Aufnahme einer Anleihe für das Reichsheer, die Marine und die Reichseisenbahnen. Die Anleihe ist in der Höhe von 28 Millionen Mark in Aussicht ge­nommen, speziell für Zwecke des Reichsheeres 19 Millionen. Von dieser Summe hat die Kriegs­verwaltung bereits erhebliche Beträge im vorigen Jahre ausgegeben, um Truppendislokationen und Kasernenbauten an der Ostgrenze vorzunehmen, ohne jedoch die vorherige Genehmigung des Reichs­tages nachzusuchen, obwohl derselbe versammelt war. Die Budgetkommission erblickte in diesem Verfahren eine Verfass un gS Widrigkeit, wenn sie auch ihrerseits sich der Ueberzeugung nicht ver­schloß, daß die Regierung angesichts der drohenden Verwicklungen mit Rußland zu jenen geheimen

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»der

Auf buwfleu Wege«.

Roman von 6. Wagner.

Schluß-Kapitel.

Am andern Morgen reichte Lady Markham schriftlich ihr EntlaffungSgesuch ein. „Da sie einsehe, daß Lady Wolga keine Ehrendame mehr gebrauche," in Wirklichkeit aber, weil sie fühlte, daß ihr Ver­bleiben unmöglich geworden war. Lady Wolga machte keinen Versuch, sie zurückzuhalten, sondern entließ sie, setzte ihr aber eine Jahresrente aus. Ihre Tochter war damit einverstanden.

Bald darauf erschien Lord Kingtcoutt beim Frühstück mit einer Zeitung in der Hand, welche eine Nachricht aus Griechenland enthielt, die für die kleine Tischgesellschaft das größte Interesse hatte. Spiridion und seine Bande waren nämlich von einer starken Abtheilung Soldaten umzingelt und der Hauptmann getödtet worden.

Alexa schauderte bei der Erinnerung, welche diese Nachricht in ihr wach rief, und ihr Herz war voll Dankbarkeit gegen Gottes Vorsehung, die sie über alle

Ausgaben wohl Veranlassung hatte. Die Kommis­sion beantragte deshalb, der Reichstag solle die bereits gemachten Ausgaben nicht in Form einer nachträglichen Genehmigung, sondern in der ver­schärften Form der Indemnität gutheißen. Das Haus trat diesen Gründen der Kommission nach kurzer Debatte bei und bewilligte die Anleihe. Die Vorlage, betreffend den Zollanschluß Bremens wurde nach allseitiger sympathischer Besprechung alsbald an eine Kommission zur Vorberathung überwiesen. Eine weitere Vorlage, betreff. Aende- rung des Tabaksteuergesetzes, durch welche der Termin für die Gewichtsermittelung des Ta­baks um einen Monat hinausgeschoben werden kann, ohne Debatte angenommen. Das Haus ging sodann zu Wahlprüfungen über.

* Das ,Berl. Tagbl.' schreibt: Herr Wilhelm Pfannkuch aus Kassel, der sozialdemokratische Abgeordnete des 6. Berliner Wahlkreises, hat in Berlin, Chaussee Nr. 37, ein Cigarrengeschäft er­öffnet- — Die Jass. Ztg.' wünscht dem unter­nehmenden Mitbürger besten Erfolg.

* Das Mainzer Journal' scheint mit seinen pessimistischen Anschauungen gegenüber des regie­rungsseitigen Versuchs der Beseitigung des hessischen Culturkampfes Recht zu behalten; denn die .Darmstädter Ztg.' erklärt die ZeitungS- Meldung, daß wegen der Bedingungen für Wieder- Herstellung des religiösen Friedens zwischen der hessischen Regierung und dem Vatican eine An­frage des Großherzogs bei dem Vatican stattge- fiir. imhe-v-ünhet

♦ lieber den muthmaßlichen Mörder des Poli­zeiraths Dr. Rumpff, den in Hockenheim bei Mannheim verhafteten Julius Lieske gehen dem ,Berl. Tagebl.' aus seiner Vaterstadt Zossen die folgenden Mittheilungen zu:

„Der Vater des Lieske lebt als Arbeiter in Zoffen und gilt als sparsamer und pflichtgetreuer Mann. Nach­dem seine erste Frau gestorben, verheirathete sich Lieske sen. noch einmal mit einer verhältnißmäßig jungen Frau. Von den vier Söhnen aus der ersten Ehe ist der Atten­täter der dritte. Nachdem er die Volksschule in Zoffen mit ziemlich geringem Erfolge besucht hatte, trat er bei einem sehr ehrbaren Handwerker in die Lehre und erlernte das Schuhmacher-Handwerk. Mit 19 Jahren ging er auf die Wanderschaft und wendete sich nach der Schweiz, wo er sich längere Zeit in Alttorf aushielt und von wo er wiederholt an seine Angehörigen Brief- sendete. Der vierte Sohn des alten Lieske erlernte das Schneider- Handwerk. Man vermuthet daß Julius Lieske diesen seinen jüngern Bruder, in die anarchistischen Kreise, mit

Gefahren hinweg zum Glück und zum Frieden geleitet hatte.

Der Telegraph hatte die Nachricht von Lord Stratford's Heimkehr durch da» ganze Land oer- breit et, und überall herrschte die größte Erregung; aber schon am andern Tage brachten die Zeitungen ausführliche Berichte von den Vorfällen zu Mont Heron und Clyffebourne, und die anfängliche, allgemeine Bestürzung verwandelte sich in Freude und aufrichtige Theilnahme.

Auf Veranlassung des herbeigeeilten Herzogs von Clyffebourne blieb der neue Marquis in Clyffe­bourne bis zu seiner vollständigen Rechtfertigung, auf welche er nicht lange zu warten hatte.

Die Untersuchung gegen Pierre Renard begann sofort und wurde rasch betrieben. Die Beweise gegen ihn und seinen Herrn, der sich durch Selbst- mord den irdischen Gerichten entzogen hatte, sprachen das Urtheil über Beide. Es blieb kein Zweifel mehr, daß sie den Mord gemeinsam be­gangen hatten.

Der Müller Gregg sagte aus, daß er in der Nacht als der Marquis ermordet worden war, das Schloß Morgens zehn Minuten vor zwei Uhr verlassen hatte. Als er über die obere Terrasse gegangen war, hatte er einen Mann au dem

denen er selbst nachweislich vielfach in der Schweiz ver­kehrte, mit hineingezogen habe."

* Trier, 4. Febr. Der Herr Bischof Dr. Felix Korum hat Herrn Dr. Willems zu seinem Kaplan und Geheimsekretair ernannt.

* Kassel, Ans. Februar. Der deutsche Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke, welcher sich am 23. März 1883 in Kassel kon- stituirte, hat eine solche Ausdehnung genommen, daß er nunmehr zu einer becentrcilifirteren Orga­nisation übergehen muß, um sich leichter den lokalen und provinziellen Bedürfnissen anzupaffen. Wie für die Rheinprovinz im vergangenen Jahre auf der Versammlung zu Düsseldorf eine solche Organisation angebahnt worden ist, so soll im Frühjahr dieses Jahres, womöglich in der Pfingst« woche, eine größere Versammlung der Mitglieder und Freunde des Vereines in dem ehemaligen Kurhessen und den benachbarten Gebieten in Kassel abgehalten werden, um eine gemeinsame Thätigkeit der einzelnen Bezirksvereine und Ver- treterschaften zu schaffen. Der Bezirksverein Kassel wird demnächst die Einladungen zu der erwähnten Versammlung ergehen lassen und sich an alle Freunde seiner Bestrebungen wenden, um eine möglichst intensive Thätigkeit des Vereins zu erzielen.

• Bebra, 6. Februar. Gestern hat hier im „Hotel Schlüter" Se. Durchlaucht Fürst Karl von Dsenburg-Birstein die Mitglieder des hessi­schen Bauernvereins um sich versammelt, um folgende Tagesordnung zu erledigen: 1. Bericht uutt 2)icbtv..’u>ig "bii Petitum an tes Reichs­kanzler zwecks Erhöhung der Getreidezölle, Ein­führung der Fleisch- und Brodtaxe. 2. Vortrag über Zweckmäßigkeit der Einführung von polizeilich kontrolirten Getreideschrannen und Viehmärkten mit amtlichen Preirnotirungen. Referenten hier­für sind Herr Gutsbesitzer Hüter-Iba und Herr Domänenpächter Oberamtmann Oldenburg« Wil- helmshof. Endlich 3. Organisation de» Bauern­vereins.

• München, 5. Febr. Der hochwürdigste Erz­bischof Dr. v. Steichele hat angeordnet, daß die Seelsorger aufgefordert werden, die christliche Barm­herzigkeit in den Kreisen ihrer Seelsorggemeinden für die verunglückten Spanier zu wecken und freiwillige Gaden, jedoch ohne Veranstaltung von förmlichen Kirchensammlungen, anzunehmen.

Fenster des Schlafzimmers des Marquis gesehen, und er beschwor, daß dieser Mann Roland In« gestre gewesen sei. Als er dann seinen Weg fort­gesetzt, habe er Lord Stratford Heron im Park gesehen, gebeugten Hauptes hin- und hergehend, wodurch Lord Stratford's frühere darauf bezüg­liche Aussage bestätigt wurde.

Der Müller erklärte, daß er Jngestre des Mordes beschuldigt und daß er von diesem Geld und große Versprechungen erhalten habe, damit er schweigen sollte. Er hätte geglaubt, daß Lord Stratford nicht verurtheilt werden könnte, als dies aber doch geschehen sei, habe er nicht zu sprechen gewagt.

In der Schwurgerichts-Verhandlung bekannte sich Pierre Renard ieldst schuldig und legte ein offene« Geständniß ab, nur suchte er den größten Theil der Schuld auf Roland Jngestre zu werfen. Er sagte, daß der Marquis ihn an dem betref­fenden Abend mißhandelt und er geschworen habe, Genugthuung zu fordern. Roland Jngestre habe feine Worte gehört und fei in der Nacht zu ihm gekommen. Er habe ihm von seinen finanziellen Verlegenheiten erzählt und ihn veranlaßt, den Marquis um's Leben zu bringen.

Er und Jngestre hatten die That zusammen