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Fuldaer Jalung. .

Donnerstag, den 5. Februar 1885.

Di- .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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* lieber Sozialdemokraten und An­archisten

äußerte sich, wie bereits in Kürze mitgetheilt, Minister v. Puttkamer am Sonnabend im Reichstage folgender­maßen : ... Ich bleibe also dabei stehen, daß innerhalb der deutschen Londe das Institut der agents provocateurs durchaus verpönt ist. Di- Forderung der Sozialdemokraten, die socialistische Partei von der anarchistischen zu trennen, zwingt mich geradezu, dem Hause Mittheilungen zu machen, die ein recht grelles Schlaglicht auf die Be­strebungen jener Herren werfen. Bevor ich das Schrift­stück verlese, meine Herren, constatire ich ausdrücklich, daß die parlamentarische Sozialdemokratie den „Sozial­demokrat", ein Blatt, welches in Zürich erscheint, offiziell zum Organ ihrer Partei gemacht hat, und daß sie also jedenfalls für die wichtigen Kundgebungen verantwortlich zu machen ist. Dies vorausgeschickt, will ich mittheilen, wie das offizielle Organ den grauenhaften Mord in Frankfurt beurtheilt. Das ist um so inter- effunter, als der „Sozialdemokrat" in seiner Nr. 4 aus­drücklich sagt, diese Correspondenz sei ihm aus Berlin zugegangen; der Artikel lautet:

„Das Telegramm, welches die Ermordung des berüch­tigten Polizeiraths Rumpff in Frankfurt meldet, hat in hiesigen offiziellen Kreisen und auch im Reichstage unge­heures Aufsehen erregt. Dieses Ereigniß gi-bt der Polizeikomödie, welche sich indem Prozeß Reinsdorff enthüllt hat, einen tragischen Hintergrund und einen Ab­schluß, welches den Herren von der Polizei äußerst fatal ist, denn es ist kein Zweifel, daß dieses Ereigniß auf politische Motive zurückzuführen ist. Daß bei d-r Polizei­komödie, welche in dem Prozeß Reinsdorff gipfelt, der Polizeirath Rumpff hinter den Couliffeu eine hervorragende Rolle gespielt hat, ist nicht dem mindesten Zweifel unter­legen. Dagegen ist es wunderbar, daß, als di- Nachricht von dem Niederwaldattentat bekannt wurde, die Polizei c*ne wahrhaft philosophisch- GeuMhSruhe an den Tag legte, die von dieser Aufregung seltsam absticht. Und doch handelte es sich dabei um das Wohl des deutschen Kaisers und einiger deutscher Fürsten, während es sich hier um das Leben eines Polizeiraths handelte, der von seinen eigenen Patronen und Spießgesellen Alles, nur nicht geachtet wurde. Das Attentat am Niederwalddenkmal war ein falsches, das andere ein wahres Attentat. Es giebt zweierlei Attentate, die nachg-macht-n und die echten. Das Niederwaldattentat war ein nachgemachtes, eine Polizeikomödie, an dem Polizeirath Rumpff ist ein echtes Attentat verübt worden. Der eigentliche Heckvater der agents provocateurs, der mit dem anarchistischen Feuer gespielt hat, ist von dem anarchistischen Feuer ver­brannt worden. Das ist die Logik der Thatsachen . . ." Dann heißt es: „Ein menschliches Mitgefühl kann auch der strengste Beurtheiler der That dem Thäter nicht ver­sagen und der strengste Beurtheiler, er gehöre an, welcher Partei er wolle, wird sich veranlaßt sehen, sagen zu müssen, hier liegt kein gemeiner Mord vor, sondern ein Akt wilder Gerechtigkeit (Bewegung), und der Mensch, an dem er sich gerächt hat, war ein moralisch Verworfener, war ein Verbrecher der, wenn überhaupt eine Strafe verdient sein kann, die schwerste Strafe v-r-

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oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von 6. Watzner.

„Ich will nach dem Schloß gehen," sagte Lord Slratford; „aber zuvor — haben Sie kein Wort für mich, Wolga?"

Sie näherte sich ihm. Er öffnete seine Arme, und ohne ein Wort, ohne ein Ausruf flog sie an seine Brust, und in dieser seligen Wiederver­einigung waren alle Mißverständnisse vergeffen und die Leiden so mancher Jahre verwischt.

Keines von ihnen konnte ein Wort sprechen. In ihrer unermeßlichen Freude vergaßen sie, daß sie nicht allein waren, bis Lady Markham's Stimme die Stille durchbrach.

„Sie scheinen zu vergeffen, Wolga, daß Sie nicht mehr Lord Stratford's Gattin und daß Sie von ihm geschieden sind. Er hat eine andere Geliebte gefunden, dieses Mädchen hier."

Lady Wolga entzog sich den Armen Lord Strat­ford's und blickte Alexa an.

„Wer ist sie?" fragte sie.

„Sagt es Dir nicht Dein Herz, Wolga?" ant­wortete er.

bient hat. Herr Puttkamer möge sich das hinter die Ohren schreiben!!"

Zunächst mache ich aufmerksam auf die freche Ver­höhnung der kaiserlichen Majestät selbst; denn wenn das Niederwaldattentat eine Polizeikomödie ge­nannt wird, dann muß ich doch sagen, fehlt für mich jeder Maßstab der Kritik. Der Artikel enthält ferner eine verwerfliche Verhöhnung d-r deutschen Justiz und, was für mich die Hauptsache ist, er enthält eine wahrhaft empörende Beschimpfung eines Mannes, der unter dem Dolch des Mörders verblutet ist, den ich die Ehre gehabt habe, hier im Reichstag gegen Angriffe zu ver- th-idigen, für dessen Hinterbliebene die königliche Staats­regierung eine eclatante Nationaldotation wird fordern müffen, damit endlich einmal klar wird, daß, wenn der König nicht seine Beamten vor dem Dolch des Meuchelmörders bewahren kann, er doch dafür sorgen wird, daß die Berufstreue an den Hinterbliebenen wenig­stens geehrt wird. (Beifall rechts.) Wenn Sie mich zwingen, diese Sache hier öffentlich zur Sprache zu bringen, so ist das Ihre Schuld. Der Artikel bleibt an Ihnen hängen, und jeder Versuch, die moralische Verantwortung abzuwenden, ist vergeblich; das Blatt ist Ihr Organ, Sie sind dafür verantwortlich, und ich klage Sie hiermit vorder Nation an, daß Sieden Dolch geschärft haben, von dem der Polizeirath Rumpfs tödtlich getroffen wurde. (Beifall rechts.)

Sozialdemokrat Liebknecht: Wir schieben von uns die Verantwortung für den Mord des Rumpff auf Die­jenigen zurück, welche derarttge Verbrechen in Deutschland überhaupt erst möglich gemacht haben. Vor dem Sv- cialistengesetze dachte man niemals an solche Verbrechen. (Ruf rechts: Hödel!) Wer wagt es, uns Höbet an di- Rockschöße zu hängen? Freilich hat man auf die Attentate von Hödel und Nobiling das Sozialistengesetz be­gründet. Man hat dann eingestehen müssen, daß es eine Verleumdung gewesen ist, Hödel und Nobiling als Sozial­demokraten zu bezeichnen. Ich hab- früher einmal gesagt, Ihr Sozialistengesetz sei pro mhilo uns, soweit es doch wirksam wurde, pro nihilissimo. Daß es pro nihilo ge­wesen, haben Sie uns gegenüber jetzt eingeseh-n, daß es pro nihilissimo ist, hat das Frankfurter Attentat ge­zeigt- (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Durch den Druck, d-r in Folge des Sozialistengesetzes auf dem ganzen Volke lastet, werden Leidenschaften erzeugt, die mit Nothwendigkeit einige -xaltirt- Köpfe zum Verbrechen treiben. Das haben wir Ihnen von Anfang an vorausgefagt; jetzt ist es eingetroffen. Sie wollen auf uns di- Schuld schieben, wir schleudern di- Anklage auf Sie selbst zurück. Sie allein tragen di- Schuld. Man wirst uns in einen Topf mit den Anarchisten. Anarchismus ist aber das genaue Gegen- theil von Sozialismus. Anarchismus heißt die Abwesen­heit der Regierung und des Staates. Es ist das die logische Consequenz der freihändlerischen Bour- g-oisanschauungen, welche ja mit ihrem Grundsatz der freien Konkurrenz die gesellschaftliche Anarchie bereits herbeigeführt haben. Der russisch- Kommissionsrath, später Großrevolutionär Bakunin, hat zuerst Anarchismus und Sozialismus zu verquicken versucht. Wäre das Sozialistengesetz nicht erlassen worden, so wäre Most

„Wer ist sie?" wiederholte sie ihre Frage.

„Wolga," sprach Lord Stratford Heron — jetzt der Marquis von Montheron, denn da» war sein rechtmäßiger Titel — „da» Kind, welches Du als tobt beweintest, war nicht unser Kind."

„Nicht unser Kind!" hauchte Wolga hervor.

„Nein. Ich hörte, daß unsere Ehe gerichtlich geschieden war und daß Du wieder heirathen wolltest; und in meiner Verzweiflung und meinem Leid reiste ich nach Nizza und raubte Dir unser Kind. Sie ist seitdem immer bei mir gewesen, die edelste, treueste und aufopferndste Tochter, welche der Himmel je einem Manne geschenkt hatte. Sie ist nicht Alexa Strange, sondern Konstanze, Deine Tochter — unser Kind!"

Es heißt, daß Freude nie töbtet, und es ist gut, daß es so ist, sonst würde Lady Wolga diese Nacht nicht überlebt haben.

Lasten wir hier den Vorhang fallen. Die Scene, welche sich nun abspielte, läßt sich nickt beschreiben; jedes gefühlvolle Herz wird sie sich selbst ausmalen und mitempfinden.

Lady Markham, deren Triumph sich in eine totale Niederlage verwandelt hatte, fand es für gut, sich schweigend auf ihr Zimmer zurückzuziehen, und Mr. Dalton verließ ebenfalls das Gemach,

ruhig tjier geblieben; er wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen, „Propaganda d-r That" mach-n zu wollen und di- .Freiheit' herauszugeben. Erst indem man unser- äußere Organisation zerstörte, uns Preß- und Versammlungsfreiheit nahm, ist das möglich geworden. Lesen Sie übrigens einmal die .Freiheit'! Gegen wen sind die heftigsten Angriffe darin gerichtet? Gegen mich; weil ich einen dem Anarchismus auf's schroffste entgegen­stehenden Standpunkt vertrete. Fürst Bismarck und seine Sozialreform werden dort durchaus nicht mit derselben Heftigkeit behandelt und warum man mich mehr haßt, als den Fürsten Bismarck, das ist klar. Ich und meine politischen Freunde hier im Hause sind die Feinde jener Anarchisten, und Fürst Bismarck undSie sind ihre Nährväter. Sie sagen immer. Sie wollten nicht di- Sozialdemokratie tobten, sondern nur ihre Ausschreitungen verhindern. Halten Sie doch nicht so hinter dem Bergl Nicht wir, nein Sie kämpfen mit verdecktem Visir. Ge­stehen Sie es doch offen, Sie haben uns tobt machen wollen, nun sehen Sie sich getäuscht. Wenn Sie ihre Polizeiwirthschaft noch weiter treiben, was wird bie Folg­sein? Es wirb Ihnen bann vielleicht gelingen, bas Sozialistengesetz so zu verschärfen, baß wir gezwungen sind, unseren Wählern zu erklären: „Es ist uns unmöglich, auf bem Boden ber heutigen Staatsordnung unsere Agi­tation zu treiben; wir geben die Zügel aus der Hand; seh- jeder zu, wie er fertig wird!" Lassen Sie -s erst dahin kommen, ja, dann haben Sie den Nihilismus! (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Februar.

* Der Reichstag erledigte heute in zweiter Berathung den Postetat nach d n Anträgen der Budgetkommission. Die Debatte drehte sich haupt­sächlich .nm die- Ausbesserung der Gehälter her Past­unterbeamten. Das Haus genehmigte noch eine Reihe kleinerer Etat».

* Das Abgeordnetenhaus berieth heute den Antrag der Freikonservativen und National­liberalen bezüglich der auskömmlichen Pensionirung der Volksschullehrer. Die Abgeordneten Schmidt (Sagan) und Gras Limburg-Stirum be­fürworten die Annahme des Antrages, desten Ten­denz im Allgemeinen sympatisch begrüßt wurde. Seitens des Centrums sprachen die Abgg. Reichensperger (Köln) und Windthorst die volle Bereitwilligkeit aus, die Pensionen der Lehrer zu erhöhen und überhaupt die Lage derselben zu bestern. Der Abg. Windthorst verfehlte gleichzeitig aber nicht, die finanzielle und politische Tragweite des Antrags einer eingehenden Kritik zu unterziehen, wobei er insbesondere die Bestrebungen nach Loslösung der Schule von der Gemeinde und Familie als unheil-

um Vater, Mutter und Tochter allein zu lassen in ihrem unaussprechlichen Glück!

Am andern Morgen tarn Lord Kingscourt im Schlosse Mont Heron an, wo ihm die wunderbare Kunde von der Heimkehr Lord Stratford Heron's mit seiner Tochter, dem Tode Roland Jngestre's und der Verhaftung Pierre Renard's mitgetheilt wurde. Ohne eine weitere Erklärung abzuwarten, woher Lord Stratford Heron und seine Tochter so plötzlich gekommen seien, ließ er sich ein Pferd satteln und ritt nach Clyffebourne.

Alexa sah ihn von ihrem Zimmer aus kommen und eilte hinab, um die Erste zu sein, die ihm die Nachricht von dem Vorgefallenen überbrachte.

Sie empfing ihren Geliebten an der Thüre. Aus ihren Augen flammte Helle Freude und ein Strahl überschwenglichen Glückes verklärte ihr liebliches Gesicht. Nie hatte er sie so gesehen, nie hatte sie ihn so freudig begrüßt.

Etwas überrascht fragte er nach der Ursache ihrer Erregung.

„Mein Vater ist hier!" antwortete sie einfach.

„Dein Vater ist hier?" wiederholte er freudig. „Mit seiner Rückkehr nach England hat er gewiß auch seine Ansicht in Betreff unserer Verbindung geändert."