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Mittwoch, den 4. Februar

1885.

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* DasBahnprojektFulda-Gersfeld.

Dem Abgeordnetenhause ist, wie schon gestern erwähnt, der Entwurf eines Gesetzes, betreff, die Beschaffung von Mitteln für die Erweiterung und Vervollständigung des Staatseisenbahnnetzes, zur Berathung vorgelegt worden.

Der auf den Bahnbau Fulda-Gersfeld bezügliche Theil der Motive lautet, wie folgt:

In dem längs der Eisenbahnlinie Bebra-Fulda- Elm belegenen Preußischen Theile des Rhöngebie- tes hat sich seit längerer Zeit ein Rückgang in den wirthschaftlichen Verhältnissen bemerkbar gemacht, der nicht nur in den erheblich verminderten Steuer« erträgniffen, sondern vornehmlick auch darin zu er­kennen ist, daß ein großer Theil der Bevölkerung seine Heimath theils dauernd aufgiebt, thsils während der Sommermonate in belebteren Industrie-Bezirken die Mittel zu seinem Unterhalte zu suchen genöthigt wird. Der Grund für diesen Rückgang ist nicht sowohl in den der Bodenkultur zum Theil aller­dings sehr ungünstigen klimatischen Verhältniflen der Rhön, als vielmehr darin zu suchen, daß Mangels geeigneter Verkehrsmittel eine nutz­bringende Verwerthung der Landesprodukte und erfolgreiche Gewerbthätigkeit unmöglich ist. In dem Bau der von Fulda nach Gersfeld projek- tirten Meliorationsbahn ist in Uebereinstimmung mit den Anträgen der Provinzialbchörden eine zur dauernden Besserung der wirtschaftlichen Zu- ■ ftänbe des Rchöngrbietes Preußischen Antheils de- fonders geeignetes Mittel erkannt worden.

Von der etwa 22,7 km. langen Bahn werden voraussichtlich belegen fein:

a) etwa 7,5 km im Kreise Fulda (614 qkm, 48,000 Einwohner),

b) der Rest mit ungefähr 15,2 km im Kreise Gersfeld (358 qkm, 22,000 Einwohner).

Das Verkehrgebiet der Bahn umfaßt etwa 240 qkm mit rund 14,000 Einwohnern, darunter die Städte Fulda und Gersfeld mit 11,500 und 1450 Einwohnern. Die Erwerbsthätigkeit der Rhönbe­wohner ist, abgesehen von dem Betrieb der vor­handenen Leinwebereien, Bleichereien und Holz­schnitzereien, vorzugsweise auf die Viehzucht hin­gewiesen, für welche in den Hochwiesen der Rhön mit deren vorzüglichem Futterbcstand die günstigsten Vorbedingungen vorhanden sind.

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Auf dunklen Wegen.

Roma» von 6. Wagner.

Ehe Mr. Dalton antworten konnte, trat Alexa vor.

„Ich beobachtete Sie, als Sie in der Gruft der Kapelle zu Mont Heron nach Ihren dort versteckten Diamanten sahen," erklärte sie. „Ich kann den Beamten die Stelle zeigen, wo sie liegen. Ich fand ein Stück von einer Uhrkette in der Ver­zierung der Bettstelle des ermordeten Marquis — da« andere haben Sie in Ihrem Juwelen­kästchen. Und wie wollen Sie den Eriverd Ihres Reichthum« erklären?"

Pierre Renard sprang rerzweiselt auf Alexa zu; aber in demselben Moment bemächtigten sich die Polizisten seiner und legten ihm Handschellen an.

„Es sind noch stärkere Beweise vorhanden," sagte Mr. Dalton. „Der Müller Jakob Gregg hat ein vollständiges Gcständniß abgelegt."

Ein Aechzen, wie das eines Sterbenden, kam von der Thür her. Alle wandten sich um und sahen Lord Montheron, todtenbleich, mit schrecklich verzerrtem Gesicht, halb ohnmächtig gegen den Thürpfosten gelehnt.

Der Boden in den Thalsohlen ist fruchtbar und läßt, namentlich im Kreise Fulda, einen intensiveren Betrieb der Landwirthschaft erwarten, sobald deren Erzeugniffe nach Herstellung der Bahnverbindung eine Erweiterung ihres Absatzgebietes erfahren werden. Die höher gelegenen Theile des zu er­schließenden Landestheiles erfordern, da dort außer wenigem Samenkorn nur Kartoffeln und Hafer gedeihen, die Einfuhr erheblicher Mengen von Roggen, Weizen und Hülsenfrüchten.

Von den Waldungen der Röhn wird die Bahn im Kreise Gersfeld ein gut bestandenes Areal von über 8000 ha, welches sich etwa je zur Hälfte im fiskalischen und im Privatbesitz befindet, dem Verkehr erschließen und auch minderwerthiges Holz exportfähig machen.

In bergbaulicher Beziehung bietet die Rhön Basalt und blauen Thon, sowie stellenweise auch Erze, Braunkohlen, Sand- und Kalksteine, deren Ausbeute unter den ungünstigen Kommunikations- Verhältnissen bisher nur in geringem Umfange möglich war.

Als? Ausfuhrartikel werden der neuen Bahn, abgesehen von den Produkten der bereits vor­handenen gewerblichen und industriellen Anlagen als: Bierbrauereien, Brennereien, Gerbereien, Cigarrenfabriken, Mahl-, Schneide- und Oelmühlen vorwiegend die Erzeugnisse der Viehzucht, Wiesen- und Waldkultur sowie des Bergbaues zufliehen, während die Einfuhr vornehmlick aus Getreide, Hülsenfrüchten, Hopfen, Malz, Mehl, Kolonial- und Manüfakturwaarett bestehen wird.

Die staatsseitig aufzuwendenden Baukosten der Bahn sind ausschließlich der zu 140000 Mark veranschlagten, von den Interessenten aufzubrin­genden Grunderwerbskosten auf 1 280 000 Mark, mithin 56 400 Mark pro Kilometer angenommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Februar.

* Die dritte Berathung des Etats im Reichs­tage soll am Freitag 6. Februar ihren Anfang nehmen; es wird dabei sofort zu erneuter Debatte bezw. Abstimmung über den vielbesprochenen Posten von 20,000 Mark für eine neue Direktor- stelle im Auswärtigen Amte kommen, auf deren Ausgang alle Welt gespannt ist.

„Was auch mein Loos sein mag, Sie werden es theilen, Mylord!" rief Pierre Renard. „Verhaften Sie auch ihn, Mr. Talton. Er ist eben so schuldig wie ich."

„Hier ist der Befehl, ihn zu verhaften," sagte Mr. Dalton, ein zweites Dokument entfaltend. Ergreift ihn!"

Aber Roland Jngestre, so lange als Lord Montheron bekannt, raffle sich plötzlich auf und riß sich von John Wilson los, der ihn schon er­griffen hatte, eilte die Treppe hinab und aus dem Hause. Er wurde verfolgt und flüchtete nach den Klippen. Ob er hoffte, nach dieser Richtung hin zu entkommen und den rechten Weg verfehlte, ober ob er beabsichtigte, seinem Leben auf diese Weise selbst ein Ende zu machen, läßt sich nicht sagen. Er stürzte in einen schmalen Felseneinschnitt und die hineinschlagenden Wogen schleuderten ihn mit furchtbarer Gewalt gegen die scharfen Klippen.

Mit lauten Verwünschungen folgten ihm seine Verfolger auf dem gefährlichen Felsenweg nach dem Meercsstrande. An ein Entkommen des Entflohenen war nicht zu denken. Er konnte seinem Schicksal nicht mehr entgehen. Die Belohnung, die auf das Haupt des Mörders des letzten Marquis von Mont Heron gesetzt war, spornte

* Den Meldungen verschiedener Blätter gegen­über, welche sich auf die Einbringung einer kirchen- politischen Vorlage beziehen, betont der.Reichs­bote' nochmals, daß seinen Informationen zufolge eine Vorlage für den preußischen Landtag längst fertig gestellt ist. Daß dieselbe binnen kurzer Frist eingebracht werden dürfte, gelte für mehr als wahrscheinlich.

* Die jährlich dem Abgeordnetenhause zugehende Nachweisung der in Folge des Sperrgesetzes eingestellten Leistungen aus Staatsmitteln für die katholische Kirche ist erschienen. Danach betrug der Bestand der aufgesammelten Gelder aus dem Rechnungsjahr 1882/83 14,427,786 M., dazu kamen an Neueinnahmen bis zum 14. Juni 1884 714,028 M., und zwar von den Regierungshaupt­kassen: Königsberg 53,070 M., Gumbinnen 352, Danzig 53,100, Marienwerder 5632, Köslin 1260, Posen 118,712, Bromberg 58,234, Münster 80,547, Minden 400, Wiesbaden 25,319, Kob­lenz 892, Düsseldorf 97,486, Köln 85,687, Trier 900, Aachen 95,636 und von der Bezirkshaupt, kasse Hannover 36,995 M., die Pfennigzahl nicht eingerechnet. Die Summe der Einnahmen des Fonds beziffert sich jetzt auf 15,141,825 M.

** Im preußischen Landtage wird die Ernen­nung des Dr. Schwenninger zum außerordentlichen Professor an der Berliner Universität voraussicht­lich eine lebhafte Erörterung Hervorrufen, da für das erst im Laufe des Semesters geschaffene Extra- orbinarimn für Dermatologie, dar bekanntlich Dr. Schwenninger inne hat, 39,000 Mark in den Äut« tusetat eingestellt sind. In der Regel erhalten außerordentliche Universitäts-Professoren in der ersten Zeit für ihre Thäligkeit kein Gehalt aus der Staats­kasse.

* Der Reichstag trat heute in die zweite Berathung des Postetats. Zu demselben beantragt der Abg. Lingens, unterstützt vom Centrum, eine Resolution, durch welche der Reichskanzler aufge­fordert wird, darauf Bedach^zu nehmen, daß an Sonn- und Festtagen nur Briefe, Postkarten und mittels Postdebits zu beziehende Zeitungen anzunehmen und zu bestellen, dagegen Waaren- proben, Drucksachen, Packele, Geld- und Werth­sendungen, insofern solche nicht als durch Eil­boten zu bestellende aufgegeben werden, vom Dienste auszuschließen seien. Staatssekretär Stephan erkennt die humane Tendenz der Resolution an,

Alle zu neuer Energie an, und mit erhöhtem Eifer folgten sie deshalb der Spur des Flüchtlings in die schauerliche Felsentiefe. Sie wollten ihr edles Wild nicht entfliehen lassen, mit dessen Ge­fangennahme sich das Geheirnniß des Dramas von Montheron enthüllen mußte.

57. Kapitel.

• Vereint.

Während die Polizisten an der Meeresküste dem Flüchtling nachforschten und nach langem vergeb­lichem Suchen endlich den entsetzlich entstellten Leichnam des Mannes auffanden, der so lange als Lord Monlheron gegolten und den jetzt solch' ein furchtbares Ende ereilt hatte, fand in dem Zimmer des Schlosses, wo sich soeben noch ein tief erschütterndes Schauspiel abgespielt hatte, eine rührende Scene statt.

Pierre Renard war von einigen Polizisten ab­geführt worben, und die beiden Gatten, die ein­ander so lange Jahre hindurch fern gewesen waren, standen sich schweigend gegenüber.

Mr. Dalton war der Erste, der die Stille unterbrach. Er reichte dem Lord die Hand, die dieser warm drückte.

„Seien Sie willkommen in der Heimath, Mylord," hob er an, „möge das Mißgeschick, das