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Fuldaer Zeitung.

Dienstag, den 3. Februar 1885.

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Deutsches Reich.

Berlin» 2. Februar.

** Heute (Mariä Lichtmeß) fiel die Plenarsitzung des Reichstags au8; morgen wird in die Be- rathung des Postetats eingetreten werden. Am Mittwoch hofft man die zweite Lesung des Etats zum Abschluß zu bringen. — In unterrichteten Kreisen wird mit Bestimmtheit versichert, daß es die Absicht des Reichskanzlers sei, die Session des Reichstages noch vor Ostern zu schließen. Außer dem Etat sollen nur die Dampfersubvention und die Novelle zum Zolltarif fertiggestellt werden; allenfalls noch die Ausdehnung der Unfallver­sicherung auf das Transportgewerbe. Alles Andere gilt für aufgegeben.

** Der Reichstag setzte am Samstag die erste Berathung der Unfallversicherung der land- und forstwirthschaftlicheu Arbeiter fort. Der Ent­wurf wurde an eine Kommission zur Vorberarhung überwiesen. Das Haus ging sodann zur Berathung der Denkschrift über die Ausführung des Sozia­listengesetzes über. Der Abgeordnete Singer brachte die willkürliche Handhabung dieses Gesetzes speziell in Berlin, die willkürliche Auflösungspraxis sozialdemokratischer Versammlungen, die Ausweisung des Stavlverordneten Ewald und zahlreiche andere Vorgänge zur Sprache, und verlangte schließlich Aushebung de« Belagerungszustandes. Minister v. Puttkamer erwidert, daß das Sozialistengesetz seine Zwecke vollständig erfüllt habe, dar beweise allein die Haltung der sozialdemokratischen Abge­ordneten vom Anfang der 70er Jahre und von heute. Die Sozialdemokraten sollten ihre revo­lutionären Utopien aufgeben, dann werde die Regierung in anderer Beziehung mit sich reden lassen. (Da können Sie lange warten, ruft Abg. v. Vollmar.) Es falle im schwer zu glauben, daß zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus kein Zusammenhang bestehe, wie die Sozialdemokraten versicherten, zumal doch Jeder wiffe, daß Beide die Kinder einer Mutter seien. Die Negierung könne der Spionagedienste nicht entrathen. Sodann brachte der Abg. Frohme das Verfahren der

Polizei in Altona gegen die dortigen Sozial­demokraten zur Sprache, wobei er es an Aus­fällen gegen die Polizei und die Regierung über­haupt nicht fehlen ließ. In wie weit die zahl­reichen vom Redner angeführten Klagen begründet sind, konnte der Minister v. Puttkamer nicht fest­stellen, der letztere warnte aber davor, die Polizei in dieser Weise anzugreifen, da der Frankfurter Mord eben auch nur das Endergebniß aller der­artigen Verdächtigungen sei. Damit war die Debatte in ihrem Brennpunkt angekommen. Herr v. Puttkamer verlas einen Artikel aus dem offiziellen Organ der Partei, dem Züricher „Sozialdemokrat", in welchem die Ermordung des Polizeiraths Rumpff als ein Akt „wilder Gerechtigkeit" bezeichnet und für den Mörder noch ein menschliches Interesse reklamirt wird. Der Minister klagte die Sozialdemokraten an, obwohl sie eine Verbindung mit den Anarchisten von sich wiesen, daß sie dennoch den Dolch mitgeschliffen hätten, unter dem Rumpff verblutet sei.

** Auf der Tagesordnung der Samstags-Sitzung des Herrenhauses stand u. A. auch die Be­rathung über die geschäftliche Behandlung des Ent­wurfs einer Kreis- und Provinzialord­nungin der P'kovinz Hessen-Nassau. Präsi­dent Herzog v. Ratibor schlug vor, die Vorlage an eine besondere Kommission von 12 Mitgliedern zu verweisen. Aus der Mitte des Hauses ward der Vorschlag gemacht, die um 5 Mitglieder zu verstärkende Gemeindekommission mit der Vorbe- rathung zu betrauen.. Der Vorschlag d-L Präsi­denten fand nach kurzer Debatte die Zustimmung der Majorität.

•• Die jüngste Sitzung der Dampfer kom- Mission, der es an heftigen Auseinandersetzungen wiederum nicht fehlte, nahm einen überraschenden Verlauf. Unterstaatssekretär Stephan bat, die afrikanische Linie ihrer kolonialpolitischen Bedeu­tung wegen zu bewilligen und erklärte, die Re­gierung wäre nicht abgeneigt, Rotterdam oder Antwerpen als Anlaufhafen aufzunehmen, nur nicht als bindende Klausel. Nachdem auf Antrag Rich­ters in dem Amendement des Centrums diese Be­dingung gestrichen war, wurde die australische Linie angenommen sowie die ostasiatische Linie. Der Ausschluß von Abgeordneten an einer subventio« nirten Gesellschaft wurde mit 11 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Vor Schluß der Abstimmung über das

ganze Gesetz erklärten die Konservativen und Na­tionalliberalen, dieser Rumpf sei für sie werthlos, worauf Richter antwortete: „Dahin wollten wir Sie gerade haben." In Folge jener Erklärung wurde das Gesetz mit 14 gegen 7 Stimmen a b- gelehnt. Für daffelbe stimmten 5 vom Centrum und 2 Sozialdemokraten, dagegen die Konservativen, Nationalliberalen, Freisinnigen und Graf Adelmann vom Centrum.

* Die Verhandlungen in der Kommission des Reichstages über das Postsparkassengesetz nehmen einen Verlauf, der deutlich beweist, daß die Vorlage nicht zu Stande kommen wird.

* Bei Gelegenheit der dritten Berathung des Etats des Reichs-Gefundheitsamts wird der frei­sinnige Abg. Dr. Greve die Reichsregierung über ihre Stellungnahme zurFeuerbestattung inter- pelliren.

* Die .Norddeutsche' Arm in Arm mit R ong e — ein Schauspiel für Götter! Der Held von anno 48, welcher von 1849 bis 61 aus dem Vaterlande vertrieben war wegen seines hochver« rätherischen Treibens, derselbe Johannes Ronge sitzt über die „jesuitische Kaplanmeute" zu Gericht, weil sie nicht mit in das Kanzlerhorn stößt, wie der offiziös-gouvernementale Mischmasch, sondern die verfassungsmäßigen Rechte des Volkes wahrt und die Kolonialpolitik ebenso streng prüft, wie alle anderen Fragen, die unser politisches Leben berühren. Mit wahrem Behagen druckt die .Nord­deutsche' die Lobrede nach, welche der ehemalige Rexslutionär ’:nb abtrünnige Priester <uf die Ko­lonialpolitik hält und in welcher er sich krampfhaft an den Rockschößen des Reichskanzlers hält. Daß die .Norddeutsche' sich an dem Demokraten Ronge ergötzt, wundert uns, sagt die ,Germ.', nach der von ihr beliebten Behandlung der Braunschweiger Erbfolge keineswegs. Sie gehören beide zusammen.

* Für die bei dem Erdbeben in Spanien Beschädigten ist von hier zum dritten Male die Summe von 40,000 Francs abgesandt worden.

* Aus dem Lande wird dem ,Naff. B.' ge­schrieben: Mit der größten Spannung sieht das katholische Volk der Neubesetzung des bischöf­lichen Stuhles entgegen. Bei dem Laien er­regt es einiges Befremden, daß manche Blätter den Schein annehmen, als seien sie über die ge­heimsten Berathungen des Bischöflichen Stuhles so gut informirt, während der ,Bote' über diesen

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xjlex«

oder

(Racher, »erb.)

Auf dunklen Wegen.

Roman von 6. Wagner.

Ein plötzlicher Gedanke durchzuckte sie.

„Sie werden nicht in dem Hause Deiner ge­schiedenen Frau nach Dir suchen, Vater," flüsterte sie. „Komm; ich will Dich dort verbergen, bi« die Verfolgung vorüber ist."

Sie eilte dem Hause zu und zog ihren Vater mit sich. Sie gingen durch eine Nebenthür und eine Nebentreppe hinauf. Vor ihrem Zimmer blieb sie stehen. Im nächsten Augenblick ging sie weiter, öffnete die Thür von Lady Wolga's Privat­zimmer und ließ ihren Vater hinein. Sie wußte, daß Felice unten war.

„Hier werden sie nicht nach Dir suchen!" sagte sie. „Ich werde zu Dir kommen, wenn die Ver­folger fort sind. Nun muß ich hinuntergehen, um sie von Deiner Spur abzuleiten."

Sie eilte hinaus in die Halle, wo sie Lady Markham vor der Thür begegnete. Einen Mo­ment schien ihr Herz still zu stehen; dann begab sie sich in das Gesellschaftszimmer, und die Freun­

din der Lady Wolga, strahlend vor triumphirender Freude, folgte ihr auf dem Fuße.

Lady Wolga war es noch nicht gelungen, sich dem Marquis zu entziehen, und Mr. Dalton mußte geduldig warten, ehe er zu der von der Lady gewünschten Privat-Unterredung vorgelaffen werden konnte.

Lord Montheron war inmitten einer leiden­schaftlich vorgetragencn Bitte um Einwilligung der Lady Wolga zu einer sofortigen Heirath unter­brochen worden durch die Anmeldung de« Pfarrers, und hatte dann d n verlorenen Faden nicht so recht wiederfinden können; doch war er entschlossen, das Haus nicht eher zu verlassen, als bis er seinen Zweck erreicht hatte. Kaum hatte er sich wieder in seine Rolle hineingeredet, als Alexa eintrat, die er mit Groll im Herzen und haßsprühenden Augen ansah.

Alexa setzte sich, nicht aber Lady Markham, die sich bis auf einige Schritte Lady Wolga näherte und dann mit der Miene einer strengen Anklägerin stehen blieb.

„Meine liebe Lady Wolga," sagte sie mit scharfer Stimme, „ich habe Ihnen etwas Beson­deres zu sagen. Ich habe eine schwere Beschul­digung gegen Miß Strange, Ihre Gesellschafterin

auszusprechen, oder vielmehr, ich wünsche sie zu entlarven, und ich werde es jetzt vor Ihnen und vor Ihrem Gaste thun."

„Laoy Markham!" rief Wolga streng.

„Ah, Sie glauben mir nicht? Nun, ich kann meine Worte beweisen!" rief Lady Markham, und in ihrer Stimme lag ein Gemisch von Stolz, Hohn und Triumph. „Ich kann Ihnen beweisen, daß sie eine Abenteuerin ist —"

„Lady Markham!" rief Wolga abermals in höchster Entrüstung.

„Ich bringe die Beweise für jedes meiner . Worte," fuhr die Anklägerin fort. „Sie hat ihren Geliebten in dieses Haus gebracht und in ihre Zimmer geführt, Lady Wolga! Er beschäftigt sich in diesem Augenblick jedenfalls damit, Ihre Juwelen zu stehlen. Das Mädchen ist die Ver­bündete eines Diebes!"

Ohne eine Antwort abzuwarten, zog sie heftig die Klingel und befahl dem eintretenden Diener, mit einigen anderen Männern leise hinaufzugehen und dieThüren zuLadyWolga's Gemächern zu bewachen.

„D s ist Alles falsch! Ich glaube kein Wort davon!" erklärte Lavy Wolga stolz. „Alexa, strafen Sie die Anklage der Lady Markham Lügen —"