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J\1 25. Sonnabend, den 31. Januar 1885.

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Zweites Blatt.

* Der Hausirhandel mit Obstbäumen.*)

Wir haben wohl schon öfters die Ueberzeugung gewonnen daß der Hausirhandel mit Obstbäumen den Obstbau ganz empfindlich schädigt. Wir glauben dieserhalb im Interesse der Landwirthe zu handeln, wenn wir die Nachtheile, die der ge­dachte Handel im Gefolge hat, einer kurzen Be­sprechung unterziehen. — Durch den Hausirhandel mit Obstbäumen wird erfahrungsgemäß meist nur schlechte Waare zum Verkaufe gebracht, der Händler will nämlich möglichst viel verdienen; dieser Zweck schließt aber von selbst aus, daß er gute Bäume einer renommirten Baumschule ent­nimmt, denn diese gute Waare ist ihm zu theuer, daran kann er nichts verdienen. Vielmehr sucht er sich seine Waare möglichst billig zu verschaffen. Zu diesem Ende kauft er den Ausschuß der Baum­schulen, nämlich solche Exemplare zusammen, die der Baumschulbesitzer unter seinem Namen nicht verkaufen will. Diese Bäume, im Wachsthum zurück­geblieben, verkrüppelt und vielfältig kränkelnd, haben für den Baumgärtner nur den Werth von Brennholz, und giebt er dieselben, falls ihm ein diesem Brennholzwerthe entsprechender Preis geboten wird, gern ab.

Andere Baumschulbesitzer ziehen die jungen Obstbäumchen nur zum Hausirhandel, dazu haben dieselben ihre Abnehmer. Die Gegend, wo diese Obstbäümchen gezogen werde«, ist warm und der Obstbaumzucht günstig. Der Boden ist einem Mistbeet-Boden zu vergleichen und enthält alle der Obstbaumzucht günstigen Nährstoffe, theils Stall- theils künstlichen Dünger. Zur Anzucht werden meist nur schnellwüchsige Obstsorten ge­nommen; diese kennen die Baumschulenbesitzer ganz genau. Bei der nun sehr guten Pflege die diesen jungen Bäumchen nun zu Theil wird, treiben dieselben wie Weideruthen.

*) Einer von Hrn. Wanderlehrer Fuchs in Neustadt verfaßten Broschüre „lieber die Nothwendizkeit der Anlegung von Kreisbaumschulen" auszugsweise entnommen.

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oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Aber sie darf nicht am Leben bleiben!" sprach der Marquis mit rauher Stimme. „Sie ist die rechtmäßige Eigenthümerin meiner Titel und Güter und kann jede Stunde den Besitz bean­spruchen. Sie muß sterben! Jetzt will auch ich ihren Tod!"

„Ja gewiß; aber es ist andere Arbeit da­zwischen gekommen," sagte Pierre kalt. „Ihr Vater ist hier; er hält sich in dem Altarversteck verborgen!"

„Tod und Teufel!"

„Und was das Schlimmste ist, er ist von Polizisten von London aus hierher verfolgt worden. Diese sind jetzt in der Kapelle und warten, bis er hervorkommt."

„Großer Gott!" stöhnte der Marquis.

„Er wird diese Nacht verhaftet werden," fuhr Renard ruhig fort. „Alles, was Sie thun können, ist, daß Sie ihre Kaltblütigkeit bewahren. Ehe Lady Wolga von seiner Anwesenheit hier eine Mittheilung erhält, sollten Sie ihr das bestimmte Versprechen abgewinnen, daß sie Sie heiräthen will. Ich rathe Ihnen, diesen Abend zu ihr zu gehen. Morgen wird der Telegraph die Nach-

An regelrechtes Zurückschneiden wird nicht gedacht, und schießen dieselben in 3—4 Jahren bis zu Manneshöhe und werden dann schon in den Handel gebracht, während in unseren Baumschulen die jungen Bäumchen nicht ruthenähnlich gezogen, son­dern, damit sie die rechte Stärke erlangen, nach dem Veredeln 3 bis 4 Jahre lang jedes Jahr regelrecht zurückgeschnitten werden und wenigstens 7 bis 8 Jahre gebrauchen, bis sie verpflanzt wer­den können.

Eine weitere Ausbeute bieten dem Händler dann die Wälder. Hier werden die Wildlinge, meist Stockausschläge, zusammengesucht und, wenn es thunlich, als veredelte Bäume in den Handel ge­bracht. Der einfachste oder doch der billigste Weg, in den Besitz seiner Geschäftsobjekte zu gelangen, ist für manche Händler der Diebstahl. Und that- sächlich soll dieser Weg häufiger beschritten werden, als man glauben möchte.

Fragen wir nun, welche Nachtheile hat der gedachte Handel mit Ob st bäumen im Gefolge.

In erster Linie wird der Ankäufer solcher Bäume empfindlich geschädigt. Wenn er dieselben auch anscheinend billig erwirbt, so sind fie doch viel zu theuer *angekauft. In weitaus den meisten -Fällen find die Bäume, wie schon gesagt, krank und im Wachsthume zurückgeblieben. Sie kränkeln auch fernerhin und stehen Jahre lang ehe sie tragen, wenn sie überhaupt zum Tragen kommen sollten. In vielem Fällen wachsen aber die Bäume aus leichr begreiflichen Ursachen gar nicht an, sondern werden dürr. Im anderen Falle sind die Bäume, weil sie zu schnell getrieben, gleichsam Mistbeet-Pflanzen zu vergleichen. In einer warmen Gegend und auf fetten Boden mit künstlichem Dünger getrieben kommen diese Bäume plötzlich in eine rauhere Gegend und auf ärmeren Boden. Was ist die Folge? Es entsteht Kern­säule, Brand, Krebs die Bäume kränkeln und in kurzer Zeit gibt es viele Leichen unter ihnen. Es ist dann nicht allein der Ankaufspreis des Baumes weggeworfen, sondern auch die Rente, die der Baum bringen sollte und unter andern Verhält- I nifsen gewähren würde, geht verloren. Dazu tritt '

richt von Lord Stratford's Verhaftung durch ganz England tragen."

Der Marquis saß wie erstarrt da.

„Sichern Sie sich Lady Wolga sogleich," drängte Renard. „Bestellen Sie den Wagen gleich nach dem Essen und fahren Sie zu ihr; das ist der beste Rath den ich Ihnen geben kann. Ich will dafür sorgen, daß das Mädchen Sie nicht beunruhigt oder gar Ihren Besitz der Mont- heron'schen Titel und Güter erschüttert, voraus- gesetzt, daß Sie mir für den Dienst bezahlen, was ich verlange."

Lord Montheron wischte sich den hervorbrechen­den Schweiß von der Stirn.

„Rette mich aus der drohenden Qual der Armuth und Verzweiflung, Renard!" rief er ächzend. „Stehe mir bei. Alles kommt auf Dich an, Pierre. Nur wenn Du das Mädchen bei Seite schaffst, kann ich wieder frei athmen!"

„Wohlan," sprach Pierre finster, „ich will den letzten Versuch wagen. Noch in dieser Nacht soll sie sterben — sie oder ich!"

56. Kapitel.

Die Entscheidung.

Als Lady Wolga Clyffe, begleitet von ihrer Freundin Lady Markham, und gefolgt von ihrem Mädchen Felice und einem Diener, vor das Por­tal von Clyffebourne fuhr, kam aus jedem Fenster ein Strom blendenden Lichtes, .und die Thüren waren weit geöffnet zum Willkommen.

noch der weit größere Nachtheil, daß der Land- wirth die Lust am Obstbaue verliert; weil ihm nämlich die wahren Ursachen seiner Mißerfolge verborgen bleiben, drängt sich ihm die Meinung auf, Boden und Klima eigneten sich nicht für den Obstbau und dieser sei in der Gegend unmöglich.

Der größte Nachtheil, den der Hausir­handel mit Obstbäumen nach sich zieht, besteht darin, daß er die Verallgemeinerung eines ren­tablen Obstbaues hemmt. Es wird heute wohl von Niemand mehr bestritten werden, daß sich der Obstbau in der Großkultur auch nur in dem Falle rentabel gestaltet, wenn nur einige we­nige für die Gegend paßende Sorten in Menge angepflanzt werden. Nun fragt aber der Händler eben nicht nach der Sorte. Er nimmt die Bäume, wo und wie er sie findet, wenn er sie nur billig bekommt. Vor dem Verkaufe versieht er sie dann einfach mit deni Namen jener Sorte, die man in der betreffenden Gegend zu kultioiren wünscht. Es liegt auf der Hand, daß hierdurch der Betrieb des Obstbaues auf das Empfindlichste ge­schädigt werden muß. Außerdem birgt dann der gedachte Handel noch die große Gefahr in sich, daß die Blutlaus, dieses für den Obstbau so ge­fährliche Insekt, in solche Gegenden übertragen werde, in denen dasselbe bis dahin noch nicht aufgetreten. (Fortsetzung folgt.)

Literarisches.

„Die Merowingerpfalz zu Kirchheim" (König Dagobert II.) Historisches Trauerspiel in fünf Akten von Albert Hügeli. Straßburg. Druck und Ver­lag von E. Bauer, Langstraße 101. Preis Mk. 1.50.

Eine gute Nachricht für die Gesellen- und Jüng­lingsvereine, die durch den auf dem Gebiete der Kunst längst rühmlich bekannten Verfasser eine neue Gabe erhal­ten. Das neue Theaterstück, das keine Frauenrolle enthält, spielt im Elsaß. Kirchheim, jetzt ein lieblicher Ort am Ab­hange des Scharrachberges mitten in einer herrlichen reich­gesegneten Gegend gelegen, war ehemals die Residenz der austrasier Könige, namentlich im 7. und 8. Jahrhundert. Dort wohnten einen großen Theil des Jahres die drei Da­goberte, deren Name im Andenken des Volkes noch nicht erloschen ist, sowie später noch einige Nachkommen Karls des Großen. Nicht weit von dort war das erste elsässische Männerkloster (Mauersmünster), sodann das erste heimath- liche Frauenkloster (Hohenburg, Odilienburg) erbaut wor-

Als sie in die Halle trat, sah sie sich nach Alexa um, und da sie dieselbe nicht erblickte, fragte sie, ob Miß Strange angekommen. Es wurde ihr ge­sagt, daß die junge Dame auf ihr Zimmer gegan­gen sei.

„Melden Sie ihr meine Ankunft," sagte Lady Wolga, „und sagen Sie ihr, daß ich sie um ihren Besuch in meinem Prioatzimmer bitte."

Sie ging hinauf in ihr Ankleidezimmer. Ihr Gepäck war schon vor ihr angekommen und Felice beschäftigte sich sogleich damit, einen Koffer auszu­packen und legte eine Gesellschaftsrobe für ihre Herrin heraus.

Lady Wolga war ungeduldig, ihre Gesellschaf­terin zu sehen und trat gerade in ihr Boudoir, als an die Thür geklopft wurde. Die Lady selbst öffnete die Thür, und Alexa trat ihr entgegen. Sie begrüßte das junge Mädchen herzlich, sie in ihre Arme schließend. Alexa's Herz schlug ungestüm und überströmende Liebe preßte ihr Thränen in die Augen, als ihr Kopf an der Brust ihrer Mutter ruhte. Sie schmiegte sich an die Lady mit leiden­schaftlicher Innigkeit, welche die Letztere überraschte.

Nach einer Weile entließ die Lady das Mädchen aus ihren Armen, indem sie sagte:

„Ich eilte auf Ihre Bitte hierher, Alexa, Ihr Brief war geheimnißvoll und ich habe mich seit Empfang deffelben sehr geängstigt. Ich dachte, daß Ihre Zeilen in irgend einßr Weise mit Ihrem Besuch in London zusammenhängen müßten, und