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jyg 25. Sonnabend, den 31. Januar 1885.

Mdm Zeitung.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — minder belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Erstes Blatt.

„Zur angeblichen Seelsorge-Noth" bringt die .Köln. Zeitung' einen Artikel, welcher, „um die Wahrheit zu zeigen und darzulegen, mit welchen Waffen die ultramontane Preffe kämpft und in welcher Weise dem Volke oder vielmehr den hohen Kreisen Sand in die Augen gestreut wird", feststellen will, wie die Verhältniffe in Wirklichkeit liegen. „Wir können," sagt die .Köln. Ztg.', „zahlenmäßig nachweisen, daß fast in sämmtlichen „vakanten" Pfarreien für die kirchlichen Bedürf- niffe auskömmlich Sorge getragen ist, und die Katholiken im Stande sind, fast ebenso wie bei „besetzter" Pfarrei ihre religiösen Pflichten zu er­füllen. Wenn in einigen wenigen „vakanten" Pfar­reien altern Datums ein Hilfsgeistlicher noch nicht vorhanden ist, so liegt die Schuld weder bei der Regierung noch bei der kirchlichen Behörde, son­dern vielmehr bei agitationsliebenden Geistlichen, welche die kirchlichen Gemeinde-Organe auffordern, bezw. zu überreden suchen, nur nicht für einen Hilfsgeistlichen (auch wenn der Hilfsgeistliche den gesetzlichen Vorschriften Genüge leistet) zu sorgen, da sie sonst mit der königlichen Regierung und mit dem Staatsanwalt in Streit kämen." Folgt dann das nachstehende „vergleichende Verzeichniß der An­zahl der sämmtlichen erledigten sowie der un­besetzten Pfarreien, in denen ein Hilfsgeist, kicher vorhanden ist, oder in welchen für die noch- wendige Seelsorge Sorge getragen worden ist.

Im Regierungsbezirk Aachen sind im Sinne des Ge­setzes erledigt 142 Pfarreien, von denen sind aber ander­weitig mit Seelsorger versehen 134, nämlich in den Krei­sen: Aachen-Stadt erledigt 5, versehen alle; Aachen-Land erledigt 17, versehen alle; Düren erledigt 25, versehen alle; Erkelenz erledigt 14, versehen alle; Eupen erledigt 3, versehen alle; Geilenkirchen erledigt 11, versehen alle; Heinsberg erledigt 17, versehen 16, unversehen 1; Jülich erledigt 21, versehen alle; Malmedy erledigt 14, versehen 10, unversehen 4; Montjoieerledigt 5, versehen 4, unver­sehen 1; Schleiden erledigt 10, versehen 8, unversehen 2. Von 142 erledigten Pfarreien im Regierungsbezirk Aachen find sonach nur 8 ohne Seelsorge. Der Kölnische Diöze- santheil des Regierungsbezirks K o b l e n z weist 7 erledigte Pfarreien auf, von denen 6 eine Seelsorge haben und eine ohne Seelsorge ist. Der Regierungsbezirk Düsseldorf hat 59 erledigte Pfarreien, die insgesammt Seelsorge haben; es sind in den Kreisen Crefeld 7, Düsieldorf 11, Elber­feld 1, Essen 3, Grevenbroich 12, M.-Gladbach 5, Duis­burg 1, Mettmann 2, Mors 1, Neuß 9, Solingen 7. Im Regierungsbezirk Köln sind 115 Pfarreien formell er-

125) | J || (Nachdr. verb.)

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Sie hat ihren Vater gewarnt," dachte Pierre Renard. „Ob sie ihn wohl gesehen hat? Wenn er sich auch diese Nacht noch hält, so werden wir ihn doch bald aushungern. Und haben wir ihn erst in Sicherheit, so werde ich der jungen Dame wieder etwas mehr Beachtung zuwenden. Dies­mal soll cl mir nicht wieder fehlschlagen!"

Die Polizisten machten sich den ganzen Tag über in den Ruinen, auf den Terrassen und im Park zu schaffen, mit Ausnahme einiger Stunden, während welcher sie Mr. Dalton einen Besuch abstatteten. Dieser legte ihnen Alles vor, was Alexa entdeckt hatte, und diese Thalsachen mit all' ihren möglichen Folgen wurden gründlich erörtert.

Ein Londoner Geheimpolizist und ein Constabler wachten die ganze Nacht hindurch, aber nicht« wurde von dem Flüchtling bemerkt. Bald nach Tagesanbruch gingen sie in's Schloß. Niemand dachte daran, daß Lord Stratford es wagen würde, beim Hellen Tageslicht sein Versteck zu verlaffen. Nach dem Frühstück ging der andere

ledigt, davonfhaben 111 Seelsorge; im Siegkreise sind von 14 erledigten Pfarreien 2 ohne Seelsorge, im Kreise Bonn von 15 erledigten 1. All» übrigen erledigten Pfarreien haben Seelsorger; es sind die Kreise Bergheim 17, Eus­kirchen 11, Köln-Stadt 10, Köln-Land 19, Mülheim 7, Rheinbach 16, Waldbröl 1, Wipperfürth 5. Nicht anders liegen die Verhältnisse in der Diözese Trier. Diese Zah­len strafen alle Behauptungen von der Seelsorge-Noth in den katholischen Landestheilen kurzweg Lügen.

Die .Kölnische Volkszeitung' erwidert* hierauf Folgendes:

Zunächst nimmt es sich recht eigenthümlich aus, daß die .Köln. Ztg.' gewiffermaßen mit der Ab­hülfe der Seelsorge-Noth „Staat" macht, soweit dieselbe durch die dritte kirchenpolitische Novelle vom Jahre 1883 (das sogen.Mainau-Gesetz) her­beigeführt worden ist; denn dieses Gesetz ist be­kanntermaßen gegen die ,Köln. Ztg.' und gegen die „politischen Freunde" der .Köln. Ztg.', die Nationalliberalen, zu Stande gekommen.

Daß das Mamau-Gesetz den Nothstand in der Seelsorge gemildert hat, ist von der „ultra- montanen Preffe" niemals geleugnet, vielmehr sehr oft unumwunden anerkannt worden. Das Centrum hat ja auch deshalb im Gegensätze zu den Natio­nalliberalen diesem Gesetze zu gestimmt. Dabei bleibt aber bestehen, daß die durch die Novelle von 1883 geschaffene Abhülfe eine ganz unzurei­chende und in keiner Weise geeignet ist, die preu­ßischen Katholiken zu befriedigen. Nehmen wir an, die von der.Köln. Ztg.' mitgetheilten Zahlen seien richtig, so ergeben dieselben doch in keiner Weise, daß in den ^glichen.Pfarreien eine genügende Seelsorge vorhanden ist, sondern nur,'" daß diese Pfarreien nicht ganz ohne Seelsorge sind. Die durch das Mainau-Gesetz geschaffene Abhülfe ist eben ein Nothbehelf, nichts mehr. Ganz ab­gesehen davon, daß die Hilfsseelsorger vor Behel­ligung durchaus nicht sicher sind — sie sollen ja so amtiren, daß die Annahme ausgeschlossen ist, sie wollten sich das vakante Amt aneignen — leuch­tet Jedem in kirchlichen Dingen einigermaßen Be­wanderten der große Unterschied zwischen einer ordnungsmäßig besetzten Pfarrstelle und einer bloß aushilfsweise wahrgenommenen Seel­sorge ein.

Die Katholiken Preußens werden sich mit letzter nie zufrieden geben. Die bloße Zumnthung dessen ist eine Beleidigung derselben und zugleich eine kulturkämpferische Unverschämtheit. Die preu­ßischen Katholiken besaßen ein wohlgeordnetes Kir-

Polizist mit Jean Renard in die Kapelle auf Posten.

Die Unterbrechung der Wache während zweier Stunden hatte Mr. Strange zum Ausbruch be­nutzt. Seine Lebensmittel waren aufgezehrt; der Mangel an frischer Luft und Bewegung lähmten feine Kräfte. Er konnte nicht warten, bis er Hungers sterben würde ober bis die Kapelle etwa gar niebergeriffen werben würbe. Er war sehr wachsam unb ersah genau ben Augenblick, als feine Feinbe sich entfernten. Die Gelegenheit be» nntzenb, verließ er fein Versteck unb schlich in bie Ruinen, wo er sich in einem engen Raum ver­barg, ber früher als Gefängniß gebient hatte. Träge schlich bie Zeit für ihn dahin. Jebe Stunde, jebe Minute schien ihm eine Ewigkeit.

Nicht weniger langsam verstrich für Alexa ber Tag. Am Mittag jeboch erhielt sie eine Nachricht, an bie sie neue Hoffnung knüpfte. Es war eine telegraphische Depesche bes Inhaltes, baß Laby Wolga Clyffe auf bem Wege nach Clyffebonrne sei unb bei Anbruch bes Abenbs bort ankommen werbe, wo sie Alexa erwartete.

Das Mädchen eilte zu MrS. Jngestre, ber sie ben Inhalt bes Briefes mittheilte. Die alte Dame war wahrhaft betrübt, ihren Gast zu ver-

chenwefen, ehe bie katholischen Lanbestheile an Preu­ßen kamen; bet status quo ante, ber vor ber Ein­verleibung bestanbene Rechtszustand, ist ihnen in ber feierlichsten Weise gewährleistet worben unb hat auch thatscichlich unangefochten lange Zeiträume hin­durch bestanden — und nun sollten sie sich darin finden, daß eine nichtkatholische Mehrheit, nachdem dieselbe den bestehenden Rechtszustanb über ben Haufen geworfen, sie mit einer kümmerlichen Noth- feelforge abspeise!

Der,Köln. Zeitung', welche mitten in einer vor­wiegend, katholischen Provinz bie Instinkte einer katholikenfeindüchen Politik vertritt, mag bas ge­nügen ; ober bie Katholiken werben hoffentlich nie so tief sinken, daß sie bei diesem Blatte sich Be­lehrung darüber holen, ob eine ausreichende Seel­sorge vorhanden sei oder nicht. Ganz in derselben Weise wie jetzt hat die .Köln. Ztg.' über „angeb­liche Seelsorge-Noth" auch schon gehöhnt, als das Mainau-Gesetz noch nicht vorhanden war. Einige unbewachte Augenblicke abgerechnet — wenn z. B. Proseffor Jürgen Bona Meyer zu Worte kommt — darf man sagen, daß ber .Köln. Ztg.' über­haupt nie zu wenig Seelsorge vorhanden'sein kann.

Die.Germania' schließt einen gleichzeitig publi- zirten Artikel ähnlichen Inhalts mit folgenden Wor­ten: Es steht fest, daß noch heute auch nicht ein­mal in Form der Hilfssee lsor ge die Seelsorge­stelle alle versehen werden können. Was wir im Allgemeinen für Preußen dargethan haben, daß in Folge des Kulturkampfes Hunderte von Prie­stern zur Besetzung der Stellen fehlen, unb wo« wir noch jüngst in Bezug auf einzelne Diö­zesen wieder ziffermäßig dargethan haben, wie weit die Zahl der gestorbenen Prstster in der Kul- lurkampszeit und, wenn auch in minderem Grade, jetzt noch stets die Zahl der geweihten Priester überragt — kann die .Köln. Ztg.' das bestreiten?

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Januar.

* Die in Aussicht genommene Vertagung des Reichstages wird kaum vor Mitte Februar statt­finden; man erwartet, die zweite Lesung der Dampfersubventions-Vorlage noch vor dieser Ver­tagung vornehmen zu können.

* In der gestrigen Sitzung der Kongo- Konferenz wurden alle Verhandlungen beendet. Am Dienstag findet die Schlußsitzung statt.

Heren, und bot alle ihre Überredungskunst auf, Alexa zum Bleiben zu bewegen; aber schließlich billigte sie ihren Entschluß.

Der Wagen wurde bestellt. Alexa nahm Ab­schied van Mrs. Matthews, beschenkte die Haus­mädchen und Diener reichlich und bestieg den Wagen, ber bie Winbungen des Schloßweges hinab- und dann auf dem Strandwege Clyffe- bourne zufuhr. Sie ahnte nicht, welch' erschüt­ternden Eceigniffen sie entgegeneilte.

Pierre Renard war Zeuge ihrer Abfahrt und sah ihr mit finstern Blicken nach.

Er hatte sie wieder und wieder zu verderben versucht, aber sie war ihm jedesmal entgangen, unb nun kam sie ganz aus seinem Bereich. Es schien ihm fast, als müffe eine höhere Hanb sie gegen feine Angriffe geschützt haben.

Er preßte feine Zähne fest aufeinanber unb schwur in seinem Herzen, daß er ihr dennoch ein sicheres Ende bereiten wolle.

Am Nachmittage erhielt Pierre ein Telegramm von seinem Herrn, welches ihm deffen Ankunft am Abend meldete.

Es wurde ein Wagen nach dem Bahnhof ge­schickt und Alles zum Empfarg des Schloßherrn vorbereitet.