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Mittwoch, den 28. Januar 1885.

Die Fuldaer Beitunfl' erscheint täqlidL Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — milDder belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg.. auswärts 1 Mk. 7b Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

»Meister Konrad."

Liebe Handwerker, schaut euch um, der Fuchs geht um!

Gegenwärtig wird in 100,000 Exemplaren die Probenummer von „Die Werkstatt. Meister Konrad's Wochenzeitung." verbreitet um zum Abonnement aufzufordern. Das Blatt wendet sich an alle Handwerker, Meister und Gesellen, denen es alles Mögliche für nur 60 Pfg. viertel­jährlich bieten will. Insbesondere will es die Interessen der Handwerker im öffentlichen Leben wahrnehmen. Dabei befolgt es aber, nach seiner Probenummer, eine ganze eigene Manier. Es verdächtigt Centrum und Deutsch-Konservative, welche bisher doch allein der Handwerker-Interessen sich nachdrücklich angenommen haben, und setzt den Reichstag herab, den einzigen Platz, wo überhaupt in offener und wirksamer Weise für Handwerks- Jntereflen gewirkt werden kann. Glücklicherweise ist diese Manier zu dumm. Man höre nur:

Der Meister Konrad hat entdeckt, daß im Reichstag vier Abgeordnete sitzen, die Handwerker sind, nämlich die Herren: Biehl der Gypser, Haberland der Maler, Metzner der Schornstein, feger und Hartwig der Maurer. Er fährt dann fort: Run will es dem Meister Konrad zwar gerade nicht besonders gefallen, daß nicht weniger als drei davon, nämlich die drei zuerst genannten, Centrumsleute sind. Der Sachse Hartwig wird vorläufig bei der deutsch-konservativen Partei hospitiren, wie sie in Berlin sagen, d. h. eine Zeit lang mit ihr gehen. Rur nicht zu lange, lieber Kollege, denn auch diese Leute gefallen mir nicht recht."

Warum denn nicht, lieber Meister Konrad? Einige Gründe könntest du doch wohl angeben. Welche Leute gefallen denn dem Handwerksmeister Konrad? Anscheinend nur die national-liberal, frei-konservativen Gentlemen und Großkapitalisien.

Noch dummer ist die Manier, wie Meister Konrad den Reichstag herunterputzt. Er schreibt nämlich: „Wenn fremde Völkerschaften, wie die Polen, Dänen, Welfen und Römlinge mit den Fortschrittlern und Sozialdemokraten sich zusammen- thun, so stimmen sie die Uebllgen nieder, und das nennen sie nachher einen — deutschen Reichstag! Bis jetzt hat diese Art deutscher Reichstag noch Nichts gethan, was für Meister Konrad besonderer

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oder

Auf dunkle» Wegen.

Roman von 6. Wagner.

„Ich gehe sogleich in mein Versteck zurück, Alexa," flüsterte ihr Vater. „Das Haurpersonal schläft und ebenso Dein Feind. Du hast diese Nacht nichts zu fürchten. Vergiß nicht, morgen früh an Lady Wolga zu schreiben und bei ihrer Ankunft nach Clyffebourne zu gehen."

Er hob seine Tochter durch die Fensteröffnung. Sie befand sich in dem Waschraum, aus dem sie in die Küche kam und aus dieser in einen Seiten- gang. Ihr Vater wartete fünf, zehn Minuten — eine Viertelstunde; aber kein Geräusch, kein Ruf ließ sich von innen vernehmen und Alexa kam nicht zurück.

„Sie ist sicher in ihr Zimmer gekommen," mur- melte er. „Diese Nacht kann ihr kein Leid ge­schehen. Der Elende glaubt sie tobt."

Er kehrte langsam, fast geräuschlos in der Rich­tung nach der Kapelle zurück. Die Thurmuhr ver­kündete die zweite Stunde, als er über den Schloß- Hof schritt.

Mittlerweile hatten Pierre und Jean Renard

Erwähnung werth wäre, wenn's nicht die Verhandlung wegen der Diäten der Abgeord­neten ist. Aber der Antrag hatte gar keinen Sinn, da der Kaiser und die deutschen Bundes­regierungen doch nicht darauf eingehen, wie sie es bisher nicht gethan haben."

In der That eine vorzügliche Weisheit! Wenn also der Reichstag wieder einmal einen Handwerk», freundlichen Antrag annimmt, welcher der Regie, rung nicht paßt, spricht Meister Konrad gleich auch wieder mit überlegener Miene: „Der An- trag yat gar keinen Sinn, da die Regierung doch nicht darauf eingeht!"

Die Schuld an solchen mittelparteilichen Thor- heilen trägt doch eigentlich derjenige Fonds, aus dem das viele Geld für die 100,000 Probe» Exemplare bestritten sein wird. Im Uebrigen ist „Meister Konrad" so unbedeutend und langweilig, daß wir uns wohl nur'dies eine Mal mit ihm zu beschäftigen brauchen. Je rascher er sein Bündel schnürt, desto besser für ihn.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Januar.

• Nach dem ,Berl. Tagebl.' soll der Kaiser die Todesurtheile gegen die im Leipziger Anar. chistenprozeß verurtheilten ReinSdorff und Genoffen bereits bestätigt haben.

* In dem zur Zeit dem Bundesrath vorliegen, den Nachtrags-Etat werden als weitere Kosten für Westafrika rund 250,000 M. gefordert. Diese Summe vertheilt sich auf Beamtengehälter (für den Gounernrvr vor, Kamerun und dessen Per- sonal) und auf Bauten. Darunter befindet sich auch eine Rate von 10,000 M. zum Bau eines Gefängnisses in Kamerun. Die ,Kreuz, zeitung' meint, daß dieses Gefängniß in erster Linie für die Schwarzen bestimmt sei, welche vor dem Eingesperrtwerden einen heillosen Respekt hätten und durch die Furcht vor dem Gefängniß am leichtesten in Raison zu halten wären. Die Arbeiter­presse befürchtet dagegen, daß sich hinter diesem Gefängniß-Budgetposten der Anfang der Ver- brecher-Kolonieen verstecke. Sie verweist darauf, daß im Budget-Ausschuß des Wiener Reichsrathes neuerdings die Errichtung von über­seeischen Verbrecher-Kolonieen unter speziellem Hin­weis auf die deutschen überseeischen Kolonieen angeregt worden sei.

auf der Terrasse und bei den Ruinen gelauert, in der Hoffnung, der Flüchtling werde sein Versteck wieder verlassen. Gegen ein Uhr wurde ihnen end­lich die Zeit lang, und Jean schlug den Rückweg in's Dorf vor. Pierre war damit einverstanden und begleitete seinen Bruder ein Stück Weges. Nachdem sie dann noch eine Weile am Ausgange aus dem Park geplaudert, hatten sie sich getrennt und Pierre war langsam nach dem Schlosse zurück­gekehrt. Als er die Terrasse erreichte, fiel es ihm ein, noch einmal einen Gang um die Ruinen zu machen.

Er kam in dem Augenblick auf dem Schloßhof an, als Alexa sich von ihrem Vater trennte, und als er in's Schloß wollte, sah er die Gestalt des Flüchtlings den Ruinen zuschleichen. Sogleich durch­drang ihn die Begierde, ihn zu ergreifen und am andern Morgen den Händen des Gerichtes zu über- liefern, damit er die ausgesetzte Belohnung erhalte. Er dachte nicht an die möglichen Folger, die sein Beginnen für ihn selbst haben konnten. Daß aus seinem Vorhaben für ihn selbst eine Gefahr er­wachsen konnte, kam ihm nicht in den Sinn. War nicht Lord Stratford Heron des Mordes an seinem Bruder schuldig befunden und verurtheilt worden? Es würde kein zweites Verhör stattfinden, sondern

* Der Vorstand des Fabrikanten-Vereins „Con­cordia" hat sich mit der Frage der Arbeiterschutz- Gesetzgebung befaßt. Selbstverständlich stellte man sich auf den Standpunkt der Nationalliberalen im Reichstage, d. h. man bezeichnete es als un­möglich , Schritte in der Richtung der im Reichs­tage gestellten Jnitiativ-Anträge zu thun, bevor die Verhältnisse „gründlich untersucht" seien. Der Enquete Vorschlag des nationalliberalen Abgeord­neten Buhl treffe das Richtige. Eine dahingehende Resolution soll der mit den Arbeiterschutzgesetz- Anträgen befaßten Reichstags-Kommission als Ma- terial überreicht werden.

♦* Der Reickstag setzte heute die zweite Be- rathung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern bei dem Titel, der von der Branntweinsteuer han­delt, fort. Der Abg. Buhl befürwortete seinen Antrag, die verbündeten Regierungen sollten dem Reichstag mit möglickster Beschleunigung einen Ge­setzentwurf über Erhöhung der Branntweinsteuer vorlegen, in welchem die Interessen besonders der kleinen landwirthschaftlichen Brennereien eine ent­sprechende Berücksichtigung fänden. Der Redner wies darauf hin, daß die meisten europäischen Staaten bei weitem höhere Erträge aus der Brannt- weinsteuer ziehen, als Deutschland und daß die Erhöhung der Branntweinsteuer das leichteste Mit­tel sei, um das Reichsdefizit zu beseitigen, zumal Norddeutschland den größten Branntweinkonsum ausweise. Der Abg. Ühden befürwortet den von ihm und seinen konservativen Freunden gestellten Antrag, die Stundungsfrist für Entrichtung der Branntweinsteuer von 6 auf 9 Monate zu erhöhen, mit dem Hinweis auf die Nothlage der Landwsi'th- schäft. Staatssekretär Burchard steht persönlich der Tendenz beider Anträge nicht unsympathisch gegenüber, kann aber über die Stellungnahme der verbündeten Regierungen noch keine Erklärung ab­geben. Abg. Fürst Hatzfeldt tritt dem Antrag Buhl bei, empfiehlt aber eine Fabrikat-Konsum­steuer, während Abg. Buhl und Minister Lucius sich sehr entschieden gegen die Einführung der Fabrikatsteuer aussprachen. Der letztere sagt sei­tens des Bundesraths ebenfalls eingehende Erwä­gung der Anregungen des Reichstages zu. Der Abg. v. Kardorff legte dar, daß die Nothläge der Brennerei-Industrie größer sei als die der Zucker-Industrie; bei der letzteren sei sie vor­übergehend, bei der ersteren aber dauernd. Durch

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ohne Weiteres das frühere Urtheil zur Ausführung kommen. Seine Rachsucht und sein Sicherheits­gefühl trieben ihn zu einer That, vor welcher er zu einer andern Zeit zurückgeschreckt sein würde. Er fühlte sich in jeder Beziehung als Herr der Situation.

Mr. Strange sah sich scharf um, als er sich den Ruinen näherte, aber die ihm rasch und leise folgende Gestalt entging seinen Blicken, auch hörte er nicht die schleichenden Tritte seines Feindes.

Als Mr. Strange die Thür erreicht hatte, sprang Renard mit einigen Sätzen vorwärts und stürzte sicha uf ibn. Mr. Strange war bestürzt und einen Augenblick herrschte Stille; dann aber erholte er sich und wehrte sich verzweiflungsvoll. Es entspann sich ein heftiger Kampf.

Mehrere Minuten hatte das Ringen gedauert, da versetzte Mr. Strange seinem Angreifer einen Schlag gegen die Stirn, daß er einige Schritte zurücktaumelte und betäubt niederstürzte. Diese Gelegenheit benutzend, eilte Mr. Strange in die Ruinen und schlug die Rich­tung nach der Kapelle ein. Renard, welcher sich rasch erholte, sprang ihm nach, und ehe der Fliehende sein sicheres Versteck erreicht halte, erschien der Verfolger an der Thür und sah ihn in dem liefern Dunkel des Kirchenstuhles verschwinden.