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1885.
Fuldm
Dienstag, den 27. Januar
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Im vorigen Quartal machte sich der Uebclstand geltend, daß die starke Nachfrage nach dem Roman „Alexa'- nicht mehr ganz befriedigt werden konnte. Da wir nun in nächster Zeit mit dem Abdruck eines höchst interessanten Romans aus der Pariser Gesellschaft beginnen werden, so wird es zweckmäßig sein, schon jetzt für die nächstfolgenden Monate zu abonniren.
-tt Dr. Windthorst und die.Norddeutsches (Schluß.)
Bemerkenswerth ist übrigens der Umstand, daß es nicht Dr. Windthorst, sondern der Vizepräsident des Reichstages. Freiherr v. Franckenstein, war, welcher bei der Berathung des Marine-Etats die Erklärung im Namen der Centrumspartei abgab. Das offiziöse Blatt hat gewiß seine guten Gründe, wenn es die Person dieses auch in Hof- kreisen in hoher Achtung stehenden Centrumsführers ganz aus dem Spiele läßt; solche Manöver beweisen aber am besten, wie unehrlich und niedrig die Motive eines Kampfes find, der unter gröblicher Verkennung tatsächlicher Umstände immer nur gegen dar Haupt des einen bestgehaßten Mannes feine Geschosse schleudert.
Wenn dies« Verleumdungssport noch einen ge- wisien Erfolg verspräche, dann könnte man ihn wenigstens verstehen. So aber scheinen uns die giftspeienden Windthorsthasser in ihrer Angstmeierei das verdienstliche Geschäft eines advocatus Windt- horstii zu betreiben. Je klarer ihr diabolischer Haß gegen den größten Ehrenmann und den unerschrockensten Kämpfer des Parlaments hervortritt, um so fester und begeisterter schließen sich um den Edlen die Schaaren seiner Getreuen, um so Heller und glänzenoer auch wird sein Name in der Geschichte dastehen als der eines Ritters ohne Furcht und Tadel. Das Gift besudelt nicht ihn, sondern spritzt auf die zurück, welche solch' ehrlose Waffen im politischen Kampfe gebrauchen zu dürfen glauben.
An seinem 73. Geburtstage hat die kaiholische Wählerschaft und die parlamentarische Partei dem
xAlera Wenb')
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von 6. Wagner.
„Vater, wohin Du gehst, gehe ich mit!" rief sie entschlossen, „ich werde Dich auf keinen Fall verlassen! Aber es wird nicht nöthig für Dich .sein, aus England zu fliehen. Des Himmels Barherzigkeit ist endlos. Du hast viele Jahre unter dem Drucke des an Dir begangenen Unrechtes gelitten, aber Deine Leiden werden bald vorüber sein. Bereits beginnt das Licht die Dunkelheit zu durchbrechen — das Licht Deiner bevorstehenden Rechtfertigung."
Mr. Strange taumelte zurück. Er hatte zu lange die schwerste Täuschung getragen, als daß er noch an eine ihm bevorstehende Freude glauben konnte.
„Ich bin überzeugt, daß Renard der Mörder meines Onkels ist," fuhr Alexa fort, ich habe Be- weife seiner Schuld gefunden.
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'^Beweise, die Mr. Dalton von Renard's Schuld und Deiner Unschuld überzeugt haben."
edlen Centrumsführer große und wahrhaft herzliche Ovationen bereitet, und Windthorst hat auf's Neue erfahren, daß das katholische Volk ihn wahrhaft liebt und verehrt, mehr denn je. Aber nicht bloß in katholischen Kreisen ehrt man den bewährten Centrumsführer. Auch in nichtkatholischen, in wahrhaft „liberalen" Kreisen weiß man die schamlosen Verunglimpfungen einer feilen Preßkohorte bestens zu würdigen. So schreibt die liberale .Berliner Volkszeitung-, auf welche auch die .Norddeutsche Allgem. Zeitung' sich bisweilen zu berufen pflegt, über Windthorst Folgendes:
„Dreiundsiebenzig Jahre ist er alt geworden, der große Centrumsmann, der kleine Windthorst, und hat die Genugthuung, an seinem Geburtstag, mehr als jemals im Mittel- punkt des öffentlichen Interesses zu stehen. Seit einiger Zeit lagert die ,Nordd. Allgem. Ztg.' Alles, was ihr an Zorn und Wuth, an Niedertracht und Bosheit zu Gebote steht, und ihr Vorrath ist wahrlich kein geringer, auf diesem ehrwürdigen Haupte ab. „Der Rest ist Schweigen", herrscht das unverantwortliche Organ des verantwortlichen Herrn Pindter den unermüdlichen Redner an unter Hinweis darauf, daß nach dem Ausspruch eines bekannten Mannes, der freilich weder Redakteur noch Fürstendiener war, die Nachwelt dem Mimen keine Kränze flicht, und daß die Wirkung auf die Gegenwart durch die immer deutlicher hervortretende Alters schwäche beeinträchtigt werde. Dadurch versetzt sich allerdings Herr Pindter in einen kleinen Widerspruch mit dem Herrn Reichskanzler, der erst neulich im Vergleich mit sich die Rüstigkeit des Herrn Windthorst benei- bete, und seine Stellung und Bedeutung als Redner, unter ausdrücklicher Betonung dieses Grundes, durch eine längere Erwiderung würdigte, die von der zur Verhandlung stehenden Sache etwa so weit ablag, wie Kamerun von Braunschweig. Und Windthorst's letzte Reden zeichneten sich gerade durch besondereSchärfe und Schneidigkeit aus, kein Diplom«- tisiren und Ausweichen, kein Verschleiern und Versteckspiel: weithin sicht- bar holte er aus und traf genau den Punkt, auf den er zielte. Die angebliche Abspannung der Muskeln hat wohl allein Herr Pindter be- merkt. Herr Windthorst hat also keinen äußeren
„Die Mr. Dalton überzeugt haben? Auch er glaubte mich schuldig und suchte mich zum Ge- ständniß zu bewegen. Und nun ist er von meiner Unschuld überzeugt. O, Gott sei Dank!" Er sank auf seine Knie und weinte, wie Alexa nie einen Mann hatte weinen sehen. „Nenne mir die Beweise Alexa," sagte er dann, nachdem er sich wieder gefaßt hatte.
Alexa erzählte von Renard's Besuch in der Gruft der Kapelle, wie sie ihn belauscht hatte und von den dort verborgenen Diamanten, welche, wie sie glaubte, zu der vermißten Juwelensammlung des ermordeten Marquis gehörten.
„Ein schwerwiegender Beweis gegen Renard," sagte Mr. Strange. „Und Du hast es Mr. Dalton erzählt? Du hast ihm doch Deinen Namen nicht verrathen, noch die Thatsache, daß ich noch am Leben bin?"
„Nein, Vater, ich habe mein Geheimniß streng bewahrt. Aber ich habe Dir noch mehr zu berichten. Das Gemach des ermordeten Marquis war seit der Untersuchung nie geöffnet worden. Ich veranlaßte Nirs. Jngestre, es für mich öffnen zu lassen, und ich besuchte es mit MrS. Jngestre, Mrs. Matthews und Mr. Puffet und fand in der Verzierung der Bettstelle ein Stück von einer
Grund, vom Schauplatz abzutreten, verspürt auch wahrscheinlich in seinem Innern nicht die geringste Neigung, sich durch die Citate der .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' beseitigen zu lassen. Auch er bleibt, wie ein braver Soldat, auf seinem Posten, und mit ungeminderter Begeisterung und straffster Disziplin folgt die Truppe dem kleinen Korporal, dessen parlamentarischesFeldherrngenie auch die Nachwelt anerkennen wird."
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Januar.
* * Der Kaiser gab 20,000 Frk«. für die Opfer des Erdbebens in Spanien. — Es haben zu gleichem Zwecke ferner gespendet: der König von Italien 30,000 Fr., der Kaiser von Oesterreich 20,000 Fr., der König von Portugal 100,000 Fr., England 175,000 Fr., Frankreich 60,000 Fr.
* Wie man der ,V. Z.' mittheilt, ist gestern die zweite Geldsendung in Höhe von 40,000 Fr. vom hiesigen Äomite zum Besten der Opfer der Erdbeben in Spanien nach Madrid abgegangen, so daß von hier allein schon 80,000 Fr. expedirt wurden.
* Das ,Berl. Tagebl.' bringt folgende Nachricht, die wir unter aller Reserve wiedergeben: „Von wohlinformirter Seite kommt uns die Nachricht, daß über den Frankfurter, Hanauer und O s f e n b a ch e r Rayon der kleine Belagerungszustand verhängt werden wird, und daß betreffs Offenbach freilich die Zustimmung der hessischen Regierung noch ausstehe."
* Die Congo-Konferenz verläuft sehr langsam, weil Portugal seine Ansprüche auf die Congo- mündung immer noch nicht fallen läßt und ohne dieses Zugeständniß der neue Congostaat lebens- unfähig ist. Zwangsmaßregeln gegen das kleine Königreich will man aber, wie es scheint, nicht anwenden.
* Der Reichstag setzte die zweite Berathung des Etats der Zölle und Berbrauchssteuern fort. Die Budgetkommission beantragte, die Einnahmen aus der Rübenzuckersteuer in der von der Regierung festgesetzten Höhe unverändert zu genehmigen. Die Debatte drehte sich lediglich um die Zucker- krisis und die Maßregeln zur Beseitigung derselben. Seitens des Bundesraths erklärten der
goldenen Uhrkette, welches offenbar dem Mörder in dem stattgehabten Kampfe entrissen wurde."
Sie erzählte dann von ihrem Besuch bei Lady Wolga in London, von ihrer Rückkehr und dem Auffinden der Kette, zu welcher das Stück ge- hörte, in dem Juwelenkästchen Renard's.
„Ein zweiter Beweis!" sagte Mr. Strange, weniger ruhig als zuvor. „Und auch das hast Du Mr. Dalton erzählt?"
„Ja, Vater. Aber es kommt noch mehr."
Sie erzählte von ihrem Besuch bei dem Müller Gregg, von der Rettung seines Kindes und ihrer schließlichen Unterredung mit ihm.
Mr. Sttange's Erregung stieg bei jedem ihrer Worte.
„Mr. Dalton hat einen Geimpolizisten zur Beobachtung Renard's kommen lassen," fuhr Alexa fort, „und dieser ist nun im Schloß als Heizer. Auch der Müller wird von einem Geheimpolizisten beobachtet. Diese Männer befinden sich in einem Netz, welches sich immer enger um sie schließt. Die Wahrheit wird bald an's Licht kommen, Vater!"
„Und wenn dies geschieht, verdanke ich Drr Alle», auch mein Leben!" rief Mr. Strange, sie umarmend. „Aber dennoch," fuhr er finster fort,