1885.
Montag, den 26. Januar
Fuldaer
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-rr Dr. Windthorft und die,Norddeutsches
In letzter Zeit häuften sich die Angriffe der ,Nordd. Allgemeinen- auf den CentrumSführer in so ungewöhnlichem Maße, daß man aus dieser fortwährenden Kriegsbereitschaft des dem Kanzler willenlos ergebenen Blattes intereffante Rückschlüsse ziehen kann auf die hohe politische Bedeutung und Wichtigkeit, welche man momentan dem Centrum und seinem Führer beimißt. Windthorft hat in Amberg nicht mit Unrecht gesagt, daß er stets besorge, auf verkehrtem Wege zu sein, wenn die Gegner ihn umschmeicheln und ihr Geschimpfe einstellen. Darnach beurtheilt, befindet sich Windthorft mit seiner Partei augenblicklich auf dem richtigsten Wege. Und das ist auch in der That der Fall. Die Centrumspartei ist der Ansicht, daß die Kolonialpolitik heute bereits den Rahmen verlaffen hat, den der Reichskanzler im letzten Sommer derselben vorgezeichnet und innerhalb deffen auch unsere Partei ihre Zustimmung zur Kolonialpolitik erklärt hat. Deshalb fordert die Partei durch ihre Führer bündige Aufklärung über die Tragweite und Ziele dieser Politik, und da man ihr solche brüsk verweigert, so hält sie es für ihre Pflicht, immer und immer auf jeden Schritt der Kolonialpolitik zu achten und scharf zu sehen, wohin sie den Fuß setzt. Diese strenge Pflichterfüllung war es auch, welche bei der Berathung des Marineetats die Redner des Centrum«, Frhr. v. Frankenstein und Dr. Windthorft zu der Erkürung veranlaßte, daß das Centrum die jetzt schon enormen Mehlforderungen des Marineetats bewillige, ohne sich dadurch irgendwie für die in Dunkel gehüllten nächsten Ziele der Kolonialpolitik zu engagiren, und für ungewisse und unbekannte Dinge eine Verantwortung zu übernehmen. Ganz mit Recht erklärte Windthorft:
„Es lag in der Erklärung, die Herr v. F ran- ckenstein namens der Centrumspartei abgegeben hat, durchaus gar nichts, was die Kolonisation im Allgemeinen verneint; es lag gar nicht» darin, was uns in der Hinsicht in Konflikt brachte mit den Anschauungen des Volke». Wir sagen aber: es ist uns nicht gesagt, in welchem Rahmen sich die Kolonialpolitik bewegen soll, und für unbestimmte Zwecke geben wir kein Geld. Unsere Steuerzahler und unsere Wähler müssen e» bezahlen.
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Auf dunklen Wegen.
Roman »on 6. Wagner.
„Ich denke, ich habe nur einige leichte Verletzungen erhalten," sagte sie. „Ich erinnere mich nun Alles. Es stürzte mich Jemand den Felsen hinab. Ich dachte, daß ich sicher sterben würde. Wie rettetest Du mich? Fast könnte ich glauben ich wäre tobt, und wir wären in einer andern Welt," und wieder blickte sie verwunverr um sich.
Sie lag auf einem Lager weicher Matratzen und Decken. Rings um sie waren kahle Wände, ohne Fenster und ohne sichtbare O-ffnung, welche den Zutritt ftischer Luft gestattet hätte. Der kleine Raum wurde durch eine an der Wand hängende Laterne erhellt. Eine roh gearbeitete Holzbank, ein eben solcher Tisch und ein Lehnstuhl bildeten das ganze Mobilar des offenbar unter- irdischen Gemaches. Ein paar an der Wand angebrachte Börter waren mit Lebensmitteln aller Art angefüllt.
Alexa betrachtete all' diese Sachen und richtete dann ihren Blick auf ihren Vater.
Sein edle» Gesicht war abgezehrt und kummer-
Die Herren, die im Lande so besonders bemüht sind, die Kolonisationsfrage aufzubauschen zu allerlei Zwecken, insbesondere auch zu Wahlzwecken, diese Herren wollen sich nur vergegenwärtigen, daß diesem augenblicklichen Enthusiasmus gegenüber, soweit er existirt — mir ist er gar nicht in der Weise bekannt, wie die Herren ihn gehört haben, aber ich höre wahrscheinlich nicht gut — wir eine sehr einfache und nüchterne Antwort geben könnten, wenn es etwa zur Erörterung über diesen Punkt käme. Sie würde lauten: So viel Millionen mehr müffen gezahlt werden, und diese Millionen können wir nicht aufbringen gegenüber den Verhältniffen, wie sie heute bestehen." Und das deutsche Volk wird diese Antwort schon verstehen, und die Steuerzahler ganz gewiß. (Sehr richtig! im Centrum.) Ich wiederhole, was ich oft gesagt habe, eine verständige maßvolle Kolonisationspolitik werden auch wir unterstützen, aber ein unbestimmtes Etwas unterstützen wir nicht, selbst wenn es der Herr Reichskanzler trägt; und ich habe darüber mein Bedauern ausgesprochen, daß man einem Reichstag, der selbst bestimmend und mit eigener Würde und mit Verstand vorgehen will, zumuthet, in's Blinde hinein solche Verantwortlichkeit zu übernehmen und solche Bewilligungen zu machen." (Bravo! im Centrum.) Diese durchaus würdige und angemessene Sprache beliebt nun das norddeutsche offiziöse Schimpfblatt als „Klopffechterei" zu bezeichnen, und Herr Windthorft treibt nach ihm jetzt dem Reichskanzler gegenüber das Geschäft eines advocatus diaboli geradezu systematisch. Und dann heißt es, Bismarck bliebe jetzt den Verhandlungen fern, weil er nicht den Glauben erwecken wolle, daß die Gegnerschaft des Centrums eine ehrlich gemeinte sei u. s. w. Den letzten Satz glaubt das Blatt wohl selbst nicht, im Gege> therl leuchtet fast aus jeder Zeile der neuesten lächerlichen Windthorst-Schimpfereien der Aerger darüber hervor, daß das Centrum gar zu fest und konsequent ist, daß es zu unerbittlich auf dem verfaffungsmäßigen Rechte der Volksvertretung besteht, alle Maßnahmen der Negierung zu prüfen und bei einer Politik von so weittragender Bedeutung für die Macht und selbst für die Existenz des "Reiches sich die ungeschmälerte Mitwirkung zu wahren. (Schluß folgt.)
voll in seinem Ausdruck. Er schien in letzterer Zeit mit Entbehrungen gekämpft zu haben und erschöpft von vieler Aufregung zu sein. Seine Augen, blau wie Saphir, waren tief eingesunken, und auf seinem Gesicht lagen Furchen, die sie nie vorher gesehen.
Sie hörte aufmerksam zu, während er ihr erzählte, wie er sie gerettet hatte. Sie machte einen Versuch, sich zu erheben, sank aber zurück, schwach wie ein Kind; ihr Kopf glühte und ihr zarter Körper zitterte.
„Wo sind wir?" fragte sie.
„In dem Altar-Versteck," antwortete ihr Vater. „Ich brachte Dich hierher, da ich nicht wußte, wohin ich Dich sonst bringen sollte. Ich habe mich schon seit vierzehn Tagen hier verborgen gehalten. Liege still, Alexa! Es befindet sich eine kleine Wunde an Deinem Kopfe, die ich verbinden muß."
Er brachte kaltes Waffer, wusch die Wunde ab und verband sie dann mit einem Taschentuch. Als dies geschehen, ging er zu einem Bört, schenkte ein Glas Wein ein und brachte es Alexa, die es mit Behagen austrank und sich darnach gestärkt fühlte. Sie war noch nicht im Stande aufzu- stehen, und lag ruhig auf ihrem Lager, die
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Januar.
* Den Postsparkassen ist im Reichstage schon vor ihrer Geburt das Todtenglöcklein geläutet worden und der Herr Staatssekretär aller Poften gerieth darüber so in Harnisch, daß er mit dem Abgeordneten Windthorft einen Strauß nach dem berühmten Muster auszusechten begann, wobei ihm indeß leider bald der Athem ausging und, wie ganz auf entgegengesetztem Standpunkte stehende Blätter z. B. der .Franks. Beob.- bemerken. die kleine Perle von Meppen triumphirte. Herr Stephan sagte, daß dieses Stück Arbeit, das ihm sauer geworden sei, sein Beitrag zur „Sozial- reform" habe werden sollen, daß er den Arbeitern damit eine Wohltbat erweisen wollte und nun finde es im Reichstage eine solche Aufnahme! Das ist allerdings recht unangenehm, so meint das Frankfurter Blatt, aber ein „Entrüstungssturm" wird darüber aus dem doppelten Grunde nicht losgelaffen werden, weil erstens Herr Dr. Stephan kein Bismarck ist, der mit seinen „So- ziatreformen" alle Gemüther aufzuregen vermag, und zweitens die Postsparkassen bei uns mit der Schnelligkeit der berühmten Postschnecke angerückt kamen und sich so um 30 Jahre verspätet haben. Vor einem Menschenalter noch, als das Sparkaffenwesen in Deutschland nicht die hohe Stufe der Entwicklung erreicht hatte, die es jetzt besitzt, würden die Post- sparkaffen als eine segensreiche Neuerung allseitig begrüßt worden sein; beute sind sie Senf nach der Mahlzeit und ein sehr überflüssiges Stück „Sorialreform". Sparkassen gibt es heute genug in deutschen Landen und es ist, wie die Mehrzahl der betr. Redner mit Recht bemerkte, gar kein stichhaltiger Grund vorhanden, das Sparkaffenwesen in die Postuniform zu stecken, videlicet zu „verstaatlichen". Mag nun auch dem Herrn Staatssekretär der Posten dieses Stück Arbeit sauer geworden s-in, die Kommission von 21 Mitgliedern, in der es jetzt sich ausruht, wird lich die Arbeit um so leichter mache n und dem Kind die Ruhe gönnen, bis alle Welt die Postsparkaffen vergessen hat. Die gute Lehre aber ist daraus zu ziehen, daß man mit „Sozialreformen" sparsam sein, wenigstens das Wort nicht allzuoft gebrauchen solle.
* Das Gerücht bestätigt sich, daß der gegen- Augen voll Zärtlichkeit und Liebe auf ihren Vater gerichtet.
„Wenn Du mich nicht gesunden hättest, Vater," sagte sie plötzlich, „würde ich beim Erwachen von dem schützenden Vorsprung hinabgestürzt sein in's sichere Verderben. Der Mann, welcher mich hinabschleuderte, muß Pierre Renard gewesen fein."
„Er war es!"
„Wie seltsam, daß Du meinen Schrei hörtest und kamst, um mich zu retten."
„Ich habe die Terasse jede Nacht besucht in der Hoffnung, Dich zu sehen, Alexa. Manchmal kam ich früher und manchmal später, aber ich konnte Deiner nicht habhaft werden bis heute Abend. Ich begann schon zu fürchten, Du hättest das Schloß verlassen."
„Ich war drei Tage abwesend auf einer Reise nach London mit Mrs. Jngestre. Aber sage mir, Vater, woher hast Du das Lager und alle die Lebensmittel?"
„In einer Nacht verschaffte ich mir Eintritt in das Schloß durch ein zufällig nicht geschlossenes Fenster. Ich schlich mich in ein Fremdenzimmer und holte mir die Decke und bei einem zweiten Gange in derselben Nacht die Matratzen. In der