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JV 19.

Sonnabend, den 24. Januar

1885.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Zeitung' von allen Postanstalten, Landbricfboten und für Fulda von der Expedition zum Preise von Mark 1.— (ohne Bestellgeld) angenommen.

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Im vorigen Quartal machte sich der Uebelstand geltend, daß die starke Nachfrage nach dem Roman „Alexa" nicht mehr ganz befriedigt werden konnte. Da wir nun in nächster Zeit mit dem Abdruck eines höchst interessanten Romans aus der Pariser Gesellschaft beginnen werden, so wird es zweckmäßig sein, schon jetzt für die nächstfolgenden Monate zu abonniren.

Wahrer und falscherPatriotismus.

* lieber diesen Gegenstand hielt der Docent der Rechtsphilosophie an der Berliner Universität, Pro­fessor A. Lass on, jüngst eine sehr zeitgemäße Be­trachtung. Sie ist um so bemerkenswerther, weil Laffon's Gesinnung das Gegentheil von „ultramon­tan" ist. Er sagte: Am meisten müsse man da auf seiner Hut sein, wo der Stolz edler Ge­sinnung sich aufdringlich in demonstrativer Weise in den Vordergrund schiebe. Widerwärtig sei ins­besondere der Vorwurf unpatriotischer Gesinnung, den die eine politische Partei gegen die andere er­hebe. In folgenden Worten läßt der Verfaffer den „Ultramontanen" Gerechtigkeit widerfahren: „So ist es schon eine Ungerechtigkeit, den Klerikalen als solchen eine unpatriotische Gesinnung vorzuwerfen. Es mag vielleicht vorkommen, daß einzelne, daß viele päpstlich Gesinnte in dem Eifer, die hierarchischen Interessen ihrer Kirche wahrzunehmen, gegen die Interessen des Vaterlandes mehr oder minder in- bifferent, ja sehr kühl sich verhalten; aber das dürfte man doch keineswegs von der Partei als solcher als selbstverständlich aussagen. Es wird sicher in den meisten Fällen in der Partei die Mei­nung vorherrschen, daß Ordnung, Friede, Sittlich­keit am sichersten dadurch gewahrt sei, daß die hierarchische Form der Kirche in möglichster Frei­heit sich entfalten und die Gemüther sich unter» thänig machen könne. Man wird freilich anneh­men dürfen, daß die Klerikalen mit der Thatsache des deutschen Reiches noch nicht ganz ausgesöhnt sind (?), und daß sie statt zunehmender Einigung zwischen den verbündeten Gliedern des Reiches ein lockeres Verhältniß zwischen ihnen lieber sehen wür­

den (?). Aber gleichwohl darf man sich nicht er­lauben, das praktische Streben, diesen partikula- ristischen Neigungen in den Institutionen des Rei­ches Ausdruck zu verschaffen, ohne weiteres für unpatriotisch zu erklären. „Mit Recht wird es ferner verurtheilt, wenn Vertreter der Jntereffen einzelner Stände sich gegenseitig unpatriotischer Gesinnung bezichtigen. Die Parteien müssen sich gegenseitig achten lernen und vergiftete Waffen ver­schmähen. Die politische Tüchtigkeit eines Vol­kes wird sich gerade danach bemeffen lassen, ob in der Hitze des Kampfes dem Gegner die redliche Absicht zuerkannt bleibt, nach seiner Weise am Wohl des Ganzen bauen zu helfen. Ein krank­hafter Pseudo-Patriotismus habe sich wei­ter Kreise in Deutschland bemächtigt. Die selt­samsten Purzelbäume könne man heutzutage diesen selbstgewissen Patriotismus schlagen sehen, sobald von „Kolonieen" und „Kolonisation" die Rede sei. In der plötzlich aufgeloderten Begeisterung stecke ein gut Theil Chauvinismus. „Für echte Vaterlandsliebe, liest man, bleibt es ein Gegen­stand der ernstesten Ueberlegung, ob es unserm mit natürlichen Hilfsmitteln spärlich be­dachten, feindlichen Angriffen ringsum ausgesetzten Lande heilsam sein kann, sich ausdrücklich neue Stellen zu schaffen, an denen es verwundbar ist. Ein schwindelhafter Chauvinismus setzt sich über alle solche Uederlegungen leichtfertig hinweg, und indem er sich der Illusion hingibt, wir tonn­ten Alles auf einmal, .-auck die Meere mit unserer Flotte beherrschen und im Handumdrehen große Reiche in fremden Welttheilen gründen — wenn es dann nicht anders fein kann mit Hilfe von Grofchenfammlungen — verhöhnt er diejenigen, die Bedenken hegen, als unpatriotische, selbstsüch­tige und vaterlandslose Leute.

Ganz daffelbe hat am 10. d. im Reichstag der Abgeordnete Windthorst gesagt. Aber was fruchten solche Worte Leuten gegenüber, denen diese Frage vorwiegend Agitationsmittel für ihre poli­tischen und persönlichen Nebenzwecke ist? —

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Januar.

♦♦ Der Reichstag setzte heute die zweite Etatsberathung fort. Zu dem Etat des Reichs- amts des Innern beantragt die Kommission nun­mehr den vollen Betrag von 150,000 M. zur

Erforschung Afrikas zu bewilligen, nachdem sie ursprünglich bekanntlich die Summe 50,000 Mk. davon abzufetzen beschlossen hatte. Der Abg. Rickert kam bei dieser Gelegenheit auf den „Ent- rüstungs"-Schwindel zurück, der im Aus­lande speziell in Spanien, ein ganz verkehrtes Bild über den deutschen Reichst ag hervorgerufen habe. Damit war das Zeichen zu einer ebenso heftigen wie langen Auseinandersetzung zwischen der Rechten und Linken über den Beschluß vom 15. Dezember gegeben. Die Konservativen und Nationalliberalen wollten nun natürlich an der Entrüstungsbewegung ganz unschuldig sein, die Abgg. Helldoiff, v. Maltzahn und Buhl wurden indeß eines Besseren belehrt. Speziell wies der Abgeordnete Richter auf das Treiben der ,Köln. Zeitung' hin, die sich am 15. Dezember Abends aus Paris melden ließ, auf den Boulevards freue man sich über die Ablehnung des neuen Direktors im Auswärtigen Amt, während daran bekanntlich kein wahres Wort war. Schließlich nahm auch der Abg. Windthorst des Wort zu dem „Ent- rüstungs"-Schwindel und gab seiner Uederzeugung dahin Ausdruck, daß die Bewegung künstlich von den Konservativen und Nationalliberalen ange­blasen worden, denn wenn sie aufrichtig wäre, könnte die Regierung ja den Reichstag mit Hoff­nung auf Erfolg auflösen. Redner charakterisirte unter stürmischen Beifall des Centrums und der Linken die Bewegung als einen Versuch, das Volk reß hie geordnete Vertretung desselben auf­zuhetzen, als ein Verbrechen' gegen d.n Nerchsrag und als revolutionäres Beginnen. Er werde seinen Beschluß vom 15. Dezember erneuern. Die geforderten 150,000 Mk. wurden schließlich gegen die Stimmen des Centrums und einiger Freisinniger bewilligt. Der Ecat des Reichstags und speziell die Position betr. die Freifahrts­karten wurde debattenlos erledigt. Eine längere Debatte entwickelte sich beim Etat des Reichseisen­bahnamtes über das Vorgehen der preußischen Eisenbahnverwaltung gegen die hessische Lud- wigsbahn. Abg. Racks führte darüber Be­schwerde. Geh Ober-Reg.-Rath K ö r t e entgegnete, daß das Reichsamt nicht kompetent sei und nahm den preußischen Eisenbahnminister gegen den Vor­wurf in Schutz, daß er Gewalt vor Recht gehen laffe. Abg. Schrader schloß aus der Ange­legenheit, daß eine reichsgesetzliche Regelung des

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ober

Auf dunkle« Wegen.

Roman von 6. Wagner.

Mr. Strange antwortete nicht, sondern eilte rasch davon. Jean verließ das Fenster und kam eine Minute später an eine offene Thür; aber doch zu spät, denn Mr. Strange war inzwischen mit seiner Bürde verschwunden.

„Pierre!" rief Jean leise. „Bist Du es, Bruder? Pierre?"

Aber es erfolgte keine Antwort. Er ging die Ruinen entlang bis zu der Thür der Kapelle, die feinem Wege nach dieser Richtung hin ein Ziel setzte. Er rief den Namen feines Bruders wieder­holt, erst leise, dann lauter und in gereiztem Tone.

Einige Minuten später wurde sein Rufen von Pierre Renard beantwortet, welcher wie ein Schatten sich den Ruinen näherte.

„Bist Du es Jean?" flüsterte er. „Was machst Du da für einen unsinnigen Lärm?"

„Warum hast Du mir nicht gleich geantwortet?" entgegnete Jean ärgerlich. „Ich habe feit zwei Stunden hier auf Dich gewartet. Du sagtest mir, ich sollte jede Nacht in den Ruinen sein —"

„Ich sagte in der Nähe."

„Du sagtest in den Ruinen. Ich habe ge- wartet und gewartet und Du treibst Deinen Spott mit mir, Renard. Warum antwortetest Du mir nicht, als ich vor einer Viertelstunde zu Dir sprach? Warum verschwandest Du so

plötzlich?"

„Ich war nicht hier. Ich komme eben von der Terrasse herüber."

„Ich weiß es bester, verstelle Dich nur nicht. Ich habe Dich gesehen, schleichend und geheimniß- voll, wie immer, und Du verschwandest, als wärest Du plötzlich von der Erde weggeweht —"

„Zum Teufel!" rief Renard erregt, „Du hast den Vogel gesehen, dem wir nachstellen? Du hast zu ihm gesprochen?"

„Ich rief ihn an!"

„Und hast somit verrathen, daß ich in der Nahe bin und ihn gewarnt, auf seiner Hut zu sein. Du bist mir ein schlauer Spion, Jean Renard! Er hält sich in den Ruinen verborgen und wir müffen ihn finden. Wir müffen ihn diese Nacht fangen."

Sie ahnten nicht, daß sie belauscht wurden. John Wilson war nahe genug, daß er jedes Wort ihres leisen Geflüsters verstehen konnte. Er fragte sich, was es für ein Vogel sei, dem Pierre Renard

„nachstellte". Es schien ihm, als sei er in ein ganzer Netz von Geheimnissen gerathen, und fein Eifer trieb ihn, jedes einzelne zu erforschen.

„Wenn unser Wild in den Ruinen ist," sagte Jean Renard finster, „wird es herauskommen, um das Mädchen zu sprechen. Wir werden also besser thun, auf ihn zu warten, bis er herauskommt, als daß wir nach ih.n suchen."

„Hältst Du mich für einen Irrsinnigen?" fragte Pierre in demselben Flüsterton und fügte noch lei­ser hinzu: „Das Mädchen ist tobt!"

„Todt?" wiederholte Jean.

Wilson erschrak, und vor Schreck wäre ihm bei­nahe ein Schrei entschlüpft.

„Ja, tobt!" erklärte Pierre. „Hältst Du mich für einen Narren, baß ich ein fo gefährliches Ge­schöpf leben lassen könnte, bannt es mich oerberben kann? Meinst Du, daß sie mir immer und immer wieder entgehen würde? Ein zartes Mädchen wie sie, ist, bei all' ihrer Schlauheit, einem Feinde, wie ich bin, nicht gewachsen. Jetzt ist sie tobt und liegt am Fuße des Felsens zerschmettert. Alexa ist aus dem Wege. Und nun kommt ihr Vater an die Reihe!"

Die Brüder gingen nach dem Schloßhof zurück. Jean bezeichnete die Stelle, wo er Mr. Strange