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1885

Donnerstag, den 22. Januar

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Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne uu> Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Zentrum und Sozial-Demokratie.

(Aus der Rede des Abg. v. Schorlemer-Alst in der Reichs­tags-Sitzung vom 15. Januar.)

(Schluß.)

Der Eindruck der Wirkungen des Gesetzes, wenn man sich zugleich dabei die Vorgänge bei den Wahlen vergegen­wärtigt, ist ein tief demoralisirender gewesen. Das Sozialisten-Gesetz, gegen welches ich immer gestimmt habe, ist nicht aufrecht zu erhalten. Es geht nicht, daß man hier und auch in der national­liberalen Presse — ich erinnere an die .Kölnische Zeitung' — eine doppelte Sprache führt. So lange es sich um die Verlängerung des Sozialisten-Gesetzes handelte, da sagte man: das ist die verwerflichste, revolutionärste Partei; der Unterschied zwischen Sozial-Demokraten und Anarchisten ist ein reiner Opportunitätsstreit, und wer gegen die Ver­längerung des Gesetzes stimmte, war unbedingt ein Vater» landsverräther. Bei den Wahlen haben wir erleben müssen, daß Regierungsbeamte, die konservative und die liberale Partei mit den Sozial-Demokraten Wahlbündnisse abge­schlossen haben (Bewegung), daß die .Kölnische Zeitung' bei der Stichwahl offen erklärte; nein, das sind jetzt liebe Ar­beiter, das sind ganz gemüthliche Menschen; und sie kam sogar zu dem wunderbar logischen Schluß: Die Partei ist eine andere geworden, weil sie viel zahlreicher geworden ist. (Heiterkeit.) Es geht auch nicht, daß man ihnen ent­gegenkommende Erklärungen macht, und anderseits das Sozialisten-Gesetz verlängert und Stadtverordnete ausweist, daß man strenge Untersuchungen anstellen läßt in der ganzen Armee nach sozialistischen Verbindungen. (Hört! Hört!) Das sind Widersprüche, die der Sozial-Demokratie eine ganz gefährliche Waffe in die Hand geben. (Sehr richtig! bei den Sozial-Demokraten.) Wenn man einer­seits sie unter das Ausnahme-Gesetz stellt, und sie ander­seits umworben und umschmeichelt werden: ja, das fordert mit Recht den Hohn dieser ganzen Partei heraus. (Sehr richtig! bei den Sozial-Demokraten.) Run muß ich sagen, daß die Herren der sozialdemokratischen Partei im Ganzen alledem gegenüber sehr selbstbewußt unb fest waren; sie haben gesagt: wie sind dieselben, und die Antwort, die sie z. B. in Köln gaben, war geradezu eine niederschmet­ternde. Rur muß ich einer Bemerkung begegnen, die aus sozial-demokratischen Kreisen wiederholt hier gemacht ist: wir, die Sozial-Demokraten, sind allein di« Vertreter der Arbeiter. Das ist nicht richtig — der Zahl nach nicht richtig; Millionen Arbeiter folgen Ihnen noch nicht, und ich hoffe, man wird es auch verhindern können, daß sie Ihnen folgen. Es ist aber auch historisch nicht richtig. Vor Marx und Lassalle — und selbst wenn Sie noch auf Baboeuf zurückgehen — haben schon Andere der bedrückten Arbeiter sich angenommen, und ich kann auf das Hinweisen, was in der Beziehung die Kirche stets für die Arbeiter gethan hat; und eine Leistung wie der Gesellenverein oder das „Arbeiterwohl" habe ich in der That noch nicht von Ihnen gesehen. (Sehr wahr! im Centrum.) Wenn Sie gejagt haben: wir haben wenigstens die Sache in Fluß gebracht; die Furcht vor uns führte zu der sozialen Reform (Sehr richtig! bei den Sozial Demokraten), so ist das auch nicht richtig; denn es ist schon früher und auch von uns auf diese Reform hingedrängt worden. Was

xältia »der Auf dunklen Wegen. Roman von 6. Wagner.

_ „Miß Strange?" fragte Mr». Matthews lächelnd. „O nein, gewiß nicht. Sie ist als Gast bei Mr«. Jngestre; sie hat das Geheimniß ganz aus eigenem Antriebe ausgenommen und bringt die Wahrheit an's Licht, obwohl sie keiner­lei persönliches Jntereffe an der Sache hat."

John Wilson dachte anders. Es stand bei ihm unumstößlich fest, daß Miß Strange ein sehr großes persönliches Jntereffe an der Rechtfertigung Lord Stratford Heron'» habe, und er nahm sich vor, bte Natur dieses Interesses kennen zu lernen.

Mrs. Matthews gab die Geschichte von der »Erscheinung des Geistes" auf der Terraffe zum Besten, die sie von einem Mädchen gehört hatte. John Wilson horchte gespannt zu. Alexa erschrak. Dar angebliche Gespenst mußte ihr Vater sein, sicher auf der Terraffe ihrer wartete. Sie be­schloß, diesen Abend länger als sonst draußen zu bleiben, und dann würde sie ihn gewiß sehen, boffte sie; denn höchst wahrscheinlich hielt er sich

meine Freund« und ich — ich glaube, noch viele im Hause — in Bezug auf diese Frage thun, das thun wir aus Pflichtgefühl, weil wir nach unserm religiösen Standpunkt uns dazu verpflichtet halten, die traurige Lage der Arbeiter zu verbessern. Wenn auch kein einziger Sozial-Demokrat in Deutschland wäre, so würde ich mich zu derselben Thätigkeit im Jntereffe der Arbeiter verpflichtet halten wie jetzt. (Sehr gut! im Centrum.) Wer es wohl mit den Arbeitern meint, müßte jeden Parteistandpunkt und Parteihader bei Seite laffen. Die Lage der Arbeiter ist viel zu traurig, als daß man sie zum Konkurrenzspiel ausnutzen dürfte. (Sehr gut! im Centrum.) Nun muß ich noch auf den tiefgehenden Unterschied kommen zwischen uns und der sozial-demokratischen Partei; wir wollen die Lage der Arbeiter verbessern, die Auswüchse mit fester Hand beseitigen, aber unter Aufrechterhaltung des Grund­satzes, daß nach dem Gottes-Gesetz das Eigenthum unan­tastbar ist und seine jetzige Vertheilung eine rechtliche. (Sehr richtig! im Centrum.) Das ist die Grenze, die wir nicht überschreiten können und wollen. Sie aber, die Herren von der Sozial-Demokratie, wenn Sie Ihre Pläne ver­wirklichen wollen — Sie können diese Grenze nicht ein­halten, Sie können nicht vor dem Eigenthum stehen bleiben. Ich erkenne nun an, daß uns von dem Abg. Bebel gesagt worden ist, daß die Anträge, die Sie bringen würden, sich auf dem Boden der jetzigen bürgerlichen Ordnung bewegen. Aber das ist doch auch Ihrerseits nur zu be­trachten als Etappe auf dem Wege, den Sie weiter gehen wollen. (Sehr richtig! bei den Sozial-Demokraten.) Die Herren von der Sozial-Demokratie sind dieselben und müssen es bleiben (Sehr richtig!); denn wenn Sie selbst zurückweichen wollten, so würden die Massen, welche hinter Ihnen stehen, auf die Versprechungen, die Sie ihnen ge­macht haben, Sie exekutiren. Nun aber mögen Sie in der Sozial-Demokratie — sei es in der mildern Form der Lassalle'schen Produktiv-Affociation oder nach dem Gothaer Programm Ihre Grundsätze durchführen: zwei Dinge haben keinen Platz darin, das Königthum nicht und das Eigen­thum nicht! Sie sind Republikaner und müssen es sein. Sie, werden es auch gar nicht leugnen. (Zuruf: Nein!) Sie wollen die Verwandlung der Arbeitsmittel in das Gemeingut der Gesellschaft, das heißt: allen Gliedern der Gesellschaft gehören alle Arbeitsprodukte bei allgemeiner Arbeitspflicht nach gleichem Recht. Dabei ist kein Eigen­thum möglich! (Zuruf: Kein Kapital!) Nein, Sie müssen auch das kleinste Eigenthum konfisziren. (Widerspruch) - Sie wollen doch die ländlichen Produktiv-Affociationen? (Gewiß!) Sie müssen dann das Eigenthum, sogar auch das kleinste, konfisziren bis zur Droschke und Handkarre, bis zum Pflug und Spaten des Landmannes, ebenso wie die Nähnadel des Schneiders, sonst können Sie Ihre Grundsätze nicht konsequent durchführen. Das Bild, welches Sie den Nichtbesitzenden oder Minderbesitzenden vorhalten, hat ja ungemein viel Verlockendes, und namentlich auch die Kritik ist Ihre Stärke. Pber in der Ausführung Ihres Programms, wofür ich allerdings noch keinen Ansatz sehe (Zuruf links: So weit sind wir noch nicht!), da liegt Ihre Schwäche. Wenn Sie an den kleinen Besitz kommen werden in Stadt und Land — und daran müssen Sie kommen — sind Sie sterblich, oder vielmehr dann wird eine große Sterblichkeit einreißen. (Sehr wahr! im Centrum.)

in der Nähe des Schlosses auf. Ihre Beforgniß und Ungewißheit in Betreff feines Schicksales waren mit einem Male gehoben.

Wilson bei Mrs. Matthews zurücklaflend, be­gab sie sich wieder zu Mrs Jngestre, bei der sie den Tag zubrachte.

Der neue Heizer trat sogleich sein Amt an und verwaltete es mit großer Geschicklichkeit und Ge­nauigkeit. Als Pierre Renard zu einer späten Stunde de» Nachmittags in sein Zimmer kam, fand er Wilson mit dem Aufschüren des Feuers und Abfegen des Herde« beschäftigt. Er musterte den Mann mißtrauisch vom Kopfe bis zum Fuße.

„Wer seid Ihr?" fragte er barsch.

„Der neue Heizer, mit Verlaub, Sir," ant­wortete Wilson, mit scheinbarer Demuth vor dem Kammerdiener.

„Wo ist der andere Heizer?" fragte Pierre weiter.

„Er ist nach Hause gereist, wegen Krankheit oder au» einer anderen Ursache, Sir."

„Ihr seid nicht au» Cornwallis," bemerkte Renard. „Das höre ich an Eurer Sprache. Ich würde Euch für einen geborneu Londoner halten."

„Viele halten mich für einen Londoner, Sir, und Sie haben Recht," erwiderte Wilson mit ein­

Herr Bebel sagte uns im vorigen Jahre: Thun Sie mit Ihren Bauern-Vereinen u. s. w. für die Bauern, was Sie wollen; sie gehören uns doch. Ich sage Ja und Nein. „Ja", wenn dasjenige nicht geschieht was nothwendig ist, um den kleinen Grundbesitz zu schützen, daß er durch die immer wachsende Steuer- und Schulden-Last und durch die Konkurrenz des Auslandes aus seinem Eigenthum zuletzt expropriirt wird. (Sehr gut! im Centrum.) Wenn aber das geschieht, was geschehen muß, dann werden Sie gerade an dem ländlichen Grundbesitz den schärfsten Wider­stand finden. Wenn Sie heute alles Eigenthum beseitigt haben, so bin ich überzeugt, daß nach wenigen Jahren es wieder Eigenthümer geben wird, und zwar arme und reiche. (Sehr richtig!) Ich will nicht das Bild der Welt von Ruinen entrollen, welche Sie aufhäufen werden. Aber eines möchte ich Ihnen sagen: die Ausführung Ihres Pro­gramms setzt Engel voraus, aber keine Menschen mit ihren verschiedenen Anlagen, körperlichen und geistigen mit ihrer verschiedenen Arbeitslust und Arbeitskraft, mit ihren Leiden­schaften und mit ihrem Ehrgeiz. (Sehr wahr! im Centrum.) Hinter Ihnen stehen bereits die Anarchisten, und wenn die Sozial-Demokratie Recht hat, warum sollen die Anar­chisten nicht auch Recht haben? (Sehr gut! im Centrum.) An dem Tage — der kommt auch für die Sozial- Demokratie — wo Sie nicht mehr umstürzen und nicht mehr stürmen können, sondern wo Sie anfangen müssen, aufzubauen, zu ordnen, zu regieren und zu strafen, an dem Tage tritt für Sie die Gefahr ein — ich weiß nicht, ob Sie da noch am Leben fein werden - ; aber ich fürchte dann für Ihre Köpfe. Die Revolution, welche Sie machen, wird Sie verschlingen, wie alle Revolutionen ihre Häupter verschlungen haben. (Sehr wahr.) Aber die Katastrophe wird eine furchtbare fein, und ich halte die Gefahr für (roß; ich halte auch die Gefahr der Weiterverbreitung der ozial-demokratischen Lehre für sehr groß, wie ja auch nicht zu leugnen ist, daß sie an Zahl der Mitglieder ge­winnt. Sie zählen 6- bis 700,000 Sozial-Demokraten, vielleicht heute schon eine Million, und das sind keine politischen Doktrinaire, keine gemüthlichen Philister, die hinter dem Glase'Bier etwas raisonniren^ nein, sie ge­hören meisk^zu" der Düngern Generation; es sind that- kräftige junge Leute, die jeden Augenblick bereit sind, wenn es sein muß und sein soll, für ihre Zwecke ihr Leben einzufetzen. Ich kann mich auch der Befürchtung nicht verschließen, daß die Sozial-Demokratie in die Armee ein- dringen wird, wenn sie nicht schon in dieselbe eingedrungen ist; ziffermäßig muß schon ein erheblicher Prozentsatz in der Armee gedient haben, oder augenblicklich dienen, ober noch in dieselbe eingestellt werden. (Sehr richtig!) Und wie entwickelt sich eine Umwälzung? Einfach auf diesem Wege: zuerst machen diejenigen, welche sich denselben Grundsätzen anschließen, geheim oder offen ihre Agi­tation und Organisation; ihnen schließen sich diejenigen an, welche überhaupt mit ihrer Lage unzufrieden sind und denken: nun mit der Umwälzung wird es auch für uns beffer werden; diese brauchen keine sozialdemokratischen An­sichten zu haben, sie gehen mit, und ihrer gibt es heute schon viele. Und endlich, im letzten Augenblick, kommt das große Korps der Hasenherzen, die sich in die Bewegung hineinstürzen, weil sie denken, vielleicht retten wir noch etwas, wenigstens das nackte Leben. Dann ist die Revo-

fältigem Lächeln. „Ich bin aus London, Sir. Aber die Menschen werden umhergeworfen, und in jetziger Zeit ist ein hübscher Platz auf dem Lande bester, als in London nichts zu thun haben."

Renard fand zwar nichts Verdächtige» an Wilson, aber er entließ ihn doch mit dem Vorsatz, gelegentlich mehr über ihn zu erfahren, besonder» aber, wie er nach Mont Heron gekommen war.

Alexa verbrachte den Abend bei Mr». Jngestre. Um zehn Uhr aber zog sie sich in ihr eigene» Gemach zurück. Hier hüllte sie sich in einen warmen Mantel und eilte die Treppe hinunter in's Freie.

So leise und geräuschlos auch ihre Bewegungen gewesen waren, Renard waren sie nicht entgangen. Er hatte seine eigenen Gedanken über die Geister­erscheinung und rechnete sicher darauf, daß Alexa diesem „Geist" einen Besuch abstatten werde. Als er nun seine Voraussetzung erfüllt sah, verließ auch er da» Haus und schlich dem Mädchen nach.

Die Nacht war finster. Nur der Wind wehte kalt von der See herüber und die Wogen schlugen tosend an den nackten Felsen. Alexa schritt auf der oberen Terraste dahin und sah nach den Fen­stern de» Schlofle».