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Sonnabend, den 17. Januar

1885.

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Aus dem Verein für Naturkunde.

Fulda, 14. Jan. 1885.

7^ In der Sitzung des Vereins für Natur­kunde vom 12. d. M. sprach zunächst Herr Dr. Melchior über die fortschreitende flennt« niß von der Gestalt undGröße derErde. Au« diesem Vorträge dürfte da» Nachstehende von allgemeinerem Jnteresie sein.

So lange die Länderkenntniß der alten Griechen sich nicht viel über die Gebiete hinauserstreckte, die da» Mittelmeer umsäumen, war ihnen dieses Meer mit seinen flüstenländern und seiner Insel­welt gleichsam da» Centrum des Weltalls. Einige gaben dem Ganzen eine scheibenförmige, andere eine walzenförmige Gestalt. Wer zuerst die Kugel­gestalt der Erde behauptete, läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben; zu Aristoteles' Zeit war diese Ansicht die herrschende geworden. Aristo- tele« selbst giebt mehrere triftige Gründe an, weshalb die Erde diese Gestalt haben müffs; er wie» z. B. auf die immer kreisrunde Gestalt des Erdschattens bei Mondfinsterniflen hin. Er giebt auch die Länge des Erdumfanges an, doch fast doppelt so groß, als es sein müßte. Aus der Be­obachtung eine» Sterne» an zwei auf demselben Meridian der Erde liegenden Orten findet Era- tosthenes (geb. 276 v. Chr.) als Umfang der Erde 250000 Stadien, eine Länge, die man wegen der uns nicht genau bekannten Länge des Stadiums ungefähr gleich 6250 geogr. Meilen setzen kann. Nach derselben Methode wurden später noch andere Meffungen ausgeführt, unter welchen die des Kalifen Abdallah al Mamun (827) die bedeutendste ist. Aber auch bei dieser Messung sind uns die dabei benutzten Längenmaße unbekannt. Die erste Messung der Länge eines Breitengrade» in einem uns bekannten Längenmaß,

1*3) | । (Nichdr. »erb.)

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman »on 6. Wagner.

„Es ist mir schon von Andern gesagt worden, daß ich etwas Aehnlichkeit mit Lord Stratford Heron habe," entgegnete Alexa, ruhig und froh, daß er die Anregung zu einer Unterhaltung über den Gegenstand, mit welchem sie mit ihm zu sprechen wünschte, gab. „Es heißt, daß er der Mörder des letzten Marquis war; ist es nicht so?" und ihre furchtlosen Augen waren forschend auf den Müller gerichtet.

„Es heißt so?" stammelte Jacob Gregg, die Farbe wechselnd. „Nein, er war der Mörder."

„Glauben Sie wirklich, daß Lord Stratford Heron seinen Bruder mordete?" fragte das Mädchen, die Augen noch immer fest auf ihn gerichtet.

Der Müller wurde todtenbleich unter des Mäd­chen« scharfem Blick und der kühnen Frage. Seine plötzliche Unruhe und das Zucken seiner Augen überzeugten Alexa, daß er mehr über das Mantheron- drama wußte, als irgend Jemand ahnte.

„Das ist eine seltsame Frage, Miß," sagte er, sich zu einem Lächeln zwingend. „Jedermann glaubt e«, und warum sollte ich etwas Anderes glauben?"

„Ich hatte gehött, daß Sie zur Zeit des Mor­de» Gärtner auf dem Schlosse waren," sagte Alexa, »unb daß Sie in der Nacht, als das Verbrechen

der Toise, rührt von Jean Ferne! her (1525); freilich ist die Messung insofern ungenau, als er die benutzte Strecke Paris-Amiens nach der An­zahl der Umläufe, welche die Räder seines Wa­gens machten, berechnete. Im Jahre 1615 trat nun ein Mann auf» dessen Messung epochemachend zu nennen ist, und dessen Methode heute noch al« die zuverlässigste anerkannt und ausgeführt wird; dieser Mann war Snell, Professor der Mathe­matik in Leyden, seine Methode, die der Triangu­lation. Nach dieser Methode sind nun alle folgen­den, sich mehr und mehr wiederholenden Grad« Messungen vorgenommen worden. Alle diese Meffungen wurden nun freilich unter der Voraus­setzung vorgenommen, daß die Erde eine Kugel fei. Da zeigten die Physiker Huyghens und Newton, daß die Erde infolge ihrer Rotation an den Polen abgeplattet und an dem Aequator aufgeschwollen sein müffe. Zu derselben Zeit fanden die Franzosen bei Ausführung der großen, unter Ludwig XIV. vorgenommenen, durch ganz Frankreich hindurchgehenden Gradmessung eine Verschiedenheit der Gradlängen; man fand die nördlichen Breitengrade kleiner als die südlichen, was für die Erde ein an den Polen verlängertes Sphäroid ergab. Dieses Resultat erregte insofern großes Aufsehen, als e» in offenem Widerspruch mit der Theorie von Huyghens und Newton stand. Daraus entwickelte sich ein Federkrieg zwischen den Franzosen und Engländern. Obgleich nun die Franzosen infolge zweier weiterer, von ihnen jetzt unternommenen Gradmeffungen, die eine in Quito, die andere in Lappland, behufs Entscheidung dieser wichtigen Frage selbst ihr Unrecht einsehen mußten, so gebührt ihnen dennoch der Ruhm, eine Ent- scheidung von so hoher wissenschaftlicher Bedeutung herbeigeführt zu haben. Seit dieser Zeit sind von verschiedenen Staaten Gradmeffungen ausgeführt worden, von denen die bekannteste die französische ist, welche in die Jahre 1792 — 1799 fällt, und welche die Länge der lOOOOOOOten Theil» de« Erdquadranten als Längenmaßeinheit (Meter) lieferte. In der neuesten Zeit haben sich S t r u v e, Direktor der Sternwarte in Pulkowa, Bessel, Direktor der Sternwarte in Königsberg und

begangen wurde, im Schlöffe waren. Ich dachte, daß Sie etwas gesehen ober gehört haben könnten."

„Ich Miß? O, nein, ich hörte nichts und sah nichts."

„Zu welcher Zeit verließen Sie in jener Nacht das Schloß?" fragte das Mädchen scheinbar unbefangen.

„Um elf Uhr. Ich erinnere, daß gerade die Thurmuhr schlug, als ich über die Terrasse ging. Hat Jemand darauf hingedeutet, daß ich etwas von dem Morde sah oder hörte?"

„O nein. Niemand hat einen solchen Verdacht laut werden lassen. Ich habe die Geschichte zu verschiedenen Malen gehört und interessire mich sehr dafür. Da Sie nun auf Lord Stratford Heron anspielten, dachte ich, Sie könnten vielleicht etwas mehr Licht in die Sache bringen."

„Ah!" stieß der Müller in leichterem Tone hervor. „Ich dachte die Leute hätten sich etwas Freiheit im Gebrauch meines Namms erlaubt, der bisher noch in keiner Weise mit der trau­rigen Sache in Verbindüng gebracht worden ist."

„Sie haben hier eine hübsche Besitzung," be­merkte Alexa, sich umsehend.

„Ja, Miß, ich bin ein glücklicher Mann, ober ich würde sicherlich der unglücklichste im ganzen Lande geworden sein, hätte ich meinen Sohn ver­loren. Er ist die ganze Welt für mich und ich hoffe, er wird dereinst Müller werden, wie ich es selbst bin."

Bayer, preuß. Generallieutenant, außerordent­liche Verdienste um die Gradmeffungiarbeiten er­worben. Nach Bessel, dessen Resultate für die genauesten angesehen werdm, ist der Durchmesser der Erde am Aequator 12755794 km, der Durch­messer zwischen den Polen 12712158 km, der Viertelkreis eines Meridians nicht 10000 000 m, wie die Franzosen fanden, sondern 10 000 000 + 856 m. Zur genauen Feststellung der Figur uud Größe der Erde sind neben Längengradmeffungen auch Breitengradmessungen erforderlich. Von diesem Gedanken ausgehend, und die hohe Wichtigkeit einheitlicher Operationen in allen Ländern er­kennend, entwarf Bayer 1861 den Plan zu einer „mitteleuropäischen Gradmessung," die sich sech« Jahre später, da fast alle Staaten Europa» sich an dem Unternehmen beteiligten, zu der „euro­päischen Gradmeffung" erweiterte. Die Grad« meffungs-Kommissare der verschiedenen Staaten vereinigen sich alle drei Jahre zu einem allgemeinen Kongreß. Die praktischen Arbeiten dieser Grad­meffung gehen ihrer baldigen Vollendung entgegen, und es ist zu hoffen, daß die Berechnungen der­selben, sowie,bie Herausgabe der damit in Ver­bindung stehenden Karten in gleich erfreulicher Weise fortschreiten werde.

Dann sprachHr. Seminarlehrer Brandenbur­ger zu No. 2 der Tagesordnung: „Vermischte Nachrichten". Er zeigte 1. an einem Beispiele, wie heutzutage die geologischen Kenntnisse rasche Fortschritte machten und dadurch die mit diefen in Zusammenhang stehenden Probleme und Resultate der vergleichenden Erdkunde schnell geändert würden. Alexander v. Humboldt habe in seinem Kosmos (1859) die Vermuthung ausgesprochen, daß zu einer Zeit, in welcher schon die jetzige Thierwelt und der Mensch (in posttertiärer Zeit) auf der Erde lebten, wo die Fulda schon in ihrem jetzigen Bette, allerdings zwischen Ufern, die über der Kanalstraße und dem Neuenberger Wirthshau» lagen, wogte — ganz Sibirien und ein großer Theil des europäischen Rußland unter den Fluchen de» Eismeeres begraben lag. Osc. Peschel habe dieser Ansicht 1868 bestimmteren Ausdruck ge­geben und sie 1876 genauer begründet, so daß

„Und dieses schöne Grundstück erben?"

Des Müllers Stirn umwölkte sich.

„Ich hoffe es," sagte er zögernd.

„Lord Montheron ist sehr generös gegen Sie gewesen. Ich habe gehört, Sie stehen sehr in Ansehen bei ihm, Mr. Gregg."

Der Müller lächelte sehr seltsam, wie es Alexa schien.

„Sie muffen ihm gute Dienste geleistet haben," fuhr sie fort, und ihr Herz schlug lauter. „Und doch, wie war das möglich? Er konnte von einem aus dem Schlaffe beschäftigten Gärtner wenig gewußt haben, und doch belohnte er Sie so frei- giebig, gleich, als er in den Besitz des Schlosses kam."

Aus des Müllers Augen blitzten Mißtrauen und innere Unruhe. Er setzte den Knaben nieder, rief feine Frau und sagte, daß er nach der Muhle jehen müsse, aber gleich zurückkommen werde. Die Frau nahm seinen Platz ein und sah ihm bekümmert nach.

„Mein Mann sieht sehr gedrückt aus," bemerkte st: bann, als sie mit A!exa allein war. „Der Unfall hat ihn sehr angegriffen. Er hätte es nie überwinden können, wenn der Knabe ertrunken wäre."

„Wir sprachen gerade von dem Montheron- Drama," sagte Alexa ruhig.

„Ah! Das bringt ihn immer in Aufregung," versetzte die Frau.