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J\i 13. Sonnabend, den 17. Januar 1885.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 506$fg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Fuldaer

Erstes Blatt.

Aufruf.

Wir erhalten einen Aufruf aum Besten der Opfer der Erdbeben in Spanien.

Derselbe ist unterzeichnet vom Präsidenten des Reichstages v. Wedell-Piesdorf, vom ersten Vice­präsidenten Frhrn. zu Franckenstein, vom Fürst­bischöflichen Delegaten Aßmann u. a. Wir ent­nehmen dem Aufruf Folgendes:

Eine erschütternde Reihe von Unglücksfällen hat seit dem Weihnachtsfeste zwei Provinzen Spaniens betroffen. In Folge von Erdbeben, die bis in die letzten Tage gedauert und immer neuen Schaden dem alten hinzugefügt haben, sind eine größere Anzahl Städte und Dörfer ganz oder theilweise in Trümmer gelegt worden. Tausende von Menschen wurden getödtet oder verwundet, die Besorgniß einer weiteren Katastrophe hat die Ein­wohnerschaft vieler Orten veranlaßt, aus ihren Wohnstätten zu fliehen. Die Slockung jeder ge­schäftlichen Thätigkeit, Krankheit und Roth sind zu den elementaren Ereigniffen hinzugetreten und haben das Elend auf einen hohen Grad gesteigert. Ein so großes und über weite Gebiete verbreitetes Unglück fordert überall Theilnahme und werk- thätige Hülfe heraus. Unter den Nationen, welche sich beeifern, jenen Städten beizustehen, wird auch die Deutsche nicht znrnckstehen-ivollen, die- wenn sie niemals fremdeni Unglück sich verschloß, sich in diesem besonderen Falle noch erinnern wird, mit welcher edlen Sympathie und Gastfreundschaft die von der Katastrophe heimgesuchten Gegenden den Erben des Deutschen Kaiserthrones noch jüngst empfangen haben. Wir wenden uns vertrauens­voll an die Deutsche Nation mit der Bitte um Spenden für die so schwer heimgesuchten Gegenden.

Zur Annahme von Beiträgen ist die Expedition der .Fuldaer Zeitung' bereit. Die eingehenden Beiträge, über welche öffentliche Quittung erfolgt, werden durch Vermittelung der spanischen Gesandt­schaft in Berlin ungesäumt zur zweckentsprechen­den Verwendung nach Madrid gesandt werden.

Die Thronrede, welche Minister v. Puttkamer bei Eröffnung des preuß. Landtages verlas, hat folgenden Worlaut:

l’2) | j (j (Nachdr. eert.)

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Sie hatte sich der Mühle genähert und ging jetzt an dem fast zehn Fuß hohen Ufer weiter. Sw sah, daß das große Mühlrad in Bewegung war. Auf dem Steg spielte ein Knabe von etwa drei Jahren. Dies war des Müllers einziger Sohn und Augapfel. Sechs Töchter waren seiner Ehe entsproffen, aber zu seiner großen Betrübniß war kein Sohn gekommen, der seinen Namen erben konnte, bis endlich dieser Knabe er­schienen war.

Der Müller war besorgt für die Zukunft seines Sohnes und machte gerade um diese Zeit Anstrengungen, sein lebenslängliches Besitzrecht in eine Micthezeit von neunundneunzig Jahren um» zuwandeln, wodurch die Zukunft seines Sohnes gesichert worden wäre. Er hatte einen Brief des­wegen an den Marquis geschrieben, aber der Brief war bis jetzt unbeantwortet geblieben, weshalb er sich vorgenommen hatte, selbst zu Lord Mont- Heron zu gehen, sobald dieser von London hierher

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!

Seine Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtages der Mon­archie zu beauftragen geruht.

Die Finanzlage des Staates ist an sich eine be­friedigende. Das letzte abgeschloffene Rechnungsjahr hat bei fast allen wichtigeren Einnahmezweigen, namentlich auch wiederum bei der Verwaltung der Staatseisenbahnen, günstige Resultate und insge- sammt einen Ueberschuß von mehr als 20 Millio­nen Mark ergeben, welcher gemäß den gesetzlichen Bestimmungen über die Verwendung der Jahres» Überschüsse der Eisenbahnverwaltung bis auf einen geringen verfügbar gebliebenen Betrag zur Tilgung der Staatscisenbahn-Kapitalschuld zu verwenden gewesen ist. Auch das laufende Jahr läßt nach den bisherigen Wahrnehmungen einen günstigen Abschluß hoffen und einen zu gleicher Verwendung kommenden Verwaltungsüberschuß erwarten. Dem­entsprechend sind die Einnahmen für das laufende Jahr erfreulicher Weise wiederum in dem Maße höher zu veranschlagen, daß sie zur vollen Deckung des in der bisherigen Weise streng geprüften, aber nirgends unwirthschaftlich beschränkten Ausgabe­bedarfs hinreichen würden, wenn dem letzteren nicht eine Erhöhung des Matrikularbeitrages für das Reich um mehr als 24 Millionen Maä hinzuträte.

Schon feit längerer Zeit weist eine Reihe großer und anders als mit neuen Einnahmen vom Reiche micht zu beft-iedigende^ Bedürfnisse, nam entlich die dringend wünschenswerthe Erleichterung des Druckes der Kommunal- und Schullasten, wie die Verbesse­rung der Beamtenbesoldungen, auf die Nothwen- digkeit der Eröffnung neuer Einnahmequellen des Reiches hin. Der inzwischen hervorgetretene eigene Mehrbedarf des Reiches gibt eine neue Mahnung hierzu, welche, fo hofft die Staatsregierung, bald allseitig beachtet werden und in naher Zeit wieder zu einer Ermäßigung unseres Matrikularbeitrages auf die für das laufende Jahr festgestellte Summe führen wird. Inzwischen muß von der höheren Bedarfssumme ausgegangen werden und, wenn auch ein Theil derselben noch in den ordentlichen Einnahmen des Staates Deckung finden kann, in der Hauptsache zur Deckung derselben eine außer­ordentliche Einnahme in Aussicht genommen werden.

Die demgemäß aufgestellten Entwürfe des Staats­haushaltsetats für das nächste Jahr und eines Ge- '

setzes wegen Aufnahme einer Anleihe zur ent­sprechenden Ergänzung der nächstjährigen Einnah­men des Staates werden Ihnen alsbald zugehen.

Der durch die Gesetzgebung des Reiches herbei­geführte Aufschwung der Gewerbthätigkeit macht sich in einer allmählich fortschreitenden Entwicke­lung des Volkswohlstandes bemerkbar. Nur die landwirthschaftliche Bevölkerung entbehrt bisher des ihr gebührenden Antheils an den Wohlthaten dieser Entwickelung.

Trotz der im Ganzen gesegneten Ernte lastet ein Druck auf der Landwirthschaft. Gegenüber den gestiegenen Produktionskosten und den erhöhten öffentlichen Lasten, welche auf diesem wichtigen Er­werbszweige ruhen, ist eine denselben entsprechende Steigerung der Preise der hauptsächlichsten Erzeug­nisse nicht eingetreten, dieselben stehen vielmehr nie­driger wie seit Jahren. Der Absatz im Bereich der landwirthschaftlichen technischen Nebengewerbe stockt und es sind die Preise für Zucker und Spi­ritus auf ein Niveau herabgesunken, welches den Betrieb nicht nur nicht mehr lohnend, sondern ver­lustbringend macht. Es wird ein Gegenstand un­ausgesetzter Fürsorge der Regierung Seiner Maje­stät sein, so viel an ihr ist, die Ursachen dieser schweren Krisis aufzuklären und durch ihre Maß­nahmen nach Möglichkeit Abhilfe zu erstreben.

Die in der letzten Session nicht erledigten Ge­setzentwürfe zur Umgestaltung der direkten persön­lichen Steuern und Gnführung einer Kapitalren- tensteuer sind unter sorgfältiger Prüfung der bei ihrer Vorberathung im Landtage hervorgetretenen Bedenken und Abänderungsvorschläge zum Theil anderweit redigirt worden und werden Ihnen von Neuem vorgelegt werden mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß die damit vor Allem beabsichtigten baldigen weiteren ^Befreiungen der wenig begüterten Bevölkerungsklassen von dem Drucke der direkten Steuer nicht minder wie die sonstigen steuerpoliti­schen Ziele derselben nunmehr erreicht werden mögen.

Behufs erhöhter Nutzbarkeit des mit gedeihlichem Erfolge durchgeführten Staats - Eisenbahnsystems hat die Regierung auf den Erwerb einiger weite­rer Privateisenbahnen für den Staat Bedacht ge­nommen, als das zweckmäßigste Mittel zur Lösung der Schwierigkeiten, welche die besonderen Ver­hältnisse der betreffenden Gesellschaften zum Staate der wünschenswerthen Vereinfachung entgegenstellen. Die vereinbarten Verträge werden Ihnen vorgelegt

zurückkehren würde, um ihm eine formelle Petition zu überreichen.

Der Müller war bei seiner Arbeit, als Alexa kam; seine Fraw.^u 'beMten.waren nirgends zu sehen, und der Knabe, welche verft Gegenstand so viel väterlichen Stolzes und väterlicher Hoffnung war, setzte sein kostbares Leben aus'» Spiel, in­dem er das niedrige Geländer des Steges er­kletterte. In diesem Augenblick trat der Müller vor die Thür und sah die Gefahr, in welcher sein hoffnungsvoller Sprößling schwebte. In seiner Bestürzung stieß er einen Schrei aus, welcher die Katastrophe herbeiführte, die er fürchtete. Der Knabe erschrak, sah auf, um zu sehen, was ge­schehen sei, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte hinab in das Wasser.

Der Müller stand da wie erstarrt. Der Schreck hatte ihm die Geistesgegenwart genommen.

Alexa eilte an den Steg. Em Blick auf das rasch dem Wehr zustürzende Wasser und das im vollen Gange befindliche Rad genügte ihr, die Gefahr für das Leben des Kindes zu ermessen, und die Gefahr verlieh ihr den Muth, welcher zur Rettung nothwendig war. Sie warf ihren Hut und Mantel ab, sprang das hohe Ufer hinab und stürzte sich in den Strom. Einige kräftige

und rasche Bewegungen brachten sie zu dem Kinde, welches sie auf den Arm nahm, und dann strebte sie, mühsam gegen die Strömung kämpfend, dem Ufer zu.

Der Müller war inzwischen herbeigeeilt und nahm das Kind zu sich, während ein Müller­bursche, den der Angstschrei des Vaters herbei- gerufen, Alexa herauf zog.

Jetzt kamen auch des Müllers Frau und Töchter, klagend und weinend. Die Frau fiel Alexa um den Hals und pries sie in rührenden Worten. Der Mann stammelte schluchzend seinen Dank, küßte Alexa's Hand und bat sie, zu gestatten, ihr auf irgend eine Weise seine Dankbarkeit zu er­kennen zu geben. Die Töchter aber baten Alexa, in's Haus zu treten, sich zu wärmen und trockene Kleider anzuziehen, welche Einladung die junge Dame sogleich annahm.

Das Kmd hatte keinen Schaden gelitten; seine Mutter traf die nöthigen Vorsichtsmaßregeln, um einer etwa folgenden Erkältung vorzubeugen, wäh­rend Alexa in ein Zimmer geführt und mit den trockenen Kleidern der ältesten Tochter des Hauses, eines hübschen Mädchens von siebzehn Jahren, ver­sehen wurde.

Als dies geschehen, folgte Alexa dem Mädchen