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12. Freitag, den 16. Januar 1885

Die .Fuldaer Zeituna' erscheint tiialich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, — nnt^der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Eit MM

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Pilgerfahrt nach Rom.

Die XXXI. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands hat einen Antrag auf regel­mäßige Organisirung und Führung von Pilger­zügen nach Rom und Jerusalem gebilligt und dessen Verwirklichung gewünscht.

Da im vorigen Herbste die Pilgerfahrt nach Rom wegen der Cholera unterbleiben mußte, so wird, so Gott will, eine solche, falls genügend zahlreiche Anmeldungen zur Fahrt erfolgen, gegen Ende Februar stattfinden. Dieser Zeitpunkt ist mir in Vorschlag gebracht und gewählt worden, damit der Zug vor dem 3. März, Krönungstag Sr. Heiligkeit des Papstes, in Rom eintreffe.

Es ist Aussicht vorhanden, daß, dem Wunsche der katholischen Generalversammlung entsprechend, einige Malteserritter den Zug führen werden.

Anmeldungen zur Theilnahme an der Fahrt sind an meinen Leibarzt Dr. Jung dahier vor Mariä Lichtmeß zu richten.

Bedingungen sind: 1) Der Besitz eines Zeug­nisses als aufrichtiger, treuer Katholik (von dem betreffenden Pfarrer), 2) eine Paßkarte und 3) mindestens 250 M. Reisegeld.

In Rücksicht auf die ungünstige finanzielle Lage des hl. Vaters, welche nicht durch die sparsamen Ausgaben für Höchst Ihn Selbst und Seinen Hof, sondern durch Seine Großmuth für die Roth- leidenden und die großen Bedürfnisse für die Mis­sionen und für die Leitung der Kirche veranlaßt ist, erscheint es wünschensm-rth, daß bei dieser Ge­legenheit reichliche Spenden des Peterpfennigs über­bracht werden.

Nähere Mittheilungen folgen spätestens am 3. Februar.

Kleinheubach a. M., am 9. Jänner 1885.

Karl Fürst zu Löwenstein, als Kommissär der Generalversammlung.

* Deutschland als Seemacht.

Mit den Worten „Deutschland steht vor dem bedeutsamsten Schritte in seinem Leben" charak- terisirte Dr Windthorst in der Reichstagssitzung vom 10. ds. die deutschen Kolonialbestrebungen. Es handelt sich ja um nichts Geringeres als um die Frage: Soll Deutschland, welches bisher nur eine gebietende Landmacht war, auch zu einer Seemacht werden mit allen Pflichten und Ge-

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oder

Auf dunklen Wegen.

Roman »on E. Wagner.

.Das wirft allerdings neues Licht in das Ge- heimniß!" rief er, als Alexa mit ihrer Erzählung zu Ende war. „Miß Strange, Sie haben da ein großes Werk vollbracht. Die Wichtigkeit dieser Entdeckung ist nicht zu unterschätzen."

Alexa zitterte vor Auftegung.

„Habe ich so viel entdeckt, daß Renard's Ver­haftung bewirkt werden kann?" fragte sie. „Wenn nicht, so habe ich noch mehr zu sagen."

„Lassen Sie es mich hören. Sie können auf meine Verschwiegenheit rechnen, Miß Strange. Es wird das Beste sein, mir Alles anzuvertrauen.

„Und ich will schwören, Niemanden etwas zu sagen," rief Mrs. Matthews. „Wenn Hoffnung vorhanden ist, Lord Stratfort Heron's Namen wieder herzustellen, werde ich Alles thun, was in meinen Kräften steht."

„Sie können sich auf Mrs. Matthews verlassen, Miß Strange," sagte Mr. Dalton. „Ich bürge für chre Verschwiegenheit."

fahren, die damit verbunden sind? Zweifellos wäre der Besitz guter Kolonien ein Gewinn. Aber leider ist Deutschland bei der Theilung der Erde zu spät gekommen. Die Glaubensspaltung entzweite Deutschland gerade zu der Zeit, als andere europäische Staaten in Amerika und Asien große Kolonien erwarben, und statt - an solchen Erwerbungen Theil zu nehmen, mußte sich Deutsch­land Dank dem 30jährigen Kriege gegen fremde Eroberer, wie gegen die Schweden und Franzosen vertheidigen. So ging Deutschland in der ersten Kolonialperiode nicht nur leer aus, sondern in Folge der Schwächung der kaiserlichen Macht er­hielt unser Vaterland auch in einer späteren Periode nichts, als sich beim Verfall der spanischen Seemacht und des Türkenreichs wieder günstige Gelegenheit zu einer gesunden Kolonialpolitik bot. Auch nach Errichtung des neuen Reiches war es wieder die Kirchenpolitik, der leidige die ganze Nation spaltende Kulturkampf, der keine Kolonial­politik zuließ. Fürst Bismarck selbst hat es im Jahr 1876 vor zwei Herren, die ihm zur Kolonial­politik in Südafrika riethen, erklärt, daß nament­lich der Kulturkampf das Eingehen auf ihre Wünsche nicht gestatte. Fürst Bismarck hatte Recht. Solch großen Aufgaben ist nur ein Volk gewachsen, das im Innern fest geeint alle seine Kräfte für dieselben einsetzen kann. Es wäre ja nicht schwer gewesen, von Frankreich beim Friedensschlüsse die Abtretung dieser oder jener Kolonie zu erlangen; aber der Erwerb mußte als eine Schwächung Deutschlaud» gtuen,' da Moltke der Meinung war, daß Deutschland für 50 Jahre noch auf seiner Hut sein müsse. Indessen eine Kolonialpolitik in bescheidenen, den Hilfsquellen Deutschlands angemessenen Grenzen wäre damals trotzdem möglich gewesen; aber Fürst Bismarck hatte Wichtigeres zu thun, er hatte ja im Kultur- kämpfe die „inneren Reichsfeinde" zu vertilgen. Während das Manchester Mein das Land noch dazu in furchtbare wirthschaftliche Krisen stürzte, setzten andere Mächte die Theilung der Erde so ruhig fort, daß fast das letzte Stückchen vergeben schien und nur noch Brocken von fraglichem Werthe übrig sind. Nun endlich besann man sich auch in Deutschland auf eine Kolonralpolitik, aber da zeigten sich auch gleich die Folgen der langen Abstinenz und der Verspätung in der Miß­gunst, die das verwöhnte England selbst bei so

So beruhigt, erzählte Alexa von ihrer Ent­deckung in der Gruft der alten Kapelle

„Die Sache ist vollkommen klar!" rief Mrs. Matthews. „Trotz aller Beweise gegen ihn war Lord Stratford Heron unschuldig und Pierre Renard ist der Mörder!"

„Die Sache ist für mich gleichfalls klar," er- klärte Mr. Dalton. „Nach der vermißten Ju­welensammlung des ermordeten Marquis ist nie­mals genau geforscht worden. Man glaubte, der Marquis hätte sich ihrer kurz vor seiner Ermor­dung entledigt, oder Lord Stratfrod Heron habe sie versteckt, damit angenommen werden sollte, der Mord sei von Einbrechern verübt. Daß sie im Besitz seines Dieners sind, der ihn haßte und ge­schworen hatte, sich für die Mißhandlung zu rächen, sowie die Thatsache in Betreff der Uhr­kette werden wesentlich dazu beitragen, Pierre Renard des Mordes zu überführen."

„Genügen sie nicht allein?" fragte Alexa ängstlich.

„Die Beweise gegen ihn berechtigen mich, ihn unter Aufsicht zu stellen," erwiderte Mr. Dalton. „Ich werde mich selbstverständlich mit Scotland- Dard in Verbindung setzen und überhaupt die geeigneten Schritte in der Sache thun. Mrs.

werthlosen Erwerbungen wie Angra Pequena und Kamerun an den Tag legte. Beide Gebiete, das gab selbst Herr Woermann zu, eignens sich für deutsche Ansiedler durchaus nicht. „Ihr Klima wirkt vergiftend", sagte der Redner offen, und er prophezeite ihnen eine Zukunft höchstens als Ex­portgebiete. Nun gibt es zwei verschiedene Kolonialsysteme, und da Fürst Bismarck sich entschlossen hatte, in die Kolonialpolitik einzutreten, war eine Wahl zwischen beiden Systemen unab- weislich. In der Kommissionssitzung, kurz vor Schluß der Sommersession des Reichstages, erklärte sich der Kanzler gegen das französische Kolonial­system, welches die Kolonien förmlich in staatliche Verwaltung nimmt und dort eine große Beamten­schaar und stehende Garnisonen unterhält, also große Kosten verursacht. Er wollte lediglich dort, wo sich deutsche Niederlassungen unter dem Pro­tektorate des Reiches bilden, diesen d:n Schutz des Reiches bieten. Das hört sich ungefährlich und einleuchtend an, aber Fürst Bismarck führte damit ein völkerrechtliches Unding ein, das sich auf die Dauer gar nicht durchführen läßt. Wer das Protektorat über ein Kolonialgebiet führt, ist ja völkerrechtlich anderen Staaten gegenüber nicht nur zur Aufrechterhaltung der Ordnung daselbst verpflichtet, sondern auch zu Entschädigungen im Falle von Unruhen. Damit kommen dann bei so unruhigen und kriegerischen Völkern, wie das die westafrikanischen laut der Aeußerung Woer- mann's sind, die Garnisonen und Beamten von selbst. Schon j-tzt erfordert Kamerun die Statio- nirung von zwei deutschen Kriegsschiffen und dasselbe wird in Ostafrika und Neu-Guinea der Fall sein. Es ergibt sich dann daraus mit der Zeit die Vergrößerung und kostspielige Unter­haltung einer zahlreichen Marine von selbst, und zwar schon in Friedenszeiten. Sollte aber Deutsch­land in einen Krieg verwickelt werden, so wären die Kolonien nur zu halten, wenn die deutsche Flotte der gegnerischen dieSpitze bieten könnte oder der gute Ausgang des Landkrieges die Zurückforderung gestattete. Die genaueste Er­wägung des ersten folgenschweren Schrittes in der Kolonialfrage forderte darum der Ab§. Windthorst als Gewissenspflicht, doch für die Konserva­tiven war das durch die Rede des Kanzlers ent­schieden, der Fortschritt stimmte mit Hinweis auf die „begrenzte" Kolonialpolitik für sofortige Bewil«

Matthews, Ihnen liegt als Haushälterin des Schlosses das Engagement des Dienstpersonals ob. Ich werde Ihnen morgen einen Mann schicken, für den Sie irgend eine Beschäftigung finden müssen. Er wird auf Pierre Renard Acht haben, wenn er zurückkommt."

„Ich verstehe, Sir," sagte Mrs. MethewS, „und ich will den Mann engagiren, den Sie mir schicken; es wird sich schon Beschäftigung für ihn finden. Aber Renard wird nicht so schnell zurück­kehren."

„Um so besser. Der Mann kann sich bis da­hin orientiren."

„Ich dachte," sagte Alexa, „daß genug ent­deckt worden wäre, um Renard's Verhaftung zu bewirken und Lord Stratford Heron's Ehre wieder­herzustellen."

„Nicht genug, um Lord Stratford Heron von der Theilnahme an dem Verbrechen zu befreien," erwiderte Mr. Dalton ernst. „Da Lord Strat­ford sich so viele Stunden im Garten des Schlosses aufhielt, ist es sonderbar, daß ihn Nie- niand gesehen hatte. Es waren dreißig Dienst­boten im Hause und von diesen hätte ihn doch Einer sehen müssen. Ich begreife Ihren Ent­husiasmus in dieser Sache, Miß Strange. Wenn