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J\1 11 Donnerstag, den 15. Januar 1885

Fuldm

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* Das Plenar-Konzil von Baltimore an die Bischöfe Deutschlands.

Den hochwürdigsten verehrtesten Erzbischöfen und Bischöfen Norddeutschlands entbieten Gruß und Preis, Liebe und Ehre die Erzbischöfe und Bischöfe der Ver­einigten Staaten von Nord-Amerika.

Was wir vereinzelt, über dieses weite Land zerstreut, während des letzten Jahrzehntes für euch, ehrwürdige Brüder, in tiefster Seele empfunden, das wollen wir jetzt, im dritten Plenar-Konzil von Baltimore vereinigt, mit lauter Stimme verkünden. Euere wechseloollen Leiden, „in denen ihr in der That einen schweren Kampf bestan­den", haben uns erfüllt mit Schmerz und Theilnahme, euere standhafte Geduld aber, „durch die ihr ein Schau­spiel den Engeln und Menschen geworden seid", mit nicht geringerer Freude und Bewunderung. Märtyrer Christi zu werden, wäret ihr bereit; Bekenner des Glaubens seid ihr geworden. Denn mit unbesiegbarem Muthe habet ihr alle Unbilden ertragen, die euch selbst und euern geliebten Heerden zugesügt wurden: Verleumdungen und Droh- uugen, Kerker und Verbannung. „Ihr habt die Gerech­tigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehaßt"; darum hat einer von euch seinen glorreichen Tod in der Verbannung gefunden, in der leider selbst noch zwei Andere von euch getrennt dahinleben.

In Wahrheit, „eure Stimme ist ausgegangen über die ganze Erde, und euere Worte bis zu den Enden des Erd­kreises": Worte des Schmerzes und der Klage über die Verletzung der Rechte der Kirche — die Entweihung der dem wahren Gottesdienste entrissenen Tempel — die Schließung von Schulen, Kollegien, Seminarien und An­stalten christlicher Liebe — die Verbannung der Ordens­leute und Einkerkerung der Priester, — das vergebliche Flehen der Gläubigen nach dem Worte Gottes und den Sakramenten des Heiles, selbst in der Todesstunde; Worte der Stärke und Standhaftigkeit; denn immer und überall vor den Königen. und Fürsten und Völkern, der Erde habet ihr die Rechte und Privilegien der Kirche muthig vertheidigt, vor Nichts und Niemand zurückweichend, als nur vor der offenen Gewalt; Worte der Geduld und Klugheit, mit denen ihr eure Gläubigen lehrtet, nach dem Beispiel des Heilandes und der Heiligen eher Unrecht zu dulden als zu thun und. zu rächen, wodurch es euch ge­lang, dieselben in dem sogenannten „passiven" Wider­stand zu erhalten, der eben so schwierig als wahrhaft christlich ist; Worte der Frömmigkeit und des Vertrauens, wodurch ihr in den Gemüthern Aller den Geist des Ge­betes erwecktet, in der festen Hoffnung, daß die Hülfe von Oben euch und den eurigen nicht werde fehlen und daß ihr Alle gelangen würdet „durch's Kreuz zum Licht"; Worte endlich der Güte und Liebe, indem ihr selbst für euere Feinde den Herrn anflehtet und diejenigen segnetet, die euch fluchten.

Diese euere herrlichen Worte und Beispiele haben gleich vom Anfänge eueres schmerzlichen Kampfes an die heil­samsten Früchte getragen. Denn ihnen ist hauptsächlich zu verdanken jene bewunderungswürdige Treue euerer Gläubigen und unbesiegbare Standhaftigkeit euerer Priester, sowie jene ruhmreiche und geradezu staunenswerthe Festig­keit der Männer aus der Laienwelt, welche öffentlich die

religiöse und bürgerliche Freiheit vertheidigen und durch ihre Furchtlosigkeit und Klugheit, ihre Mäßigung und Aus­dauer die Bewunderung der ganzen Welt auf sich ziehen.

Wenn auch nur ein Einziger von euch sich von den Nachstellungen und Verlockungen euerer Feinde hätte um­garnen oder von den Drohungen und Gewaltthätigkeiten derselben hätte einschüchtern kaffen, welch' eine Freude wäre daraus den Gegnern erwachsen, welch' ein Schmerz den Glaubensgenossen! Wie beklagenswerth wäre die Ver­wirrung der Verhältnisse und der Gemüther, wie unersetzlich der Verlust am Glauben und die Verderbniß der Sitten ge­wesen ! Nun aber habet ihr im Gegentheile, Alle und Einzelne, durch die ungestörte Einheit eueres Glaubens, die Ein- müthigkeit euerer Gesinnungen und Gemeinschaft euerer Leiden die Gemüther der Gläubigen im Glauben befestigt, zur Hoffnung emporgerichtet, in der Liebe vereinigt, die Anschläge der Feinde vereitelt und der ganzen Welt son­nenklar gezeigt, daß ihr die echten Apostel der Wahrheit und Gerechtigkeit seid, daß die Kirche Christi aber das festeste Fundament der weltlichen Macht und die sicherste Schutzwehr der menschlichen Gesellschaft ist.

Lasset uns denn, ehrwürdige Brüder, der Bischöfe Zierde und Muster, würdige Nachfolger von Clemens August und Martinus, welche die Väter des vierten Provinzial-Konzils von Baltimore im Jahre 1840 als die neuen Athanasius und Basilius begrüßten, lasset uns weinen mit euch, den Weinenden, aber auch uns freuen mit euch in euerer Freude; denn ohne Freude seid ihr doch zu keiner Zeit in diesem Jahrzehnt gewesen. Ihr freutet euch ja mit der Freude der Apostel, „weil ihr würdig befunden worden, für den Namen Jesu Schm ich zu erdulden". Jetzt aber scheint endlich auch euere Traurigkeit selbst sich in Freud« verwan­deln zu sollen. Schon haben mehrere ihrer Hirten beraubte Kirchen die Trauergewänder ihrer Wittwenschaft mit dem glänzenden Brautgeschmeide vertauscht. Schon sind zwei von euch aus der durch jegliche Tugend von ihnen gehei­ligten Verborgenheit der Verbannung an's klare Licht des Tages und utr Liebe zurückgekeyrt.

Schon haben diejenigen von euch, welche der kostbare Tod der Heiligen noch nicht zur Anschauung des Herrn hinübergetragen, oder eine glorreiche Verbannung nicht mehr fern von euerer Mitte hält, sich wieder einmal ver­sammelt am Grabe des unsterblichen Apostels Deutschlands, der mit dem Evangelium in der Hand selbst zwar getödtet werden konnte, aber in seinen Nachfolgern niemals über­wunden werden kann. Schon hat euere unbesiegbare Festig­keit es wiederum klar gezeigt, daß „die bedrängte Kirche die siegreiche Kirche" ist, daß „die Sonne leichter ausge­löscht, als die Kirche vernichtet werden, kann", daß „das Kreuz feststeh!, so lange der Erdball sich dreht".

Möge euere Freude bald vollkommen werden! Mögen die Mächtigen der Erde, überwunden von euerer Stand­haftigkeit, und besseren Rathschlägen folgend, jene höchst unglücklichen Gesetze vollständig aufheben, welche die Ur­sache eueres Kampfes und die Quelle euerer Schmerzen geworden sind. Mögen euere Priester und euere Gläubi­gen fortfahren, auf eure Stimme zu hören, euere Rath­schläge zu befolgen, euer Beispiel nachzuahmen, damit end­lich der volle Friede und die volle Freiheit euerer Kirche zurückgegeben werden. Möge es euch gestattet sein, noch viele Jahre lang, „ehe die kostbare Krone der himmlischen

Freude auf euere Häupter gesetzt wird", euere Heerden mit jener Freiheit zu regieren, „mit der Christus uns frei gemacht hat, auf daß wir Kinder der Freien und nicht der Sklaven seien", mit jener Freiheit, deren wir uns hier zu Lande zum größten Heil und Segen des Staates nicht minder als der Kirche erfreuen; in jenem Frieden aber, den di: Engel den Menschen auf Erden gesungen, die eines guten Willens sind, den Christus selbst, auferstanden aus Leiden und Tod, seinen Aposteln angewünscht, indem er sprach: „Der Friede sei mit euch!"

Auf daß alles dies geschehe, möge unsere Bitten, mit den euerigen in Glaube, Hoffnung und Liebe vereinigt, erhören der allmächtige und barmherzige Herr und Gott.

Wollet denn, ehrwürdige Brüder, annehmen dieses Zeug- niß unserer Liebe und Bewunderung, unserem innersten Herzen entnommen.

Jakob Gibbons, Erzbischof von Baltimore, Apostolischer Delegat.

Baltimore, 6. Dezember 1884.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Januar.

* Der Kaiser empfing heute Nachmittag den hochw. Herrn Bischof Dr. Kopp von Fu da.

* Die Abtheilung des Staatsrathes für innere Angelegenheiten setzte gestern die Berathung über die Kreisordnung für Hessen-Nasiau fort. Der Kronprinz führte den Vorsitz von Anfang bis ;u Ende. Heute um 11 Uhr trat diese Abtheilung abermals zusammen zur Fortsetzung der bezüg­lichen Beralhung, die man heute zum Abschluß zu bringen hofft.

* Der schon gestern kurz erwähnte offiziöse Angriff der .Rordd. Allgein/ auf den Cenrrums- führer lautet:

„Das neue Jahr hat für den Führer des Centrums nicht günstig begonnen. Mit großem Eifer hat sich Herr Windthorft in den parlamentarischen Kampf gestürzt; be­reits ein Dutzend Reden hat er in den wenigen Tagen seit dem Zusammentritt des Reichstages geleistet; aber dem guten Willen fehlt die alte Kraft. Man erhält von den jüngsten oratorischen Leistungen des Herrn Windthorft den Eindruck, als ob plötzlich ein starker Rückgang bei ihm ein­getreten sei und selbst in seiner eigenen Partei scheint sich dieses Gefühl geltend zu machen. Der preußische Tambour­major dirigirt seine Trommler und Pfeifer nicht präziser, als Herr Windthorft seine Schaaren zu dirigiren verstand. Jetzt aber wird das Zeichen des Führers nicht mehr beach­tet oder der Beifall ist doch ein sehr viel geringerer ge­worden; selbst die welfische Kerntruppe, die sich früher in diesem Punkte immer rühmlich hervorthat, ist in ihren Dienstleistungen lau geworden, und in der That: Herr Windthorft ist nicht mehr der alte, seine Waffen sind kumpf geworden und dem Arm fehlen die alten Muskeln. Seine jüngsten Reden hinterlassen einen monotonen Ein­druck; es ist immer ein und derselbe Gedanke, den er ein Dutzend Mal ventilirt, mit Pausen, welche in dem

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oder

Ans dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Es ist unsere Pflicht, es zu thun — unsere Pflicht gegen Lord Stratford Heron — unsere Pflicht gegen Lady Wolga Clyffe — "

„Und den jetzigen Marquis," ergänzte Mrs. Matthews. „Mylord muß es wissen, wenn er einen Mörder begünstigt. Wenn wir ein Ver­brechen an's Licht bringen und ein geschehenes Unrecht gut machen können, bin ich bereit, die Durchsuchung zu beginnen."

Sie brachte die Schlüssel, welche ihr als Haushälterin zu Gebote standen, und mittelst der­selben wurden Küsten und Schubladen geöffnet. Es fanden sich viele kostbare Sachen vor, aber der gesuchte Gegenstand nicht, auch keine anderen Juwelen.

„Er wird in dem Schmuckkästchen sein, wenn die Kette noch in seinem Besitz ist," sagte Alexa. „Doch ich dachte, er würde sie in irgend einer Schublade verborgen haben."

„Wahrscheinlich hat er die Kette längst ver­

kauft," bemerkte Mcs. Matthews. „Er wird kein Ding behalten, welches ihn verderben kann."

„Es ist aber möglich, daß er das verlorene Stück nicht vermißt hätte, würde er gesucht haben, bis er es gefunden. Die Kette ist sehr werthvoll, und da er sie doch für den eigentlichen Werth nicht hätte verkaufen können, wird er sie lieber behalten haben."

„Aber er hat sie nie getragen."

„Nicht im Schlosse; aber anderswo mag er sie getragen haben."

„Wie sollen wir das Schmuckkästchen öffnen? Sehen Sie nur die Unversckämtheit dieses Men­schen. Das Kästchen ist so kostbar wie das des Mylords. Es hat dasselbe kunstvolle Schloß — ah, da fällt mir ein, Mylord hat zwei Schlüssel, und ich weiß, wo der zweite Schlüssel ist. Es kann sein, daß er Renard's Kästchen aufschließt. Würde es recht sein, es zu versuchen?

„Wenn es recht war, die Schubladen zu öffnen, wird es auch recht sein das Schmuckkästchen zu öffnen," erwiderte Alexa ernst. „Mein Ge­wissen und meine Pflicht zwingen mich, es zu thun."

„Aber ist es nicht ein strafbares Vergehen?" „Wenn es das ist, will ich die ganze Schuld

auf mich nehmen. Ihnen soll kein Leid geschehen," sagte Alexa mit fester Stimme. „Wir verlassen die Sachen, wie wir sie gefunden, und so wird er unfern Besuch nicht entdecken. Holen Sie den Schlüssel und lassen Sie uns versuchen, ob er paßt."

Die Haushälterin holte den Schlüssel, der auch wirklich das Schloß öffnete. Der Deckel wurde aufgeschlagen und Alexa und Mrs. Matthews blickten begierig auf die vor ihnen sich entfalten­den werthvollen Sachen, als Hemdknöpfe, Tuch­nadeln und Ringe mit den kostbarsten Edelsteinen, sowie schwere Uhrketten von massivem Gold und andere Gegenstände.

Alexa dachte an die verborgenen Juwelen in der Familiengruft in der Kapelle. Gewiß waren diese Diamanten jener Sammlung entnommen.

„Wie ist's möglich, daß ein Bedienter mit fünfzig Pfund jährlich — oder wie viel er be­kommt — solche Juwelen haben kann!" rief Mrs. Matthews. „Diese Steine sind vom reinsten Wasser! Der gemordete Marquis konnte nicht schönere in seiner berühmten Sainmlung haben."

„Die Kette ist nicht hier," sagte Alexa, Fach für Fach herausnehmend. „Ah! Was haben wir da?"