Einzelbild herunterladen
 

JV s.

Dienstag, den 13. Januar

V

1885.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne «nd Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg. auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Trauer-Rede

des hschwürdlgstkn Herrn Kischis» neu Fulda bei Gelegenheit der Beisetzung des verstorbenen Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Limburg

Dr. Peter Joseph Blum,

gehalten im hohen Dome zu Limburg am 2. Jan. 1885.) (Schluß.)

„Ecce sacerdos magnus, qui in diebus suis placuit Deo et inventus est Justus!“ So habt ihr euren Bischof oft begrüßt, wenn er in diesen Dom oder in die Kirchen eurer Gemeinden feier­lich einzog. Und so war er in der That! Er war ein treuer Hoherpriester, den Gott und Menschen gerne hatten und der allezeit gerecht befunden wurde. Seine Füße wandelten stets auf dem rechten Wege, wie der Psalmist sagt, und mit Eifer strebte er dem Guten nach. So stellt sich uns das tugendreiche Leben dar, das vor einigen Tagen zu Ende ging. So wurde es auch aus beredtem Munde geschildert an seinem Ju­biläumstage, dem Tag, an welchem er seine 50 Priesterjahre zurückgelegt hatte. Es war ein herrlicher Ehrenkranz, den der Hochwürdige Herr Domdekan um das Bild des abwesenden Oberhirten wand; ich nehme heute diesen Ehrenkranz und lege ihn auf seinen Sarg nieder; ich brauche ihn nicht vom neuen zu winden; ich brauche ihn nur etwas aufzufrischen.

@in Sohn dieser Diözese, und zwar des Theiles derselben, welcher dem ehemaligen Erzstifte Mainz angehörte, des gesegneten Rhejnaaues, hat der Ver­storbene sem erstes Seminar in seinem elterlichen Hause gefunden. Hier wurde ihm der ernste, gerade Sinn, die unerschütterliche Gläubigkeit, die tiefe Frömmigkeit, die Empfänglichkeit für alles Gute und Edle eingepflanzt, und so kann es nicht Wun­der nehmen, wenn auf diesem Boden alsbald die Neigung zu einem ernsten Berufe, zum geistlichen Stande, emporsproßte. Nachdem er dann seine theologischen Studien vollendet und die hl. Prie­sterweihe empfangen hatte, wies ihm Gott seine erste Thätigkeit an der Seite seines Bischofs an, eine providentielle Fügung, um ihn für sein spä­teres hohes Amt vorzubereiten. Damit er jedoch auch der praktischen Seelsorge nicht fremd blieb, ließ Gott seinen Herzenswunsch für einige Jahre in Erfüllung gehen und ihn in der Pfarrseelsorge thätig sein. Als dann der zweite Bischof von Lim«

1081 • xAlera

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Warum beharren Sie dann auf der Annahme, daß er noch am Leben sein könnte? Warum zweifeln Sie an seiner Schuld? Ich sage Ihnen noch einmal, Wolga, Sie muffen die Gerichts­verhandlung lesen, und aus den Zeugenaussagen und der ganzen Beweisführung werden Sie seine Schuld ersehen. Und ich habe so viel Vertrauen zu Ihrer klaren Vernunft und Urtheilsfähigkeit, daß, nachdem Sie morgen die Acten gelesen haben, ich Ihnen am Abend den Verlobungsring bringen kann."

Er hatte sich, wieder im vollen Besitze seiner Ruhe, bei diesen Worten erhoben. Er ermuthigte stch selbst und glaubte, daß all' ihre Einwendungen nur Koketterie seien. Alles, was ihm nothwendig schien, war nur ein wenig mehr Kühnheit feiner» seit», ein wenig mehr Vertrauen zu sich selbst und etwas weniger Nachgiebigkeit gegen ihre Launen.

Lady Wolga erhob sich langsam, auf seine letzten Bemerkungen nichts erwidernd.

bürg gestorben war, richteten sich alle Blicke auf den 34jährigen Pfarrer von Oberbrechen, und der Widerstrebende wurde zum Bischof gewählt. Als dem Verstorbenen vor 42 Jahren der Bischofsstab in die Hand gedrückt wurde, waren noch allent­halben die Folgen der traurigen Zeiten sichtbar, welche mit dem Anfänge dieses Jahrhunderts über die Kirche Deutschlands gekommen waren. Die Ruinen der zerstörten Heiligthümer lagen noch überall umher; es galt aufzuräumen und wieder aufzubauen. Mit rastlosein Eifer setzte der Ver­ewigte den Ausbau der Diözese fort, den seine beiden Vorgänger kaum hatten beginnen können. Nach allen Seiten seine Blicke wendend, errichtete er, wo er immer einzelne zerstreute Glieder seiner Heerde fand, in ihrer Mitte einen neuen Opfer­altar, um sie zu sammeln und um denselben zu vereinigen. Eingedenk der Worte des Psalmisten, die er alle Tage betete: Dilexi, Domine, decorem domus tuae, ich habe die Zierde Deines Hauses geliebt, sorgte er für den Bau neuer Gotteshäuser und für die würdige Ausschmückung derselben; ich brauche nur auf diese Dowkirche hinzuweisen; ihr Alle wißt, wie die innere und äußere Vollendung derselben namentlich seiner Anregung zu danken ist. Unermüdlich in der Wahrnehmung seiner Amtsge­schäfte durchwanderte er seine Diözese von der Nidda bis zum Rhein, vom Maine bis zur Nister, den neugebauten Kirchen die kirchliche Weihe aufdrückend, den Firmlingen die Hände auflegend, die Gläubigen in seinen ergreifenden Reden belehrend und ermah­nend, über 91(1» bpn SrKi: Allmächtigen her» abrufend. Tief durchglüht von innigster Frömmig­keit, förderte er dieselbe auch in der ihm anver­trauten Heerde, zu eifrigem Gebete ermunternd und zu kirchlichem Leben, Vereinen und Bruder­schaften' aneifernd, um so der steigenden Gottent­fremdung zu steuern und den Strom des -Unglau­bens einzudämmen. Eifrigst bestrebt, den Keim der Tugend und Frömmigkeit schon in die zarten Herzen einzupflanzen, sorgte er für gründlichen Religionsunterricht in den Schulen und Bildungs­anstalten. Durchdrungen von der festen Ueberzeu- gnng, daß die sittliche und religiöse Hebung der Gemeinden nur vcn einem treukirchlichen, wissen­schaftlich gebildeten, von Jugend auf an Selbst. Verleugnung und Selbstzucht gewöhnten Klerus zu erwarten sei, gründete er seine beiöen Diözesan- Konvikte, um den Beruf zum Priesterthum zu för-

Er führte ihre Hand an seine Lippen, drückte einen Kuß darauf und entfernte sich dann. Als er fort war, trat Lady Wolga an einen Tisch, goß au» einer Karaffe ein wenig Wasser auf ihr Taschentuch und rieb damit die Stelle ihrer Hand, welche der Marquis geküßt hatte, mit einem Eifer und einer Art Abscheu in ihren Geberden, als sei ihre Hand durch den Kuß entweiht worden.

Inzwischen ging der Marquis zufriedenen Sinnes die Straße entlang. Das Schweigen der Lady Wolga auf seine letzte Anspielung auf den Verlobungsring hatte er für Zustimmung gehalten.

„Morgen will ich den Verlobungsring kaufen," dachte er. „Ich bin ein Thor gewesen, daß ich mich so nachgiebig zeigte. Die Frauen lieben es, wenn der Mann energisch ist und sich auch so zeigt. Was mag sie bei der Erwähnung der alten Uhrkette gemeint haben? Wie kann ihr das in den Sinn gekommen sein? Ich würde viel darum geben, e« zu wissen."

„War es bloßer Zufall oder schwebt ein Unheil in der Luft?" dachte der Marquis. „Unmöglich! Es war ein reiner Zufall — aber ich möchte doch wissen, wie e» kam, daß sie an die Kette dachte und warum sie davon sprach?"

dem und zu erhalten, berief ausgezeichnete Lehrer in sein Priesterseminar und erzog auch so eine pflichttreue eifrige Geistlichkeit. Eingedenk der Auf­gabe der Kirche, den Armen das Evangelium zu predigen, das Evangelium der Liebe allen mit des Lebens Mühe und Last, Roth und Elend Kämpfen­den, berief und verbreitete er in seiner Diözese die Genossenschaften der barmherzigen Brüder und der Dienstmägde Christi, den Kran . zum Tröste und zur Pflege, den Armen zurHife md Unterstützung, den Kindern zum Schutze, Gott und der Kirche zur Ehre. Wohl wissend, daß der Ordensstand im Reiche Jesu Christi der erwärmende Herd echter Gottes- und Menschenliebe ist, berief er Ordens­priester zur Unterstützung des Weltklerus im Wein­berge des Herrn. Aufmerksam auf jedes Bedürf« niß, auf jeden Nothschrei der leidenden Menschheit gründete er an der Nordgrenze seines Bisthums in der alten Abtei Marienstatt eine rettende Hei- math für solche Knaben, deren Erziehung in ihren häuslichen Kreisen gefährdet oder unmöglich ist.

O, ihr solltet hier eigentlich das Wort ergreifen, um die Arbeiten und Sorgen eures Heimgegangenen Oberhirten nach Gebühr und Verdienst zu schildern, ihr, die ihr seinen Thron umstandet und an seinen Arbeiten und Sorgen theilnahmet, ihr Diener des Heiligthums, die er hinaussandte zum Dienste derer, die das Heil erben sollen! Ihr solltet jetzt statt meiner sprechen, ihr Armen und Kranken, denen er in seinen geistlichen Söhnen und Töchtern in die Hütten und an die Krankenbetten Engel der Barmheszigkeit sandte! Ihr Kinder solltet euren Bischof preisen, die er entriß einer gefahrvollen Umgebung in zarter Jugend und in ein zweites Vaterhaus versammelte! Ihr Alle solltet statt meiner reden, die ihr Zeugen seines Lebens und Wirkens, Zeugen seines festen Glaubens, als auch seiner Liebe, Zeugen seiner Charakterfestigkeit, aber auch seiner milden Menschenfreundlichkeit gewesen seid! Nein, es war nicht zu viel gesagt, als der Festredner vor 2 Jahren diese Diözese einem Herr« lichen Garten verglich, gefüllt mit den Blumen aller christlichen und bürgerlichen Tugenden, die von seiner Hand gepflanzt und gepflegt worden sind. Was der Festredner damals aussprach, kann der Trauerredner von heute bezeugen; ja, es war ein herrlicher Garten, der sich in diesem Sommer bei seiner Wanderung durch diese Diözese seinen Blicken darbot!

Tiefe Falten lagerten sich auf seine Stirn und ein Gefühl von Unbehaglichkeit mischte sich in das der Zufriedenheit; mit jedem Schritte wurde das erstere stärker und verdrängte das letztere.

„Renard hat Recht!" murmelte er, als er sich feinem Haufe näherte. „Er muß morgen nach Mont Heron reifen. Es ist irgend etwas nicht richtig, und das verwünschte Mädchen mag an Allem schuld sein; denn ehe sie kam, ging Alles gut. Ich frage nichts darnach, wie Renard sie aut dem Wege schafft, aber beseitigt muß sie werden! Bisher hatte ich noch Mitleid mit ihr, jetzt aber ist es nöthig, daß ein Ende gemacht wird. Ich darf nicht länger zögern, die Katastrophe nähert sich ihrem Schluffe. Nur ihr Tod giebt mir meine Ruhe wieder — Alexa muß sterben und ihr Vater soll ihr folgen!"

48. Kapitel.

Mehr Licht.

Alexa kehrte nach Mont Heron zurück mit der- Ueberzeugung, daß die goldene Kette, von der sie ein Stück in dem Schlafgemach des ermordeten Marquis gefunden hatte, Pierre Renard gehörte. Dies zu beweisen, war jetzt ihr Wunsch und Stre­ben. Sie hielt es für nicht unwahrscheinlich, daß