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JV 8. Montag, den 12. Januar 1885.

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Trauer-Rede

des hochwürdigKe« Herrn Kisch,f, von Fulda bei Gelegenheit der Beisetzung des verstorbenen Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Limburg

Dr. Peter Joseph Blum,

gehalten im hohen Dome zu Limburg am 2. Jan. 1885.*)

Ich weiß, daß ihr von nun an mein Angesicht nicht Wiedersehen werdet, ihr Alle, bei welchen ich hindurchgegan­gen bin, das Reich Gottes zu predigen.

Apostelgesch. 20.

Ich sehe den hl. Paulus am Ufer des Meeres stehen, umringt von den Christen Kleinasiens und sich anschickend, das Schiff zu besteigen, das ihn aus ihrer Mitte führen soll. In tiefer Trauer hatten die Gläubigen den scheidenden Apostel an's Schiff geleitet; was sie aber am meisten schmerzt, das waren seine Abschiedsworte, er verlaffe sie für immer und sie würden sein Angesicht nicht Wieder­sehen. Andächtige Trauerversammlung! Auch wir umstehen heute eine theure Person, oder vielmehr ihre sterblichen Ueberreste; sie spricht nicht mehr zu uns, es redet zu uns nur der stumme Sarg, der vor uns steht, und in m.lchsn- ih.s irdisch. Hülle ruht. Aber dieser Sarg sagt auch uns, wir würden sein Angesicht hienieden nicht Wieder­sehen; er habe uns für immer verlaffen. So ist es also auch ein Abschiedsgruß der euch heute zu­gerufen wird; und derjenige, der von euch Ab­schied nimmt, ist errch mehr als eine theure Person, als ein theurer Freund, es ist auch ein Apostel, es ist euer Bischof!

Zum zweiten Male ist er von euch geschieden und zwar dieses Mal ohne euch die Hoffnung zu lasten, daß ihr ihn hinieden wiedersehet. Als er zum ersten Mal aus eurer Mitte scheiden mußte, sähet ihr ihm mit der stillen Hoffnung nach, daß er zu euch zurückkehren werde. Und in dieser Hoffnung wurdet ihr nicht getäuscht. In Wahr­heit war seine Sekundizfeier, wie damals der Fest­redner hoffte, die frohe Vorbotin der Rückkehr des

*) Aus dem ,Raffaucr Boten'.

107) s_/ | j j || (Mchdr. uert.) I

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Lord Montheron seufzte erleichtert.

. „Ich hoffe, die junge Dame ist, wie Sie von shr denken," sagte er. „Aber sie ist gar zu ge- heimnißvoll und gefällt mir deshalb nicht. Nach weinen schlichten englischen Begriffen von Anstand und Sitte ist sie als Gesellschafterin für Sie nicht pastend, Lady Wolga. Ich halte es für meine pflicht, Ihnen mitzutheilen, was Pierre Renard sagte. Sie war an Ihrem letzten Gesell- lchaftsabend nicht zwischen die Klippen gerathen, wndern hatte einen Mann im Garten getroffen; Pierre erfand die Geschichte von dem Unfall, uw sie vor den Folgen ihrer Schuld zu be­hüten."

„Miß Strange erzählte mir selbst, daß seine Geschichte unrichtig war und daß sie einen Mann ^w Garten getroffen hatte."

Der Marquis stutzte und wechselte die Farbe. „Sagte sie, wer der Mann war?" fragte er gespannt.

greifen Jubilars. Vor einigen Wochen war es ein Jahr, als er aus seinem Exils heimkehrte und mit Dank erfülltem Herzen gegen Gott und seinen kaiserlichen Herrn unter eurem festlichen Jubel wieder Besitz ergriff von seinem Bischofssitze.

Ach, wer hätte damals ahnen können, daß die Freude nur so kurze Zeit währen sollte; daß er nur heimkehrte, um in eurer Mitte zu sterben! Er kam ja leider wieder als ein gebrochener Greis; aber dennoch hofftet ihr, der Herr werde ihm noch eine Zeit lang vergönnen, sich an dem Morgen- rothe einer bestem und sreidlichern Zeit zu er­freuen. So hofften auch wir, seine Amtsbrüder und Nachbaren, und um diese Hoffnung nach un­fern Kräften verwirklichen zu helfen, drängten wir ihm mit ganzer Gewalt unsere Hilfe auf und durchzogen für ihn und in seinem Namen eure Diözese, des bischöflichen Amtes waltend. Unsere Hoffnung war vergeblich; seine Lebenskraft war erschöpft! Wohl kehrte er mit der Absicht heim, alle seine Gemeinden noch einmal wiederzusehen; wohl hoffte er wieder stark genug zu werden, den­selben wieder selbst die Segnungen der Kirche bringen zu können. Allein bald mußte er inne werden, daß ihm keine längere Wirksamkeit be- schieden sei und daß der Herr bereit stehe, nicht in ein neues Exil ihn zu schicken, sondern aus diesem allgemeinen Verbannungsorte in die ewige Heimath ihn abzurufen. Er fühlte die Abnahme seiner Kräfte und sah. daß seine Lebensgeister im Erloschen waren, und wenn auch sein Gelt noch immerfort willenskräftig war, sein Fleisch war schwach und ohnmächtig.

O, es war für ihn nicht eins der geringsten Opfer, daß er nicht weiter mehr konnte, als mit Moses betend die Hände zum Himmel zu erheben, während Andere für ihn die Schlachten schlugen! Und mit tiefer Betrübniß erfüllte ihn die Un- thätigkeit, zu der er sich vemrtheilt sah! Allein, was er sein ganzes Leben geübt, das übte er auch in den letzten schweren Zeiten seiner Lebenslage. Er sah mit stiller Ergebung dem Grabe sich täg­lich näher gerückt, aber er beugte sich in tiefer Demuth unter Gottes weisen Rathschluß; er rüstete sich frühzeitig mit den letzten Tröstungen der Kirche und dem Segen des apostolischen Ober­hirten; und dann brachte er mit seinem festen gläubigen Sinne alle Tage dem Herrn das Opfer seines Lebens, sah in seinem körperlichen Leiden

Lady Wolga antwortete verneinend.

„Das ist ihr Geheimniß," fügte sie hinzu. „Mich verlangt nicht darnach, es eher wiffen zu wollen, als bis sie es mir selbst sagt. Ich ver­traue ihr."

„Um dann getäuscht zu werden!" Sie wüsten Alles wisten, was das Mädchen thut, Wolga. Der Mann war ein junger englischer Abenteurer, den sie auf ihrer Reise nach England kennen lernte," log der Marquis. „Sie kokettirte mit ihm auf der Reise, und er folgte ihr, entschlossen, sie zu heirathen."

„Sind Sie sicher, daß Pierre die Wahrheit sagte, als er Ihnen das erzählte?"

„Gewiß."

„Dann thut mir Miß Strange leid," sagte Lady Wolga ernst; „aber ich kann sie nicht gänz­lich verdammen. Jener Mann erwies ihr viel­leicht auf der Reise einige kleine Gefälligkeiten und verlangte dafür Erkenntlichkeit. In ihrer Unerfahrenheit ließ sie sich einschüchtern und wird ihm Schweigen zugesichert haben. Ich weiß, daß sie nicht so schwer zu beschuldigen ist."

„Pierre hörte, daß er eines Briefes erwähnte, den sie ihm geschrieben und in dem sie ihm ihre neue Adresse mitgetheilt hatte," fuhr der Marquis

das Feuer, welches seine Seele läuterte für die Ewigkeit und ertrug mit frischer Geduld die Schmerzen seines langen Todeskampfes, auf seinen leidenden Heiland hinblickend uub sich tröstend und stärkend mit den Lehren der heiligen Schrift! So war er denn nur heimgekehrt, um zu sehen, daß der Bau, an dem er mehr als 40 Jahre voll hingebender Liebe und unermüdlicher Sorg­falt gearbeitet hatte, den Stürmen, die ihn um­tobten, widerstanden, daß er wohl einiger Zier- rathen beraubt, aber sonst unerschüttert geblieben war, und nachdem er sich hiervon überzeugt und hieran getröstet hatte, legte er fein müdes Haupt zur ewigen Ruhe! O, so hat sich denn rasch er­füllt, was der Festredner an seinem Jubiläums­tage voll Begeisterung im Geiste schaute, wenn auch anders, wie er damals meinte, und es ver­stand ! St. Georg und St. Nikolaus haben ihren edlen Bekenner nun wirklich abgeholt, um ihn auf den Sitz zu führen, der ihm am Throne Gottes bereitet ist, um ihn die Krone der Herrlichkeit aufzufetzen und die immergrünende Siegespalme in die Hand zu geben!

Seine Leiche umstehen heute nun seine trau­ernden Kinder, die mit ihrem heißen Flehen den Tod so lange als möglich von ihm abgewehrt, die ihn mit ihren inbrünstigen Gebeten noch lange Zeit erhalten haben, als seine Erhaltung irdischer Nahrung kaum noch möglich schien! Und ich soll M?meM°t'"un^B'LM W’W bringt. Als ich in biesem Sommer mit bem Hochwürdigsten Herrn Bischof von Hildesheim die Gemeinden eurer Diözese durchzog, da haben die Limburger Diözesanen uns oft beauftragt, dem geliebten Oberhirten die Gefühle ihrer Liebe und Ehrfurcht auszusprechen. Wir haben es mit Freuden ausgerichtet und es hat seinem Herzen wohlgethan. Auch heute stehe ich vor ihm, aber vor seiner Leiche, und angesichts derselben soll ich wiederum der Dolmetscher der Diözese Limburg fein; ich soll den Trauerkranz, den eure Liebe und Dankbarkeit dem verewigten Obeihirten windet, auf seinen Sarg niederlegen. Nun wohl, andächtige Trauerversammlung, ich will es ver­suchen, einfach und schlicht, wie es die Sprache wahrer Herzenstrauer ist, auszusprechen, was die Diözese Limburg bei dem Anblicke der entseelten Hülle ihres Bischofs bewegt, und wenn sch dabei

zu lügen fort. „Er war jung und schön, ganz geeignet, ein junges Mädchen zu bestricken."

„Wenn Ihre Miß Strange ein Diamant ist, Lady Wolga, so ist sie, glauben Sie mir, einer von der unrechtesten Sorte. Unschuldige Gesichter haben schon oft schlechte Herzen verdeckt."

Er gab plötzlich dem Gespräch eine andere Wen­dung, damit die Wirkung seiner Worte nicht durch eine Gegenrede abgeschwächt werde.

„Haben Sie schon die Zeit Ihrer Rückkehr nach Clyffebourne bestimmt?" fragte er.

„Ich werde nächste Woche reifen. Ich beab­sichtige noch einige Einkäufe in der Stadt zu machen, und wenn ich gehe, werde ich keine Gäste mit mir nehmen. Mein Juwelier schrieb mir gestern, daß mein Schmuck fertig sei. Heute ging ich zu ihm, um ihn zu besehen. Die Diamanten sind zum Theil neu eingesetzt. Ich fand sie wundervoll und brachte sie bei meinem Bankier in Sicherheit, da ich nicht wagte, sie mit nach Clyffebourne oder meinem Land- Hause schicken zu lassen, weil sie dort leicht Diebe anloden könnten. Die Krone hat besonders für mich einen um so größeren Werth, weil sie meiner Mutter und Großmutter gehörte. Solche Erbstücke hält man in Ehren."