J\2 4. Mittwoch, den 7. Januar 1885.
Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pf., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Stmie und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Zweites Blatt.
Zertungsleser u. Zeitungsschreiber
oder
Die Presse.
(Aus dem Apostolat der Presse.)
Es ist schon so viel über die eminente Bedeutung und Wichtigkeit der guten, speziell der katholischen Presse gesprochen und geschrieben worden, daß es hieße, Wasser in den Rhein tragen, wollten wir mit unfern oben angedeuteten Worten über das Thema uns abermals verbreiten. Alle die edlen Schriftsteller und geistlichen Hirten, welche so warm und eindringlich vor der schlechten Presse warnen und die gute Presse empfehlen, wissen wohl, warum sie in dieser Sache ihre Stimme erheben. Die Prcffe ist eben heutzutage, um mit dem hl. Vater Leo XIII. zu reden, eine großartige Weltmacht geworden, die je nachdem unberechenbaren Schaden oder Nutzen unter der menschlichen Gesellschaft stiftet. — Hierüber kein weiteres Wort mehr, nur ein wohlgemeinter Wink an die Zeitungsleser und Zeitungsschreiber.
Wer sind die Zeitungsleser? Heutzutage lesen bereits alle Leute die Tagesblätter und vorab die jüngere Generation. Kommen wir in ein Privatoder Gasthaus, so greift Alles nach den Zeitungen auf dem Tische und an den Wänden herum. Die Kinder, unerwachsene und halberwachsene, sind nicht die letzten, welche vor brennender Begierde die Nase in die Zeitung stecken und nach allen Tagesneuigkeiten haschen, wenn diese noch halbnaß aus der Presse kommen.
Und wer sorgt diesen Lesern für die Zeitungskost? Das sind die armen, geplagten Zeitungs» fchreiber, obenan die gegeißelten und dornengekrönten Redaktoren. Bildet die Zahl der Zeitungsleser eine unübersehbare Legion, so dezimirt sich dagegen die Zahl der Zeitungsschreiber bedenklich. Es ist das aber auch nicht zu verwundern, sagt doch der Hochwücdigfte Bischof von Chur nur allzu wahr: „Die Arbeiter haben ein überaus schwieriges, oft äußerst undankbares Geschäft".— Aus welchen Leuten rekrutiren sich denn die Zeitungsarbeiter? Wir werden nicht irren, wenn wir denken, die meisten dieser Geister gehören mehr oder weniger der gebildeten Klasse an, welche eine kürzere oder längere wissenschaftliche Laufbahn hinter
xAIera (**1W
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von K. Wagner.
»Wenn ihm Unrecht geschehen ist," sagte MrS. Jngestre, „so kann dieses Unrecht nie wieder gut gemacht werden. Aber ich will von Allem nichts lagen, bis Sie es mir erlauben, Alexa. Ich muß jedoch gestehen, daß ich mich über Ihr Interesse an dieser Sache wundere."
„Wir wollen Sie nicht länger belästigen, Mr. Dalton," sprach Alexa, sich erhebend. „Ich hoffe, Sie in dieser Angelegenheit bald wiederzusehen. Morgen gehe ich nach London, werde aber bald schon zurückkehren, wahrscheinlich mit Lady Wolga Clyffe."
»Müffen Sie so bald gehen?" fragte Mrs. jngestre traurig.
Alexa antwortete bejahend. Sie war ungeduldig, °en früheren Besitzer der Kette, von welcher sie Cln Stück gefunden, zu ermitteln.
»Sie sollten nicht ohne Begleitung sein, Alexa," sagte Mrs. Jngestre. „Sie sind zu jung und schön, um allein in die Stadt zu gehen. Ich will Sie
sich haben. In die Zeitungsblätter und deren Rs- daktionsbureau verlieren sich gewöhnlich nebst den hohen gebildeten StaatSgenies von Bundes- und RegierungSräthen, Professoren rc., noch die Advokaten, Lehrer und Geistlichen. Weniger begegnet uns in der Tagesliteratur die Feder aus dem Handwerkerstand und noch seltener aus dem Bauernstand.
Aus dem Erwähnten ist ersichtlich, daß die Zahl der Arbeiter für die Presie im Verhältniß zum Leserkreis eine ungemein kleine ist, um so größer, anstrengender, saurer und aufreibender die Arbeit der Korrespondenten, besonders der Redaktoren. Es gibt beständige Korrespondenten, die mit Berufsarbeiten überladen, sich jede Erholung versagen, den nöthigen Schlaf abbrechen und ohne jede materielle Entschädigung bis in die späten Stunden der tiefen Nacht für das spezielle und geistige Wohl des Publikums am Korrespondenzpulte sich krank und müde schreiben. Wir begegnen weltlichen und geistlichen Beamten, die nebst ihrer außerordentlich viel Arbeit erfordernden Berussthätigkeit noch mit staunenswerther Aufopferung auf dem publizistischen Felde sich betheiligen. Denken wir einen Redaktor, der Jahrzehnte lang und darüber an einem täglich oder wöchentlich doch mehrmal erscheinendem Blatte arbeitet,. was der nicht für einen dornenvollen Leidensweg zu machen hat. Nebst der Geist und Nerven anspornenden Thä- tigkeit, sind beständige Vorwürfe von links und rechts, Hiebe- von hüben und drüben, Kummer und Sorgen, Befeindungen und gehässige Nörgeleien und Verdächtigungen seine Leidensgefährten.
Ist nun die publizistische Arbeit eine so müh- und dornenvolle, was sich nicht mehr abläugnen läßt, so wäre es doch nicht mehr als billig und recht, daß man den Arbeitern der Presie, Korrespondenten und Redaktoren, mehr Rücksicht und dankbare Schonung entgegenbrächte. Allerdings soll die publizistische Feder soviel immer möglich in gemäßigter Ausdrucksweise und objektiv sich auf dem politischen und religiösen Gebiete bewegen und persönliche Angriffe zu vermeiden suchen. Aber die Verhältnisse, die besprochene schwierige Lage und Arbeit der Korrespondenten und Redaktoren in's Auge fassend, muß jeder klare Verstand einsehen, daß es rein unmöglich ist, immer und allezeit das richtige Wort und den passenden Ausdruck, das „Düpfli auf dem i", zu finden. Wer
begleiten. Es war schon lange meine Absicht, Sir Henry Hubbert in Betreff meiner Krankheit zu consultiren, und dies ist eine gute Gelegenheit. Ich werde Sie wieder mit mir zurückbringen. Verlassen Sie sich darauf.
„Darf ich nach der Ursache Ihres tiefen Jn- tereffes an der Montheron'schen Tragödie fragen, Miß Strange?" sagte Mr. Dalton, welcher in den Mienen und in dem Wesen des Mädchens etwas Geheimnißvolles fand, was seine Neugierde reizte.
„Sie werden es seinerzeit erfahren," lautete die ruhige Antwort. „Es liegt mir daran, ein großes Unrecht wieder gut gemacht, einen edlen Namen wieder hergestellt zu sehen!"
„Der Einfall oder die Laune eines romantischen Mädchens," sprach MrS. Jngestre, sich ebenfalls erhebend. „Roland ist gewiß ebenso besorgt, wie sonst Jemand, den Namen seines Verwandten wieder herzustellen, aber das ist, glaube ich, eine Unmöglichkeit."
Die Damen entfernten sich. Als der Wagen in dem Regen dahinrollte, blickte ihm Mr. Dalton durch die beschlagenen Fenster nach, indem er vor sich hin-murmelte:
„Des Mädchens Enthusiasuius ist ansteckend.
in seinem Leben noch nie eine Dummheit gemacht, mit seiner Feder noch keinen Bock geschossen, der werse den ersten Stein aus uns, so könnten mit Fug und Recht die Zeitungsarbeiter nicht wenigen Lesern antworten. Es ist gut bei der dampfenden Pfeife, der duftenden Havanna, beim Kaffee oder Thee, am runden Tischchen beim Spielchen und schäumenden Bier die Zeitung von der Wand nehmen, lesen, kritisiren und dann schimpfen und poltern, wenn man einen Ausdruck oder eine Korrespondenz findet, in welcher man wittert, daß fragt. Korrespondent oder Redaktor dem vermeintlichen Leser auf die Zehenspitze getreten. Ja, das ist ein leichtes Geschäft, aber eine Zeitung selbst zu machen, in ein Blatt zu schreiben, da» e» allen Lesern und Abonnenten gefüllt und konvenirt, das hat eben eine andere Nase.
Um fo betrübender und peinlicher muß e» die Arbeiter der Presse berühren, wenn sie so nur zu oft eine gehässige, verläumderische Kritik und Verfolgung erfahren müssen. Nicht minder betrübend ist es, daß solche Leute, welche Geschick, Verständ- niß und freie Zeit für die publizistische Tätigkeit hätten, das ganze Jahre keine Silbe für die Presse liefern und immer hinter dem Ofen bereit sind über die Korresponvenken und Redaktoren loszu- zuziehen und abzuurtheilen, wer in Zeitungen schreiben sollte und wer nicht. Nicht selten haben wir schon gehört, daß sich die Zeitungsschreiberei für einen Geistlichen nicht schicke, und namentlich die seelsorglichen Arbeiten darunter leiden müssen, wo ein'Geistlicher neben seiner Pastoraiion noch" als Redaktor sunktionire. Dieser gewiß nicht stichhaltigen Ansicht halten wir entgegen, ist nicht auch der Geistliche Bürger, kennt er nicht ebenso- sogut als der Laie des Volkes politische und religiöse Bedürfnisse und Gebräuche und wer kann besser, geeigneter und erfahrungsmäßiger im öffentlichen Leserkreise zum Wohle des Volkes sprechen und ralhen, als der Geistliche, gehöre er dieser ober jener konfessionellen Richtung und politischen Farbe ober Schablone an.
<.*»*»zum». ... v ■ n, i.»i»* ^L*x»wn-Z3MrraisnBBnMUacnnnaNBMi
* Oberhirtliches Schreiben an den hochw. Klerus der Diözese Fulda.
Am heutigen Festtage beging alljährlich bis in die jüngste Zeit (1870) das Weltingitut der kalh. Ki che zur Verbreitung des Glaubens, die sog. Propaganda zu Rom, das berühmte Sprachensest, an welchem vor glänzen, der und zahlreicher Versammlung Jünglings aus den Mis-
■.!■■■ IIT ...........................
Wie, wenn Lord Stratford Heron noch lebte ? Wie, wenn sich seine Unschuld herausstellte und er wieder zu seinem Rechte käme? Es haben sich schon seltsamere Dinge zugetragen. Besser ist es, daß Roland Jngestre nichts von der Entdeckung erfährt. Wie wird das Mädchen ermitteln, wem das Stück der Kette gehörte? Und wer ist sie? Sie hat die Zuge der Montherons. Seltsam, daß die Geschichte nach so vielen Jahren wieder an's Tageslicht gezogen wird! Ist das eine Fügung des Himmels, und ist das Mädchen ein Werkzeug der Vorsehung?"
46. Kapitel.
Zum gemeinsamen Handeln verbunden.
Am nächsten Morgen reisten Alexa und JirS. Jngestre nach London und kehrten in einem kleinen Hotel ein, in welchem die alte Dame schon früher logirt halte.
„Das Wohnhaus der Montherons ist noch geschlossen," sagte MrS. Jngestre; „der Marquis hat sich irgendwo einlogirt und binirt in seinem Club. Wenn er zur Saison kommt, bringt er seine Dienerschaft mit und öffnet sein Haus und führt ein glänzendes Leben; aber bei einem flüchtigen Besuch sagt ihm ein Hotel besser zu. Wün-