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2 SonnabS, den 3. Januar 1885.

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Der Bankerott der inner» Politik des Fürsten Bismarck

ist der Hauptschlüssel zum Verständniß der „Be­wegung", welche jetzt wegen eines untergeordneten Anlasses von den Offiziösen und „Nationalen" in's Werk gesetzt und weit über ihre Ausdehnung und ihren innern Gehalt hinaus aufgebauscht wird. Denn noch zu allen Zeiten war es ein Mittel der „Regierungskunst", bei hochsteigenden inneren Schwierigkeiten die Blicke auf die auswärtige Politik oder auf irgend eine, wenn auch unbedeu­tende Spezialität im Innern abzulenken, bezüglich welcher es etwas bester stand. Die Bismarck'sche innere Politik ist aber bei ihrem Bankerott ange­langt, gerade auf den wichtigsten Gebieten des öffentlichen Lebens: wir stehen vor einer Ver­sumpfung der Kirchenpolrtik, vor einer Ver­sumpfung der Wirthschafts- und Sozialpolitik und vor einer Versumpfung der Steuerpolitik.

Daß Fürst Bismarck in der Kirchenpolitik nicht mehr aus noch ein weiß, liegt klar zu Tage. Es wird auch selbst von den Offiziösen nicht be- strstten, und alle Parteien, wenn auch natürlich aus sehr verschiedenen Gründen, halten die Kirchen­politik für verfahren. Man wird auch nicht einen einzigen Abgeordneten und nicht ein einziges Preßorgan nennen können, wovon diese „weise" Kirchenpolitik gebilligt würde. Es wird mit jedem Tage dringlicher, daß dir Regierung in einer oder der andern Weise vorwärts kommt; fie kann aber, __h?r ^fiüdienpnfitif einschla­gen, welche sie will, nicht vorwärts kommen, ohne einen Rückzug von der früher von ihr eingeschla­genen Linie.

Mit diesem von der Regierung verschuldeten Stande der Kirchenpolitik hängt aber auch die Ver­sumpfung der Wirthschafts- und Sozialpolitik zu­sammen. Alles, was auf diesem Gebiete Gesundes zu Stande gekommen, ist vom Cent rum durch- gesetzt worden. Das Centum ist auch ferner zu allem Guten bereit; es bildet z. S. auch jetzt wie- der, wie 1878, den Hauptfaktor in der „Freien wirthschaftlichen Vereinigung" des Reichstages und arbeitet dort an der Fortentwickelung der Wirth­schafts. und Sozial-Reform. Denn so wenig auch das Centrum Grund hat, irgendwie der Regierung entgegenzukommen, so liegt ihm doch durchaus fern, unter der Schuld der Regierung Land und Volk leiden zu lasten. Deshalb wird es auf dem Ge-

(Nach»r. »er».)

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oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von L. Wagner.

Der Abend verging rasch. MrS. Jngestre und Lord Montheron hatten ihre Gäste eingeladen, die Nacht über im Schloste zu bleiben, aber Lady Wolga hatte entschieden abgelehnt. Um elf Uhr fuhr der Wagen vor, die Damen stiegen nach herzlichem Abschiede ein, und nachdem Lady Wolga noch einige vertrauliche Worte mit Alexa gewechselt, fuhr der Wagen rasch den Schloß- berg hinab und auf dem Strandwege Clyffe- bourne zu.

„Was für ein schreckliches Wetter!" klagte Lady Markham schauvernd und sich fester in ihren Mantel hüllend. „Der Wind wird den Wagen umwerfen. Haben Sie je einen solchen Sturm gehört? O, Lady Wolga, wären wir doch im Schloste geblieben."

„Warum haben Sie es nicht gethan?"

„Wir konnten nicht, weil Sie es ablehnten," erwiderte Lady Markham. „Warum haben Sie die Einladung nicht angenommen?"

biete der Wirthschafts- un^ozial-Reform alles Nützliche theils selbst vorsZen, theüs wird es unterstützen, was von ander Parteien und auch von der Regierung vorgeschk" werden sollte. Aber die Regierung magü16 dichrhett mit dem Centrum, und daher blS l^tzt dem Reichstag nichts in der Ws^aftspolitik und wider Erwarten wenig in d^Molpolttck vor­geschlagen. Sie „strikt", siegst macht „Ob­struktion". Nun, sie wird Farvekennen müssen, roei.n die Anträge aus dem R^ag kommen.

In der Steuer-Reform-^teht die Arbeit des Fürsten Bismarck seit ne.3a9ren ~ *)enn seit 1875 datiren seine grol Steuerplane - in einem unsichern Hin- und -tappen. Hundert Mal ist ihm von Seiten der->rteien und in der Presse gesagt worden, er en°^7 etn

Mal einen Plan der vorlegen,

wie es sonst Sitte sei bei f*en Reformprojekten, in Preußen z. B zur Zei^s Frhrn. v. Stein. Ein solcher erschöpfender ^er Steuer-Reform hätte aber klar enthalten^"- was die Regie­rung auf der einen Seif >" Aich, und ergän­zend in Preußen, wachsen u. s. w. an Steuern beibehalt^rblii: neu einführen wolle, und was auf der Oe« «Seite im Reich und m den Einzelstaate^' irderungen an Erleich­terungen gegeffistlichew solle. Das hätte ein klares Bild in‘n°- daod auch darüber gegeben, wie die Neuf W- Milden projektirten Erleich- terunaen afvdtenwPffermäßig sich verhalten

... >ter dess.^^Mrst-iEche" di- „Steuerr'll anzuerkS >r Ws-ise hung sein sollte, und FüMe rwehr üb. ,yien, vöeziehung zwar viel, aber n rtglieder ' f)m Trepph immer nicht genug Entgt'apelle sü!<>n Vorsahat bis heute ein umfastend^ber 18^ei pama" immer noch auf sich wartetAtius üb >hen Sird auch wohl niemals erscheiner jetzig schof (Schluß folgt.) -------------------------'ie'iiemd*-1 ------------------------

Deuts^ Neich.

^kkk'in, 2. Januar.

• Die Ansprache des alZrrs bei dem ge- ftrigen Botschafter - Empfi enthielt politisch Be- merkenswerthes nicht.

* Der,Kreuz-Ztg.' zufolist der Staatsrath zum 12. Januar einberuferftb wird die für den Landtag bestimmten Vorlag- zur Begutachtung vorgelegt erhalten.

„Weil ich nicht eher uni dem Dache des Schlostes schlafen will, als s ich als Herrin dahin komme!"

„Sie halten es für gewiß,aß Sie Marquise von Montheron werden," fr ■ die Lady Mark­ham.

„Ich hoffe es!"

„Sie können es, roennSie es wünschen. Jedermann sieht, daß der lrquiS Sie anbetet. Es ist endlich eine abgemac Sache, wie ich sehe, und ich freue mich Jhr-egen. Sie werden glücklich werden. Aber n lange haben Sie ge- zögert. Sie haben deniarqui» stark auf die Probe gestellt."

Lady Wolga antwortenicht. Lady Markham beschloß, bei der ersten sten Gelegenheit dieses Gesvräch Lord Monther gegenüber zu wieder- holen. Wenn sie sich.« Gunst sicherte, hoffte sie im Schlöffe Mont fon eine Heirnath für ihr ganzes Leben zu find

Die erwünschte Ggenheit bet sich schon am nächsten Morgen, e beiden Herren von Mont Heron kamen nach yffebourne, um sich nach den Damen zu erkundn unb Lorb Kingscourt zu- gleich, um Absch-zu nehmen. Laby Markham

* Die .Norbb. Allg.' brachte gestern an leitenber Stelle folgenden höchst sonberbaren Artikel: <: v J

„Wie wir hören, macht sich in Bayern unter den Ar­beitern mehr und mehr das Bedürfniß danach geltend, ein kleineres Geldstück als den Pfennig zu besitzen. Unserer heutigen Geldwährung fehlt es an einer Gcld- sorte, durch welche die Werthe derjenigen Unterabtheilungen der Maße, nach denen die nothwendigsten Lebensmittel von den ärmeren Klassen gekauft zu werden pflegen, zu einem genauen Ausdruck gebracht werden könnten, und die Folge davon ist, daß diese Unterabtheilungen, wie z. B. das Quart oder der fünfte Theil eines Pfundes, von dem Konsumenten über ihren Werth bezahlt werden müssen. Das Liter Bier kostet 22 Pf., der Quart müßte hiernach Pf. kosten; da diese Summe nicht bestellbar ist, so rundet der Bierhändler sie nach oben zu ab auf 6 Pf., und der Konsument eines Quarts muß also 1/2 Pf. zuviel bezahlen. Das Pfund Rindfleisch gilt 56 Pf.; für 1/5 Pfd. muß der Konsument aber 12 Pf. zahlen, also 4/5 Pf. zuviel. Dasselbe wiederholt sich bei allen übrigen Konsumtionsartikeln. Die Theile sind zusammen- gcnonimen theurer als das Ganze, weil es an einer ent­sprechenden Scheidemünze fehlt, wie Bayern sie früher in dem Heller besaß. Es wird des Weiteren an der Hand angeblicher statistische Aufstellungen berechnet, daß der Verlust, den die ärmeren Klassen auf diese Weise beim Einkauf der einzelnen Lebensmittel zusammen erleiden, sich auf mindestens Mk. 20 im Jahr per Kopf beläuft. Schätzt man nun den Bestand dieser Klassen in ganz Deutschland auf 30 Millionen, so ergibt sich ein Verlust von 600 Millionen Mark jährlich. Diese 600 Millionen Mark fließen heute in die Tasche des Zwischenhändlers. Bedenkt man, daß der Gewinn des Letzteren ein sehr hoher ist, wenn man denselben nach den im Zwischen­handel für die ganzen Maße üblichen Preisen berechnet, so scheint die Frage der Wiedereinführung des Hellers, durch welche jene 600 Millionen für den armen Mann erspart werden würden, einer gründlichen Erwägung wohl werth zu sein."

Der Zweck Viesen Artikels erscheint vottausig unklar. Es scheint fast, als sollte ber Zweck biefer offenbar unjutreffenben Berechnung nur bas Hetzen gegen ben Zwischenhänbler fein.

• Die von bem Lanbesverein preuß. Volks­schullehrer in Umlauf gesetzte, an bas Haus ber SIbgeorbneten zu richtenbe Eingabe wegen Er- laffes eines Ausstattungs- unb Ruhegehalts-GesetzeS ist jetzt nach ihrem Wortlaute bekannt geworben, wie er ben Zweigverbänben behufs Unterschriften- Sammlung mitgetheiit ist. Als Abfenbungsfrist ist bie Eröffnung ber bevorstehenben Session empfoh­len unb bemerkt worben, baß Eingaben, welche von Vereinen als solchen bem Hause eingereicht werben, unberücksichtigt bleiben, weshalb bie angegebene Form beibehalten werben soll, schon um bie Wünsche ber Lehrerschaft zu möglichst einheitlichem Ausbrucke ge­langen zu laffen. In ber Eingabe heißt es:

theilte bem Marquis bie Aeußerungen ber Laby Wolga am Abenb vorher mit, worüber berfelbe sehr erfreut war.

„Sie werben sich also halb verheirathen, Lorb Montheron," sagte Laby Markham. „Ich gra- tutiren Ihnen von ganzem Herzen, obgleich Ihr Gewinn für mich ein Verlust ist. Ich bin so lange bei ber lieben Laby Wolga gewesen unb wenn sie heirathet, verliere ich nicht nur ihre angenehme Freunbschast, sonbern auch meine Heirnath."

„Verwenben Sie Ihren Einfluß zu meinen Gun- sten, meine theure Laby Markham," entgegnete ber Marquis freundlich. „Wenn Laby Wolga mir bie Ehre anthut, mich zu heirathen, wirb es mir nie einfallen, Sie von ihr zu trennen. Ich würde es gern sehen, wenn Sie unsere Heirnath zu Mont Heron mit und theilten unb ein geehrter Gast bei uns sein würden, so lange Sie leben."

Mit diesem Versprechen hatte er Laby Markham vollständig auf seine Seite gebracht. War sie bis­her seine passive Freundin gewesen, so trat sie nun thätig für seine Interessen in bie Schranken.

Am Nachmittag fanb Lord Kingscourt Gelegen­heit zu einer kurzen heimlichen Unterredung mit Alexa auf ber Kolonabe zu Mont Heron. Er sagte ihr, baß er auf feinen Bries an ihren Vater keine