1885.
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Bischof Dr. Peter Joseph Blum von Limburg, f
** Nachdem wir unsere Leser bereits in Kürze von dem Ableben des tiefbetrauerten Oberhirten der Diözese Limburg in Kenntniß gesetzt haben, kommen wir heute dazu, unsere ersten flüchtigen Mittheilungen zu vervollständigen.
Wiederholt durch Gnadenerweise ausgezeichnet, vom Papste nicht minder wie von seinen Landesherrn, dem Herzog Adolph von Nassau, und seit 1866 von dem König von Preußen, geliebt und geehrt von seinen Diözesanen, waltete Bischof Peter Joseph seines Amtes mit unermüdlicher Ausdauer und großer Umsicht. Das religiöse Leben in der ihm anvertrauten Diözese hat unter seiner ober- hirtlichen Leitung einen großen Aufschwung genommen. Derselbe ist in erster Linie dem tüchtigen Klerus, den der Bischof herangebildet, zu verdanken; in zweiter Linie der wirksamen Thätigkeit geistlicher Genossenschaften, die er errichtet. Unter letzteren sind vor Allem und mit Auszeichnung zu nennen die „Dienstmägde Jesu Christi", welche sich seit 1850 zu einer geistlichen Genoffenschaft kon- stituirten, und die in Deutschland, Holland und Amerika gegenwärtig mehr als hundert Filialen besitzen. Drei Orte sind es vor Allem, welche den Namen des verstorbenen Bischofs unvergänglicher als ein Denkmal von Erz bewahren: Bornhofen, mn er ein Miss:cms- und Ererritieniaus gegründet, Marienthai und Manenstadi, 'weiche'Anstalten er ' unter großen Opfern zurückkaufte und ihren reli- giös-charitativen Zwecken zurückgab.
Trotz seines segenspendenden Wirkens hat es dem Kirchenfürsten an bitteren Kämpfen nicht gefehlt. Auch die naffauische Regierung hatte einen „Kulturkampf" heraufbeschworen, namentlich wegen der Besetzung der geistlichen Stellen und in der Schulfrage. Wie friedliebend und persönlich milde der Heimgegangene auch war, ebenso fest und entschieden hat er in dem langjährigen Konflikt die Selbstständigkeit der Kirche vertheidigt, in unerschütterlichem Vertrauen auf den Sieg der gerechten Sache und auf die Wahrheit seines Wahlspruches: 8i Deus pro nobis, quis contra nos? Doch noch härtere Kämpfe sollten den Abend seines Lebens trüben. Wie groß auch das Entgegenkommen war, das Bischof Blum der preußischen Regierung nach der Okkupation des Herzogthums Naffau zeigte, die
Schärfe der vreußischen ^engesetze hat ihn nicht minder getroffen, wie sei, bischöflichen Amtsbrü- der. Mit welch' apostolieni Muthe und edler Selbstverleugnung er mit esen seit Beginn des unseligen kirchenpolitischen 5>npfes für die Rechte und die Freiheit der Kirche ntrat, ist allbekannt. Wiederholt wegen Uebertretun der Maigesetze bestraft, wurde er am 13. Ju 1877 vom sogen, kirchlichen Gerichtshof seines Pes „entsetzt". In der Anklage führte der Obersitsanwalt Jrrgayn aus, im Verhallen des Biscks Blum seien dieselben Erscheinungen hervorge^ten, welche bei anderen Bischöfen die „Ämtsenvung" herbeigeführt hätten. Speziell hat man h Pischofe gegrollt, weil in seiner Diözese nicheinziger Geist- kicher sich den Maigesetz-n g'gt hat und die ver- urtheilten Geistlichen alle d Kompetenz der Gerichte bestritten. Im Urtse führte der Gerichtshof aus, daß Bischof Bst durch Schrift, Wort und Handlung Widerst/ gegen die Maigesetze geleistet; er habe ohne ^vorherige Anzeige beim Oberpräsidenten Geistlickangestellt, die Wiederbesetzung erledigter Pfar llen verweigert und die staatliche Befugniß zur Histon des Seminars bestritten. Wegen derselbe Verbrechen" waren an- dere Bischöfe schon „alutzt" und die Lage der katholischen Hierarchie Preußen eine namenlos betrübende. Die staatli „Absetzung" war ausgesprochen gegen: Graf HeblnSSki, Erzbischof von Gnesen „"',d Posen ; Hließtztin . von Paöeroorn; Ur. FbrMWvs von SteS-' lau; Dr. Brinkmann, lchof von Münster; Dr. Melchers, Erzbischof voflöln und schließlich Dr. Blum, Bischof von Limrg. Zufolge Todesfalles waren vakant Fulda U Trier. Besetzt waren nur noch die 4 DiözescHildesheim, Osnabrück, Kulm und Ermland. X
Die katholische Hieraw war unterbrochen, die ordentliche Seelsorge vechtet und die Kirche blutete aus tausend Wundc So lag die kirchenpolitische Situation, a Dr. Blum „abgesetzt" wurde. Aber das kathsche Volk stand und steht ungebeugt.
Sechs lange Jahre mutzBischof Peter Joseph fern von seiner Diözese in ; Verbannung leben. Von Böhmen aus, wo deiochherzige Fürst Löwenstein ihm ein A auf dem Schlöffe Haid geboten, mußte er sn, wie der kirchenpolitische Sturm so manche oi^ ihm gepflanzte,
i gehegte und gepflegte Blume auf geistigem Gebiete > nickte, wie die Reihen des Klerus sich mehr und mehr lichteten, ohne daß er Ersatzmänner stellen konnte. Erst nach sechs langen Jahren kehrte er, der zuletzt unter seinen Amtsbrüdern „Abgesetzte" und als der zuerst „Begnadigte" wieder in seine bischöfliche Residenz zurück. In einer wahrhaft rührenden und großartigen, dabei von jeder „Demon- stration" fernen Weife gab bei diesem Anlaß die Liebe und Verehrung der Diözesanen für den wiedergeschenkten Oberhirten sich kund. Der 17. Dezember 1883 wird allen Limburgern und Allen, welche diesen Tag in der Bischofsstadt an der Lahn mit erlebt haben, unvergeßlich bleiben. Aber seine Kräfte waren bereits gebrochen und schon vamals wurden Verhandlungen gepflogen über die Wahl eines Koadjutors; dieselben kamen aber zu keinem Ergebniß. Da der Selige selbst nicht "mehr in Folge seines Gesundheitszustandes die ganze Diözese firmen konnte, b ,t er 'die hochwürdigsten Herren Bischöfe von Fulda und Hildesheim um Aushilfe. Bereitwilligst firmten die Herren Bischöfe ganze Wochen lang in verschiedenen Theilen der Diözese und weihten 6 neue Kirchen ein. In der Bischofsstadt selbst spendete der Selige mit großer Mühe am Pfingstfeste den Firmlingen aus der Stadt und bc- Umgebung das heil. Sakrament. Schon imHochlommer mußte er sich eines Stockes bedienen, und >om Krankenlager aufstehend, übte er noch, Anderen als leuchtendes Beispiel, sein der Zustand bedenklich; auch im Privatzimmer konnte der hochwürdigste Herr die Messe nicht mehr lesen, und roirbe die oratio pro infirmo bei der heil. Messe eingelegt. — Ein Muster für Alle in feiner Frömmigkeit und seinem Wirken war er auf seinem Krankenlager das erbaulichste Vorbild der Geduld. Trauernd über den großen Verlust, fleht die Diözese nunmehr für die Seelenruhe ihres unvergeßlichen Oberhirten, an dessen 42jährige Regierung der mächtige Aufschwung derselben sich knüpft. R. I. P.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. Januar.
** Es war dieser Tage die Nachricht verbreitet, der Congostaat der „Afrikanischen Gesellschaft" solle eine monarchische Spitze habe t. Tie ,B. P.
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oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von ®. Wagner.
Seine Stimme hatte sich zu einer Stärke erhoben, die man an ihm nicht gewohnt war; es lag darin eine Festigkeit und Entschiedenheit, als h«be er ein positives Recht.
Lady Wolga's Blick war auf die Familienloge geheftet. Der Ausdruck der Hoffnung und Heiterkeit war aus ihrem Antlitz geschwunden und hatte dem der Mißstimmung und Enttäuschung Platz gemacht. Was hatte sie zu sehen erwartet? Welche Hoffnung hatte sie nach Mont Heron gebracht in einer so stürmischen Nacht? Sie begann zu denken, daß sie thöncht gewesen war, daß sie sich von einem Blendwerk hatte irreleiten laffen, und ihre Lippen zuckten im Unwillen über sich selbst.
Aber was war das? Ein beweglicher Schatten unter den andern Schatten da oben in dem Kirchstuhle? Vielleicht war es nur eine leise Bewegung eines GegenstandeL, in Folge eines Luftzuges entstanden; ober stand Jemand an dem mit reicher Verzierung versehenen Hintergrund der Soge?
Lady Wolga's Herz stand ll und mit angehaltenem Athem starrte ste.ch der Stelle, wo sie glaubte, etwas sich beroei gesehen zu haben, und ihre Augen suchten das Tkel zu durchdringen. Aber sie unterschied nichts, , dunklere und lichtere Stellen. Als sie merktoaß Lord Montheron über ihr seltsames Schwer und ihren begierig nach einer Stelle gerichtetejlick sich zu wundern begann, antwortete sie mi.arer, wie Glockenton durch die Kapelle schallen' Stimme:
„Sie sagen, daß Sieich als Ihre Braut betrachten, Mylord. Es wahr, daß ich Sie zu heirathen versprochen Hal aber nur unter einer Bedingung."
„Unter welcher Beding; ?" fragte der Marquis, durch ihr seltsameVesen in Verwirrung gebracht. „Sie trugen : auf, zum Beweise meiner Ergebenheit Lord Stford's Namen wieder herzustellen. Aber eine folcßebingung hat keinen Werth. Er war schuldig;h schwöre es. Sein Name kann nie wieder herjellt werden."
„Es muß sein! Es soll |!" rief Lady Wolga leidenschaftlich und ihr Blichweifte wieder nach jener Stelle. „Ich habe i auch nicht einen Augenblick, an meines Gai Schuld geglaubt, und seine Unschuld muß beifen werden!"
„Ihres Gatten? Sie vergeffen, daß Sie von ihm geschieden sind."
„Und Sie vergeffen, baß ich zu bieser Scheidung gezwungen wurde. Ich sage Ihnen, Roland Jngeflre, daß ich mit Freuden Heimath, Rang, Reichthum und Alles aufgeben und Lord Stratford folgen würde, wenn er am Leben wäre und mich noch liebte, nachdem ich ihm so lange falsch und treulos scheinen mußte I Lieber möchte ich das Weid dieses verstoßenen Märtyrers fein — dieses verkannten, unschuldigen Mannes, als die Braut eines Kaisers!"
Ein Laut wie ein halb unterdrückter Seufzer durchdrang den öden Raum. •
„War da« der Wind?" fragte dec Marquis.
„Es war der Wind, wenn es nicht die Geister der Ahnen dieses Hauses sind, welche auferstehen, um sich mit mir zur Rechtfertigung Lord Strat- ford's zu verbinden," sagte Lady Wolga feierlich.
Der Marquis erbebte und wurde bleich. Er hörte einige Sekunden auf den tobenden Sturm.
„Sie haben mir das Alles schon gesagt, Wolga," sprach er, plötzlich auf den abgebrochenen Gegenstand zurückspringend. „Gott sei Dank, daß Ihnen die Gelegenheit zu einem so thörichten Schritt nicht geboten wird. Wenn Lord Stratford jemals in England erscheinen sollte, wird er bald entdeckt