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M 301.

Mittwoch, dm 31. Dezember

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Ze,le oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

1884

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(Nachdr. »!ib.)

Lady Wolga's Augen suchten ihre junge Gesell­schafterin. Sie kam zu Alexa und begrüßte sie herzlich.

Dann wurde das Diner gemeldet und die Ge­sellschaft begab sich zu Tisch. Lord Montheron bot Lady Wolga seinen Arm und Lord Kings- court war gezwungen, da es an Herren fehlte, Mrs. Jngestre zu führen. Alexa folgte allein den übrigen Damen. Nach dem Essen kehrten die Herren und Damen in den Salon zurück, und nachdem hier der Kaffee eingenommen worden war, schlug Lady Wolga einen Besuch der Ruinen vor. Dieser Vorschlag wurde angenommen und sogleich ausgeführt. Mäntel und Shawls wurden für c?" ökbrackt zum Schutz gegen die Ein« stuffe des Temperaturwechsels, und die Gesellschaft brach nach den Ruinen auf.

Der Weg über den Hof war überdacht, die feuchten Steine mit Matten bedeckt, Lichter und Fackeln verbreiteten fast Tageshelle. Die Beleuch« tung der Ruinen war höchst effektvoll. Jeder Raum und jeder Gegenstand zeigte sich in einem seiner ursprünglichen Bestimmung angemeffenen Lichte.

Lord Montheron war der Führer. Er gab ausführliche Erklärungen über Alles, was ihm einigermaßen von Wichtigkeit schien. Er öffnete eine verborgene schmale Thür und führte seine Gäste in ein geheimes Zimmer, wobei er eine lange Geschichte erzählte von einem früheren Be­sitzer des Schlosses, welcher sich hier ausgehalten habe, während seine Feinde weit und breit nach ihm suchten.

Das Zimmer wurde aufnierksam besichtigt, be­sonders Lady Wolga zeigte ein lebhaftes Interesse für dasselbe.

„Diese alten Räume haben seinerzeit manches Geheimniß geborgen/' erklärte Lord Montheron. „Die Herons von Mont Heron haben hier seit beinahe acht Jahrhunderten gewohnt. In den

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oder

Feudal- und Kriegszeiten ist hier Mancherlei pasyrt. Große Truppenansammlungen fanden auf dem Hofe oder in der Halle statt, Turniere wur­den abgehalten, Gefechte wurden geliefert, die mit Sieg und Niederlagen endeten. Erst vor zwei Jahren entdeckten wir ein Gefängniß unten in der Gruft, aber Niemand kannte die damit zusammen­hängende Legende, wenn je eine solche existirt haben sollte."

„Mir ist, als hätte ich von einem geheimen Zimmer in Mont Heron gehört," bemerkte Lady Markham nachdenkend, „wo ein Cavalier des Hauses sich Wochen lang aufhielt, während das Schloß von seinen ihn suchenden Feinden besetzt war."

„Dieses Zimmer, welches als Cavalierversteck bekannt ist, liegt irgendwo hier unten oder in der Nähe der Kapelle," 'entgegnete der Marquis. „Ich weiß aber nicht, wo es ist oder ob es über­haupt existirt. Es heißt, daß jeder Marquis dieses Hauses das Gcheimniß auf seinen Sohn und Erben übertrug. ' Wenn ein solches Gemach wirklich existirt, mag mein unglücklicher Vorgänger dasselbe gekannt haben, aber ich glaube nicht, daß er Jemandem ckwas davon sagte. Mir wenigstens hat er nichts gssagt — freilich konnte er damals nicht an die Mözlichkeit denken, daß ich sein Nach- folger werden wirde."

| Lady Wolga ging voran.

Das fröhliche Lachen und das heitere Ge­plauder verstummte, als die Gesellschaft die Schwelle überschritt und nun in dem matterleuch, teten Bethaus stand. In den Nischen, unter Altar und Kanzel lagen gespenstische Schatten und manches Mitglied der Gesellschaft beschlich ein heimliches Grauen.

Die jüngeren Damen drängten sich zusammen und sprachen flüsternd; Lady Wolga aber schritt den Seitengang entlang, blieb bei Mn 9nti*r stehen und sah sich prüfend ,m. >

„Viele Generationen der Herons gebetet!" sagte Le, und ihre Stimme, gehobener als gewöhnlich, drang hallend du. den leeren Norm. „Die Kapelle sollte eigentlich nicht zu den Ruinen gezählt werden. Wir pfleg­ten hier an regnersschen Sonntagen und im Winter Gottesdienst zu halten; es war damals Alles in gutem Zustande."

„Das ist es auch jetzt noch; doch wird hier kein Gottesdienst mehr abgehalten," erwidene der M»rq»is „Kein Diener betritt gern diesen Platz, sie glasen, daß es hier spukt."

„Sprkt! In einer Kirche!"

„Du Dienstboten sind unwissend und aber- gläubish.^ Da sie meinen, es spuke in den Ruinen, dehnen sie den Bann auch auf die Kapelle aus, vielleiyt weil man, wenn man vom Schlosse aus in he Kapdlle will, die Ruinen passiren muß. Wr halten fitzt keinen Kaplan. Wir gehen zum G ltesdieNst hinunter in di» Dorskirche, welche vo» den Montherons erbaut ist, wie Sie wissen. Dock siezen auch die jüngeren Mitglieder der Fanllie begraben."

heimniß schien ih' jetzt von der größten Wichtig keit für sie zu sen. a

«Und Sie ha'en keine Idee, wo das Cavalier­versteck ist?" frcate Lady Markham bedauernd.

„Rein. Die Geschichte ist vielleicht nur eine

Sage," antwortete der Marquis.

„Lassen Sie uns in die Kapelle gehen," mahnte eine junge Dame.

Auf dunklen Wegen.

Roman von 6. Wagner.

Sechs Damen stiegen aus dem geräumigen Gesellschaftswagen, und die letzte von ihnen war Lady Wolga. Sie eilte leicht die Stufen hinauf und schien des Marquis angebotenen Beistand nicht zu bemerken. In der Halle blieb sie stehen, grüßte ihn höflich und folgte dann den andern Damen in das Garderobezimmer.

^ls sie etwas' später als ihre Gäste in den Salon trat, war der Marquis erstaunt über ihre

wundervolle Erscheinung. Stets bezaubernd in ihrer südländischen Schönheit, glich sie heute einem Stern. Aus ihren Augen leuchtete ein ungewöhn­liches Feuer und ihre Züge belebte eine seltsame Weichheit, welche den Stolz und die Kälte der­selben fast ganz verdrängte. Es schien sie eine Heiterkeit und Hoffnung zu beseelen, die Niemand an ihr bemerkt hatte seit der tragischen Begeben- heit zu Mont Heron. Sie war gesprächiger als gewöhnlich, hingebender und inniger. Es war, als ob das Feuer, welches seit Jahren auf dem Altar ihres Herzens niedergebrannt schien, plötz­lich zu neuer Gluth angefacht wäre.

Alexa beobachtete das Eintreten ihrer Mutter und das fast aufdringliche Benehmen Lord Mont- heron's gegen dieselbe mit Eifersucht.

„Sie sieht aus, als ob irgend ein unerwartetes Glück über sie gekommen wäre," dachte das Mädchen. „Es muß sein, weil sie den Marquis liebt. Nichts als Liebe konnte sie bei diesem Wetter hierher führen."

Ihr liebliches Gesicht verfinsterte sich. Wenn Lady Wolga Roland Jngestre liebte und hei- rathetete, würde ihr etwaiger Erfolg doch noch von Bitterkeit begleitet sein.

„W.e könnte mein Vater es jemals ertragen, sie mit ihm verbünde, zu sehen?" fragte sich Alexa. „Ec würde lieber sterben, als sie als j

Gattin eines Andern sehen. Und doch ist sie nicht meines Vaters Weib. Sie ist geschieden, । imtr-rsim er heute i-t ferne Nechre eingesetzt hätte er doch keine Rechte an sie. Und wenn er ..... H™uulq nOm -wecrmama er,Wien teme Rechte hat, habe ich auch keine. Ich würde Wie sie nun wüischte, es zu wissen' Dieses Ge-

dre Dame, welche von meinem Vater geschieden 1 -iC - ■ ■ ■ 8 ■ " - '

ist, NI als meine Mutter anerkennen!" und ihre Augen funkelten. „Nie! Es ist eine Kluft zwischen ihnen, jie nicht überbrückt werden kann; und ich bin auf meines Vaters Seite."

Lady Wolga's Wanc en erblaßten. Sie wußte, daß das Geheimriß von dem verborgenen Zimmer ihrem Gatten mtgefheilt worden war. dock' Kott­er sie nicht in sc n Vertrauen eingeweiht,etz ihm weder nothnendig noch zweckmäßig erschien

Manch gülden Krönlein, ach, vielleicht verfällt's Der Zeiten Strömung schon im nächsten Jahre; — Nicht so das Lhristenthum; der Kimmel hält's' Und bietet Schutz dem heiligen Altäre.

Ihr Feinde, die ihr's zu vernichten droht, D glaubt es mir, es überlebt euch alle; Es ist erhaben über Staub und Tod Und alle Welt ist seine Ruhmeshalle.

Zur Jahreswende.

' (Nachdr. verboten.)

Das alte Jahr, es stiehlt sich langsam fort, Fort aus der Menschen lebensfrohem Kreise;

Dort schleicht es langsam hin, seht, Freunde, dort, Zur alten Ahnengruft nach Geisterweise; Mit eingesunk'nen Augen, bleich und hohl, So schleicht's hinab in mitternächt'ger Stunde, Und flüsternd geht ein letztes Lebewohl Und donnernd ein Glückauf von Mund zu Munde. Des wandelbaren Prüfstein ist die Zeit, Und wie's auch immerhin sich mag gestalten, was göttlich ist, genießt Unsterblichkeit, was irdisch, muß vergehen und veralten. Des Alters würde ist des Linen Zier, Die Zahl der Jahre ist der Spott des Andern; Das Line ehren und, hewundern wir, Vas And're stirbt und muß zu Grabe wandern.

Der Greis, dem's weiße haar die Stirne schmückt, wird stolzer nur, je mehr die Jahre fliehen, Und der, dem hundert Mal die Fahrt geglückt, wie läßt der Seemann kühn die Segel ziehen I Ls fragt, wer eine Fürstenkrone trägt, Db ,hr die Vorzeit Glanz und Ruhm verleihe- Sogar der Fels, an den die Brandung schlägt Zeigt stumm auf seiner Jahre stolze Reihe.

So manches Llend und so manches Glück, Man trug es fort auf einer Todtenbahre' wer aber schaut im Sturm der Zeit zurück Auf tausend und auf abertausend Jahre? Ls ist das vielverfolgte Lhristenthum, Die Dornenkrone und das ■

Sie stehen ein firn da tfiif rhrM '?fubm Und finden nirgend, nirgend ihres Gleichen.

Ist das ein Menschenwerk, ein Ding der Zeit? <D fragt euch doch, ihr glaubenslosen Spötter, Schaut hin auf dieses Werk der Ewigkeit ' Und fragt auch dann: wo find denn uns'r e Götter? wo ist in aller Welt ein Steuermann Und wo ein Schiff auf irgend welchen Meeren Das sich mit Petri Schifflein messen kann An Schmuck des Alters, Stürmen, Glanz und Lhren?

Wer sich auf Petri Felsenwort verläßt, Der braucht zu zittern nicht und nicht zu weichen; wir steh'n auf Felsengrund, — wir stehen fest, Ja fester noch als selbst die deutschen Lichen. So brause denn heran, du Zeitensturm, Bring' alle Wetter, Sonnenschein und Blitze, Wir schauen fest nach unferm Felsenthurm Und nach dem Kreuze dort auf seiner Spitze.

Die Nacht entflieht, es kommt der lichte Tag, Das neue Jahr hat hoffnungsvoll begonnen;

, Nun frisch an's Werk, und wie's auch gehen mag, Nur zu, — die Zeit ist kurz und bald zerronnen. Dem Künstler, der nach hohen Zielen strebt, Dem Fürst, dem Priester auf den Dornenwegen Und dem, der von der bfände Arbeit lebt, Zum neuen Jahr euch Allen

Glück und SegenI D.