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Mittwoch, den 31. Dezember F gyg %

Vie »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — m t d-r belletristischen WochenSeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Ml. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Erstes Blatt.

„Profit Neujahr"!

** Nur noch wenige Stunden — und wiederum ist ein Jahr gesunken in'ö Meer der Vergangen­heit. Ein ernster und wichtiger Augenblick, wo sich das alte und neue Jahr die Hände reichen! Ein neues Jahr beginnt, — was wird es uns ' bringen? Dunkel liegt die Zukunft vor uns aus- gehr'itet. Noch sind wir fröhlich bei einander. Werden wir's über's Jahr auch noch sein? - Ein Jahr ist eine kurze, eine lange Zeit! Dem Glücklichen geht's zu schnell vorüber, und wer Unglück erduldet, ihm wird's zur Ewigkeit.

Schaue zurück auf's verflossene Jahr! Wie viel Jammer, Elend und Glück wird mit ihm zu Grabe getragen! Wie viel Todte werden betrauert, und wie Manche wünschen sich noch einmal an die Schwelle des Jahres zurück. Wie manche freuen sich, daß sie dieses leiden- und sorgenvolle Jahr hinter sich haben!

Wie der Politiker über das verflosiene Jahr und über die Zustände an der Schwelle des neuen Jahres denkt, haben wir erst dieser Tage in unserem Weihnachtsartikel näher ausgeführt. Wir wollen das Gesagte noch einmal kurz zusammen­fassen: Deutschlands äußere Politik hat Fort­schritte, die innere dagegen Rückschritte gemacht. Deutschland ist tonangebend im europäischen Kon« Frieden durch das deutsch-österreichisch-russische Bündniß zu festigen. Auch hat er es verstanden, , den Plan einer französisch-russischen ■ Allianz zu zerstören, England zu isoliren und durch die west­afrikanische Konferenz etwaigen Konflikten der an der afrikanischen Beute betheiiigten Mächte vorzu­beugen. Dagegen sind die Bilder, welche die innere deutsche Politik, namentlich der aussichts­lose Kampf zwischen dem Reichskanzler und der katholischen Kirche uns vor Augen führt, so be« "trübend daß sich die Summe der lctztjährigen Er­fahrung in die Worte fasien läßt: Wir wissen nicht, wie wir aus dem Sumpfe der Zwietracht, des Parteihaders und des Gegensatzes, in welchem sich der leitende Staatsmann zur großen Mehrheit des Volkes befindet, herauskommen sollen. Das vergangene Jahr hat manche Hoffnung unerfüllt gelassen und nichts dazu beigetragen, das deutsche Volk aus dem Wirrwarr und der Unzufriedenheit herauszureißen. Im Gegentheil, es hat die innere Lage nur noch bedenklicher gemacht.

Zum Glück für die Menschheit hat eine allweise und allgütige Vorsehung das menschliche Gemüth so geschaffen, daß es auch in der bedenklichsten Lage sich gern an die Hoffnung klammert, es könne und müsse bald eine Aenderung zu Bessern eintreten. Und wo fände dieser Zug des Menschen­herzens eine beffere Handhabe als im Beginn eines neuen Jahres ? Glaubt man doch mit dem neuen Jahre müsse auch einen neue Aera besserer Zustände in gar mancherlei Hinsicht eintreten. Der Mensch hängt so sehr an äußeren Dingen, daß er sie gern mit dem innersten Wesen mancher Er­scheinungen in einen causaien Zusammenhang bringt, als ob er sich bewußt oder unbewußt eine angenehme Täuschung zurecht machen wolle. Andererseits ist aber auch nicht zu verkennen, daß oft äußerliche Ursachen bestimmend sind für das innere Leben und Weben der Menschenseele. Mit dem neuen Jahre, neuer Muth, neue Vorsätze, neues LebenSo geartet bedarf der Mensch stets r^V^nregunQetL aber finden sich haupt­sächlich in den Abschnitten der Zeit, -heißen sie Stunden, Tage, Wochen, Monare, Jahre. Mit der neuen Lonne hat man einen Grund gefunden,

das Unangenehme in den Schooß der Zeit zu be­graben und zu versuchen, ob dieses oder jenes nicht besser gelingen müsse. Man findet sich da­durch in eine neue Sphäre gerückt, und es thut dem Menschen unendlich wohl, sich in einer neuen Sphäre zu bewegen. Er befreundet sich so leicht und schnell damit, daß er schon nach kürzester Zeit nicht mehr begreift, wie ihm das Alte noch erträglich sein konnte. Es ist ein wechselvolles sonderbares Leben. —

Nur noch wenige Stunden —; man ist ver­sammelt in trautem Kreise; auch der Sylvester­abend geht rasch vorüber, und die Mitternacht ist schon zum Greifen nahe. Jetzt noch einige Minuten, — Sekunden! Ein Schlag — und das neue Jahr hat begonnen. „Prosit Neu­jahr"! ruft's von allen Ecken und Enden, und auch wir wünschen unfern Lesern und Mitarbeitern ein kräftiges »Profit Neujahr"!

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Dezember.

• Der Kaiser und die Kaiserin empfangen am Neujahrstag früh 93/4 Uhr die Mitglieder der königlichen Familie zur Gratulation und wohnen dann mit denselben dem Gottesdienste im Dom bei. Die Personen des Hofstaats erscheinen um lls/4 Uhr zur Gratulation, .um 12 Uhr die Ge­neräle und Kommandeure der Leibregimenter, um 121/-? U-hr die landsäjsigen Fürsten und Fürstin-

ä 1 4.11)1 01^ C. »lftfEv tü vt.* -s U sident res evangelischen Oderkirchenraihs, um l1/» Uhr die Botschafter.

* Der .Reichsbote' sucht dem Ceütrum in Sachen des zweiten Direktorpostens im Auswärti­gen Amte wie folgt einzureden:

.Ob es wahr ist, daß das Centrum auch bei der 3. Lesung wieder stramm mit N e i n stimmen wird, bezweifeln wir noch. Wenn es sich aber in seiner oppositionellen Verblendung doch dazu fortreißen ließe, 'so würde seine Jsolirung in einem für dasselbe sehr verhängnißvollen Lichte vor ganz Deutschland aufleuchten — einem Lichte, vor welchem auch das katholische Volk schwerlich länger die Augen verschließen könnte.

Der ,Reichsbote' möge sich trösten. Was das Centrum thut, antwortet ihm die ,Germ.', geschieht im Einverständniß mit seinen Wählern, weil es in diesen wurzelt. Das Centrum kennt die «Stirn« mnng des katholischen Volkes sehr gut, das haben die Wahlen seit dem Bestände des Reiches noch immer bewiesen. Wie das Centrum in dritter Lesung stimmt, wird der Verlauf der Debatten und das Gewicht sachlicher Gründe ergeben.

** Gegenwärtig geht durch die katholische Presse die Mahnung, eine katholische Reichsfecht­schule nach dem Muster der u'-ceimaurerischen Reichsfechtschule zu gründen, u d e Dringlichkeit dieses Planes erfordert es abee, daß baldigst vereinigend in diesem Sinne vorgegangen werden würde, nämlich durch Vereinigung von Gesell­schaften wie Familien; durch zweckdienende Unter­bringung von Sammelbüchsen, sowohl in Gast- wie Kaffeehäusern; durch Bekanntmachung solcher Personen oder Vorstände, welche als Annahme­stellen gelten für von der Jugend gesammelte Papierstreifen, Eisenbahn- rc. Karten, Bleikapseln, Stahlfedern, Bindfaden rc. rc. Sollte indessen nicht auch die aus der gemeinsamen Bekämpfung,. einer die deutsche Sprache und Schrift verunzie­renden fremdwörterlicher Beimischung zu erzie­lende Strafe von 5 Pfg. für jedes „Fremdwort" der katholischen Reichsfechtschule zu Gute kom­men können? Dieser letztere Gedanke dürfte sich ganz -besonders für die Erbauung eines katholischen Reichswaisenhauses oder Rettungshäuser verschie­dener Art, als durchgreifendes Mittel erweisen, wenn nicht sogar die, von dem freimaurerischen

Reichsfechtverein gesammelten Gelder in Höhe von M. 296,499,32 noch überflügeln! Herr General­postmeister Stephan in Berlin dürfte ein solcher Bundesgenosse in seiner Sprachenvereinigung von 15 Millionen deutscher Katholiken sein. SW

* Der Minister für Geistliche-, Unterrichts- rc. An­gelegenheiten v. Goßler erläßt folgende Bekannt­machung: Zur Ausbildung von Turnlehrerin­nen wird im Jahre 1885 ein dreimonatlicher Kursus in der Königlichen Tucnlehrer-Bildungsanstalt zu Berlin abgehalten werden, und ist Termin zur Er­öffnung desselben auf Mittwoch, den 8. April k. I., anberaumt worden. — Die Anmeldung muß spä­testens bis zum 20. Februar k. I. erfolgen, und zwar seitens der in einem Lehramte stehenden Be­werberinnen durch die vorgesetzte Dienstbehörde seitens der andern unmittelbar.

* Die Angelegenheit wegen Verzollung der Petroleumfässer wird die Bundesralhsaus- schüffe alsbald nach den Ferien beschäftigen. Aus Hamburg und Bremen hört man, daß sich die betheiligten Kreise bemühen werden, beim Bundes­rath durchzusetzen, daß, falls nach dem Anträge Preußens die Verzollung der Fässer eintritt, eine Rückerstattung des Zolles für die wiederauszu« führenden Fässer erfolgt, und daß auch ein ange­messener Termin zur Ausführung der Verord­nung beliebt werden möchte.

* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht die fol­gende Bekanntmachung des Ministeriums der geist- Wen rc rc. Angcleaenheiten vom 13; d. M.: Unter Beöuä^r'.DNg" oer in 'oi-rf preisen mehrerer Droguen und . m i» kalien eingetretenen Veränderungen uns der hierdurch nochweudig gewordenen Aenderung in den Taxpreisen der betreffenden Arzneimittel habe ich eine Revision der Arzneitaxe angeordnet und hiernach eine neue Auflage derselben ausarbeiten lassen. Die demgemäß abgeänderte Taxe',, tritt mit dem 1. Januar 1885 in Kraft und enthält wiederum im Anhänge Vorschriften zur Bereitung einer Anzahl gebräuchlicher, in die Pharmacopaea Germanica nicht aufgenommenen Arzneimittel, wie solche bei der Festsetzung der für diese Arznei­mittel ausgeworfenen Preise maßgebend gewesen sind.

* Aus der westfälischen Mark wird der ,Germ.' geschrieben: Weit über ihre Grenzen hin­aus ist unsere industrielle Gegend bekannt, wenn auch gerade nicht zu ihrem Vortheile, wegen ihrer Vergnügungs- und Genußsucht, die sogar soweit geht, daß sie in der geschlossenen Zeit noch keinen Halt findet, wegen ihrer Manie für Stif- tungs- und andere Feste in den hier zahlreichen Gesang- und Kneipvereinen, Liedertafeln u. s. w. Will es in irgend einem Restaurant nicht recht ziehen, dann stiftet der industrielle Hospes so ein „Vereinchen". Die Leichtlebigkeit und Genuß­sucht der Arbeiterbevölkerung, die leider sehr häufig nicht daran denkt, sich einen Nothpfennig zurückzu­legen, selbst wenn sie es kann, kommt ihm dabei zu Statten. Allgemach wächst der Verein heran und hilft dem Hospes auf die Strümpfe, wie man so zu sagen pflegt. Dessen Hazipt-Erntetage aber sind die Stiftungsfeste. An diesen hat er ein ganz besonderes Wohlgefallen und natürlich der Verein desgleichen. Bald genügen sie nicht mehr und müssen sonstige Anlässe zu Festivitäten und Gelagen herhalten. Das Gelage, das Fest trink en ist für den aufmerksamen Wirth natürlich die Hauptsache. Ersieht es sehr gern, daß Mancher sich fest trinkt. Die obligaten Festbälle dürfen dabei auch nicht feh­len, auch in der geschloffenen Zeit nicht. Gegen­wärtig haben wir geschlossene Zeit und sie dauert bis zum 6. Januar, dem hl. Dreikönigs-Feste ein­schließlich. Man beschaue nur die Annoncen der