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Dienstag, dm 30. Dezember

1884

Fuldm

eitung

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Die »Fulda« Zeitung «scheint täglich. Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlich« Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfa — m t d-r belletristischen Wochenbeilage ,Sterne «n» Blume«' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Ml. 75 Pfg.

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Ansprache

Seiner Heiligkeit Papst Leos XIII.

an das Kardinals-Kollegium am 24. Dez.

Auf die Beglückwünschung durch den Dekan des hl. Kollegiums, Kardinal Sacconi, antwortete der hl. Vater mit folgenden Worten:

Die jährliche Feier der Geburt des Erlösers, deren die ganze Kirche sich erfreut, erweckt auch in Uns lebhafte Freude. Ganz besonders angenehm sind Uns die Glückwünsche, welche Sie, Herr Kar­dinal, zum ersten Mal im Namen des hl. Kol- leziums Uns dargebracht haben. Diese Freude würde für Uns eine noch ungetrübtere und größere sein, wenn dir Zeiten weniger traurig für die Kirche wären und die Leitung der Kirche weniger schwierig. Den sichersten Beweis für diese Schwie­rigkeiten bietet Unsere gegenwärtige Lage, welche Wir immer als unerträglich bezeichnet haben, und die sich immer unerträglicher gestaltet, wie die unter unseren Augen sich abspielenden Vorgänge bekunden.

Das seinem Ende sich zuneigende Jahr hat, wie Sie, Herr Kardinal, betont haben, deutlich gezeigt, daß der Papst nicht ein Mal niehr in seiner Stadt Rom das Recht der freien Bethätigung der christ­lichen Nächstenliebe besitzt. Jeder weiß, mit wel­cher Wuth ein großer Theil der Preffe gegen die von Uns bekundete Absicht, in der Nähe des Vati­kans auf Unsere Kosten ein Cholera-Hospital zu errichten, falls die Nolhwendigkeit dazu sich Heraus­stellen sollte, sich wandte-. Jeder erinnert-sichi mit welchen Insinuationen und böswilligen Interpre­tationen man diesen Akt zu mißdeuten, mit welchen Kunstgriffen nnd Drohungen man die Ausführung desselben zu verhindern suchte. Wenigstens hat man Gelegenheit genommen, Uns ganz das Bittere der neuen Ordnung der Dinge, welche den Papst in die unwürdige Lage eines einfachen Privat­mannes gebracht haben, empfinden zu laffen.

Aber das ist noch nicht alles, es gibt noch Schlimmeres. Unter großem Bedauern und tiefem Schmerz sehen Wir, mit welcher Frechheit die Sek- ttrer ihre häretischen Lehren offen und ungestraft verbreiten und die hehrsten und heiligsten Glau­benswahrheiten unserer Religion selbst hier in Rom, dem Mittelpunkt des Glaubens, dem Sitz des all­gemeinen, unfehlbaren Lehramtes der Kirche, an­greifen, hier, wo die Unversehrtheit des Glauben«

in ganz besonders wirksamer Weise beschützt, die Ehre der allein wahren Religion gewahrt werden müßte. Es zieht Uns das Herz zusammen, wenn Wir sehen, wie unter dem Schutz der öffentlichen Gesetze die Tempel der Häretiker fick vermehren, und wie es erlaubt ist, hier in Rom die schönste und werthvollste Einheit Italien«, die der Religion, offen anzugreifen, Dank den wahnwitzigen Anstreng­ungen jener, welche die gottlose Mission zu haben wähnen, in Italien eine neue Religion zu gründen, welche nicht auf dem durch Jesum Christum als unzerstörbares Fundament feines himMttjchm Baues gesetzten Ecksteine ruht. "

Und neue, noch schwerere Belewigür^en der Religion Christi haben Wir zu befürchten. Man hat abermals dem Parlament das Gesetz über die Ehescheidung vorgelegt, ein Gesetz, welches in mehreren Fällen die Lösung de« Ehebunde« ge­stattet; ein Gesetz, entgegen dem von Gott den Menschen beim Anbeginn der Welt gegebenen Gebot: „Was Gott zusammen gefügt, soll der Mensch nicht trennen;" das in offenem Wider­spruch steht mit der Lehre Christi, des allgemeinen Gesetzgebers, und mit den seitens der Kirche hin­sichtlich der Ehe getroffenen Anordnungen; ein Gesetz, welches in diesem großen Sakrament nicht jene erhabene Würde erkennt, zu welcher Jesus Christus es erhoben hat, sondern es herunter drücken will zu einem einfachen bürgerlichen Ver­trag; ein Gesetz, welches die Frau herabsetzt und erniedrigt, die Erziehung und Wohlfahrt der Kinder ■ g-fährdet, welche« zerreißt -und löst die Bande der häuslichen Gesellschaft, Zwietracht unter die Fa­milien säet, ein Mittel der Korruption der öffent­lichen Sitten ist, und für die Staaten den Anfang eine« verderblichen Verfalle« bedeutet. Thatsäch- lich haben die in der letzten Zeit gemachten so bittern und unheilvollen Erfahrungen sogar die Urheber der Ehescheidung selbst genöthigt, in ihren Gesetzbüchern die Unauflöslichkeit der Ehe wieder herzustellen. Wenn trotzdem die Forderung der Secten und die Wünsche der geheimen Gesell­schaften sich verwirklichen sollten, würde man ein den katholischen Grundsätzen so widerstrebendes Gesetz veröffentlicht sehen in dieser Stadt Rom, von welcher aus allein ausgehen und sich ver­breiten muß über die ganze Christenheit das reine Licht der offenbarten Wahrheit und der Glanz des katholischen Glauben«. Wenn es Gott ge­

fällt, von Italien ein so großes Unglück fern zu halten, werden Wir Ihm im Gefühle tiefster Innigkeit danken; aber Wir können nicht umhin, die schwersten Befürchtungen zu hegen, so lange die augenblickliche Lage andauert. Die an sich der Würde und der Unabhängigkeit des Papstes zuwiderlaufende gegenwärtige Lage muß sich, in­dem man die Freiheit der römischen Bischöfe in Ausübung ihrer obersten Gewalt verletzt, noth- wendigerweise bei jeder Gelegenheit als eine solche bekunden, welche das immer steigende Gewicht einer fremden Herrschaft fühlen läßt, und der katholischen Welt immer deutlicher die Unmöglich­keit klar macht, sich einem solchen Stande der Dinge zu fügen und sich ihm gegenüber gleich­gültig zu verhalten.

Der menschgewordene Sohn Gottes, welcher als Kind den Verfolgungen der Gottlosen entging und durch seine göttliche Tugend das Angesicht der Erde verwandelte, wird gewiß nicht ermangeln, seiner bedrückten Kirche zu Hülfe zu kommen und die Lage seines unwürdigen Stellvertreters zu verbessern. Sache der Katholiken der ganzen Welt ist es, durch beharrliches Gebet und vor allem durch einen ganz christlichen, dem Glauben und den von ihnen bekannten Gesetzen ganz entsprechen­den Lebenswandel den Eintritt der göttlichen Hülfe zu beschleunigen.

Mit derartigen Empfindungen erwidern Wir von ganzem Herzen die Wünsche des h. Colle­giums. Als Unterpfand der überfließenden Gnade de« Himmels ertheilen Wir freudig unb »xwr ganz besonderen Zuneigung allen Mitgliedern W h. Collegiums, den Bischöfen, Prälaten und allen | anwesenden Personen den apostolischen Segen.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Dezember.

* Der Reichskanzler, welcher die Gelder für den Direktorposten nicht annehmen zu können er­klären lliß, soll sie doch erhalten und zwar in Form eines „nationalen Ehrengeschenke«", wie ein Äomit6 in Witten plant. Dir'''Köln. Ztg.' theilt mit, es seien dem Äomite bereits auslflehr als fünfzig größeren deutschen Sttzdten, baweter Leipzig, Stuttgart, Worms, Ulm, Berlin, Kassel, Hamburgs Lübeck und fast sämmtlichen Städten Rheinlands und Westfalens, zustimmende

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Auf dunklen Wegen.

Roman von 6. Wagner.

Der enorme Werth der Steine, die Thatsache, daß er sie hier verbarg, seine Heimlichkeit und sein ängstliches Wesen — dies Alles bewies, daß er nicht rechtmäßig in ihren Besitz gekommen war.

Er schüttete die Steine aus, ließ sie durch seine Hände gleiten und geberdete sich wie ein Geizhals, der seine Schätze durchwühlt. Endlich nahm er einen Stein aus der Sammlung, steckte ihn in einen kleinen Lederbeutel und verbarg diesen aus^ der Brust. . Dann versenkte er das Kästchen wieder und setzte die Figur wieder darauf.

Alexa wartete nicht, bi« er damit fertig war, sondern stieg so rasch wie möglich, aber doch ge­räuschlos, die Treppe hinauf und begab sich auf ihren Platz in der Loge zurück. Sie hatte Zeit genug sich zu fassen, ehe Renard kam, und auch Zeit über das Geschehene nachzudenken. Sie be­griff, warum Re.iard.zu dieser Zeit die Ruinen besuchte. Wahrscheinlich hatte sein Herr ihn von

seiner am nächsten Morgen bevorstehenden Reise in Kenutniß gesetzt, und da die Ruinen nun ge­säubert und später von den Besuchern besichtigt wurden, bot sich ihm vielleicht keine.so günstige Gelegenheit wieder, die Gruft zu besuchen.

Sie wußte, von Dem, was sie gesehen und gehört hatte, daß er verschwenderisch war und ein Vergnügen darin fand, recht viel Geld auszu­geben. Wahrscheinlich verkaufte er nach und nach diese Diamanten, um sich das Geld zur Befrie­digung seiner Leidenschaften zu verschaffen. Den Rest der Steine aber ließ er in dem sicheren Ver­steck zurück,, bis die Zeit für ihn gekommen war, ihn ganz wegzunehmen und anderweitig in Sicher­heit zu bringen.

Blut wallte heftig, als sie sich vergegen­wärtigte, wie piel ihre Entdeckung werth war. Sie bedeutete für ihren Vater Sicherheit, Wieder- einsetzung in firne rechtmäßige Stellung, vielleicht gar Wiedervereinigung mit seiner geschiedenen Gattin, um welche der jetzige Lord Montheron so beharrlich warb.

Was aber.sollte sie thun? Vor allen Dingen wollte sie ihren Vater sehen und ihm ihre wichtige Entdeckung mittheilen. Die Behörden konnte sie nicht davon benachrichtigen; sie war an Lhweigen

gebunden, bis ihr Vater sie ihres Versprechen« enthob. Dann stiegen aber auch in ihr Zweifel auf, ob Renard's Schuld als unbedingter Beweis von, ihres Vaters Unschuld angesehen werden würde. Konnten sie nicht als Verbündete ange- sehen werden? Konnte nicht Renard seinen Besitz der Diamanten in einer erleuchtenden Weise recht­fertigen? War der Besitz der Steine ein unbe­dingter Beweis, daß er seinen früheren Herrn, den er haßte, ermorbert hatte?

„Mein Werk ist noch nicht vollenbet," dachte sie seufzeub. „Es ist ein guter Anfang, aber ich habe noch eine schwere Arbeit vor mir. Ich will noch hier bleiben und das so lange ver­schlossene Schlafzimmer des ermordeten Marquis besichtigen. Wenigstens habe ich mich von der Schuld Renard's überzeugt, und ich werbe nicht ruhen, bis ich bis ganze Welt ebenfalls bavou überzeugt habe!"

Schleichenbe Tritte verkünbeten ihr, baß Re- narb aus ber Gruft zurückgekehrt war. Eine große Angst bemächtigte sich ihrer. Wenn er sie .hier fanb, würbe er sie sicher tosten. In ihrer Furcht kroch sie hinter ben Sitz, wo es so bunkel war, daß sie nicht so leicht bemerkt werden konnte; und bas war ihre- Rettung.